mini|300px|Lage Osttimors

Die Geographie Osttimors wird durch seine Lage im Übergang von Asien zu Australien geprägt. Osttimor ist das einzige Land Asiens, dessen Staatsgebiet komplett südlich des Äquators liegt. Das Territorium umfasst nicht nur die östliche Hälfte Timors, sondern auch die Exklave Oe-Cusse Ambeno, welche an der Nordküste des indonesischen Teils der Insel gelegen ist, sowie die beiden kleinen Inseln Atauro und Jaco.

Lage und politische Grenzen mini|In den Bergen von Osso Huna

Die Insel Timor gehört zum östlichen Teil des malaiischen Archipels und zählt zu den Kleinen Sundainseln. Im Nordwesten der bergigen Insel liegt die Sawusee, nördlich die Bandasee, und südlich dehnt sich die Timorsee 500 km bis nach Australien aus. Die Timoresen nennen die raue Timorsee Tasi Mane, das Männermeer, während die ruhigen Gewässer nördlich der Insel als Tasi Feto, das Frauenmeer, bezeichnet werden.Maeve McCusker, Anthony Soares Soares: Islanded Identities: Constructions of Postcolonial Cultural Insularity. 2011, ISBN 978-90-420-3406-8, S. 170. Bereits fünf Kilometer von der Nordküste entfernt fällt der Meeresgrund auf eine Tiefe von ab. Während des Kalten Krieges konnten daher amerikanische Atom-U-Boote unentdeckt die Straßen von Ombai und Wetar passieren. In der Timorsee erstreckt sich südlich der Insel der schmale Timorgraben mit einer Tiefe von bis zu 3300 m.

Osttimor nimmt die gesamte östliche Hälfte Timors ein. Die Exklave Oe-Cusse Ambeno liegt an der Nordküste des indonesischen Teils der Insel. Nördlich von der Hauptstadt Dili befindet sich in Sichtweite die Insel Atauro. Die unbewohnte Insel Jaco liegt vor der Ostspitze Timors. Mit einer Gesamtfläche von 14.918,72 km²Direcção-Geral de Estatística: , abgerufen am 23. November 2016. ist Osttimor etwas kleiner als Schleswig-Holstein oder die Steiermark. Die Hauptlandmasse ist 260 km lang und bis zu 80 km breit. (Englisch; PDF-Datei; 1,87 MB), abgerufen am 25. September 2012. Mit der Exklave und den zugehörigen Inseln beträgt die maximale Ost-West-Ausdehnung 364 km, die maximale Nord-Süd-Ausdehnung 149 km., abgerufen am 5. Mai 2013. Osttimors Küstenlinie hat eine Länge von 783 km. (PDF; 3,7 MB) Sie ist umgeben von Korallenriffen.

Die Landgrenze zu Indonesien ist insgesamt 228 km lang. Umstritten waren zunächst die Zugehörigkeit der kleinen unbewohnten Insel Fatu Sinai (Pulau Batek), 37 Hektar zwischen Memo (Suco Tapo/Memo) und dem indonesischen Dilumil (Distrikt Lamaknen, Regierungsbezirk Belu) und Gebiete um die Exklave Oe-Cusse Ambeno (Área Cruz in Passabe, Naktuka/Citrana-Dreieck in Nitibe) sowie die genauen Modalitäten eines Korridors von Oe-Cusse Ambeno zum Hauptstaatsgebiet. In Naktuka kam es seit Ende 2009 immer wieder zu Übergriffen durch indonesische Soldaten auf die dortige Bevölkerung. Seit 2010 gibt es einen Sonderpass für den Personenverkehr im grenznahen Gebiet.Wikinews, 28. Juli 2010, Grenzstreitigkeiten zwischen Indonesien und Timor-Leste drohen zu eskalieren 2013 konnte der Streit um das Gebiet bei Memo beigelegt werden. Am 23. Juli 2019 wurde nach einem Treffen von Osttimors Chefunterhändler Xanana Gusmão mit Wiranto, dem indonesischen Koordinierungsminister für Politik, Recht und Sicherheit, erklärt, man habe sich nun über den Verlauf der Landesgrenze geeinigt.RTP: Timor-Leste e Indonésia chegam a acordo para definição de fronteira terrestre , 23. Juli 2019, abgerufen am 23. Juli 2019.Jakarta Post: RI, Timor Leste agree to resolve border problems, boost ties, 27. August 2015, abgerufen am 28. August 2015. Weiterhin umstritten (Stand 2022) sind aber trotzdem die Zugehörigkeit von Naktuka und der Insel Fatu Sinai.GMN TV: , abgerufen am 23. Januar 2022. Die seit 2015 laufenden Verhandlungen über die Seegrenzen laufen weiter.

Geographische Bezeichnungen mini|Foto eines kleinen Flusses (Ribeira, Sungai, Mota) aus der Kolonialzeit

+ Übliche geographische BezeichnungenWörterbuch Tetum – Englisch, abgerufen am 20. Mai 2012 Deutsche Bedeutung Lokale Bezeichnungen Berg FohoT, GunungI, MonteP Spitze PicoP Insel IlhaP, PulauI Land Rain, RaiT Meer TasiT Fluss MotaT, Rio (R.)P, SungaiI Flüsschen Ribeira (Rib.)P Stadt KotaI, PrasaT/P, SidadiT/P, VilaP Dorf KampungI Herkunft IBahasa Indonesia, PPortugiesisch, TTetum

mini|Eine der typischen steilen Felswände eines Berges (Fatu) in Bobonaro.

+ Häufige Namensteile geographischer Namen Namensteil Bedeutung AiT Baum, Wald, Feuerholz FatuT Berg, Fels Kraik, CraicT, BaixoP, BawahI Unter-, Nieder- LetenT, CimaP, AtasI Ober- Lulik, LulicT heilig Ki'ik, Qu'icT klein Boot, Bo'otT groß FounT, BaruI neu TuanT, LamaI alt RaiT Land, Reich, Erde

Die Namen von lokalen Orten, Bergen und Gewässern leiten sich von den regionalen Sprachen ab. Sie bezeichnen meist Naturbegebenheiten, auch aus Fauna und Flora. Nur wenige geben kulturelle Bezeichnungen wieder, wie „Fatululic“ für „Heiliger Berg“. Oft ist die Herkunft und die Bedeutung eines Ortsnamens nicht leicht festzustellen. Im Westteil des Landes findet sich zum Beispiel häufig die Vorsilbe Mau in Ortsnamen, wie Maubisse oder Maubara. Nach der Ethnologin Antoinette Schapper ist diese Vorsilbe geradezu typisch für die Siedlungsgebiete der Mambai, Kemak und Tokodede, die alle austronesische Sprachen sprechen.Antoinette Schapper: In: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays. 2011, S. 179. Eine Übersetzung vom ebenfalls austronesischen Tetum-Wort Maun für „Älterer Bruder“ würde dem Ortsnamen Maumeta die Bedeutung „Schwarzer Bruder“ geben. Ungewöhnlich, da die Bevölkerung allgemein relativ dunkelhäutig ist. Allerdings waren viele der Regionen früher von Papuavölkern bewohnt, so dass der Linguist Geoffrey Hull auch eine Ableitung von Mug (Bunak) oder Mu′a (Makasae und Fataluku) für möglich hält, was „Land“ bedeutet. Aus „Maumeta“ würde so „Schwarze Erde“.Geoffrey Hull: abgerufen am 28. September 2014. Schapper sieht hingegen Mau sogar als Zeichen einer austronesischen Erstbesiedlung, womit sie Hull widerspricht. Tatsächlich kommt im Kernland der Bunak, der nächstgelegenen Ethnie mit Papuasprache, ein Ortsname mit der Vorsilbe Mau nicht vor.

Ortsnamen portugiesischen Ursprungs finden sich kaum, und wenn, dann in der Hauptstadtgemeinde Dili. Zwar führte man im Juni 1936 für verschiedene Ortschaften in der ganzen Kolonie Portugiesisch-Timor portugiesische Ortsnamen ein, doch setzten sich diese nie durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zu den alten Bezeichnungen zurück. Noch seltener sind Ortsnamen, die indonesischen Ursprungs sind, wie zum Beispiel Delta, ein Stadtteil Dilis. Indonesische Synonyme für portugiesische Bezeichnungen verschwanden mit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Osttimors wieder. Malaiisch war bis in das 19. Jahrhundert auf Timor eine wichtige Verkehrssprache, so dass sich auch aus diesem Ursprung Ortsnamen in Osttimor finden lassen.

Unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dasselbe geographische Objekt sind nicht ungewöhnlich. Berge können je nach verwendeter lokaler Sprache oder auch einfach aus welcher Richtung man auf sie blickt andere Namen tragen.Joachim K. Metzner: Man and Environment in Eastern Timor, Australian National University, 1977, abgerufen am 26. Dezember 2022. Flüsse wurden traditionell nach dem Gebiet bezeichnet, das sie gerade durchfließen, so dass sich der Flussname alle paar Kilometer ändert. Zudem gibt es für alle geographischen Objekte oft verschiedene Schreibweisen. Auch ob mehrere Worte zusammengeschrieben, getrennt oder mit Bindestrich verbunden werden, kann sich je nach Autor unterscheiden. Meistens leitet sich die am häufigsten genutzte Form vom Portugiesischen ab, doch während der indonesischen Besatzungszeit wurden diese Bezeichnungen oft dem Indonesischen angepasst, was auch der Lautschrift im Tetum entspricht. So wurde qu gegen k getauscht, so dass zum Beispiel die Stadt Viqueque zu Vikeke wurde. Da heute sowohl Portugiesisch als auch Tetum Amtssprachen sind, sind beide Formen im alltäglichen Gebrauch, ebenso Mischformen. International wird aber in erster Linie die portugiesische Form verwendet. Englische Bezeichnungen wie Mount, Peak oder River finden auf Karten und in anderen Quellen immer häufiger Verwendung. (PDF; 64 kB) Fehlerhaftes Kartenmaterial war schon in der portugiesischen Kolonialzeit ein Problem. Der deutsche Geograph Joachim K. Metzner, der Ende der 1960er-Jahre in Portugiesisch-Timor forschte, vermerkte:

Auch offizielle heutige, offizielle Karten, wie jene, die das Direcção-Geral de Estatística (DGE) 2019 veröffentlichte, weisen diverse Fehler und Ungenauigkeiten auf.

Die Regierung Osttimors führte im ministeriellen Dokument 6/2003 vom 29. Juli 2003 erstmals eine Schreibweise für alle Verwaltungseinheiten bis hinunter zu den Sucos auf.Ministério da administração estatal: (portugiesisch), 29. Juli 2003. Am 15. September 2009 wurde im ministeriellen Dokument 199/2009 die Liste um die Aldeias erweitert. Außerdem änderten sich einige Schreibweisen und Namen von unteren Verwaltungseinheiten, doch auch jetzt noch folgen die Schreibweisen nicht einheitlichen Regeln, so heißen zwei benachbarte Verwaltungsämter in der Gemeinde Viqueque Uato-Lari und Uatucarbau. Im Alltag finden sich beide Schreibweisen für beide Verwaltungsämter. (PDF; 315 kB) (portugiesisch)

Topographie mini|Von der Landeshauptstadt Dili an der Küste aus steigt das Land nach Süden steil an (Camea) mini|Tsunamiwarnsystem in Dili mini|In der Region des Matebian

Timor liegt auf dem äußeren Rand des sogenannten Bandabogens, der Teil eines Ausläufers des pazifischen Feuerrings ist und eine Inselkette um die Bandasee bildet. In einer ozeanischen Subduktionszone schiebt sich hier die Nordwestecke der Australischen Platte unter die Eurasische Platte. Dies führt unter anderem zum Wachstum von Bergketten auf Timor, die als zentrales Bergland nahezu die gesamte Insel von Südwesten nach Nordosten bis in die Region von Turiscai durchziehen. Ihre Spitze ist Osttimors höchster Berg, der Tatamailau (), der zu den Ramelau-Bergen gehört.Colin Richard Trainor, Brian Coates, David K. Bishop: Aves de Timor-Leste. Burung-burung di Timor-Leste. The Birds of Timor-Leste, S. 67 ff. (portugiesisch, indonesisch, englisch) Nördlich erstreckt sich vom Osten Ermeras, über Aileu bis in den Süden von Manatuto die Aileu-Kette mit dem Foho Olopana () als höchsten Punkt. Das Küstengebirge im Norden Aileus und in Dili bilden eine dritte Kette, so dass Timor aufgrund der Auffaltung hier einem Waschbrett gleicht.ECONOMIC AND SOCIAL COMMISSION FOR ASIA AND THE PACIFIC: ATLAS OF MINERAL RESOURCES OF THE ESCAP REGION, Volume 17, Geology and Mineral Resources of Timor-Leste, United Nations, S. 7, abgerufen am 19. März 2013. Weiter östlich liegen isolierte Berge, wie der Curi (), der Monte Mundo Perdido () und jenseits der 20 bis 30 Kilometer breiten Ebene von Quelicai der Matebian (). An der Südküste der Ostspitze Timors verläuft die Bergkette des Paitchau (). Einige Gebiete in Osttimor heben sich zwischen 1 und 1,6 mm pro Jahr.Nova Roosmawati, Ron Harris: Surface uplift history of the incipient Banda arc-continent collision: Geology and synorogenic foraminifera of Rote and Savu Islands, Indonesia. In: Tectonophysics. 479, 2009, S. 95–110. doi:10.1016/j.tecto.2009.04.009 32,1 % der Landesfläche liegt auf einer Meereshöhe zwischen 500 und , 2,6 % über .Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004