mini|Verteilung der beschriebenen Tier- und Pflanzenarten nach Schätzungen aus den 1990er-Jahren
Es sind im Moment über 2 Millionen Arten von Lebewesen beschrieben worden (inklusive Pflanzen und Pilze, die meisten davon sind aber Tierarten).Biozahl 2006 – 2 Millionen-Grenze erreicht Exakte Zahlen über die Artenvielfalt gibt es nicht, da einerseits viele Arten mehrfach unter verschiedenen Synonymen beschrieben wurden und andererseits durch molekulargenetische Untersuchungen aus einer Art mehrere gemacht werden müssen. Dazu kommen noch Millionen bisher unbekannte Tierarten, die darauf warten, entdeckt zu werden. Schätzungen gehen von etwa 8,7 Millionen Tierarten weltweit aus,How many species on Earth? ScienceDaily, About 8.7 million, new estimate says, 24. August 2011 es gibt aber auch andere Schätzungen zwischen 3 Millionen und 110 Millionen, woran man erkennt, dass diese Frage noch sehr lange nicht beantwortet werden kann.
Die Rote Liste der gefährdeten Arten der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) listet im August 2026 genau 96115 Tierarten auf, von denen immerhin in der Neuzeit, also seit dem Jahr 1500, schon 806 Arten als ausgestorben gelten (Datei:EX IUCN 3 1.svg – Extinct), 36 Arten als in der Wildnis ausgestorben (Datei:EW IUCN 3 1.svg – Extinct in the Wild) und 4339 weitere Arten als kritisch bedroht (Datei:CR IUCN 3 1.svg – Critically Endangered), 780 davon als kritisch bedroht, möglicherweise ausgestorben (Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE) – Critically Endangered, Possible Extinct). 7252 Arten gelten als gefährdet (Datei:EN IUCN 3 1.svg – Endangered). Bei 16339 dieser 96115 Arten lautet der Gefährdungsstatus allerdings "zu wenig Daten vorhanden" (Datei:DD IUCN 3 1.svg – Data Deficient) (Stand: 12. August 2026).The IUCN Red List of Threatened Species Bei den allermeisten Tierarten ist der Gefährdungsstatus von der IUCN somit noch nicht ausreichend untersucht worden, vor allem bei den Wirbellosen, also allen Tieren, die nicht zu den Wirbeltieren gehören (das sind im Großen und Ganzen Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere). Zieht man nämlich die Anzahl der untersuchten Chordatiere (das sind die Wirbeltiere und noch einige wenige andere Tiergruppen, die Schädellose bzw. Manteltiere genannt werden, insgesamt etwa 70000 Arten, bei der IUCN momentan 65076 Arten) von der Gesamtanzahl der untersuchten Tiere ab, so bleiben nur noch 96115–65076 =31039 Tierarten übrig, die von der IUCN untersucht wurden. Von den etwas weniger als 2 Millionen beschriebenen Tierarten ist das nur ein sehr kleiner prozentueller Anteil. Von diesem kleinen Anteil gelten 382 Tierarten als ausgestorben, 14 Arten als in der Wildnis ausgestorben und 1732 Arten als kritisch bedroht (davon gelten 349 als möglicherweise ausgestorben). Man kann davon ausgehen, dass wesentlich mehr als diese 382 Tierarten ausgestorben sind. Da die Wirbellosen im Allgemeinen recht klein sind, erscheint es auch logisch, dass man den Gefährdungsstatus wesentlich schwerer beurteilen kann als bei großen (Wirbel-)Tieren wie zum Beispiel einem Walross.
Die IUCN ist außerdem sehr vorsichtig mit der Einschätzung, ob eine Tierart ausgestorben ist oder nicht. Zum Beispiel hat der auf den Seychellen lebende Hundertfüßer Mecistocephalus cyclops laut IUCN den Gefährdungsstatus Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE), also möglicherweise ausgestorben, obwohl die Art seit 1892 nicht mehr gesichtet wurde. Auch der Gefährdungsstatus des in Südafrika lebenden Stummelfüßers Peripatopsis leonina ist laut IUCN lediglich Datei:CR IUCN 3 1.svg, also lediglich kritisch bedroht, obwohl er im Jahr 1900 zuletzt gesichtet wurde. Der in Florida lebende Kiemenfüßer Branchinella alachua, der um 1947 zuletzt gesichtet wurde, hat bei der IUCN ohne Angabe von Gründen den Gefährdungsstatus Datei:EN IUCN 3 1.svg, also gerade einmal gefährdet. Bei NatureServe Explorer hat diese Art den Gefährdungsstatus Possibly Extinct, also möglicherweise ausgestorben.An Online Encyclopedia of Life – Branchinella alachua Die auf der Insel Madeira lebende Radnetzspinne Araneus hortensis hat laut IUCN den Gefährdungsstatus Datei:DD IUCN 3 1.svg, also zu wenig Daten vorhanden. Es ist ein einziges Exemplar dieser Art bekannt und wurde seit 1859 nicht mehr gesichtet. Die IUCN irrt sich auch hie und da bei der Beurteilung des Gefährdungsstatus. So gilt der in Mexiko lebende Zehnfußkrebs Cambarellus chihuahuae bei der IUCN als ausgestorben (angeblich seit 1980 nicht mehr gesichtet), er wurde aber im Jahr 2012 wiederentdeckt.The rediscovery and precarious status of Chihuahuan Dwarf Crayfish Cambarellus chihuahuae Der in Südafrika lebende Muschelkrebs Liocypris grandis gilt bei der IUCN als ausgestorben, obwohl er im Jahr 2003 nach 79 Jahren wiederentdeckt wurde.On a remarkable South African giant ostracod (Crustacea, Ostracoda, Cyprididae) from temporary pools, with additional appendages – Liocypris grandis Es gibt noch einige weitere interessante Beispiele, bei denen sich die IUCN nachweislich irrt. Eine Fachzeitschrift schreibt "The IUCN Red List is not a good catalog of invertebrate extinctions." (zu deutsch: Die Rote Liste der IUCN ist kein guter Katalog für das Aussterben von Wirbellosen.).Extinction in a hyperdiverse endemic Hawaiian land snail family and implications for the underestimation of invertebrate extinction, S. 7 Daher werden in dieser Liste wesentlich mehr Tierarten als neuzeitlich ausgestorben aufgelistet, als bei der IUCN angegeben.
Aufnahme in die Liste In dieser Liste werden diejenigen Tierarten und -unterarten aufgenommen, deren IUCN-Gefährdungsstatus Datei:EX IUCN 3 1.svg oder Datei:CR IUCN 3 1.svg (PE) lautet und somit offiziell ausgestorben oder möglicherweise ausgestorben (Possibly Extinct) sind. Weiters, weil die IUCN-Liste offensichtlich nicht vollständig ist, werden auch Tierarten aufgenommen, die nach anderen Quellen ausgestorben oder zumindest verschollen sind.The Recently Extinct Plants and Animals Database – Annelida (Annelid Worms) – RingelwürmerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Chelicerates – KieferklauenträgerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Cnidaria (Jellyfish, Corals, Sea Anemones etc.) – NesseltiereThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Crustacea (Crustaceans) – KrebstiereThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Echinodermata (Echinoderms) – StachelhäuterThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Entognatha (Springtails, Diplurans and Proturans) – SackkieflerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Myriapoda (Centipedes, Millipedes, Pauropoda & Symphyla) – TausendfüßerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Nemertea (Ribbon Worms) – SchnurwürmerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Onychophora (Velvet Worms) – StummelfüßerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Platyhelminthes (Flat Worms) – PlattwürmerThe Recently Extinct Plants and Animals Database – Tardigrada (Water Bears or Moss Piglets) – Bärtierchenartensterben.de – Liste ausgestorbener Insekten & Spinnentiere der NeuzeitList of extinct insectsTable 9: Possibly Extinct and Possibly Extinct in the Wild SpeciesState of Japan's Environment at a Glance: Extinct and Endangered Species Listed in the Red Data BookThe Search for Lost SpeciesExtinct and possibly extinct species last seen before listing under the Endangered Species Act
Das richtige Aussterbejahr ist meistens nicht bekannt, in der Literatur werden deswegen auch unterschiedliche Angaben gemacht, die sich durchaus um Jahrzehnte unterscheiden können. So wurde der übereinstimmend als ausgestorben geltende in den USA lebende Zehnfußkrebs Procambarus angustatus laut IUCN zuletzt im Jahr 1958 gesehen. Laut NatureServe Explorer wurde er aber vor dem Jahr 1856 zuletzt gesichtet. Die letzte Angabe, also 1856, dürfte eher stimmen, zumal in beiden Quellen angegeben wird, dass die Art nur ein einziges Mal gesichtet wurde. Da die Art im Jahr 1856 erstbeschrieben wurde, stimmt offensichtlich das Jahr 1856.An Online Encyclopedia of Life – Procambarus angustatus Im Normalfall wird in dieser Liste aber in der Regel das bei der IUCN angegebene Aussterbejahr angegeben. Oft werden auch Synonyme erwähnt, weil in diversen Quellen ein und dieselbe Art mit verschiedenen wissenschaftlichen Namen benannt wird, obwohl es sich um dieselbe Art handelt.
In dieser Liste wird von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen: wenn eine Art mehrere Jahre nicht mehr gesichtet oder gesammelt wurde (und in einer der oben angegebenen Quellen auftaucht), wird angenommen, dass sie ausgestorben ist. Dies kann zwei Ursachen haben: entweder sind tatsächlich mehrere Wiederentdeckungs-Versuche gescheitert (dann kann davon ausgegangen werden, dass die Art tatsächlich ausgestorben ist), oder es wurde einfach nicht nach dieser Art gesucht (dann ist die Art zumindest verschollen). Von einer Art, die sehr häufig ist und die von einem Jahr auf das andere plötzlich verschwindet kann man eher behaupten, dass sie ausgestorben ist, als von einer Art, die man schon immer nur alle paar Jahre einmal beobachten konnte, also schon immer selten war. Ob eine Art mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit endgültig ausgestorben ist oder nicht, kann man in der Regel nicht beantworten.
Gründe des Aussterbens Es gibt viele Gründe, warum Tiere aussterben. Die bei den meisten Arten üblichen Gründe sind die Zerstörung des Lebensraums (zum Beispiel wurde die in Indonesien lebende Felsengarnele Macrobrachium purpureamanus vor 1998 zuletzt gesichtet, weil damals der Torfsumpf, in dem die Art lebte, in Ölpalmen- und Kautschukplantagen umgewandelt wurde), die Übernutzung (zum Beispiel die Überweidung und die Überfischung), Klimaveränderungen wie die gegenwärtige globale Erwärmung, das Einführen von Krankheiten (wie zum Beispiel die Chytridiomykose bei Amphibien), die Ausrottung (zum Beispiel durch invasive Arten) der Pflanzen, von denen sich die Art ernährt, die Wasserverschmutzung, die Entwaldung oder der Bergbau, die Vergiftung durch verschiedenste Pestizide und das Einführen von Fraßfeinden wie zum Beispiel Schweine, Katzen und Ratten. Ob diese Zerstörungen absichtlich oder unabsichtlich herbeigeführt wurden, spielt dabei keine Rolle.
Ein origineller Aussterbe-Grund ist auch der folgende: es gibt Federmilben, die parasitär auf den Federn von Vögeln gelebt haben und gemeinsam mit ihrem Wirt ausgestorben sind (wie zum Beispiel die aus Nordamerika stammende Art Chiasmalges carolinensis, die gemeinsam mit dem Karolinasittich spätestens im Jahr 1927 ausgestorben ist)
Auffällig ist, dass viele Tiere als ausgestorben gelten, welche endemisch auf Inseln leb(t)en. In der folgenden Liste sind viele Arten, die endemisch auf der Weihnachtsinsel, Tasmanien, St. Helena, Sardinien, Neuseeland, Madeira, den Seychellen oder auf Hawaii lebten, dort aber ausgestorben und somit auch gleichzeitig weltweit ausgestorben sind. Es ist viel schwieriger nachzuweisen, dass eine ehemals weiter verbreitete kontinentale Art ausgestorben ist, weil man nur sehr schwer mit Gewissheit zeigen kann, dass es am gesamten Festland keine solchen Tiere mehr gibt. Auffällig ist auch, dass es kaum Meereslebewesen gibt, die momentan als ausgestorben gelten, obwohl deren Anteil an der Tierwelt ein hoher ist. Dies liegt daran, dass es für das Meer und vor allem für die Tiefsee extrem schwer ist, nachzuweisen, ob eine Art ausgestorben ist oder nicht.
Liste der nach 1500 ausgestorbenen Tiere