1999 Super Deluxe ist eine posthume Neuauflage von Prince’ fünftem Studioalbum 1999 und erschien am 29. November 2019 über NPG Records und Warner Bros. Records. Das Fünffach-CD-Set enthält 65 Songs, die Prince zwischen 1981 und 1983 aufnahm, arrangierte, komponierte und produzierte. 24 davon sind zuvor unveröffentlichte Studioversionen.
Die Edition enthält außerdem ein Livekonzert vom 30. November 1982 aus dem Masonic Temple in Detroit während der 1999 Tour auf CD. Ergänzt wird sie durch eine Live-DVD des Konzerts vom 29. Dezember 1982 im The Summit in Houston, Texas.
Die Musik der zuvor unveröffentlichten Songs zählt zu den Genres Contemporary R&B, Elektronische Tanzmusik, Funk, Pop, Rock und Rockabilly, wobei die Liedtexte Themen wie Liebe, Spiritualität, Sex und Wollust behandeln. Als Gastmusiker wirkten Lisa Coleman und Morris Day mit. Musikkritiker lobten 1999 Super Deluxe als herausragend.
Das kommerziell erfolgreiche Originalalbum erschien im Oktober 1982 als Doppelalbum. Für die Neuauflage wurden 2019 alle Songs digital nachbearbeitet. In den internationalen Hitparaden wurde 1999 Super Deluxe nicht separat geführt; die Verkaufszahlen flossen in die Statistik des Originalalbums ein, das als „Wiedereinstieg“ verzeichnet wurde.
Entstehung
Das Originalalbum 1999 stellte Prince am 14. August 1982 im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles fertig und wurde am 27. Oktober 1982 als Doppelalbum auf Schallplatte von Warner Bros. Records veröffentlicht. Zusammen mit Purple Rain und Diamonds and Pearls zählt es zu seinen drei kommerziell erfolgreichsten Alben. Am 10. September 2019 kündigte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) an, Ende November eine überarbeitete Ausgabe von 1999 zu veröffentlichen.
Aufnahmen Vault, Part 1 (November 1981 bis April 1982) mini|hochkant=1|Prince, 1981 Feel U Up Irresistible Bitch Money Don’t Grow on Trees Vagina Rearrange Im Januar 1981 lebte Prince in einem Haus in Chanhassen (Minnesota), in dem er das Heimstudio Kiowa Trail Home Studio einrichtete. Vermutlich nahm er dort im November 1981 die Songs Feel U Up und Irresistible Bitch auf, die er direkt hintereinander einspielte. Die auf 1999 Super Deluxe enthaltenen Versionen waren zuvor unveröffentlicht, überarbeitete Fassungen veröffentlichte Prince später. Wahrscheinlich entstanden dort auch Money Don’t Grow on Trees und Vagina; letzterer war ursprünglich für das Debütalbum seines Nebenprojekts The Hookers vorgesehen, einer von ihm gegründeten Girlgroup, die er später in Vanity 6 umbenannte. Vagina erschien jedoch nie. Rearrange nahm er am 8. Dezember 1981 im gemieteten Sunset Sound Studio in Los Angeles auf.Nilsen (1999), S. 263.Nilsen (1999), S. 261–262. You’re All I Want Bold Generation International Lover (Take 1, Live in Studio) Colleen Turn It Up Während einer dreiwöchigen Pause der Controversy Tour mietete Prince erneut das Sunset Sound Studio und nahm am 11. Januar 1982 You’re All I Want auf. Der 11. Januar war der Geburtstag seiner damaligen Assistentin und Toningenieurin Peggy McCreary, die zunächst wenig begeistert war. Nach zwölf Stunden Arbeit erstellte sie eine Kompaktkassette mit dem Song, die Prince ihr in der Tür übergab und mit „Happy Birthday“ überreichte. Rückblickend sagte McCreary: „Ich habe einen unveröffentlichten Prince-Song. Für ihn war das eines der größten Geschenke, die er mir je geben konnte. Er fragte nie, ob mir das Stück gefiel. So war er eben.“ Später überarbeitete Prince den Song, benannte ihn 1991 in U’re All I Want und 2000 in U’re All 18x18px Want um, veröffentlichte beide Versionen jedoch nicht.Clerc (2023), S. 594. Am 12. Januar 1982 nahm Prince Bold Generation auf, das er ursprünglich für das Album What Time Is It? von The Time vorgesehen hatte, später jedoch von der Tracklist wieder entfernte. Im Dezember 1989 überarbeitete er den Song, benannte ihn New Power Generation und veröffentlichte ihn auf Graffiti Bridge (1990). Es folgten Studioaufnahmen von International Lover (Take 1, Live in Studio) am 14. Januar, dem Instrumentalstück Colleen am 15. Januar sowie Turn It Up am 19. Januar.Nilsen (1999), S. 262. Anschließend setzte Prince die Controversy Tour fort und beendete sie am 14. März 1982 im Riverfront Coliseum in Cincinnati, Ohio. If It’ll Make U Happy Something in the Water (Does Note Compute) (Original Version) How Come U Don’t Call Me Anymore? (Take 2, Live in Studio) Nach Abschluss der Controversy Tour arbeitete Prince erneut im Sunset Sound Studio und nahm am 6. April 1982 If It’ll Make U Happy auf. Am 28. April folgten die Aufnahmen von Something in the Water (Does Note Compute) (Original Version) und How Come U Don’t Call Me Anymore? (Take 2, Live in Studio).
Aufnahmen Vault, Part 2 (Mai 1982 bis Januar 1983) Delirious (Full Length) Possessed (1982 Version) Purple Music Yah, You Know Im Mai 1982 nahm Prince drei Songs auf: Delirious (Full Length) am 9. Mai im Sunset Sound sowie Possessed (1982 Version) und Purple Music am 22. Mai im Kiowa Trail Home Studio. Eine überarbeitete Fassung von Possessed (1982 Version) erschien später auf Purple Rain Deluxe (2017). Das Stück Purple Music veröffentlichte Prince zu Lebzeiten nicht, spielte es jedoch regelmäßig auf seiner letzten Tournee 2016 („Piano & A Microphone“), wobei er es in Welcome 2 the Freedom Galaxy umbenannte. Am 5. Juni 1982 nahm er zudem Yah, You Know im Kiowa Trail Home Studio auf.Tudahl (2018), S. 84. Moonbeam Levels No Call U Do Yourself a Favor Im Sommer 1982 nahm Prince drei weitere Songs auf: Moonbeam Levels am 6. Juli im Sunset Sound sowie No Call U am 23. Juli im Kiowa Trail Home Studio.Tudahl (2018), S. 81. Zusätzlich entstand dort Do Yourself a Favor, das auf dem Song If You See Me basiert. Diesen hatte Prince bereits als 17-Jähriger am 4. Dezember 1975 in den Cookhouse Studios in Minneapolis aufgenommen, als er als Studiomusiker für Pepé Willie (* 1948; † 2025) tätig war und Gitarre für dessen Band 94 East spielte.Nilsen (1999), S. 259. Can’t Stop This Feeling I Got Don’t Let Him Fool Ya Teacher, Teacher Die Songs Can’t Stop This Feeling I Got, Don’t Let Him Fool Ya und Teacher, Teacher nahm Prince im Herbst 1982 im Kiowa Trail Home Studio auf; die genauen Aufnahmedaten sind nicht überliefert. Eine überarbeitete Fassung von Teacher, Teacher war im April 1986 für das unveröffentlichte Album Dream Factory vorgesehen und erschien schließlich 2020 auf Sign o’ the Times Super Deluxe. Lady Cab Driver / I Wanna Be Your Lover / Head / Little Red Corvette (Tour Demo) Im Januar 1983 legte Prince während der laufenden 1999 Tour eine vierwöchige Pause ein und nahm am 19. Januar im Lakeland Civic Center in Lakeland (Florida) das Medley Lady Cab Driver / I Wanna Be Your Lover / Head / Little Red Corvette (Tour Demo) auf. Es diente als Intro für den zweiten Abschnitt der Tournee ab dem 1. Februar 1983.Lizie (2020), S. 319.
Gestaltung des Covers 1999 Super Deluxe umfasst fünf CDs und eine DVD, die jeweils in separat aufklappbaren Papphüllen untergebracht sind. Alle sechs Hüllen verfügen über ein eigenes Cover und sind in einer CD-Box zusammengefasst.
Das Booklet umfasst 52 Seiten; die Liner Notes stammen von folgenden vier Personen: Andrea Swensson (* 1984), US-amerikanische Autorin, Musikjournalistin und Radiomoderatorin aus Minnesota David Fricke (* 1952), US-amerikanischer Musikjournalist und damaliger leitender Redakteur des US-Musikmagazins Rolling Stone Duane Tudahl (* 1970), US-amerikanischer Autor von Prince-Büchern und seit Anfang der 1990er Jahre in der Unterhaltungsindustrie tätig Duff McKagan (* 1964), US-amerikanischer Bassist der Band Guns N’ Roses
Zudem enthält das Booklet Prince’ handgeschriebene Liedtexte zu den meisten Songs von 1999 Super Deluxe sowie Abbildungen analoger Bandspulen aus dem Archiv. Die Fotografien stammen von dem aus Minneapolis stammenden Fotografen Allen Beaulieu (* 1952), der von 1980 bis 1983 mit Prince zusammenarbeitete.
Musik und Liedtexte Remastered Album
Promo Mixes & B-Sides
Vault, Part 1 Die Musik von 1999 Super Deluxe verbindet Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Rockabilly. Prince verwendet Synthesizer und den Linn LM-1 als Drumcomputer, wodurch Elemente von Electro Funk und Elektronische Tanzmusik entstehen. Das Album enthält zudem Balladen. Neben seinem charakteristischen Falsettgesang nutzt Prince auch tiefere Stimmlagen. Die Liedtexte behandeln Themen wie Liebe, Spiritualität, Sex und Wollust. Als Gastsängerin tritt Lisa Coleman auf. Feel U Up Irresistible Bitch Prince nahm die beiden Songs direkt hintereinander auf, sodass sie ineinander verschmelzen und keine Pause aufweisen. Beat und Rhythmus ähneln sich, wobei Feel U Up weniger funky wirkt als die 1989 veröffentlichte Version. Der Liedtext behandelt Wollust; Prince erklärt, es gehe ausschließlich „um körperliche Anziehung“. Die männliche Perspektive bleibt emotional distanziert: Ein „One-Night-Stand“ erscheint ihm bereits übertrieben, sein Ziel ist lediglich „sie zu befummeln“. Irresistible Bitch weist Elemente der Elektronische Popmusik auf, und Prince singt den Text in einer heiser wirkenden Stimmlage. Obwohl er eine feste Freundin hat, trifft er sich heimlich mit einer „unwiderstehlichen Schlampe“ und ist fasziniert von ihrer Art zu sprechen und zu küssen.Uptown (2004), S. 663.Uptown (2004), S. 432. Money Don’t Grow on Trees Das fröhliche, lebhafte Stück gehört zu Pop und R&B. Im Liedtext motiviert Prince’ Mutter ihn, hart zu arbeiten, weil „Geld nicht auf Bäumen wächst“. Er solle von „9 bis 17 Uhr“ arbeiten, es sei denn, er könne „wie Fred Astaire tanzen“ – was nicht zutrifft. Vagina Der Song gehört zum Rock-Genre und wird von Prince’ Gitarrenspiel dominiert, das durch Handclaps ergänzt wird. Der Text handelt von einer Protagonistin namens „Vagina“, die „Halbjunge, Halbmädchen – das Beste aus beiden Welten“ verkörpert. Toningenieur David Z. Rivkin (* 1948; † 2026), dessen Bruder Bobby Schlagzeuger bei The Revolution ist, kommentierte den im Falsett gesungenen Song: „Es war nicht einmal suggestiv, es war ein obszönes Lied“. Für das Jahr 1982 hatte Prince die Sängerin Denise Katrina Matthews für Vanity 6 engagiert und ihr zunächst den Künstlernamen „Vagina“ gegeben; sie lehnte diesen ab und wählte Vanity (dt. Eitelkeit) als Pseudonym.Uptown (2004), S. 520. Rearrange Den E-Gitarre-betonten R&B- und Rocksong verglich Toningenieurin Susan Rogers (* 1956) mit Purple Music: Er sei kein „herausragender“ Song und ähnele Purple Music, sei aber „viel kürzer“. Im Text von Rearrange betont Prince, man solle im Leben offen für Veränderungen sein, „wenn du etwas erreichen willst“. 1988 erstellte er einen Remix, der jedoch nicht veröffentlicht wurde.Uptown (2004), S. 519. Bold Generation Im Funk-Track spielt Morris Day Schlagzeug. Musik und Text ähneln dem Song New Power Generation vom Album Graffiti Bridge (1990). Sie handeln davon, dass „Liebe und Musik machen“ das Einzige sind, „wofür es sich zu kämpfen lohnt“. Außerdem fordert der Text, alte Ideen hinter sich zu lassen und offen für Veränderungen im Leben zu sein. Colleen Das gitarrenlastige Instrumentalstück benannte Prince nach dem zweiten Vornamen seiner Toningenieurin Peggy McCreary. Die Titelauswahl erfolgte spontan: Als McCreary den ursprünglich namenlosen Song archivieren wollte, fragte sie Prince nach dem Namen. Er erkundigte sich nach ihrem zweiten Vornamen und sagte: „Nenn’ es ‘Colleen’“. Laut McCreary wurde der Song nie fertiggestellt und hatte keinen Liedtext.Clerc (2023), S. 592. International Lover (Take 1, Live in Studio) In der R&B-Ballade spielt erneut Morris Day Schlagzeug, das im Vordergrund steht. Im Gegensatz zur Albumversion auf 1999 (1982) singt Prince nicht im Falsett, und die Aufnahme wirkt teilweise wie ein Rehearsal. Der Liedtext entspricht weitgehend der zuvor veröffentlichten Version. Turn It Up