mini|Danh Võ (2018) Danh Võ (* 1975 in Bà Rịa, Vietnam) ist ein dänischer Konzeptkünstler.

Leben Danh Võ wurde im August 1975 in Bà Rịa in Südvietnam geboren, nachdem seine Eltern und älteren Geschwister wenige Monate zuvor nach dem Ende des Vietnamkriegs aus Nordvietnam evakuiert worden waren. Im September 1979 verließ die Familie Vietnam mit knapp hundert weiteren Menschen auf einem Boot, an dessen Bau Võs Vater beteiligt gewesen war. Nach zwei Tagen auf dem Südchinesischen Meer wurden die Flüchtlinge von einem Containerschiff der dänischen Reederei Mærsk aufgenommen und nach Singapur gebracht. Nach mehreren Monaten in einem Flüchtlingslager erhielt die Familie 1980 Asyl in Dänemark und ließ sich zunächst in Nivå nördlich von Kopenhagen nieder.

Võ studierte von 1998 bis 2002 an der Königlichen Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen und anschließend bis 2005 an der Städelschule in Frankfurt am Main. Seit 2004 hat er seinen Wohnsitz in Deutschland; daneben unterhält er Wohnsitze in Japan, Mexiko und Italien. Seit Mitte der 2010er-Jahre entwickelt er den Güldenhof, einen ehemaligen Gutshof mit LPG-Vergangenheit in der Gemeinde Stechlin in Brandenburg, zu einem Arbeits- und Lebensort, an dem Ateliers und Werkstätten, Architektur, Gartenbau und Kunst miteinander verbunden sind. Sein Atelier befindet sich seit 2017 auf dem Gelände des Gutshofs.

Für das Projekt My Blue Genes ließ Võ 2006 internationale Künstler in der Wohnung seiner Eltern in Valby ausstellen. Seine erste Einzelausstellung in Dänemark, Hip Hip Hurra, fand 2010 im X-Rummet der Dänischen Nationalgalerie statt. 2012 erhielt er den von der Solomon R. Guggenheim Foundation vergebenen Hugo Boss Prize. Bei der Biennale von Venedig 2015 vertrat er Dänemark mit der Ausstellung mothertongue im dänischen Pavillon.

Werk mini|Installation We The People von Danh Võ in der Dänischen Nationalgalerie in Kopenhagen mini|Installation We The People von Danh Võ im M+-Museum in Hongkong Wichtige Themen in Võs Arbeiten sind Identität und Zugehörigkeit, seine Migrations- und Familiengeschichte sowie Kolonialismus, Krieg, Religion und die politische Aufladung kultureller Symbole. Kennzeichnend für seine Arbeitsweise ist das Zusammenstellen biografisch aufgeladener Gegenstände, historischer Artefakte und fremder Kunstwerke zu Installationen, in denen persönliche, kunsthistorische und weltpolitische Bezüge ineinandergreifen. Die Anordnung von Objekten im Raum bildet dabei selbst einen wesentlichen Teil des Kunstwerks; Võ legt seine Ausstellungen bewusst nicht auf eine einzige, abschließende Interpretation fest.

Mit Bezug zu seiner Migrationsgeschichte zeigt Võ beispielsweise unter dem Titel 08:03:51, 28. Mai 2009 einen Kronleuchter aus dem späten 19. Jahrhundert. Vor seiner Verwendung als Kunstwerk hing er im ehemaligen Hotel Majestic in Paris in jenem Raum, in dem 1973 das Pariser Friedensabkommen zur Beendigung des Vietnamkriegs unterzeichnet wurde.

We The People besteht aus einem in Shanghai gefertigten, maßstabgetreuen Nachbau der New Yorker Freiheitsstatue in etwa 300 einzelnen Teilen aus dünnem Kupferblech. Die Bestandteile werden getrennt voneinander an wechselnden Orten und auf verschiedenen Kontinenten ausgestellt. Der Titel zitiert den Beginn der Verfassung der Vereinigten Staaten, während die Zerlegung eines weltweit bekannten Symbols von Freiheit und Demokratie unter anderem auf die Fragmentierung der in der Verfassung formulierten Rechte verweist.

Ein weiteres wichtiges Werk ist 2.02.1861, für das Võs Vater Phùng Võ das letzte Schreiben des französischen Missionars Théophane Vénard an dessen Vater vor Vénards Hinrichtung im Jahr 1861 von Hand kopiert; neue Exemplare entstehen auf Bestellung, sodass die Produktion des Werks an die Lebenszeit des Vaters gebunden ist. Auch persönliche Gegenstände und Dokumente seiner Eltern und Großeltern – darunter Uhren, Briefe, Haushaltsgeräte und ein Grabkreuz – überführt Võ als biografisch aufgeladene Readymades in den Kunstkontext.

Katholische Bildwelten, darunter Madonnen, Kreuzigungen und Abendmahlsdarstellungen, kehren in Võs Installationen wieder. Seine katholische Erziehung geht auf die Konversion seines Vaters zurück, der nach der Ermordung des südvietnamesischen Präsidenten Ngô Đình Diệm dessen Glauben als politische Protesthandlung annahm. Seit 2020 zeigt Võ unter dem Titel Danh Vo præsenterer in der Nivaagaards Malerisamling Werke aus seiner eigenen Sammlung und lässt dabei katholische Ikonografie und queere Kunst zusammenwirken und setzt sich künstlerisch mit der AIDS-Epidemie auseinander.

Seit dem Bezug des Güldenhofs verwendet Võ vermehrt Pflanzen und botanische Abbildungen in seinen Installationen. Der dort über Jahre entwickelte Garten ist zu einem Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit geworden, in dem sich Natur und Kunst überschneiden und die kulturell gesetzte Trennung zwischen beiden Bereichen infrage gestellt wird.

In seiner 2026 in der Kunsthalle 44Møen gezeigten Ausstellung Alt det der forhindrer dig i at tage afsted, alt det er din fjende verband Võ antike und spätmittelalterliche Skulpturenfragmente mit lebenden Pilzen, frisch gepflückten Blumen, Tierknochen, Fotografien skulptierter Hände und jahrhundertealter vietnamesischer Keramik aus einem Schiffswrack.

Rechtsstreit mit Bert Kreuk 2014 gerieten Võ und der niederländische Kunstsammler Bert Kreuk darüber in einen Rechtsstreit, ob für eine von Kreuk 2013 organisierte Ausstellung eine verbindliche Vereinbarung über ein großes Kunstwerk im Wert von 350.000 US-Dollar bestanden hatte. Ein Gericht in Rotterdam entschied im Juni 2015 zugunsten Kreuks und verpflichtete Võ, innerhalb eines Jahres ein neues Werk zu schaffen, das seine jüngste künstlerische Entwicklung widerspiegeln und einen Wert von mindestens 350.000 US-Dollar haben sollte. Võ legte Berufung ein und bot als Reaktion ein von seinem Vater auszuführendes, ortsspezifisches kalligrafisches Wandwerk mit einem vulgären Zitat aus dem Film Der Exorzist an, das Kreuk ablehnte. Im Dezember 2015 legten beide Parteien den Streit nach außergerichtlichen Verhandlungen bei; die Vereinbarung hielt fest, dass aus der Angelegenheit keine gegenseitigen Ansprüche mehr bestanden.

Ausstellungen (Auswahl) 2014: We The People, Brooklyn Bridge Park und City Hall Park, New York (Projekt mit dem Public Art Fund) 2015: mothertongue, dänischer Pavillon, 56. Biennale von Venedig; Ydob eht ni mraw si ti, Museum Ludwig, Köln 2018: Danh Vo: Take My Breath Away, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, und Statens Museum for Kunst, Kopenhagen 2019: Untitled, South London Gallery, London 2021: Danh Vō, Wiener Secession, Wien 2026: πνεῦμα (Ἔλισσα), Retrospektive, Stedelijk Museum Amsterdam 2026: Alt det der forhindrer dig i at tage afsted, alt det er din fjende, Kunsthalle 44Møen, Askeby

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