Beilby Porteus (auch Porteous; * 8. Mai 1731; † 13. Mai 1809) war Bischof von Chester und dann Bischof von London. Er reformierte die Church of England und war ein führender Abolitionist in England. Er war der erste Anglikaner, der eine Autoritäts-Position erreichte, in der er die Haltung der Kirche gegenüber Sklaverei verändern konnte.
Leben
Familie Die Familie Porteus hatte schottische Vorfahren. Sein Großvater, Edward Porteus († ca. 1700), Eigentümer des Gutes ‘Newbottle’ in Schottland siedelte sich in Gloucester Town in Virginia an. Er erwarb 500 Morgen Ackerland für den Anbau von Tabak und ein Grundstück in Gloucester Town selbst. Auch sein Sohn Robert (1679–1758) lebte als Plantagenbesitzer in Virginia. Er war zweimal verheiratet und erbte das Land seines Vaters, außerdem 692 Morgen Land im Kirchspiel Petso in Virginia.Celia Mill, Research update – Bishop Porteus’ links with North America. Fulham Palace House and Garden. Robert Porteus und seine zweite Frau Sarah Jennings, Beilbys Mutter, zogen Anfang des 18. Jahrhunderts aufgrund von wirtschaftlichen ProblemenNach ODNB wegen Gesundheitsproblemen und dem Wunsch, seinen Kindern eine bessere Erziehung zu ermöglichen. nach England und ließen sich 1720 wegen Gesundheitsproblemen von Robert Porteus in York nieder. Beilbys Halbbruder Edmund Porteus, dem eine Tabakplantage in Port Tobacco in Maryland gehörte, sowie vermutlich einige andere Kinder aus erster Ehe blieben in Amerika.Celia Mill, Research update – Bishop Porteus’ links with North America. Fulham Palace House and Garden. Eventuell erbte Beilby 250 Morgen der Plantage seines Halbbruders in Port Tobacco, sie können aber auch direkt an seinen Großneffen Thomas Porteus gefallen sein.Celia Mill, Research update – Bishop Porteus’ links with North America. Fulham Palace House and Garden.
Jugend Beilby Porteus wurde 1731 in York geboren, als vorletztes von neunzehn Kindern von Robert Porteus. Porteus besuchte eine Schule in York und dann die Ripon Grammar School von Hyde, dann studierte er am Christ’s College, Cambridge klassische Philologie, schloss dort 1752 mit einem BA ab und wurde im selben Jahr „Fellow“.Porteus, Beilby (PRTS748B). A Cambridge Alumni Database. University of Cambridge. Um Geld zu verdienen, wurde er Esquire Bedel, eine Art zeremonialer Universitätsdiener, und gab Privatunterricht. 1759 gewann er den Seatonian Prize für Gedichte über die „Attribute des Höchsten Wesens“ für sein Gedicht Death: A Poetical Essay („Tod, ein poetisches Essay“), A poetical essay on death. By Beilby Porteus, M. A. Now Bishop of London. Printed and sold by Darton and Harvey, No. 55, Gracechurch-Street, M.DCC.XCIV. . gale.com EditionGALE|CW0116673285 ein Werk, für das er noch 1880 bekannt war. Von ihrem Vater erbten Porteus und sein Bruder Edward 1758 eine Plantage in Virginia und die dazugehörigen Sklaven. Sie wurden 1759 verkauft, der Wert der Sklaven wurde auf 1200 £ geschätzt.Celia Mill, Research update – Bishop Porteus’ links with North America. Fulham Palace House and Garden.
1757 wurde Porteus zum Priester ordiniert und 1762 zum häuslichen Kaplan von Thomas Secker, den Erzbischof von Canterbury, berufen und wirkte sechs Jahre lang als dessen persönlicher Assistent im Lambeth Palace. Er erhielt Rucking und Wittersham in Kent als Pfründe. 1764 wurde er Präbendar von Peterborough. Man geht davon aus, dass er in diesen Jahren mit der Situation der versklavten Afrikaner in den amerikanischen Kolonien und in den British West Indies vertraut wurde. Er stand im Briefkontakt mit Klerikern und Missionaren und erhielt Berichte (von James Ramsay) über die beschämenden Bedingungen, denen Sklaven in den British West Indies ausgesetzt waren, sowie von Granville Sharp, einem englischen Rechtsanwalt, der die Fälle von freigelassenen Sklaven in England betreut hatte. Außerdem hatten sein Vater und er selbst in Virginia Sklaven auf seiner Tabakplantage besessen.
1769 wurde Porteus zum Kaplan von König George III. berufen. Er wird als einer der Fastenprediger in der Chapel Royal, Whitehall für 1771, 1773 und 1774 aufgelistet.London Gazette, 2. Februar 1771, Nr. 11115, S. 1.London Gazette, 9. Februar 1773, Nr. 11326, S. 1.London Gazette, 29. Januar 1774, Nr. 11427, S. 1. Er war zudem Rector von Lambeth (ein 'advowson' – Kirchenpatronat, das zwischen dem Erzbischof von Canterbury und der Krone aufgeteilt ist) 1767–1677,Porteus, Beilby (at Lambeth). CCEd Appointment ID 257020. The Clergy of the Church of England Database 1540–1835.London Gazette, 11. Februar 1777, Nr. 11744, S. 2. und später Master of St Cross in Winchester (1776–1777).
Porteus war sehr besorgt über bestimmte Tendenzen in der Church of England, die er als Verwässerung der Wahrheit der Heiligen Schrift betrachtete. Er setzte sich für eine reine Lehre ein und bekämpfte das Anti-Subscription Movement, das durch Theologen und Gelehrte gefördert wurde, die nach seiner Meinung die wichtigsten christlichen Doktrinen und Glaubensinhalte verwässerten und es dazu Klerikern freistellen wollten, ob sie die Neununddreißig Artikel unterzeichnen wollten oder nicht. Zu gleicher Zeit war er offen, einen Kompromiss zur Revision einiger Artikel zu fordern. Er war immer ein Mann der Church of England, zugleich arbeitete er fröhlich mit Methodisten und Dissentern zusammen und erkannte deren wichtige Beiträge in Evangelisation und Erziehung an.
Er heiratete am 13. Mai 1785 Margaret Hodgson, die Tochter eines Gastwirts aus Stamford.
Bischof von Chester 1776 wurde Porteus zum Bischof von Chester ernannt und übernahm das Amt 1777.London Gazette, 18. Januar 1777, Nr. 11737, S. 1. Die Diözese lag im Nordwesten von England und hatte nur wenige Pfarrstellen. Im Zuge der Industriellen Revolution waren neue Zentren entstanden und die Bevölkerung wuchs schnell an. Die beschämende Armut und die Not unter den zugewanderten Arbeitern in neuen Manufakturen und Industriewerken stellte eine große Herausforderung für die Kirche dar und bewirkte einen hohen Druck auf die Infrastruktur der Parochien. Nach wie vor nahm Porteus großen Anteil an dem Los der Westindischen Sklaven. Er predigte für ein Verbot des Sklavenhandels, nahm an zahlreichen Debatten im House of Lords teil und machte sich so einen Namen als Abolitionist. Außerdem engagierte er sich in den Arbeitsgebieten der Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts, vor allem in Bezug auf die Rolle der Church of England in der Verwaltung der Codrington Plantations in Barbados, wo rund 300 Sklaven im 'Besitz’ der Society waren. Porteus, ein anerkannter Gelehrter und beliebter Prediger konnte 1783 als junger Bischof mit seiner berühmtesten und einflussreichsten Predigt, dem Anniversary Sermon erstmals landesweit Aufmerksamkeit erregen.
Anniversary Sermon und Haltung zur Sklavenfrage Als Porteus 1783 eingeladen wurde, den Anniversary Sermon (Geburtstagspredigt) der Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts zu halten, kritisierte die Rolle der Church of England, die das Los von 350 Sklaven auf ihren Codrington Plantations in Barbados unbeachtet ließ, und empfahl Maßnahmen, um das Los der Sklaven zu verbessern. Es war ein mitfühlendes und gut argumentierendes Plädoyer für „Die Zivilisierung, Verbesserung und Konversion der Neger-Sklaven in den Britischen West-India Inseln als Empfehlung“ (The Civilisation, Improvement and Conversion of the Negroe Slaves in the British West-India Islands Recommended) und wurde in der Kirche St Mary-le-Bow vor vierzig Mitgliedern der Society als Predigt vorgetragen. Zu den Hörern gehörten elf Bischöfe der Church of England. Als diese Predigt auf taube Ohren traf, begann Porteus seinen Plan for the Effectual Conversion of the Slaves of the Codrington Estate (Plan für die effektive Konversion der Sklaven des Codrington Estate), den er dem SPG-Committee 1784 präsentierte und, als dieser abgelehnt wurde, erneut 1789. Seine Enttäuschung über die Ablehnung seines Plans durch die anderen Bischöfe ist greifbar. Sein Tagebucheintrag für diesen Tag offenbart seine moralische Entrüstung über die Entscheidung und die offensichtliche Selbstzufriedenheit der Bischöfe und des Committee der Society. Niemand fühlte sich verantwortlich für das Wohl ihrer Sklaven.
Nach dieser Enttäuschung begann Porteus eine 26 Jahre währende Kampagne zur Abschaffung des Sklavenhandels und Emanzipation der Sklaven in den British West Indian Colonies. Er nutzte die schriftstellerische Tätigkeit, ermutigte politische Initiativen und unterstützte die Aussendung von Missionaren nach Barbados und nach Jamaika, die dort freilich wenig erreichten. Er war zutiefst besorgt über das Los der Sklaven. Durch die Berichte, die er erhielt, wurde er ein eifriger und leidenschaftlicher Abolitionist und der höchstrangige Kleriker seiner Zeit, der sich aktiv an Kampagnen gegen Sklaverei beteiligte. Er engagierte sich in der Gruppe von Abolitionisten in Teston, Kent, die von Sir Charles Middleton geführt wurde und bald machte er Bekanntschaft mit William Wilberforce, Thomas Clarkson, Henry Thornton, Zachary Macaulay und anderen Aktivisten. Viele Mitglieder dieser Gruppe waren Mitglieder der sogenannten Clapham Sect von evangelikalen Sozialreformern und Porteus gab ihnen und ihren Kampagnen willig seine Unterstützung.
Als Wilberforces Gesetz zum Verbot des Sklavenhandels ab 1789 unablässig 18 Jahre lang vor das Parlament gebracht wurde, kämpfte Porteus feurig und energisch von der Bench of Bishops im Oberhaus und in der anglikanischen Kirche für das Gesetz. Eine Befreiung der Sklaven hielt Porteus aber erst nach einer langen Zeitspanne von Erziehung und religiöser Unterweisung irgendwann in ferner Zukunft für möglich.John Gilmore, Beilby Porteus. In: David Dabydeen, John Gilmore, Cecily Jones (Hrsg.), The Oxford Companion to Black British History. Oxford, Oxford University Press 2007. ISBN 978-0-19-172733-7 1808 lehnte er es ab, eine Kampagne zur Abschaffung der Sklaverei zu unterstützen.
Bischof von London 1787 wurde Porteus auf Rat von Premierminister William Pitt auf den Bischofssitz London versetzt,London Gazette, 13. November 1787, Nr. 12938, S. 533. eine Position, die er bis zu seinem Tod 1809 innehatte. In diesem Zuge wurde er nach altem Brauch zugleich zum Privy Council und als Dean der Chapel Royal berufen.London Gazette, 4. Dezember 1787, Nr. 12944, S. 570. Schon 1788 unterstützte er die Slave Trade Bill von Sir William Dolben von der Bank der Bischöfe aus und im Verlauf der nächsten 25 Jahre wurde er der führende Verfechter in der Church of England für die Abschaffung des Sklavenhandels. Er unterstützte Wilberforce, Granville Sharp, Henry Thornton und Zachary Macaulay und andere, um letztlich die Annahme des Slave Trade Act 1807 zu erreichen.
Im Blick auf sein leidenschaftliches Engagement in der Anti-Sklavenhandels-Bewegung und seine Freundschaft mit anderen führenden Abolitionisten, war es besonders passend, dass er als Bischof von London auch mit der offiziellen Verantwortlichkeit für das geistliche Wohl der Britischen Kolonien in Übersee betraut war. Er war verantwortlich für Mission in den Westindischen Inseln und in Indien und gegen Ende seines Lebens finanzierte er persönlich den Versand von Schriften in den Sprachen von zahlreichen Völkern in so unterschiedlichen Regionen wie Grönland und Indien.