Die Cottbus-Potsdamer Operation () vom 16. bis 28. April 1945 war im Zweiten Weltkrieg ein Teil der Berliner Operation und erfolgte zeitgleich mit der Schlacht an der Oder. Der aus dem Neiße-Abschnitt angreifende rechte Flügel der 1. Ukrainischen Front brach im Verlauf dieser Offensive mit Schwerpunkt zwischen Cottbus und Spremberg über den Spree-Abschnitt nach Westen durch und schloss den Kessel von Spremberg. Die nächste Aufgabe für die Heeresgruppe des Marschalls Iwan Stepanowitsch Konew bestand dann im Vorstoß nach Berlin. Ursprünglich war die Offensive der 1. Ukrainischen Front nur dazu konzipiert, die feindliche Front zu durchbrechen und auf breiter Front nach Westen zur Elbe vorzustoßen. Jedoch entwickelte sich die Operation aufgrund der Ambitionen des Marschalls Konew in Konkurrenz zu den Truppen der 1. Weißrussischen Front zu einem Wettrennen nach Berlin, das sich in zwei unabhängige Operationen aufspaltete: die Cottbus–Potsdamer und Spremberg–Torgauer Operation. Wichtigstes operatives Ergebnis der Operation war die Spaltung der deutschen Heeresgruppe Weichsel und Mitte. Der südliche Flügel der 1. Ukrainischen Front konnte am 25. April mit den amerikanischen Truppen an der Elbe bei Torgau die Verbindung herstellen und der nördliche Flügel konnte bis 27. April Potsdam, Beelitz und Lehnin erreichen.
Vorgeschichte Die 1. Ukrainische Front unter Marschall Iwan Stepanowitsch Konew war an der Neiße zwischen Guben und Görlitz aufmarschiert. Konews Front bestand aus 8 Armeen (mit 48 Schützendivisionen) sowie 6 Panzer- und 4 mechanisierte Korps. Die Kampfstärke setzte sich aus 2055 Panzern und Selbstfahrgeschützen sowie 13.571 Geschützen (davon 5.225 Minenwerfer) zusammen. Am 3. April 1945 legte die Stawka mit der Direktive Nr. 11060 für die Truppen der 1. Ukrainischen Front folgende Richtlinie fest: Vorbereitung einer Offensive gegen die deutsche Gruppierung im Raum Cottbus und südlich von Berlin. Nach etwa 10 Tagen sollte die Linie Beelitz–Wittenberg entlang des Flusses Elbe erreicht werden.
Aufmarsch Die Hauptmasse der 1. Ukrainischen Front bereitete den Angriff gegen die deutsche 4. Panzerarmee in Richtung auf Cottbus und Spremberg vor.
Die entscheidende Rolle bei der Offensive wurde der 3. Gardepanzerarmee (General Pawel Rybalko) und der 4. Garde-Panzerarmee (General Dmitri Danilowitsch Leljuschenko) zugewiesen, daneben unterstützte die 5. Gardearmee und die 13. Armee den Hauptangriff. Die 3. Gardearmee hatte bei Forst die deutsche Verteidigung am jenseitigen Ufer der Neiße zu durchbrechen. Aus dem Raum südöstlich von Klein Bademeusel sollte der Durchbruch auf Cottbus erreicht werden, dann der Vormarsch über Zossen und Beelitz erfolgen. Generaloberst Gordow hat die Aufgabe seiner Truppen später dahin gehend abgeändert, dass er seine Offensive direkt auf Cottbus ausrichtete. In seiner Entscheidung wies er darauf hin, den Hauptschlag besser gegen Cottbus von Süden, danach in Richtung Vetschau und Lübben auf Luckenwalde auszuführen. Die 3. Gardearmee sollte im Zusammenwirken mit der 3. Garde-Panzerarmee die Linie Zossen–Beelitz erreichen, wo sich zwei Schützenkorps (120. und 76.) an der Schlacht um Berlin beteiligen sollten, während das 21. Garde-Schützenkorps nach Südwesten vorgehen sollte. Strategisches Ziel der sowjetischen Offensive war der Durchbruch zur Elbe, wo nach der Verbindung mit den amerikanischen Truppen die deutsche Heeresgruppe Weichsel und Mitte voneinander gespalten werden sollten. Der linke südliche Flügel von Konews Front, die 52. Armee und die polnische 2. Armee operierten in der Lausitzer Operation in Richtung auf Bautzen, Lauban, Leobschütz, die 60. und 59. Armee blieb im Raum Ratibor defensiv.
Am 14. April erließ Marschall Konew einen neuen Befehl, der die Reihenfolge des Truppeneinsatzes änderte. Um den Vormarsch voranzutreiben, sollte das 6. Garde-Panzerkorps (General Mitrofanow) an der Linie Forst–Cottbus voraus eingesetzt bleiben. Die Masse der 3. Garde-Panzerarmee sollte die Neiße erst hinter den beiden Gardearmeen in zweiter Staffel überqueren, die Infanterie, dann aber überholen und bis zum Ende des ersten Angriffstages Brückenköpfe an der Spree bilden. Am zweiten Tag der Offensive sollten die Vorausabteilungen des 6. und 7. Garde-Panzerkorps Duben und Luckau erreicht haben.
Rechter Flügel der 1. Ukrainischen Front mini|hochkant|Marschall Iwan Konew, Oberbefehlshaber der 1. Ukrainischen Front
3. Gardearmee (Generaloberst Wassili Nikolajewitsch Gordow)
21. Schützenkorps, Generalmajor Alexei Alexandrowitsch Jamanow 58. Schützen-Division, Generalmajor Wassili Akimowitsch Samsonow 197. Schützen-Division, Generalmajor Fjodor S. Danilow 253. Schützen-Division, Oberst Jefim Pawlowitsch Appin 120. Schützenkorps, Generalmajor Semjon Iwanowitsch Donskow 106. Schützen-Division, Generalmajor Jemeljan I. Wassilenko 127. Schützen-Division, Generalmajor Semen Iwanowitsch Mladenschew, ab 24. April Oberst Nikolai V. Krasowski 329. Schützen-Division, Oberst Fjodor Fjodorowitsch Awatschew 389. Schützen-Division, Generalmajor Leonid A. Kolobow 76. Schützenkorps, Generalleutnant Michail Iwanowitsch Gluchow 149. Schützen-Division, Oberst Michail Iwanowitsch Goljtzow 287. Schützen-Division, Generalmajor Iwan Nikolajewitsch Rjuschkow 25. Panzerkorps, Generalmajor Jewgeni Iwanowitsch Fominych 111. Panzerbrigade 162. Panzerbrigade, Oberst Iwan Petrowitsch Mischtschenko 175. Panzerbrigade, Oberstleutnant Nikolai I. Batalow 20. motorisierte Schützen-Brigade 87. unabhängig Garde Panzer-Regiment
3. Garde-Panzerarmee (Generaloberst Pawel Rybalko)
6. Garde-Panzerkorps, Generalmajor Wassili Andrejewitsch Mitrofanow 51. Garde-Panzerbrigade, Oberst Iwan Jakowlewitsch Jakunin 52. Garde-Panzerbrigade, Oberst Ludwik I. Kurist 53. Garde-Panzerbrigade, Generalmajor Wassili Sergejewitsch Archipow 22. Garde-mechanische Schützen-Brigade, Oberst Hamza Salimowitsch Bogdanow 7. Garde-Panzerkorps, Generalmajor Wassili Wassiljewitsch Nowikow 54. Garde-Panzerbrigade, Oberst Iwan Iljitsch Chugunkow 55. Garde-Panzerbrigade, Oberst David Abramowitsch Dragonow 56. Garde-Panzerbrigade, Oberst Sachari Karpowitsch Slusarenko 23. Garde-motorisierte Schützenbrigade, Major Nikolai Iwanowitsch Gorjushkin 9. mechanisiertes Korps, Generalleutnant Iwan Prokofjewitsch Suchow 69. mechanische Brigade, Oberst Iwan Semenowitsch Waganow 70. mechanische Brigade, Oberst Alexander Mjotelkow 71. mechanische Brigade, Oberst Iwan M. Schurawlew 91. Panzerbrigade, Generalmajor Viktor Iwanowitsch Tutuschkin
13. Armee (Generaloberst Nikolai Puchow)
24. Schützenkorps, Generalmajor Dmitri Platonowitsch Onuprienko 350. Schützen-Division, Generalmajor Grigori Iwanowitsch Wechin 395. Schützen-Division, Oberst Fjodor Alexsandrowitsch Afanasjew 27. Schützenkorps, Generalleutnant Filipp Michailowitsch Tscherokmanow 6. Garde-Schützen-Division, Oberst Georgi Wassiljewitsch Iwanow 117. Schützen-Division, Generalmajor Fedor I. Wolkowitsch 280. Schützen-Division, Oberst Jefim Antonowitsch Ljaschenko 102. Schützenkorps, Generalmajor Iwan Michailowitsch Puzikow 121. Garde-Schützen-Division, Generalmajor Logwin Danilowitsch Tscherwoni 147. Schützen-Division, Oberst Nikolai Iwanowitsch Jeremejew 172. Schützen-Division, Generalmajor Anatoli Andrejewitsch Krasnow 88. unabhängiges Panzer-Regiment
5. Gardearmee (Generaloberst Alexei Semjonowitsch Schadow)
32. Garde-Schützenkorps, Generalleutnant Alexander I. Rodimzew 13. Gardeschützen-Division, Oberst Wladimir Nikolajewitsch Komarow 95. Gardeschützen-Division, Generalmajor Andrei Iwanowitsch Olejnikow 97. Gardeschützen-Division, Oberst Antoni Prokofjewitsch Garan 33. Gardeschützenkorps, Generalleutnant Nikita Fedotowitsch Lebedenko 14. Gardeschützen-Division, Oberst Pawel Iwanowitsch Sikorski 78. Gardeschützen-Division, Generalmajor Sachari Trophimowitsch Trofimow 118. Schützen-Division, Generalmajor Michail Afanasjewitsch Suchanow 34. Garde-Schützenkorps, Generalmajor Gleb Wladimirowitsch Baklanow 15. Gardeschützen-Division, Generalmajor Pjotr M. Tschirkow 58. Gardeschützen-Division, Generalmajor Wladimir Rusakow 4. Garde-Panzerkorps, Generalleutnant Pawel Pawlowitsch Poljuborow 12. Garde-Panzerbrigade, Oberst Mykola Duschak 13. Garde-Panzerbrigade, Oberstleutnant Semjon Konstantinowitsch Kurkotkin 14. Garde-Panzerbrigade, Oberst Alexander J. Skidanow 3. Garde-motorisierte Schützen-Brigade
4. Garde-Panzerarmee (Generaloberst Dmitri Danilowitsch Leljuschenko)
5. Garde-mechanisiertes Korps, Generalmajor Iwan Prochorowitsch Jermakow 10. Garde-mech. Brigade, Oberst Wassili Nikitowitsch Buslaew 11. Garde-mech. Brigade 12. Garde-mech. Brigade 24. Garde-Panzerbrigade 6. Garde-mechanisiertesKorps Oberst Wassili Ignatjewitsch Koretzki 16. mech. Brigade, Oberst Gregori M. Tscherbak 17. mech. Brigade, Oberst Nikolai Jakowlewitsch Seliwantschik 35. mech. Brigade, Oberst Pjotr Nikitowitsch Turkin 49. mech. Brigade 28. Garde-motorisierte Schützen-Brigade 10. Garde-Panzerkorps, Generalleutnant Jewtichi Jemeljanowitsch Below 61. Garde-Panzerbrigade, Oberstleutnant Wassili Saizew 62. Garde-Panzerbrigade, Oberst Iwan Iwanowitsch Proschin 63. Garde-Panzerbrigade, Oberst Michail G. Fomitschew 29. Garde-motorisierte Schützen-Brigade, Oberst Andrei Illarionowitsch Jefimow 70. Garde Sturmartillerie-Brigade, Oberstleutnant Nikolai Fjodorowitsch Kornjuschkin 13. unabhängige Garde Panzerregiment 119. Garde Panzerregiment 1. Garde-Kavalleriekorps, Generalleutnant Viktor Kirillowitsch Baranow 1. Garde-Kavalleriedivision, Oberst Filipp Akimowitsch Blinow 2. Garde-Kavallerie-Division, Generalmajor Hadji Umar Mamsurow 7. Garde-Kavallerie-Division, Oberst I. S. Borschew 152. Panzerbrigade 98. unabhängiges Panzer-Regiment
28. Armee (Generalleutnant Alexander Alexejewitsch Lutschinski)
20. Schützenkorps, Generalmajor Nikolai Alexandrowitsch Schwarjew 48. Garde-Schützendivision, Generalmajor Gleb Nikolajewitsch Korchik 55. Garde-Schützendivision, Generalmajor Adam Petrowitsch Turchinski 20. Schützendivision, Generalmajor Andrei Alexandrowitsch Myschkin 3. Garde-Schützenkorps, Generalmajor Pjotr Alexejewitsch Alexsandrow 50. Garde-Schützendivision, Generalmajor Antoni Stanislawowitsch Wladjatschankin
54. Garde-Schützendivision, Generalmajor Michail Matwejewitsch Danilow 96. Garde-Schützendivision, Generalmajor Sergei Nikolajewitsch Kuschentzow 128. Schützenkorps, Generalmajor Pawel F. Batizki 61. Schützendivision, Oberst Andrei G. Schazki 130. Schützendivision, Oberst Konstantin Stepanowitsch Popow 152. Schützendivision, Oberst Grigori Leontjewitsch Rjabalka
2. Luftarmee (Generaloberst Stepan Akimowitsch Krassowski) 1. Garde-Jagdflieger-Korps 2. Garde-Jagdflieger-Korps 3. Jagdflieger-Korps 4. und 6. Garde-Luftbomberkorps 5. und 6. Jagdfliegerkorps 208. Nacht-Bomberdivision 98. und 193. Garde Luftabwehr-Regiment
Verlauf mini|Übersicht der Gesamtlage (16. – 25. April 1945) Am Abend des 15. April überquerten sowjetische Verbände mit beginnender Dunkelheit das Westufer der Neiße, um in der Angriffszone aufzuklären. Der bevorstehende Angriff der 1. Ukrainischen Front konnte vor der deutschen Aufklärung nicht vollständig geheim gehalten werden, obwohl die dortigen Waldgebiete die starke Massierung der sowjetischen Truppen verschleierten. Die ersten Versuche, in die Verteidigung des Gegners einzudringen, stießen auf zähen deutschen Widerstand. Während der Nachtkämpfe wurde festgestellt, dass die deutschen Truppen die vorderen Schützengräben verließen und sich bereits auf die zweite Verteidigungslinie zurückzogen. Zwischen Guben und Görlitz an der Neiße verteidigte die deutsche 4. Panzerarmee unter General Gräser. Am linken Flügel stand das V. Armeekorps (mit der 342., 214. und 275. Infanterie-Division und Kampfgruppen der 35. und 36. SS-Division) und das Panzerkorps „Großdeutschland“ (Division „Brandenburg“, und Divisionsgruppe 615 sowie die 545. Volks-Grenadierdivision).
Nordflügel der Heeresgruppe Mitte