Die Rabobank (vollständige Firma: Coöperatieve Rabobank U.A.) ist eine niederländische Genossenschaftsbank mit Sitz in Utrecht. Bis Jahresende 2015 war die Rabobank Gruppe ein Verbund aus lokalen Genossenschaftsbanken und einer Zentrale (Rabobank Nederland). Zum 1. Januar 2016 schlossen sich die 106 lokalen Rabobanken mit dem Zentralinstitut zu einer einzigen Genossenschaft zusammen.Siehe hierzu
In den Niederlanden mit seinen 16,9 Mio. Einwohnern hat die Rabobank 7,4 Mio. Kunden, weltweit betreut das Kreditinstitut über 8,6 Mio. Kunden. Gemessen an der Bilanzsumme ist die Rabobank nach eigenen Angaben die zweitgrößte niederländische Bank (Stand: Juli 2016). Insbesondere in den Niederlanden konzentriert sich das Institut auf die Betreuung von Sparguthaben, auf das Hypothekengeschäft sowie auf Finanzdienstleistungen für Privatkunden, Handel, Industrie und Dienstleister. Die Rabobank ist national und international zudem ein bedeutender Finanzdienstleister der Agrar- und Lebensmittelindustrie. In den Niederlanden ist sie hier Marktführer.
Geschichte Hintergrund und Vorgeschichte In den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts durchlief die Landwirtschaft in den Niederlanden eine schwere Krise. Diese bestand aus Defiziten der Kapitalausstattung, der Produktionstechnik, der Vermarktung und der Finanzierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Banken des Landes waren nicht in den ländlichen Gebieten tätig. 1888 befasste sich eine königliche Kommission mit der Problematik und empfahl eine Reihe von Maßnahmen. Diese sollten das landwirtschaftliche Know-how und die Agrarausbildung fördern sowie die Optimierung der Produktionstechniken und der Vermarktung herbeiführen. Die Kommission schlug ferner vor, landwirtschaftliche Organisationen beziehungsweise Genossenschaften einzurichten und Finanzierungswege zu finden, die die Unabhängigkeit der Landwirte sicherten. Sie griff damit Gedanken auf, die Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Deutschland entwickelt hatte.Selbstdarstellung der Bank, in: Manfred Pohl (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks. S. 782.
Die ersten niederländischen Banken, die den Vorstellungen Raiffeisens entsprachen, wurden ab 1895/1896 gegründet.Hans Groeneveld: The Road Towards One Cooperative Rabobank (January 2016), S. 5.Die Angaben zu den ersten Gründungen sind in der Literatur nicht einheitlich. Genannt wird 1895 oder 1896. Siehe z. B. Johannes M. Groeneveld: The Cooperative Rabobank. Past, Present and Perspectives, 2011, S. 128 für das Jahr 1896. Bereits 1898 bildeten die Genossenschaftsbanken Zentralorganisationen, die als Dachbanken fungierten: Die bäuerlichen Genossenschaftsbanken des protestantisch geprägten Nordens schlossen sich im Juni zur Coöperatieve Vereeniging van Raiffeisen-Banken en Landbouwvereenigingen mit Sitz in Utrecht zusammen, die des katholisch geprägten Südens schufen im Dezember in Eindhoven die Coöperatieve Centrale Boerenleenbank. Sowohl im Nord-, als auch im Südverbund blieben die Mitgliedsbanken rechtlich selbständig, obwohl sie untereinander hafteten und Direktiven der Dachbanken akzeptierten.M. L. Cohen, Paul Ingati: Rabobank Group. In: International Directory of Company Histories, Bd. 116, S. 406–409.Wim W. Boonstra: Banking in Times of Crisis: The Case of Rabobank. 2010, S. 32. Gemäß der genossenschaftlichen Ideen waren die Bauern und später auch die Inhaber von Gartenbau-Betrieben Eigentümer, Mitglieder und Leiter ihrer lokal agierenden Banken. Gewinne der mit relativ niedrigen Kosten arbeitenden Genossenschaftsbanken wurden nicht an die Mitglieder ausgeschüttet, sondern zur Bildung von Eigenmitteln beziehungsweise als Rücklagen genutzt.Zu den Strukturprinzipien der Genossenschaftsbanken siehe Manfred Pohl, Sabine Freitag: Handbook on the History of European Banks, S. 782 f. Im Jahr 1900 gab es landesweit 67 dieser Banken. In den 1920er-Jahren wuchs die Zahl auf über 1200 an. 1955 war mit 1324 die größte Anzahl dieser lokalen Primärbanken erreicht.Zur Entwicklung der Genossenschaftsbanken in den krisenhaften 1920er- und 1930er-Jahren siehe Joke Mooij: Dutch cooperative banks and the crises of the 1920s and 1930s. 2012. 500.000 Menschen waren um 1960 Mitglied der Genossenschaftsbanken.Johannes M. Groeneveld: The Cooperative Rabobank. Past, Present and Perspectives. 2011, S. 128.
In den 1950er- und 1960er-Jahren reagierten die Genossenschaftsbanken auf den Strukturwandel der Bankwirtschaft und boten neben den stark nachgefragten Girokonten erstmals auch Sparkonten an. Außerdem eröffneten sie erstmals Niederlassungen in Städten. Von Bedeutung war zudem die Erschließung des Hypothekengeschäfts im Eigenheimbau. Auch gewerbliche Kunden aus anderen Branchen begannen, die Dienste der Genossenschaftsbanken zu nutzen. Bankfremde Dienstleistungen wurden ebenfalls in das Portfolio aufgenommen wie Versicherungen und Pauschalreisen.Manfred Pohl, Sabine Freitag: Handbook on the History of European Banks. S. 784 f.
Von der Fusion 1972 bis zur Jahrtausendwende Anfang der 1970er-Jahre verkündeten die beiden Zentralorganisationen die Absicht, ihre Kräfte zu bündeln. Die Fusion zur Coöperatieve Centrale Raiffeisen-Boerenleenbank fand im Dezember 1972 statt. Die neue Bank, die rasch unter dem Namen Rabobank bekannt wurde, fungierte jetzt als Zentralbank der lokalen Primärbanken, deren Zahl zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses bei rund 1200 lag.Zu den Hintergründen und Bedingungsfaktoren dieser Fusion siehe Hans Groeneveld: The Road Towards One Cooperative Rabobank (January 2016), S. 9 f. und Manfred Pohl, Sabine Freitag: Handbook on the History of European Banks, S. 785 f. Die Rabobank entwickelte sich bis zur Jahrtausendwende zu einem Allfinanzdienstleister, zugleich nahm sie ihre Internationalisierung in Angriff. So eröffnete beispielsweise der Einstieg bei Van Lanschot Ende 1977Expansion by Rabobank; in: Financial Times vom 2. März 1978. Rabobank erwarb damals einen 25-Prozent-Anteil, der 1983 auf 40 Prozent erweitert wurde. Siehe Rabobank stockt Van Lanschot-Beteiligung auf; in: VWD-Finanz- und Wirtschaftsspiegel vom 17. März 1983. den Zugang zum Private Banking; das Versicherungsgeschäft erweiterte sich 1978 durch die Beteiligung am Makler Bruns, ten Brink & CoExpansion by Rabobank; in: Financial Times vom 2. März 1978. sowie durch den Kauf von Interpolis 1990;Edi Cohen: Outsider with confidence; in: Financial Times vom 4. September 1991. die Vermögensverwaltung profitierte vom Zusammengehen mit Robeco;Zunächst 1990 in Form einer strategischen Allianz, siehe Laura Raun: Fund group and bank link arms; in: Financial Times vom 17. Mai 1990. Robeco und Rabobank im Verbund; in: Blick durch die Wirtschaft vom 18. Mai 1990. Zwischen 1996 und 2000 erfolgte dann die zweischrittige Übernahme von Robeco durch die Rabobank. Siehe David Brown: Big Dutch Bank takes control of fund manager; in: Financial Times 6. Juni 1990. Übernahme von Robeco in zwei Schritten; in: Handelsblatt vom 7. Juni 1990. Rabobank buys rest of Robeco; in: Financial Times vom 31. August 2000. Rabobank wandelt sich zur Anlegerbank; in: Börsen-Zeitung vom 2. September 2000. beim Leasing und Factoring agierte die Rabobank mithilfe von De Lage Landen.Herman H.F. Wijffels: Die starke und breite Haftungsbasis hat der Gruppe ein herausragendes Rating auf den Märkten gebracht; in: Handelsblatt vom 30. November 1993. 1981 eröffnete die Rabobank ein Büro in New York,Niek Vogelaar: Rabobank and the credit crisis. 2012, S. 200. 1998 war sie mit über 100 Niederlassungen in 35 Ländern vertreten.Finanzdienstleister im Foodbereich. In: Lebensmittel Zeitung, 4. September 1998.
1980 eröffnete die Rabobank eine Repräsentanz in Frankfurt am Main.Rabobank nun auch in Deutschland. In: Süddeutsche Zeitung, 24. Oktober 1980. Zum 1. Januar 1984 übernahm sie die Mehrheitsanteile an der ADCA,ADCA-Mehrheit jetzt bei Rabobank. In: Süddeutsche Zeitung, 9. Dezember 1983.John Davies: Rabobank expands into Germany with Adca purchase. In: Financial Times, 9. Dezember 1983.Bernhard Lovell: Rabobank Extending Its Reach In the International Marketplace. In: The Journal of Commerce, 12. März 1984. die 1992 zur Rabobank Deutschland AG umfirmierte.Rabobank hält 93,8 % an ADCA. In: Handelsblatt, 18. Mai 1992.
Durch Fusionen örtlicher Rabobanken sank die Zahl der lokalen Primärbanken im niederländischen Heimatmarkt. Im Oktober 1999 lag sie bei 439, die Filialzahl betrug annähernd 1800.Bernd Wittkowski: „Logische Partner“ DG Bank und Rabobank. In: Börsen-Zeitung, 19. Oktober 1999. In den 1990er-Jahren entstand, getrieben durch Bankenfusionen in den Niederlanden, eine Debatte, ob die Rabobank sich zu einer Geschäftsbank mit Börsennotierung wandeln soll. Die Rabobank entschied sich dagegen, stärkte stattdessen den Genossenschaftsgedanken und warb ab dem Jahr 2000 intensiv um Mitglieder.Johannes M. Groeneveld: The Cooperative Rabobank. Past, Present and Perspectives. 2011, S. 130.Wim W. Boonstra: Banking in Times of Crisis: The Case of Rabobank. 2010, S. 34.
Die Rabobank im 21. Jahrhundert Zur Bündelung ihres internationalen Geschäfts gründete die Rabobank bereits 1996 die Rabobank International, die jedoch nicht allen Erwartungen gerecht wurde. Insbesondere das am Standort London tätige Investmentbanking sorgte bankintern für Kritik, denn der Return on Investment blieb hinter den prognostizierten Werten. Zudem passte die Kultur des Investmenbankings nicht zu den Traditionen der Rabobank.DG Bank und Rabobank vor Allianz; in: Handelsblatt vom 15. Oktober 1999. John Carreyrou, James M. Dorsey: Rabobank, DG Outline Venture Plan; in: The Wall Street Journal vom 22. Dezember 1999. Barbara Kussel: Rabobank sucht nach weiteren Übernahmekandidaten; in: Financial Times Deutschland vom 12. März 2002. Siehe ferner Wim W. Boonstra: Banking in Times of Crisis: The Case of Rabobank, 2010, S. 39, Niek Vogelaar: Rabobank and the credit crisis, 2012, S. 199 f, Wim W. Boonstra: Banking in Times of Crisis: The Case of Rabobank, 2010, S. 39 und Hans Groeneveld: The Road Towards One Cooperative Rabobank (January 2016), S. 12 f. Auch die im Oktober 1999 begonnenen intensiven Gespräche mit der DG Bank über eine Fusion scheiterten.Rabobank/DG Bank vor Kooperation; in: Börsen-Zeitung vom 15. Oktober 1999. Rabobank und DG Bank planen Vereinigung von Geschäftsteilen; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Oktober 1999. DG-Rabo als Nukleus einer europäischen Genobank; in: Börsen-Zeitung vom 16. Oktober 1999. „Nukleus“ für Euro-Genossenschaftsbank; in: Handelsblatt vom 18. Oktober 1999. Vereinte Genossen; in: trend vom 1. Januar 2000. DG-Rabo-Allianz bleibt Hängepartie; in: Börsen-Zeitung vom 23. Februar 2000. Gordon Cramb: Bank collaboration plans falters; in: Financial Times vom 15. Mai 2000. Gordon Cramb: DG Bank und Rabo ändern ihre Investment-Pläne; in: Financial Times Deutschland vom 16. Mai 2000. DG Bank und Rabobank drosseln das Tempo; in: Handelsblatt vom 17. Mai 2000. Carsten Michael: DG Bank und Rabobank erwägen neues Modell für Investmenthaus; in: Financial Times Deutschland vom 17. Mai 2000. DG Bank und Rabo in zähen Verhandlungen; in: Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2000. DG Bank und Rabobank legen Pläne für Gemeinschaftsunternehmen ad acta; in: Börsen-Zeitung vom 7. November 2000. Teilfusion DG Bank/Rabobank geplatzt; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. November 2000. DG Bank und Rabobank begraben ihre Vision; in: Handelsblatt vom 7. November 2000. DG and Rabobank call off co-operative merger; in: Financial Times vom 7. November 2000. DG Bank legt geplante Beteiligung an Rabo Securities auf Eis; in: Handelsblatt vom 5. Januar 2001. Stattdessen schloss die Rabobank 2001 mit der WGZ Bank eine Kooperationsvereinbarung.WGZ-Bank schließt Allianz mit der Rabobank; in: Börsen-Zeitung vom 29. März 2001. WGZ-Bank und Rabobank nähern sich an; in: Börsen-Zeitung vom 22. August 2001. WGZ-Bank und Rabobank gehen einen weiteren Schritt aufeinander zu; in: Handelsblatt vom 22. August 2001.