Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (kurz AHK Griechenland, griechisch: Ελληνογερμανικό Εμπορικό και Βιομηχανικό Επιμελητήριο) ist eine vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) anerkannte Auslandshandelskammer (AHK) der Bundesrepublik Deutschland und Teil des globalen Netzwerks von deutschen AHK in 92 Ländern. Sie ist die offizielle Vertretung der deutschen Wirtschaft in Griechenland, trägt zur Förderung der deutsch-griechischen Handels- und Geschäftsbeziehungen bei und vertritt die Interessen von 862 Mitgliedsunternehmen.

Geschichte mini|Efthimios Kanellopoulos Das globale Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Die im Jahr 1894 von deutschen Kaufleuten in Brüssel gegründete „Chambre de Commerce Belgo-Allemande“ ist der Anstoß für die weltweite Eröffnung einer Vielzahl neuer Kammern, die als wichtige Institution für die Selbstverwaltung der Wirtschaft erkannt werden. Das beginnende 20. Jahrhundert ist von einem Florieren der internationalen Wirtschaftsbeziehungen gekennzeichnet, die auch nach den Unruhen des Ersten Weltkrieges weiter aufkeimen. So bestehen im Jahr 1924 bereits 452 Auslandshandelskammern, davon aber lediglich 34 Deutsche. Hier ergriff Efthimios Kanellopoulos, welcher zu diesem Zeitpunkt griechischer Botschafter in Berlin war, die Initiative, um als Ausdruck des großen Interesses an der Förderung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Griechenland und Deutschland, die Gründung der griechischen Handelskammer in Deutschland in die Wege zu leiten. Die Kammer wird nahezu zeitgleich in Deutschland und Griechenland anerkannt und nimmt ihre Tätigkeit offiziell am 28. Juni 1924 auf. So kann sie bereits am Abschluss des zunächst vorläufigen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Griechenland mitwirken, welcher am 3. Juli 1924 unterzeichnet wird und die erstmalige Wiederaufnahme der Handelsverbindungen dieser Länder nach dem Ersten Weltkrieg darstellt.

Zuwachs und Entwicklung bis zum Krieg mini|Mitteilungen der Griechischen Handelskammer in Deutschland, August 1924 Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit geht die Kammer zudem eine Kooperation mit dem Reichsverband der Deutschen Industrie ein und verzeichnet im August 1924 bereits 125 Mitglieder, davon griechische Firmen mit Sitz in Deutschland als ordentliche und deutsche Firmen, die mit Griechenland zusammenarbeiten, als außerordentliche Mitglieder. Bereits kurz nach Gründung können so Zweigstellen in 4 Städten Deutschlands eröffnet werden. Für ihre Mitglieder bietet die Kammer monatlich ein hundertseitiges Mitteilungsblatt auf Deutsch und Griechisch an. Es werden die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Industrieland Deutschland und dem Agrarland Griechenland dargestellt, um Möglichkeiten für einen beiderseitig vorteilhaften Warenaustausch aufzuweisen und über die wirtschaftliche Situation beider Länder, bilaterale Handelsbeziehungen und internationale Handelsmessen berichtet. Zeitgleich informiert die Kammer über zoll- und steuerrechtliche Meldungen, Nachrichten, statistische Daten und allgemeine Geschäftsanzeigen und betreibt Marktforschung zur Förderung des Absatzes griechischer Erzeugnisse in Deutschland. Im September ihres Gründungsjahres 1924 ist die griechische Kammer zudem Teil der erstmaligen Tagung aller deutschen Auslandshandelskammern, auf welcher das gemeinsame weltweite Netzwerk unter Leitung des Deutschen Industrie- und Handelstags (DHIT), ab 2001 Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), ins Leben gerufen wird. An einem Meilenstein in der Entwicklung der deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen kann die Kammer mit ihrem aktiven Beitrag zum Abschluss des bilateralen Handels- und Schifffahrtsvertrages vom 24. März 1928 mitwirken, was sowohl von der deutschen als auch von der griechischen Regierung gewürdigt wird. Derweil wird die angebotene Berichterstattung ausführlicher und differenzierte, die Bildung einer Schiedsstelle für die außergerichtliche Beilegung von Streitigkeiten wird eingeleitet und die Erweiterung der Dienstleistungen vorgenommen. Unter anderem biete die Kammer Auskünfte über deutsche und griechische Unternehmen und Übersetzungen an. Um die Zusammenarbeit mit griechischen Unternehmen zu erleichtern wird 1929 eine Zweigstelle in Athen gegründet, welche sich im weiteren Verlauf unter Aufgabe des Berliner Büros zum Hauptsitz der Kammer entwickelt. Die Anzahl der Mitglieder erhöht sich stetig und erreicht 1938 bereits 420. Auch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nahm das Interesse am Ausbau der bilateralen Handelsbeziehungen zunächst nicht ab und die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung dieser wird betont. So arbeitet die Kammer über die deutsche Besetzung Griechenlands hinweg ohne Unterbrechung weiter und ist erst mit dem Abzug der deutschen Truppen 1944 zum Einstellen ihrer Tätigkeit gezwungen.

Wiedereröffnung und Entwicklung in den Nachkriegsjahren mini|Adressbuch der wichtigsten Handels- und Industriefirmen in Griechenland, 1928 Nach Ende des Krieges wächst das Interesse an der Wiederaufnahme der Tätigkeit und es sind schließlich ehemalige Mitarbeiter die die Initiative ergreifen und die Kammer bereits 3 Jahre nach Kriegsende wiedereröffnen können. Die alte Zielsetzung wird beibehalten und die Kammer beginnt, über Geschäftsmöglichkeiten beim Im- und Export zu informieren, erneut eine Schiedsstelle zu etablieren und Beratung und Unterstützung zur Teilnahme an Messen in Deutschland und Griechenland anzubieten. Im Jahr 1949 können bereits wieder 169 Mitglieder in Griechenland sowie 104 in Deutschland verzeichnet werden. Im selben Jahr erfolgt die Anerkennung als offizielle deutsche Auslandshandelskammer durch den DHIT.

Die Einführung der freien Marktwirtschaft, die Liberalisierung des Außenhandels, das Wirtschaftswunder in der westdeutschen BRD und die sich erholende griechische Wirtschaft zu Beginn der fünfziger Jahre führen zu einem Aufschwung und erlauben auch der Kammer, ihre Tätigkeiten auszuweiten. Es werden Auskünfte über die Kreditwürdigkeit deutscher und griechischer Firmen erteilt, griechische Vertreter an deutsche Unternehmen vermittelt, Empfänge für Mitglieder und Unterstützer der Kammer veranstaltet, weiterhin ein monatliches Mitteilungsblatt und zudem alle 6 Monate ein Wirtschaftsbericht mit einer Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen veröffentlicht. Die Vertretung deutscher Messe in Griechenland gewinnt an Bedeutung und so kann die Kammer bereits 1954 die Vertretung der Messen Hannover und Köln übernehmen und sich so in einem Bereich etablieren, in dem sie bis heute bestimmend bleibt. Später folgen die Messen Düsseldorf, München, Nürnberg, Nürnberger Spielwarenmesse, Frankfurt und Berlin. Die Kammer beginnt, noch umfangreichere Marktberichte zu verfassen und als spezielle Dienstleistung über Ausschreibungen in Griechenland zu berichten.

Weiteres Wachstum und europäische Integration Anfang der siebziger Jahre gewinnt Griechenland, als alternativer Produktionsstandort für die deutsche Textilindustrie, weiter an Interesse für die deutsche Wirtschaft. Die Kammer reagiert und bietet regelmäßige Investitionsseminare an, in denen Kontakte zu vielen, noch heute in Griechenland tätigen, deutschen Unternehmen geknüpft werden können. Dadurch kann auch die Mitgliederzahl bis 1970 auf 880 in Griechenland und 164 in Deutschland gesteigert werden. Die deutsch-griechische Handelskammer entwickelt sich zu einer der angesehensten und erfolgreichsten Auslandshandelskammern in Griechenland. Im Jahr 1979 erreicht die Zahl der Mitglieder 1200. Die achtziger Jahre sind von einer stärkeren Öffnung der Kammer nach außen geprägt. Die Beziehungen zu den Spitzen der griechischen und deutschen Wirtschaft sowie zu Mitgliedern der griechischen Regierung werden intensiv gepflegt und die Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft vertieft. Parallel ist auf europäischer Ebene eine fortlaufende Annäherung zu verzeichnen. Der im Jahr 1957 beginnende Integrationsprozess führte bereits 1963 zur Ernennung Griechenlands zum Assoziationspartner der damaligen europäischen Gemeinschaft, 1981 wird es schließlich zum Vollmitglied erhoben. Mit einer weiter liberalisierten Außenwirtschaft und Deutschland als wichtigsten Wirtschaftspartner beginnt für Griechenland eine Periode wirtschaftlichen Aufschwungs. Etwa 20–25 % der griechischen Exporte gehen dabei jährlich nach Deutschland. Die weiter positive Entwicklung der Außenwirtschaft führt 1982 zur Gründung einer Zweigstelle der Kammer im nordgriechischen Thessaloniki, in welchem diese bis dato nur ehrenamtlich vertreten war. Die Mitgliederzahl in Nordgriechenland kann durch die Erweiterung deutlich gesteigert werden. Schwerpunkte der Tätigkeit der Zweigstelle Nordgriechenland war zunächst die Förderung der griechischen Exporte nach Deutschland, insbesondere im Bekleidungssektor, und Beteiligungen an Messen in Thessaloniki. Später wurde auf dem Gebiet der Messevertretung und im Umweltbereich Tätigkeiten in ganz Griechenland übernommen. Im Jahr 1984 erfolgt mit einer Neufassung der Satzung der Kammer die offizielle Umbenennung zur „Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer“, die Bezeichnung, welche die Kammer bis heute beibehalten hat. Die Gründung der Europäischen Union im Jahr 1992, mit Deutschland als einem der sechs Gründungsmitglieder, öffnet den europäischen Binnenmarkt und so auch neue Möglichkeiten für die Kammer. Diese modernisiert ihre Ausstattung, erweitert und intensiviert ihr Dienstleistungsangebot, beispielsweise auf die Mitarbeitervermittlung für Mitglieder sowie Unterstützung bei der Mehrwertsteuererstattung in Deutschland und Griechenland, und intensiviert ihre Mitarbeit bei deutschen Messen. Die heute alljährlich stattfindenden Neujahrsempfänge werden in Athen und Thessaloniki ins Leben gerufen und entwickeln sich zu zentralen Ereignissen, bei denen Mitglieder und Gäste der Kammer mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik zusammentreffen.

Das neue Jahrtausend Die mit der Globalisierung einhergehende Zunahme an internationalen Kooperationen und Investitionen lässt der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer wachsende Bedeutung zukommen, erfordert aber auch eine kontinuierliche Anpassung der Tätigkeit und des Dienstleistungsangebotes an die neuen Entwicklungen. Die Kammer begegnet den neuen Herausforderungen als Teil eines globalen Netzwerkes aus 140 deutschen Auslandshandelskammern mit 50.000 Mitgliedern in 92 Ländern. Unter den Schirm der Servicemarke DEinternational werden seit 2005 sowohl weltweit einheitliche als auch standortspezifisch angepasste Dienstleistungen angeboten. Mit diesen berät und unterstützt die griechische Auslandshandelskammer in allen, für den erfolgreichen Auf- und Ausbau deutscher Geschäftsaktivitäten in Griechenland bedeutsamen Themengebieten und bildet eine Kommunikationsbrücke für ihre Mitglieder.