Tentschach (slow. Šteniče) ist der nördlichste, ländlich geprägte Teil der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee und zugleich der Name einer Katastralgemeinde mit der Kennzahl 72183 sowie der Name einer früheren Grundherrschaft. Im Zentrum des Gebiets nördlich von Wölfnitz (slow. Golovica pri Celovcu) bzw. dem Gut Pitzelstätten liegt das Schloss Tentschach.

Geographie mini|links|Tentschach im Norden von Klagenfurt Das ländlich geprägte Gebiet mit Feldern, Wiesen und Wald in hügeliger Landschaft mit wenigen Streusiedlungen liegt im Norden von Wölfnitz (slow. Golovica pri Celovcu), dem 14. Bezirk der der Gemeinde Klagenfurt (Kennzahl 20101). Die Nachbarkatastralgemeinden sind im Nordosten St. Peter bei Tentschach (72174), im Osten Nagra (72146), im Süden Großponfeld (72116), im Westen Großbuch (72114) und Kleinbuch (72128) im Nordwesten.

mini|Römersteinbruch Tentschach Tentschach liegt auf einer Seehöhe von ca. 500 m (Ortsrand Pitzelstätten) bis 650 m. Die höher werdenden Berge wie der Tentschacher Berg (710 m) und der weiter hinten liegende Ulrichsberg (1022 m) gehören nicht mehr zur Katastralgemeinde. Die Glantalstraße begrenzt das Gebiet teilweise im Westen. Der historische Kern der Katastralgemeinde ist die Herrschaft Tentschach. Bei der Versteigerung des zum Paul Freiherr von Kaiserstein’schen Fideicommiß gehörenden Gutsbesitz 1886 ist von einem großteils arrondierten Besitz von 320 Joch (182 ha) mit 113 Joch (65 ha) Hochwald und eigener Jagdbarkeit die Rede. Der Tentschacher Herrschaft war im Frühmittelalter vermutlich deutlich größer. Der Sage nach gab es zwischen Lindwurm und dem „Rosenberg’schen Palast“, dem heutigen Rathaus, eine Steinplatte im Boden des Neuen Platzes, die die „Gränze der früheren Tentschacher Wildbahn“, also das Jagdrevier markierte.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 32. Selbst im 16. Jahrhundert gab es in der Gegend noch Wolfsgruben.Etwa am Zeiselberg auf der anderen Seite des Glantales.

mini|Tentschach / Glantalerstraße Der Ort ist erreichbar über den Süd Autobahnknoten Klagenfurt-Nord, von dem aus man nach ca. 1,5 km auf der Turracher Straße B95 in die Glantalstraße L69 Richtung Liebenfels abbiegt. Eine andere Zufahrtsmöglichkeit ist der bei Schloss Ehrenbichl vorbeiführende Ehrenbichlweg, der in die (alte) Tentschacher Straße übergeht, die zum Tentschacher Schloss führt und danach wieder auf die Glantalstraße kommt. Laut Kärntner Straßengesetz verläuft die Tentschacher Straße (L69) von der B95 östlich von Wölfnitz über Tentschach zur Ossiacher Straße (B94) in Liebenfels.

Geschichte mini|links|Eine der unter Naturschutz stehenden Stieleichen Frühzeit Es gibt Bodenfunde aus der vorrömischen Eisenzeit (Osthallstattkreis) im Unterkärntner Raum.

Ab ca. 200 v. Chr. gehörte die Gegend zum Stammesgebiet der Ambidravi, der „Beiderseits der Drau Wohnenden“, eine römische Bezeichnung für die hier siedelnde norische Bevölkerung.

Römerzeit Spuren aus römischer Zeit sind in Umland vom Tentschach vielfach zu finden. Das markanteste Bodendenkmal von Tentschach ist ein alter Römersteinbruch in der Nähe des Bauern Heidacher. Er war in Hinblick auf seine Entfernung zur Römerstadt Virunum (rund 20 km) der nächstliegende Marmor-Steinbruch. Tiffen, Sattendorf, Treffen oder Gummern sind viel weiter entfernt. Im Podiumtempel in der Stadt auf dem Magdalensberg sind Blöcke aus gelbem Marmor aus Tentschach verbaut. Die weißen Blöcke dort stammen aus Gummern.bi: Klagenfurt, 200 Teilnehmer des vierten österreichischen Historikertages. Hrsg.: APA 1955–1985. 18. September 1956 Die untere Stufe des Tentschacher Marmorsteinbruchs wurde noch um 1905 für den Bau der Karawankenbahn ausgebeutet. Die Datierung des Steinbruchs war durch eine römische Felsinschrift und römische Steinbrecherwerkzeuge aus Eisen möglich. Eine frühest bekannte Besitzerfamilie könnten die Bottier gewesen sein, eine Familie, von der es Grabsteine in der Außenwand der Kirche von Großbuch bzw. von Schloss Tentschach gibt. 1880 fand man im Römersteinbruch unter den Wurzeln eines Baumes einen Topf mit über hundert Silber- und Goldmünzen aus der Zeit von Vespasian bis Marcus Antonius, der zum Teil vom Kärntner Geschichtsverein erworben werden konnte. Der größere Teil ging in Privatbesitz über und ist verschollen.

1948 fand man an der Nordseite des Schlosses eine steinerne Badewanne, die sich nicht genauer datieren ließ. Weiteres wurde im Gemüsegarten des Schlosses um 1950 ein antikes Steingefäß gefunden, dass als Mörser gedient haben könnte. Am Südhang des Schlosses, auf der Flur Zu den zwölf Apostel etwa 60 m unterhalb der Terrasse, auf der sich das Schloss befindet, gibt es zwei Steinbänke, zusammengestellt vermutlich aus den Resten eines antiken Bauwerks.

Karantanien mini|Bauernhof in Tentschach In der Spätantike und der Völkerwanderungszeit haben sich die Siedlungsgebiete wieder verkleinert und sind verwildert. Für die Karantanenzeit nimmt man an, dass im Altsiedelland nur die Gunstlagen besiedelt waren, wozu die Gegend um Tentschach zweifellos gehört. Das im 7. Jahrhundert entstandene slawisch (windische) Fürstentum Karantanien kam um 740 unter die bairisch-fränkische Herrschaft und wurde Teil des Heiligen Deutschen Reiches. Nach einigen Aufständen der Karantaner gegen die Baiern erhöhte sich ab ca. 800 „der deutsche Einfluss stärker und es begann die Umformung der Verhältnisse im deutschen Sinn.“ Tentschach wird slowenisch Šteniče genannt. 1236 heißt der Ort Stenzach, 1284 Tentsach, was so viel wie „Dorf an der stena, an der Felswand“ – gemeint ist wohl der Römersteinbruch – bedeutet.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil: Alphabetisches Kärntner Siedlungsnamenbuch (mit den amtlichen und den mundartlichen Formen, den ältesten und wichtigsten urkundlichen Belegen, der Etymologie und mit Zusammenstellung der Grundwörter und Suffixe). Gleichzeitig Sachweiser zum 1. Teil. Klagenfurt 1958. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, S. 221. Nach Kranzmayer kam der Ortsname etwa um 1050 ins Deutsche, zu einer Zeit, als man noch die althochdeutsche Erstbetonung statt fremder Endbetonung eingesetzt, aber schon den neuen (t)sch-Laut gekannt hat.

Während die adeligen Grundherren ab dem 13. Jahrhundert weitgehend deutschsprachige Namen haben, hat sich bei den Untertanen die Verwendung der slowenische Sprache bis in das 20. Jahrhundert erhalten. Bei der „statistisch-topographischen Beschreibung der Provinz Kärnten“ von 1844 war die „windischen“, also slowenische Sprache unter anderem im Bereich Tentschach, Seltenheim, Mageregg oder Moosburg und Maria Saal vorherrschenden.

Besitzer der Herrschaft ab dem 13. Jahrhundert mini|links|Schloss Tentschach im Jahre 1680 Grundherrn aus der Karantanischen Zeit sind keine namentlich bekannt. Das Geschlecht derer von Tentschach wird zwischen 1248 und 1415 erwähnt. Zwei Mitgliedern des Gurker Domkapitels Fridericus Tentsch oder Tentschacher und Johann Tentschacher gehörten vermutlich zur Familie. Von 1351 gibt es einen Stiftsbrief von Karath und Ernholdt von Tentschach für eine tägliche Heilige Messe daselbst. 1356 wird ein Engelein von Tentschach als Schuldner der Juden Mosche und Chatschim genannt. Ebenfalls im 14. Jh. kennt man einen Fritzlein Gressinch von Karnburg, ein Bruder Wegants von Tentschach, auch er einmal von Karnpurgk genannt. Es scheint überhaupt eine nähere Beziehung zwischen Tentschach und der Karnburg bestanden zu haben, denn noch zur Zeit der Theresianischen Rektifikation gab es eine Tentschacher Stiftung an der dortigen St. Peterskirche. Das Schloss Tentschach wurde im 16. Jahrhundert anstelle einer Burg aus dem 13. Jahrhundert errichtet auf dem vermutlich sehr alten Siedlungsplatz in strategisch guter Lage auf dem Hügel errichtet. Laut Hieronymus Megiser gehörte das Schloss dann den Gressing, den Rubenbergern, den Gera und den Pibriachern. Der letzte Tentschacher Gressing, der Ritter Weygand, dessen Stammburg in Ponfeld im Umfeld es heutigen Größinghofs stand, ist 1326 erwähnt.

mini|Verfallendes Haus bei den Wirtschaftsgebäuden Um 1480 gelangte die Herrschaft in den Besitz der Wullross aus der Inneren Wimitz. 1506 war Moriz Rumpf Herr von Tentschach. 1515 folgte Wilhelm Rumpf vom Wullroß, der erste ständische Burggraf von Klagenfurt. Er machte Karriere als Truchsess am Hofe von Kaiser Ferdinand I. Sein Sohn Wolf(gang) Siegmund Rumpf vom Wullroß (1536–1606) wurde dann Obersthofkämmerer und Obersthofmeister und damit einer der mächtigsten Männer am Hof von Kaiser Rudolf II. Ein Original-Urbarium der Herrschaft von Moriz Rumpf aus dem Jahre 1569 ist erhalten 1533 wurden etliche Tentschacher Untertanen an Albert von Mosheimb bzw. 1607 an Adam Zuckhmantel verkauft. Durch das Erlöschen der Wullroß kam die Herrschaft an die Familie Pibriach zu Biberstein aus Himmelberg. Diese ließ die Burg circa 1570 schlossartig ausbauen und verkaufte 1582 an Hans Pruggmayer, eine Familie, die zu den Kärntner Altlandständen gehörte. Hans Pruggmayer der Ältere war über seine Ehe mit Gertrud Rumpf mit der Familie Neumann von Wasserleonburg verbunden. Ab 1686 besaß Georg Friedrich Pruggmayer zu Tentschach das Gut, nachdem es um das Erbe von Sigmund Pruggmayer mit dem Stift Viktring einen Rechtsstreit gegeben hatte. Von den Pruggmayer gelangte die Herrschaft 1689 an Graf Attems.

Familie Kaiserstein mini|Markus Pernhart um 1860, Schloss Tentschach weithin sichtbar Von 1693 gibt es ein Urbarium des Landesverwesers Johann Wilhelm Graf Attems. Wenige Monate später am 17. Dezember 1693 ging das Gut an Karl Ludwig Klies, dem Propst von Tainach, der das Gut wiederum an Clemens Ferdinand Freiherr von Kaiserstein weitergab.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 31 f. Allerdings ist unter den Titeln des Grafen Attems 1705 noch immer „Herr auf Tentschach“ angeführt. Tentschach war in der Familienstiftung der Kayserstein ein Gut unter vielen. 1699 hatte Clemens auch die Herrschaft Aichelberg bei Wernberg gekauft und war Herr zu Steierberg und am Gut Kleinreideben (Roggenhof) im Lavanttal. Daneben gab es weitere Güter in der Steiermark, die Ämter Metnitz und St. Leonhard, ein Haus in Klagenfurt sowie ein Freihaus in Wien. Um 1725 scheint Tentschach wieder zum Verkauf gestanden sein, da der Viktringer Abt beim Kaiser um Erlaubnis für die auf 31.000 Gulden geschätzte Herrschaft ansuchte und auch erhielt. 1733 kamen die Güter Tentschach und Kleinreideben im Erbweg an die Innersteiner Linie der Kaiserstein.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 48. 1758 wurde das etwa gleich große Gut Kleinreideben von Tentschach getrennt.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 51. Valide Flächenangaben gab es in der Zeit vor der Franziszeische Landesaufnahme (in Kärnten 1826 bis 1829) nicht.Wilhelm Wadl: Anfrage an den Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 13. März 2020 Als eine Art Einheitswert diente die Begütung als Besteuerungsgrundlage an das Land, die für den Roggenhof 72 Pfund, 7 Schilling und 21 Pfennige betrug. Die Beansagung für andere Steuern lautete auf 30 Huben und 6½ Zulehen. Um 1801 waren im Besitze der Kärntner Kaiserstein die Herrschaften Tentschach, Kleinreideben, Steuerberg und ihr Wiener Freihaus wieder vereint. Das Kaiserstein’sche Fideicommisshaus, ein „gewaltiges, rießenhaftes Gebäude“ in der Wiener Bräunerstraße Ecke Dorotheergasse galt als sehr einträgliche Geldquelle. Das Schloss Tentschach wurde um diese Zeit nur als Zweitwohnsitz im Sommer benutzt, denn man lebte bevorzugt auf Schloss Krastowitz.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 59. Der letzte männliche Tentschacher Kaiserstein war Johann Nepomuk (1800–1848). Er hat nach dem Tod von Johann 1827 die Verwaltung des verschuldeten Fideikommisses übernommen.Göschen, Die Kaiserstein, 1873, S. 61 f. Er verkaufte Kleinreideben und war der einzige, der ganzjährig in Tentschach wohnte und das Schloss nicht nur als Sommersitz nutzte. Die Befreiung der Bauern von der Erbuntertänigkeit, das Ende der „Herrschaft“, erlebte er nicht mehr.

Familie Göschen mini|links|Exlibris von Oskar Göschen