Cupiennius getazi ist eine Spinne aus der Familie der Langbeinigen Wasserspinnen (Trechaleidae). Sie ist in Mittelamerika verbreitet und bewohnt dort tropische Regenwälder. Mit einer Körperlänge von maximal 38 Millimetern als Weibchen und einer Beinspannweite von über 100 Millimetern handelt es sich bei der Art um einen vergleichsweise großen Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae). C. getazi kann je nach Geschlecht mäßig bis kräftig orange oder auch unauffällig gräulich gefärbt sein.

Bei C. getazi handelt es sich wie bei allen Langbeinigen Wasserspinnen um einen freilaufenden Lauerjäger, der also kein Spinnennetz für den Beutefang einsetzt. In das Beutespektrum fallen sowohl verschiedene Wirbellose als auch kleinere Wirbeltiere. Der Paarung geht ein für Wolfspinnenartige (Lycosoidea) typisch ausgeprägtes Balzverhalten voraus. Ein begattetes Weibchen legt dann einige Zeit nach der Paarung nacheinander mehrere Eikokons an und betreibt eine für Spinnen vergleichsweise ausgeprägte, aber für die Überfamilie typische Brutpflege. Zunächst transportiert es einen kürzlich produzierten Eikokon permanent an den Spinnwarzen angeheftet mit sich herum, ehe es den Kokon nach weiteren wenigen Tagen in einem zuvor angelegten Brutgespinst deponiert. Wie bei anderen Vertretern der Gattung bewacht es jedoch seine Eikokons und die daraus schlüpfenden Nachkommen nicht, die nach wenigen Tagen das Brutgespinst verlassen und dann selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heranwachsen.

Es kommt immer wieder zu Einschleppungen von C. getazi in andere Teile der Welt über den Export von Stauden der Dessertbanane (Musa × paradisiaca), was auch bei anderen Arten der Gattung Cupiennius sowie weiteren gemeinhin als „Bananenspinnen“ bezeichneten Spinnen überliefert ist. Insgesamt scheint dies bei C. getazi verglichen mit anderen dieser Spinnen überdurchschnittlich oft der Fall zu sein. Bisse der Art beim Menschen sind dokumentiert. Der Biss gilt zwar als schmerzhaft, ruft für gewöhnlich jedoch keine medizinisch relevanten Komplikationen hervor. Die Spinne wird außerdem gelegentlich als Heimtier im Rahmen der Terraristik gehalten.

Merkmale mini|Größenvergleich: Männchen von C. getazi auf der Hand. Die Körperlänge von C. getazi kann laut Richard S. Vetter und Stefan Hillebrecht (2008) beim Weibchen 27 bis 38 und beim Männchen 22 bis 26 Millimeter betragen. Witold Lapinski gibt jedoch 2003 eine durchschnittliche Körperlänge von 27 Millimetern beim Weibchen und beim Männchen eine von 21 Millimetern an. Mit diesen Maßen handelt es sich bei C. getazi neben C. chiapanensis, C. connineus und der Großen Wanderspinne (C. salei) um einen der vier größten Vertreter der Gattung Cupiennius, deren grundsätzlichem Körperbau die Art anderweitig entspricht. Die Beinspannweite kann sich wie bei den anderen beiden größeren Arten C. coccineus und der Großen Wanderspinne auf bis zu über 100 Millimeter belaufen.

Sexualdimorphismus C. getazi weist wie andere Spinnen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) auf. Dieser macht sich neben den verschieden ausfallenden Dimensionen von Männchen und Weibchen vor allem in der jeweiligen Farbgebung bemerkbar.

Weibchen mini|Dunkler gefärbtes Weibchen Das Weibchen von C. getazi weist eine orangerote oder gelbbraune Grundfarbe auf. Insbesondere dorsal (oben) ist diese stark ausgeprägt und für die Art ein charakteristisches Eigenmerkmal. Auf dem Peltidium bzw. dem Carapax, dem Rückenschild des Prosomas, verläuft median (mittig) ein dunkles Band und lateral (seitlich) befinden sich dort im Vergleich zum Rest des Carapax kräftiger gefärbte Flächen. Die Basisglieder der Cheliceren (Kieferklauen) besitzen schwarze Längsstreifen. Bei beiden Farbvarianten ähneln sich diese Musterungen, deren Intensität und Färbung individuell variieren. Diese fällt bei der gelbbraunen Farbvariante schwarz und bei orangeroten Tieren dunkel orangerot aus. Das Labium (sklerotisierte, bzw. verhärtete Platte zwischen den Maxillae und vor dem Sternum) und die Maxillae (umgewandelte Coxen der Pedipalpen) hat bei beiden Farbmorphen eine schwarze Färbung. Entweder ist nur das Sternum (Brustschild des Prosoma) oder sowohl das Sternum als auch die Coxae (Hüftglieder) dunkelbraun bis schwarz gefärbt, wobei die Intensität der Färbung im Falle der Coxae, sofern ausgeprägt, verschieden ausfallen kann. Die Femora (Schenkel) weisen ventral (unten) viele kleine dunkle Punktierungen auf. Ventral sind diese immer hellgrau gefärbt.

Das Opisthosoma (Hinterleib) besitzt ein dunkles Herzmal. Distal (von der Körpermitte entfernt) davon verlaufen dunkle und inverse (umgekehrte) V-förmige Streifen. Ventral ist das Opisthosoma beim Weibchen entweder schlicht hellgrau gefärbt und verfügt über ein breites Längsband oder es hat eine dunkelgraue Farbgebung mitsamt einem hellgrauen breiten Medianband, wobei sich dieses bereits auf halber Länge deutlich verjüngt. Es wurden aber auch weibliche Individuen der Art von der Insel Barro Colorado und anderen Gebieten Panamas nachgewiesen, die ventral ein dunkles Medianband auf dem Opisthosoma und keine punktierten Femora aufwiesen.

Männchen mini|Männchen Das Männchen von C. getazi ähnelt in Teilen dem Weibchen, zumal die Grundfärbung seines Körpers ebenfalls orange, jedoch auch gräulich sein kann. Im Gegensatz zum Weibchen der Spinne kann das Männchen jedoch eine orangebraune Musterung aufweisen. Außerdem ist die Farbgebung beim Männchen der Art dorsal nicht so intensiv wie beim Weibchen ausgeprägt. Für das Männchen typisch ist ein dunkles Medianband, das sich vom Carapax bis zum Opisthosoma durchzieht und beidseitig von helleren Flächen flankiert wird.

Das Sternum und die Coxae können ähnlich wie beim Weibchen braun gefärbt sein, wobei die Braunfärbung hier stärker ausgeprägt ist. Genauso besteht die Möglichkeit, dass die Coxae, die Maxillae, das Labium sowie das Sternum grau erscheinen. Die Beine des Männchens heben sich vom Rest des Körpers durch ihre orangebraune Grundfarbe ab, wobei die Tarsen und die Metatarsen lateral ein leuchtendes Orange besitzen. Ferner sind die Femora hier schwach geringelt. Die Ventralseite der Femora hingegen gleicht beim Männchen der des Weibchens. Auch ähnelt die Beschaffenheit des Herzmals beim Männchen dem weiblichen Gegenstück. Die inversen V-förmigen Streifen verlaufen beim Männchen allerdings posterior (hinten). Ventral weist das Opisthosoma des Männchens eine graue Farbgebung auf. Auf dieser Fläche kann ein undeutliches und dadurch schimmernd erscheinendes breites Medianband ausgebildet sein.

Genitalmorphologische Merkmale Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) von C. getazi weist eine nach unten gebogene terminale (am Ende gelegene) Apophyse (Fortsatz) auf und die Apophyse vom Embolus (drittes und letztes Sklerit, bzw. Hartteil des Bulbus) ist stark gebogen und verdreht. Die Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) der Art besitzt ein breites medianes Septum (Trennwand) von ungefähr gleichmäßiger Breite. Dieses verbreitet sich aber distal und dieser Teil des Septums hat außerdem einen sklerotisierten nasenförmigen Prozess (weiteren Fortsatz).

Verbreitung und Lebensräume sowie sympatrisches Auftreten mit Cupiennius coccineus mini|Nachweiskarte von C. getazi nach Friedrich G. Barth (2001) Das Verbreitungsgebiet von C. getazi umfasst die Länder Costa Rica und Panama. Dort nimmt die Art wie alle der Gattung Cupiennius Regenwälder als Habitat (Lebensraum) an. C. getazi kann sympatrisch (gemeinsam) mit der gattungsverwandten Art C. coccineus vorkommen, wobei beide Spinnen dann auch in unmittelbarer Nähe voneinander angetroffen werden können. Sowohl C. coccineus als auch C. getazi bewohnen sowohl das Tiefland als auch Höhen von über 600 Metern über dem Meeresspiegel. C. getazi bewohnt allerdings bevorzugt baumfreie Habitate. Dadurch kann die Art hinsichtlich ihrer Habitatspräferenzen von C. coccineus unterschieden werden, da letztere Art in solchen Lebensräumen fehlt. Vorkommen von C. getazi in Sümpfen sind ebenfalls belegt, die mitunter auch zahlreich sein können.

Lebensweise mini|links|Weibchen im Blatttrichter einer Bromelie mini|Sich reinigendes Männchen mit dem hier deutlich sichtbar gespannten Sicherheitsfaden C. getazi ist wie alle Langbeinigen Wasserspinnen (Trechaleidae) nachtaktiv. Dabei weist das Weibchen wie bei den gattungsverwandten Arten C. coccineus und der Großen Wanderspinne (C. salei) eine Hauptaktivitätszeit in den frühen Nachtstunden auf, während das Männchen die ganze Nacht über gleichermaßen aktiv ist. Allerdings sind Unterschiede hinsichtlich der Aktivitätszeit zwischen C. coccineus und C. getazi bemerkbar, was vermutlich die Verhinderung eines Konkurrenzverhaltens zwischen diesen beiden miteinander sympatrisch vorkommenden Arten bezweckt. Dabei sind sowohl Männchen und Weibchen von C. getazi vor denen der anderen Art am aktivsten, die zu diesem Zeitpunkt ein Aktivitätsminimum aufweisen. Gleichermaßen steigern Individuen beiden Geschlechts von C. coccineus später ihre Aktivität auf das Maximum, während jene von C. getazi dann wieder minimal wird. Insgesamt ist C. coccineus deutlich länger aktiv als die andere Art.

Mit anderen Arten der Gattung Cupiennius teilt C. getazi die Eigenschaft, an spezifische Pflanzen gebunden zu sein, auf denen sie sich tagsüber verstecken und nachts auf Beutefang gehen, sich fortpflanzen und häuten und sie somit als Mikrohabitate nutzen. Außerdem dient dies scheinbar dem Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und Austrocknung am Tag. Zu den dafür von C. getazi präferierten Pflanzen zählen unter anderem die Ananas (Ananas comosus), Bromelia pinguin, verschiedene Arten der Gattung Guzmania aus der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae), Heliconia imbricata, verschiedene Bananen (Musa), Gynerium sagittatum aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) und eine weitere, nicht genauer identifizierte Art aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Gleiches gilt für Ingwer (Zingiber). Im Falle von Aronstabgewächsen, Gynerium sagittatum und Ingwer ist überliefert, dass C. getazi genau wie C. coccineus, C. panamensis und die Große Wanderspinne offene Räume zwischen Pflanzenteilen, etwa benachbarten Blättern mit Spinnenseide verschließen oder Blätter die Pflanzen biegen und rollen sowie ihre Enden mit Spinnfäden miteinander verbinden und verengen, sodass eine schützende Röhre entsteht, die die Spinne als Unterschlupf nutzen kann. Die Art bevorzugt wie C. coccineus vorwiegend Einkeimblättrige Pflanzen gegenüber Zweikeimblättrigen.

In Sümpfen zeigt C. getazi ein anderes Verhalten, da die dortige Vegetation der Art keine Unterschlupfmöglichkeit bietet. Somit zeigt sich die Spinne auch am Tag auf Blättern sitzend. Für ein solches Verhalten werden hohe Dichten an Beutetieren wie Libellen vermutet, sodass die Art auch Sümpfe als willkommenes Habitat nutzt, auch wenn dort keine passenden Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Trocknet ein Sumpf jedoch aus, was mit einem Fehlen der Beutetiere einhergeht, so lässt sich auch C. getazi dort nicht mehr nachweisen.

Jagdverhalten und Beutespektrum mini|links|Weibchen mit erbeuteter Laubheuschrecke (Tettigoniidae sp.) mini|Nahaufnahme eines Männchens beim Verzehr von Beute C. getazi lebt wie alle Spinnen räuberisch. Bei der Art handelt es sich wie bei allen Langbeinigen Wasserspinnen (Trechaleidae) um einen freilaufenden Lauerjäger, der demnach kein Spinnennetz für den Beutefang nutzt. Die Art setzt wie andere der Gattung vornehmlich auf taktile Reize mittels der Trichobothria (Tastsetae) zum Wahrnehmen von Beutetieren. Die Augen kommen bei der Jagd nicht zum Einsatz. Beutetiere werden gelegentlich mittels Spinnfäden am Untergrund fixiert, ehe sie verzehrt werden. Gelegentlich werden Beutetiere auch vibrokryptisch (verdeckt und mittels Vibrationen geortet) gejagt, was etwa bei Heuschrecken der Fall ist, obgleich diese selber über eine vibratorische Tarnung verfügen können.