Der WAS-2121 „Niwa“ , bekannt unter den Handelsnamen Lada Niva 1600 bzw. Lada Niva 4X4, ist ein vom russischen Automobilhersteller AwtoWAS in Toljatti produzierter Geländewagen. Der Name Niwa bezieht sich auf den ursprünglich geplanten Einsatz im ländlichen Raum und bedeutet in etwa „Acker“ oder „Feld“. Modellbezeichnungen für andere Märkte sind unter anderem Lada Taiga (Deutschland, Österreich), Lada Sport (Island) und Lada Bushman (Australien). Der Wagen ist der Begründer der Klasse der kompakten und preiswerten Geländewagen mit selbsttragender Karosserie. Dieses Konzept wurde von vielen westlichen Herstellern adaptiert. Kontinuierlich weiterentwickelt, wird der WAS-2121 seit fünf Jahrzehnten hergestellt und gilt als einfache, aber äußerst robuste Konstruktion. Bis 2002 entstanden 1.492.554 Exemplare. Der Wagen ist weiterhin in Produktion. Seit 2013 trägt der Wagen offiziell die Bezeichnung Lada Taiga, weil die Namensrechte für "Niwa" dem Gemeinschaftsunternehmen von AwtoWAS mit Chevrolet gehören.

Fahrzeuggeschichte Urmodell WAS-2121 Der WAS-2121 geht auf den Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, Alexei Nikolajewitsch Kossygin, zurück. Im Sommer 1970 forderte er von AwtoWAS, ASLK und Ischmasch, ein Geländefahrzeug auf Basis des WAS-2101 für ländliche Gebiete zu entwickeln:Kanunnikow, S. 77 „Die Zusammenarbeit mit Fiat endet (…). Also, Ihr erster unabhängiger Schritt sollte die Schaffung eines Geländewagens auf der Basis des „Schiguli“ für unsere Dorfbewohner sein.“W. A. Kotlirow: (Hrsg.): Высокой мысли пламень. Band 1, Типография ДИС АО «АВТОВАЗ», Toljatti, 2000, S. 262–355 Entwickelt wurde der spätere WAS-2121 dann bei AwtoWAS maßgeblich unter Leitung Pjotr Prusows (1942–2017).Benjamin Triebe: Lada-Konstrukteur gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2017, S. 20. Erste Tests mit zwei Prototypen (1Э2121) wurden im Sommer 1971 durchgeführt. Diese Prototypen unterschieden sich noch erheblich vom späteren Serienmodell: Sie hatten einen Leiterrahmen, eine offene Karosserie und kein sperrbares Mitteldifferenzial. Nach diesen Tests wurde das Konzept des Fahrzeuges grundlegend überarbeitet. Im Sommer 1973 war der zweite Prototyp 2Э2121 fertiggestellt, der dem späteren Serienmodell nicht nur technisch, sondern auch optisch ähnelte. Dieser Wagen hatte permanenten Allradantrieb mit sperrbarem Mitteldifferenzial und eine selbsttragende Karosserie, die der Designer Waleri Semuschkin entworfen hatte. 1974 hatte der Prototyp dann auch den Kühlergrill des späteren Serienmodells. Im selben Jahr wurden die ersten 15 Vorserienmodelle hergestellt. Der Auftrag zur Aufnahme der Serienfertigung wurde am 15. Juli 1975 erteilt.Nikolai Butirskij: ВАЗ-2121 «Нива». Нестареющий «паркетник», erschienen im AG-Magazin, 2007. Die ersten Fahrzeuge der Nullserie wurden schließlich im Februar 1976 produziert, im März folgten weitere 50 Fahrzeuge.P. Wolin: Вдохновение по расчёту in Литературная газета, № 10, 10. März 1976, S. 11. Im Mai 1980 lief der 100.000ste Niwa vom Band.100 000. Niwa aus Togliatti In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1980, S. 201. 1986 wurden 68.549 Niwas produziert,Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. Transpress Verlag, Berlin, 1. Auflage 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 186. was knapp 10 Prozent der Gesamtproduktion von AwtoWas entsprach.

Das Basismodell mit 1,57-Liter-Motor, der WAS-2121, Verkaufsbezeichnung Niva 1600, wurde bald um eine Variante mit 1,3 Liter Hubraum ergänzt, Modellbezeichnung WAS-21211. Sie wurde nur in kleiner Stückzahl gebaut. Schnell entwickelte sich der „Niwa“ zum Erfolgsmodell, das auch ins westliche Ausland exportiert wurde.Kanunnikow, S. 78 Sein Messedebüt auf der Leipziger Herbstmesse hatte der Niwa 1978.Niwa 1600 – Ein neues Fahrzeug aus dem Automobilwerk an der Wolga. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1978, S. 277–280. Mit 37 090 Mark (1988) Werner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2. Auflage 2000, ISBN 3-613-01913-2. war er seinerzeit in der DDR wesentlich teurer als alle anderen Lada-Modelle. In Westdeutschland war der Niwa seinerzeit für 14 490 DM (1988) erhältlich.

Neues Modellprogramm in den 1990er Jahren mini|WAS-2121 (1977 bis 1994) mit kurzer Heckklappe mini|WAS-21213 (seit 1994) mit großer Heckklappe mini|WAS-2121, Baujahr 1979 mini|WAS-2329 (Pickup) mini|WAS-21218 mini|WAS-2131 mini|WAS-212183 (Landaulet) mini|WAS-2129mini|Schlüssel eines WAS-21214 „Niwa“ Erste große Änderungen erfuhr der „Niwa“ Anfang der 1990er Jahre. Nach und nach wurde das Modellprogramm überarbeitet und eine Fülle an Fahrzeugen auf Basis des „Niwas“ auf den Markt gebracht. Der ursprüngliche WAS-2121 wurde ab 1994 durch den WAS-21213 ersetzt, der einen Motor mit 1,7 Liter Hubraum, ein Fünfganggetriebe und eine größere Hecktür mit niedrigerer Ladekante hatte. Zwischen 1991 und 1994 gab es das Übergangsmodell WAS-21219, noch mit der alten Karosserie, aber schon mit der neuen Technik.Igor Denisowez Druscheski: WAS-21219 im Автомодельное бюро Äußerlich größter Unterschied zwischen WAS-2121 und WAS-21213 sind die schmalen Rückleuchten neben der bis zum Stoßfänger reichenden Heckklappe statt breiter Leuchten auf dem Heckblech. Weiters hat der Wagen ein neues Armaturenbrett, einen neuen Tacho und ein neues Lenkrad mit verformbarer Nabe (Pralltopf). Er war fortan das Basismodell, alle nachfolgenden Modelle basieren auf dem WAS-21213. Sie führen nicht mehr die Modellbezeichnung Niva 1600. In Zusammenarbeit mit Peugeot wurde ab 1993 der WAS-21215 mit 1,9-Liter-Wirbelkammer-Dieselmotor gebaut. Ebenfalls 1994 folgte eine Variante mit 500 mm längerem Radstand, zunächst mit drei Türen und zusätzlichen Seitenscheiben.Kanunnikow, S. 77 Seit 1995 wird das Modell WAS-2131 mit langem Radstand als Fünftürer gebaut. Das zweite Modell mit langem Radstand und drei Türen wird als „Fora“ vermarktet und trägt die Typenbezeichnung WAS-21218. Es hat längere Türen, sodass die zusätzlichen Seitenscheiben entfallen.Kanunnikow, S. 83 Ein weiteres Modell ist das Landaulet.Kanunnikow, S. 82

Es gab in den 1990er Jahren Bestrebungen, den „Niwa“ durch eine moderne Konstruktion zu ersetzen. Man entwickelte den WAS-2123, der in geringer Stückzahl in Handarbeit gefertigt wurde. Die Wirren der russischen Automobilindustrie und die Finanzkrise ließen eine Großserienfertigung jedoch nicht zu. GM und AwtoWAS starteten als GM-AwtoWAS ein Joint-Venture, das das Fahrzeug letztlich als Chevrolet Niva vermarktete.

Jüngere Entwicklungen In den Jahren 2009/2010 kam es zu einer allgemeinen Modernisierung des nun bereits über 30 Jahre alten Modells. Verändert wurde das Armaturenbrett, die vorderen Blinker und die technische Ausstattung.Stephan Bähnisch: Niva mit Mini-Facelift. In: Auto Bild, 27. April 2010. Unter anderem wurden Änderungen an der Vorder- und Hinterradaufhängung durchgeführt und die Stoßdämpferabstimmung modifiziert. Zudem lassen sich die größeren Außenspiegel nun von innen justieren. Später wurde auch die Türverkleidung geändert. Außerdem wurde der nunmehr Lada 4×4 genannte Wagen ab 2013 mit ABS ausgeliefert und erhielt während der Lackierung eine KTL-Beschichtung.

Als Reaktion auf den Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 wurden verschiedene Sanktionen gegen Russland verhängt. Infolgedessen musste die Produktion bei AwtoWAS zwischenzeitlich eingestellt werden. Am 14. Juli 2022 teilte der Hersteller mit, dass die Produktion des Niwa wieder aufgenommen wurde. Fortan ist nur noch eine reduzierte Ausstattung verfügbar. Unter anderem entfielen ABS und alle Airbags.

Modellpflege, WAS-21214 ab Dezember 2019 Am 16. Dezember 2019 gab Hersteller AwtoWAS den Beginn der Serienproduktion des nach eigener Aussage, seit Produktionsbeginn 1977 am umfassendsten überarbeiteten Modells „4x4“ (WAS-21214) bekannt.

Am 11. September 2020 gab AwtoWAS den offiziellen Produktionsstart der Sonderserie „[BLACK]“, auf Basis des seit Dezember 2019 produzierten, modernisierten „4x4“ (WAS-21214) bekannt.

Am 11. Januar 2021 gab AwtoWAS die Umbenennung des Modells WAS-21214 von „4x4“ in „NIVA“ und damit die Rückkehr zum ursprünglichen Handelsnamen bekannt. Zur Unterscheidung zum parallel produzierten WAS-2123 wird der alte Handelsname „NIVA“ beim Modell WAS-21214 mit „LEGEND“ ergänzt. Der in Zusammenarbeit mit General Motors entwickelte, ursprünglich als Nachfolger des WAS-2121 geplante WAS-2123 erhielt die Ergänzung „TRAVEL“.

Lada Niva Sport ab 2024 Seit Dezember 2024 baut AwtoWAS den Niwa als Sport. Er nutzt den 1,6-Liter-Ottomotor, der auch im Lada Granta und im Lada Vesta zum Einsatz kommt. Im Niwa Sport ist der Motor allerdings längs eingebaut. Die maximale Leistung wird mit 90 kW (122 PS) und das maximale Drehmoment mit 151 Nm angegeben. Das Fünfgang-Schaltgetriebe wurde überarbeitet, außerdem wurde die Aufhängung verstärkt. Aus dem Stand auf 100 km/h soll der Niwa Sport in 11,8 Sekunden beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 162 km/h.

Typenübersicht In der Fachliteratur wird das Fahrzeug einheitlich als ВАЗ-2121 «Нива» bezeichnet, deutsche Transkription WAS-2121 „Niwa“. Niva fungiert dabei als Markenname für alle Fahrzeuge auf Basis des WAS-2121 und wird auch ohne den Markennamen des Herstellers AwtoWAS für Exportmärkte, Lada, verstanden. Mittlerweile findet sich der Markenname Lada jedoch auch in russischsprachiger Fachliteratur, wo das Fahrzeug ergänzend zur Typenbezeichnung WAS-2121 „Niwa“ auch als Lada Niva bezeichnet wird.Kanunnikow, S. 76 Einige Niwa-Typen haben auch einen Handelsnamen, beim ersten „Niwa“ lautet dieser oft Niva 1600, allgemein wird jedoch nur die Typenbezeichnung als Handelsname verwendet, die oberhalb des Schwellers aufgebracht ist. Bei einigen Modellen wurde in Ergänzung zum Handelsnamen der Zusatz 4×4 verwendet, der später als 4×4 zum Handelsnamen des „Niwas“ wurde.

Kurzer Radstand WAS-2121: Basistyp, bis 1994 gebaut, Vierganggetriebe, Vergasermotor 1,57 l Hubraum. Handelsnamen u. a.: Lada Niva 1600, Lada Austro Taiga, Lada 2121, Lada Niva 4×4 WAS-21211: Wie Basistyp, bis ca. 1987 gebaut, Vierganggetriebe, Vergasermotor 1,3 l Hubraum. WAS-21219: Übergangsmodell zwischen WAS-2121 und WAS-21213, das bereits ein Fünfganggetriebe und einen Motor mit 1,7 l Hubraum hat, die Karosserie entspricht aber noch dem WAS-2121. WAS-21213: Basistyp seit 1994, Fünfganggetriebe, Vergasermotor 1,7 l Hubraum. Handelsnamen u. a.: Lada Niva, Lada Niva 4×4 WAS-21212: Bestimmt für den Export, Rechtslenker, Ottomotor, 1,7 l Hubraum. Handelsnamen u. a.: CossackIgor Denisowez Druscheski: WAS-21212 im Автомодельное бюро WAS-21214: Bestimmt für den Export, seit 1994, Fünfganggetriebe, Saugrohreinspritzer 1,7 l Hubraum. Handelsnamen u. a.: Lada Niva, Lada Niva 4×4, Lada Niva 1.7i, Lada Taiga, Lada Urban, Lada Bushman, Lada Sport, Lada 4×4 WAS-21215: Wie Basistyp, Fünfganggetriebe, Wirbelkammermotor 1,9 l Hubraum. WAS-21217: Bestimmt für den Export, Ottomotor 1,3 l Hubraum.Igor Denisowez Druscheski: WAS-21217 im Автомодельное бюро WAS-2122: Kübelwagen mit Fahrgestell des „Niwas“, Vergasermotor 1,3 l Hubraum. Handelsnamen u. a.: Reka WAS-1922: Extremgeländefahrzeug mit übergroßen Ballonreifen. Handelsnamen u. a.: Marsch

Langer Radstand WAS-21218 „Fora“: Dreitüriger Kombi mit langen Türen, 300 mm länger als der WAS-21213. Ottomotor 1,7 l Hubraum WAS-212183: Offenes Landaulet, 300 mm länger, als der WAS-21213. Ottomotor 1,7 l Hubraum WAS-2129: Dreitüriger Kombi mit kurzen Türen und zusätzlichen Seitenscheiben, 500 mm mehr Radstand als der WAS-21213 WAS-2131: Fünftüriger Kombi mit kurzen Türen ohne zusätzliche Seitenscheiben, 500 mm mehr Radstand als der WAS-21213, auch erhältlich mit 1,8-Liter-Motor WAS-2131 SP: Dreitüriger Kombi mit kurzen Türen und zusätzliche Seitenscheiben, Ambulanzfahrzeug WAS-2329 Zweitüriger Pickup-Truck, Ottomotor 1,7 l. Handelsnamen u. a.: Lada Niva 4×4 1.7i

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