Der Artikel Verwaltungsgliederung im Landbuch Karls IV. beschäftigt sich mit den einzelnen Verwaltungseinheiten und Landschaften im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 und zu dessen Zeit.
mini|hochkant=1.6|Das Kurfürstentum Brandenburg im Jahr 1585, Atlas von Gerhard Mercator
Einleitung Die grundlegende Gliederung formulierte das Landbuch Kaiser Karls IV. im Abschnitt 11 Landesbeschreibung: „“Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark]. [Marchia Brandeburgensis], S. 62. – Die Mark Brandenburg unterteilt sich zuerst in drei Hauptteile, nämlich Mark über Elbe, Mark über Oder und Mittelmark. Der kurze Satz verdeutlichte Zweierlei: 1) die Mitte galt als Hauptteil des Landes namens Markgrafschaft oder Kurfürstentum Brandenburg, 2) die beiden Ströme Elbe und Oder gaben eine Dreiteilung vor. Eine Ebene tiefer benannte die Landesbeschreibung im Westen die Altmark (), im Osten den Hauptteil über Warthe () und das Land Sternberg () sowie dazwischen den Barnim (), den Glien (, siehe unten), das Havelland (), das Land Lebus (), die Herrschaft Lindow (, wörtlich ‚Grafschaft Lindow‘), die Prignitz (), den Teltow (), das Uckerland () und die Zauche ().Rosemarie Baudisch: Geographische Grundlagen und historisch-politische Gliederung Brandenburgs. In: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landschaften. Mittelmark, S. 22–30, hier S. 22–23.Lew Hohmann: Die Brandenburger. Be.Bra Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-930863-47-2, Die Kurmark Brandenburg, S. 30–31.
Das Urbar meinte damit zunächst Verwaltungseinheiten, gab aber zugleich Landschaften wieder. Letztere definiert das Europäische Landschaftsübereinkommen als ein Karl Brunner: Kleine Kulturgeschichte des Mittelalters. originale Auflage, Verlag C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63715-5, VI Kultur-Landschaften. Landschaft und Weltbild, S. 217–219. Dieser Wortsinn entwickelte sich zwar erst im 16. Jahrhundert, entfaltete jedoch bereits im Mittelalter seine Wirkkraft. Die natürlichen Gegebenheiten setzten die Grenzen kleinerer Verwaltungseinheiten, sie wuchsen zu größeren zusammen, die sich dann wiederum als Landschaften etablierten.Jiři Fajt, Wilfried Franzen, Peter Knüvener: Einführung. In: Die Altmark von 1300 bis 1600. 1. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-106-8, Marchia transalbeana, S. 17–21.Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54808-7, Einführung, S. 1–4.
Die Flüsse spielten, wie bereits oben angedeutet, eine Rolle bei der Gliederung. Sie dienten in slawischer Zeit als verbindendes Element. Hingegen markierten sie in deutscher Zeit die Trennlinien. Nicht immer wurde diese sogenannte Flussregel eingehalten, die Verwaltungs- und Landschaftsgrenzen deckten sich nur teilweise. Dabei machte das Amtsbuch keine Ausnahme. So zeigte es erste Ansätze des späteren Glien-Löwenbergischen Kreises, der Havelland und Land Lindow berührte. Das Dorfregister Barnim enthielt Teile des Uckerlandes und Landes Lebus, um nur zwei Beispiele zu nennen.Sebastian Brather: Hochmittelalterliche Siedlungsentwicklung um Kloster Lehnin – Slawen und Deutsche in der Zauche. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte. Band 27. Hüthig Verlagsgemeinschaft, Heidelberg 1993, ISBN 3-8226-2392-X, 11. Burgen und Verkehrssystem. S. 144–146, „Flussregel“: S. 145.Gerd Heinrich (Bearbeitung), K. Bremer, H.-J. Nitschke, Ch. Tolkmitt (Kartographie), G. Preuß (Kartolithographie und Reproduktion): Die Mark Brandenburg 1319–1575. Territoriale Entwicklung. Maßstab 1 : 650.000. Abteilung III, In: Historische Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin (Hrsg.): Historischer Handatlas von Brandenburg und Berlin. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1971.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark]. Marchia media. Glyn, S. 64.Rosemarie Baudisch: Geographische Grundlagen und historisch-politische Gliederung Brandenburgs. In: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landschaften. Glin, S. 27.Ulrich Waack: Kirchenbau und Ökonomie. Lukas Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-936872-73-6, Einleitung. Fragestellung und Abgrenzung, S. 15–22, hier S. 15–16.
Lindow alias Ruppin mini|Blick über Ruppiner See zur Klosterkirche St. Trinitatis Das Aussterben der Grafen von Lindow-Ruppin war der Anlass, nicht die Ursache für das Ende der Herrschaft Ruppin im Jahr 1524. Neuruppin blieb danach das Zentrum des Landes Ruppin.Gerd Heinrich: Die Grafen von Arnstein. Böhlau Verlag, Köln 1961, 2. Teil. Entstehung und Ausbildung der Herrschaften der Grafen von Arnstein, Grafen von Barby und Grafen von Lindow. VII. Die Grafen von Lindow-Ruppin. B. Der Grundbesitz, S. 341–379.Lisa Riedel: Überschau. In: Ruppiner Land. Akademie-Verlag, Berlin 1981, Die Siedlungen. Herrschaft Ruppin, S. 16–18.Rolf Barthel: Neuruppin. Landkreis Ostprignitz-Ruppin (60 km nw Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 2 Die Lage der Stadt in der Landschaft. 2 c Zentralörtliche Gliederung, S. 362.
Den Raumnamen Lindow verwendete das Landbuch Kaiser Karls IV. anstelle Ruppins, was wiederum für Herrschaft und Land Ruppin stand. Ob dies allein der böhmischen Sichtweise im Bezug auf die Rückübertragung der Herrschaft Lindau (siehe unten) entsprang, ging aus den Darlegungen von Gerd Heinrich nicht eindeutig hervor. Laut Werte unserer Heimat 25 setzte sich ab dem Ende des 13. Jahrhunderts die Bezeichnung Ruppin durch. Eine Aufstellung darüber, welche Länder- und Landschaftsnamen im Laufe der Jahrhunderte Verwendung fanden, bot die Standardliteratur nicht an. Der Doppelname des Adelshauses Lindow-Ruppin erfüllte eine Funktion. Graf von Ruppin betonte den Schwerpunkt im Norden, Graf von Lindow die Wurzeln und den Machtanspruch im Süden. Die Landesbeschreibung der Mark Brandenburg von 1373 enthielt beide Titulierungen (). Die Verwandtschaft in der Mittelmark (Verkäufe, Hebungen und Afterbelehnungen in Havelland und Zauche) hieß im Urbar nur Lindow (Derer von, Heinrich von, Hetzin von, Johann von, Klaus von und Witwe des Otto von Lindow).Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Topographische Beschreibung der Mark]. Marchia media, S. 63–65.Rudolf Schneider: Überschau. In: Ruppiner Land. Akademie-Verlag, Berlin 1981, Die Landschaft. Jungmoränengebiet, S. 1–3.Gerd Heinrich: Die Grafen von Arnstein. Böhlau Verlag, Köln 1961, Exkurse. XXXVIII Comitatus Lindowensis (Anmerkung 1837), S. 505–506.Autorenkollektiv: Das Rheinsberg-Fürstenberger Seengebiet. Akademie-Verlag, Berlin 1974, Überschau. Historische Entwicklung, S. 18–29, hier S. 20.Gerd Heinrich: Die Grafen von Arnstein. Böhlau Verlag, Köln 1961, 2. Teil. Entstehung und Ausbildung der Herrschaften der Grafen von Arnstein, Grafen von Barby und Grafen von Lindow. VII. Die Grafen von Lindow-Ruppin, S. 335–391.Elżbieta Foster: Brandenburgisches Namenbuch. Die Ortsnamen des Landes Ruppin (= K. Gutschmidt, H. Schmidt im Auftrag Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (Hrsg.): Brandenburgisches Namenbuch. Teil 11; Berliner Beiträge zur Namenforschung. Band 12). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, II. Erklärung der Namen. A. Die Landschafts- und Stammesnamen, S. 37–39.Gerd Heinrich: Die Grafen von Arnstein. Böhlau Verlag, Köln 1961, 2. Teil. Entstehung und Ausbildung der Herrschaften der Grafen von Arnstein, Grafen von Barby und Grafen von Lindow. VII. Die Grafen von Lindow-Ruppin. C. Die Herrschaftsbildung, S. 379–391.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Dorfregister], S. 76–411, Familienname Lindow: Derer von: Kotzen S. 185; Heinrich von: Brachwitz S. 207–208, Ober-Nichel S. 210; Hetzin von: Derwitz S. 218; Johann von: Birkhorst S. 200, Buchholz bei Treuenbrietzen S. 206, Nieder-Nichel S. 206–207, Brachwitz S. 208, Ober-Nichel S. 210, Wittbrietzen S. 211–212, Ficksdorf S. 212; Klaus von: Niebel S. 201; Witwe des Otto von: Nieder-Nichel S. 210.
Die Herrschaft Lindow wuchs um den Todestag Waldemars (Brandenburgisches Interregnum) zu Lasten der Mark Brandenburg. Die Ländchen Wusterhausen an der Dosse und Gransee wurden um 1319 erst als Pfand, dann 1349 als Lehen einverleibt oder entfremdet (je nach Perspektive). Andere Zugewinne oder Verluste blieben von kurzer Dauer. Ludwig I., Markgraf von Brandenburg (1323–1351) holte Rathenow und Ländchen Friesack zurück. Die aktive Wiedergewinnungspolitik Karls IV. drängte die Grafen von Lindow-Ruppin dann weitgehend aus dem Havelland heraus. Das Haus Luxemburg erwarb am 4. Juni 1373 gegen Ratenzahlungen zunächst zwei von drei südlichen Territorien des Hauses Lindow-Ruppin – die ums Stift Leitzkau gelegenen Herrschaften Lindau und Möckern (die Herrschaft Dornburg wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt). Den darauf folgenden, jeweiligen aktuellen Stand gaben mehrere Schriftquellen wieder.Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg. 1. Band. 4. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13480-9, Anhang: Gebiete, die nicht der askanischen Landesherrschaft unterstanden. Land Ruppin, S. 247–252.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Beschreibung der Mark Brandenburg 1373, S. 1–5.