Enno Röder (* 16. Dezember 1935 in Klingenthal; † 4. Oktober 2019 in Chemnitz) war ein deutscher Skilangläufer, der in den 1950er und 1960er Jahren für die Nationalmannschaft der DDR startete. Röder nahm an zwei Olympischen Winterspielen und drei Nordischen Skiweltmeisterschaften teil. Er war 13-facher DDR-Meister in verschiedenen Skilanglaufdisziplinen.

Karriere Röder wuchs im vogtländischen Klingenthal auf und erlernte den Beruf eines Werkzeugmachers. Im Skisport trainierte er in seiner Jugend zunächst allumfassend in den Disziplinen Skilanglauf und Skispringen, so dass er auch zunächst in den beiden Spezialdisziplinen, als auch in der Nordischen Kombination an den Start ging, eine damals übliche Vorgehensweise. Als 1955 Klingenthal als Wintersportstandort der Sportvereinigung Aufbau auserkoren wurde, trat Röder zunächst dem SC Aufbau Klingenthal bei. Für diesen Sportclub holte er sich 1955 auch gleich die ersten Meriten im Nachwuchsbereich. Bei den DDR-Jugendmeisterschaften Ende Januar 1955 wurde er in Oberhof über die Distanz von 10 km im Langlauf bei den sogenannten Jungmannen DDR-Meister.Neues Deutschland vom 29. Januar 1955 S. 8. Allerdings reichten Röders Leistungen in der Folge noch nicht an die Leistungen der DDR-Spitzenläufer heran, obgleich er schon für die DDR auch bei internationalen Wettkämpfen an den Start ging. Außerdem erfolgte spätestens 1957 ein Sportclubwechsel zum SC Dynamo Klingenthal, da Röder mittlerweile Angehöriger der Deutschen Grenzpolizei geworden war. Seine erste DDR-Meisterschaftsmedaille holte Röder bei den 9. DDR-Skimeisterschaften 1957 in Brotterode, wo er mit der Langlaufstaffel des SC Dynamo Klingenthal, bestehend aus Erich Lindenlaub, Heinz Seidel, Werner Stubenrauch und ihm als Schlussläufer, die Bronzemedaille gewann.Neues Deutschland vom 20. Februar 1957 S. 6 Von 1957 holte Röder bis 1967 bei jeden DDR-Meisterschaften mindestens eine Medaille und gehörte dementsprechend zu den prägenden Skilangläufern zu dieser Zeit in der DDR. Klubintern war er unter den Klingenthaler Läufern, die stets etwas im Schatten der Oberhofer Skilangläufer um Kuno Werner standen, der beständigste und stärkste Athlet seiner Zeit. 1958 kam Röder schon mit drei DDR-Meisterschaftsmedaillen nach Hause, er gewann, zweimal Silber und einmal Bronze. Damit war er hinter Kuno Werner und Werner Moring drittbester Skilangläufer dieser Meisterschaften. Lohn war die Nominierung für die Skiweltmeisterschaften im finnischen Lahti, als einziger Klingenthaler Athlet neben 4 Oberhofer Langläufern.BZ vom 18. Februar 1958 S. 4 Doch in Finnland lief es nicht rund für den Vogtländer. Er wurde letztlich nur über die 15-km-Distanz eingesetzt, wo er einen eher enttäuschenden 55. Platz belegte.Neues Deutschland vom 5. März 1958 S. 6

Im vorolympischen Winter 1959 gelang Röder bei den DDR-Meisterschaften im sächsischen Altenberg der erste Einzeltitel. Über 15 km konnte er Altmeister Cuno Werner als auch den etwas überraschenden Silbermedaillengewinner Werner Haase in die Schranken verweisen.ND vom 7. Februar 1959 S. 8 Über die 30 km kam Silber ND vom 9. Februar 1959 S. 4, in der Staffelentscheidung noch die Bronzemedaille hinzu.ND vom 8. Februar 1959 S. 4 Danach sollte es eigentlich auch für Röder als einer von nur 5 Wintersportlern zu vorolympischen Wettkämpfen nach Squaw Valley gehen, doch politische Differenzen machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. SED-Mitglieder, deren 8 sich in der vorgesehenen 14-köpfigen Delegation befanden, galten für das US-amerikanische Außenministerium als Kommunisten und durften zu dieser Zeit nicht in die USA einreisen. Indirekt unterstützten die USA damit die Bundesrepublik im Flaggenstreit, da die Einreise einer westdeutschen Mannschaft oder auch einer gesamtdeutschen Mannschaft, an der die DDR-Athleten hätten teilnehmen können, genehmigt wurde. Zur gleichen zeit wurde jedoch eine sowjetische Sportlerdelegation in den USA begrüßt, was die Begründung der US-Behörden für das Einreiseverbot der DDR-Delegation endgültig zur Farce werden ließ. So erlebten 5.000 Zuschauer am Altenberger Geisingberg, wie Enno Röder DDR-Meister über die Skilangdistanz von 50 km wurde.ND vom 23. Februar 1959 S. 4 Diese Meisterschaftsentscheidung fand im Rahmen eines Sportfestes in Altenberg statt, zu dem sich Röder und auch Cuno Werner nach der verweigerten Einreise nach Squaw Valley noch nachgemeldet hatten. Mit dem zweiten Meistertitel war Röder erfolgreichster Skilangläufer bei den DDR-Meisterschaften 1959, noch vor Altmeister Cuno Werner. Damit war Röder endgültig im Spitzenfeld des DDR-Skilanglaufs angekommen.

Diese Leistungsstärke konnte Röder zunächst auch im Olympiajahr 1960 nachweisen. Nachdem sich beide NOKs wieder auf eine gesamtdeutsche Mannschaft geeinigt hatten, fanden in den jeweiligen Wintersportdisziplinen Ausscheidungswettbewerbe statt. In der Nordischen Kombination und im Skilanglauf fand dabei die erste Veranstaltung Anfang Januar in Reit im Winkl statt, bei der Röder über die 15-km-Distanz als Sieger hervorging.ND vom 10. Januar 1960 S. 8 Über die doppelte Distanz von 30 km konnte sich Röder im Feld der westdeutschen Skilangläufer behaupten und belegte hinter Sieger Siegfried Weiß den zweiten Platz.ND vom 12. Januar 1960 S. 6 Damit war der Klingenthaler hinter dem bereits gesetzten Cuno Werner bester Läufer des DSLV und heißer Anwärter auf ein Olympiaticket. Bei den zweiten Ausscheidungswettkämpfen im thüringischen Oberhof konnte Röder über die Distanz von 15 km den dritten Platz belegen, womit er sich bereits für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft qualifiziert hatte.ND vom 17. Januar 1960 S. 8 Über die 30-km-Strecke trat er daher nicht mehr an. In der Endabrechnung der innerdeutschen Ausscheidungsrennen war Röder nach einem vereinbarten Punktesystem, bei dem die drei besten von insgesamt vier Läufen zur Bewertung herangezogen wurden, bester Athlet vor dem bundesdeutschen Siegfried Weiß. Am 25. Januar 1960 wurde dann bei einer Sitzung beider NOKs im Berliner Hotel Newa offiziell die gesamtdeutsche Mannschaft, die zu den Olympischen Winterspielen nach Squaw Valley reiste, benannt. Darunter befand sich auch Enno Röder.Neue Zeit vom 26. Januar 1960 S. 6

Seine olympische Premiere feierte Röder am 23. Februar 1960 über die 15 km, wo er neben Werner, Weiß und Haase nominiert wurde. Am Ende kam er auf Platz 32 bei 54 gestarteten Läufern ein.ND vom 24. Februar 1960 S. 6 Nach dem eher schwachen Abschneiden von Siegfried Weiß über 15 km wurde für die Staffel der westdeutsche Läufer Haag nominiert, der zusammen mit Werner, Haase und Röder unter 11 an den Start gegangenen Staffeln einen eher enttäuschenden 9. Platz belegte.ND vom 26. Februar 1960 S. 8 Um die 4 Langlaufentscheidungen unter den 10 nominierten Läufern möglichst gerecht aufzuteilen, kam kein Läufer auf mehr als zwei Starts, so dass auch Röder nur bei zwei Entscheidungen an den Start ging.

Zurückgekehrt aus den Vereinigten Staaten standen für die Olympiateilnehmer noch die DDR-Meisterschaften im vogtländischen Klingenthal an. Und vor heimischer Kulisse konnte die Dynamo-Staffel mit Röder als Schlussläufer die mit vier Olympiateilnehmern bestückte Staffel um Kuno Werner vom ASK Oberhof überraschend deutlich schlagen.ND vom 7. März 1960 S. 4 Über die Einzelstrecken über 15ND vom 8. März 1960 S. 8 und 30 kmND vom 9. März 1960 S. 6 reichte es für Röder jeweils zu Silber. Eine Teilnahme an den traditionsreichen norwegischen Skispielen am Holmenkollen rundete für Röder die Wintersportsaison 1960 ab.BZ vom 10. März 1960 S. 7

In der Zwischensaison 1961 konnte Röder bei den DDR-Meisterschaften zwei Meistertitel in der StaffelND vom 20. Februar 1961 S. 4 und über die 30 kmND vom 21. Februar 1961 S. 6 verbuchen. Im Weltmeisterschaftsjahr 1962 qualifizierte sich Röder bereits vor den DDR-Meisterschaften über Ausscheidungsrennen für das WM-Aufgebot für Zakopane. Bei den DDR-Meisterschaften selbst wurde er Meister über 15 kmBZ vom 4. Februar 1962 S. 4 und in der StaffelND vom 7. Februar 1962 S. 6, über 30 km reichte es zu BronzeBZ vom 6. Februar 1962 S. 7. Zu den Weltmeisterschaften fuhr Röder mit seinen Clubkameraden Heinz Seidel und Helmut Weidlich sowie den Oberhofer Armeesportlern Cuno Werner, Klaus Kretzschmann und Rudolf Dannhauer.BZ vom 8. Februar 1962 S. 7 Durch den Bau der Berliner Mauer im August 1961, die daraus resultierenden Düsseldorfer Beschlüsse stand das Abschneiden beider deutscher Mannschaften besonders im Focus. Röder wurde über 15 km und in der Staffelentscheidung eingesetzt. Über die kürzeste Männerdistanz erreichte der Klingenthaler mit Platz 32 die zweitbeste Platzierung eines deutschen Läufers, vor ihm kam nur Clubkamerad Heinz Seidel auf Rang 26 ein. Bester DSV-Läufer war Walter Demel auf Rang 34.ND vom 21. Februar 1962 S. 6 Im Staffelvergleich hatte die bundesdeutsche DSV-Staffel mit Rang neun das bessere Ende für sich. Über zwei Minuten später kam erst die DDR-Staffel ein, die mit Schlussläufer Enno Röder einen eher enttäuschenden 13. Platz belegte. In der Auswertung schnitten die DDR-Langläufer in der einheimischen Presse eher schlecht ab, im SED-Parteiorgan Neues Deutschland wurde sogar von einem Rückschritt in der Entwicklung geschrieben.

Im vorolympischen Winter 1963 stand Röder nach dem Rücktritt von Altmeister Cuno Werner besonders im Blickpunkt der Experten, da er sich zu einem der beständigsten DDR-Skilangläufer entwickelt hatte. Bei der Generalprobe im österreichischen Seefeld Ende Januar/Anfang Februar 1963 fiel das Ergebnis für Röder allerdings durchwachsen aus. Über die 30-km-Distanz musste er nach einem Bruch der Skibindung aufgebenND vom 31. Januar 1964 S. 8, über seine Paradestrecke von 15 km reichte es nur für Platz 50.BZ vom 3. Februar 1963 S. 7 So blieben dem Klingenthaler noch die DDR-Meisterschaften, bei denen Röder zur Eröffnung den Sportlereid sprach. Bei den Wettkämpfen erwuchs Röder nun klubinterne Konkurrenz. Helmut Weidlich, der schon in Seefeld auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde erstmals DDR-Meister über die 30 km, während Röder die kurze Distanz über 15 kmND vom 24. Februar 1963 S. 8 wieder gewinnen konnte. Beide Klingenthaler Langläufer wurden zudem wieder DDR-Meister mit der Staffel.ND vom 25. Februar 1963 S. 4

Im Olympiajahr 1964 gingen die beiden deutschen nordischen Skiverbände neue Wege. Man ging innerdeutschen Ausscheidungswettkämpfen aus dem Weg und einigte sich vorher auf einen Zahlenschlüssel. Bei den Langläufern durfte so jeder Verband je fünf Läufer nominieren. In den verbandsinternen Ausscheidungswettkämpfen reichte es nochmals für den 28-jährigen Röder, der zusammen mit seinen Klubkameraden Weidlich und Seidel sowie den Oberhofern Rudolf Dannhauer und Kurt Albrecht für Innsbruck nominiert wurde.Neue Zeit vom 10. Januar 1964 S. 5

Bei den Olympischen Spielen selbst wurde Röder über die 15 km und erneut in der Staffel eingesetzt. Über die Kurzstrecke belegte er hinter Walter Demel (22. Platz) als zweitbester deutscher Läufer den 24. Platz, mit knapp vier Minuten Rückstand auf Olympiasieger Mäntyranta.ND vom 3. Februar 1964 S. 4 In der Staffelentscheidung, die mit den 3 Klingenthalern Seidel, Weidlich, Röder sowie Schlussläufer Walter Demel aus Zwiesel besetzt war, belegte die gesamtdeutsche Mannschaft einen nicht zwingend erwarteten 7. Platz knapp hinter Frankreich in einem Feld von 15 Mannschaften.Neue Zeit vom 9. Februar 1964 S. 8

Die nachfolgenden DDR-Meisterschaften sahen einen Enno Röder, der lediglich über die 15 km ernsthaft um den Titel kämpfen konnte. Über seine Lieblingsstrecke musste er sich aber Clubkamerad Helmut Weidlich geschlagen geben.BZ vom 23. Februar 1964 S. 4 Über die doppelte Distanz reichte es zum Auftakt für den Klingenthaler nur zu einem 6. Platz.ND vom 21. Februar 1964 S. 8 In der Staffel erlief sich Röder mit den weiteren Olympiastartern Seidel und Weidlich ungefährdet seinen 10. Meistertitel.BZ vom 24. Januar 1964 S. 3