Der Graubussard (Buteo plagiatus) ist ein kleiner bis mittelgroßer, habichtähnlicher Bussard, dessen Verbreitungsgebiet vor allem in Mexiko und dem nördlichen bis zentralen Mittelamerika liegt. Nach vielen taxonomischen Um- und Neubewertungen wird er mit Stand Ende 2019 in die Gattung Bussardartige (Buteo) gestellt, die ihrerseits der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) angehört. Die amerikanischen Trivialnamen sind Gray Hawk und Mexican Goshawk. Letzterer reflektiert die Ähnlichkeit des Graubussards mit dem Habicht (Accipiter gentilis).
Die Geschlechter des auf der Oberseite grauen und auf der Unterseite grau-weiß gesperberten Vogels unterscheiden sich in der Färbung nur unmerklich, die Weibchen sind aber größer und nicht unwesentlich schwerer. Er ist ein Bewohner meist flussbegleitender Gehölze, hauptsächlich der Hügelland- und submontanen Höhenstufe. Graubussarde ernähren sich vor allem von Reptilien, im überwiegenden Maße von Echsen. Im größten Teil seines Verbreitungsgebietes ist die Art Standvogel, nur einige der nördlichsten Populationen sind Kurzstreckenzieher.J. del Hoyo, N. Collar und J. S. Marks: Grey Hawk (Buteo plagiatus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, D.A. und E. de Juana (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2019 (heruntergeladen von https://www.hbw.com/node/467355 am 19. November 2019).
Die Schwesterart des Graubussards ist der Zweibindenbussard (Buteo nitidus), dessen Verbreitungsgebiet nach einer von beiden Arten unbesiedelten Lücke in Costa Rica an das des Graubussards anschließt und sich bis Nordargentinien erstreckt. Buteo plagiatus wurde lange Zeit als Unterart von B. nitidus betrachtet und erst 2012 als eigenständige Art anerkannt.R. Terry Chesser: Fifty-Third Supplement to the American Ornithologists Union Check-List of North American Birds. In: The Auk. Band 129, 3. Ausgabe 2012, doi:10.1525/auk.2012.129.3.573 (PDF, engl.) Das Artepitheton des 1862 von Hermann Schlegel anhand eines Balges aus Veracruz als Asturina plagiata erstbeschriebenen Bussards, bezieht sich auf die gebänderte Brust- und Bauchseite (lat. plaga=Streifen).James A. Jobling: The Helm Dictionary of scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010. ISBN 978-1-4081-2501-4, S. 309 Laut IUCN ist der Bestand dieser monotypischen Art nicht gefährdet (LC = Least concern).
Die überwiegende Mehrzahl der biologischen Informationen betreffen die Populationen in den USA. Aus dem übrigen Teil des Verbreitungsgebietes ist vergleichsweise wenig über diese Art bekannt.
Aussehen mini|Adulter Graubussard im Flug Große Weibchen des Graubussards erreichen die Größe und das Gewicht eines kleinen Habichtmännchens, dem B. plagiatus in Färbung und Körperform ähnlich ist. Im Feld erscheint die Oberseite einheitlich dunkelgrau, die Unterseite intensiv schwarz-weiß gebändert. Graubussarde haben kurze, breite, gerundete Flügel und fliegen mit einer Abfolge schneller Flügelschläge, denen eine Gleitphase folgt. Beim Gleiten, das häufig auch in relativer Bodennähe erfolgt, werden die Flügel waagrecht gehalten und die Steuerfedern gespreizt. Auffallend ist ein häufiges Drehen und Verwinden des Schwanzes.
Adulte männliche Graubussarde wiegen im Durchschnitt 429 Gramm, adulte Weibchen 628 Gramm. Die Durchschnittsgröße der Männchen liegt bei 41, die der Weibchen bei 44 Zentimetern. Entsprechend der Bergmannschen Regel sind die Bussarde der nördlichsten Populationen die größten und schwersten.B. D. Bibles, R. L. Glinski, und R. R. Johnson: Gray Hawk (Buteo plagiatus). Version 2.0. (2019) In: A. F. Poole und F. B. Gill (Hrsg.) The Birds of North America. Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. 2019
Erwachsenengefieder Die Oberseite ist auf einheitlich dunkelgrauem Grund undeutlich und verwaschen schwärzlich gebändert. Auf dem ebenso gefärbten Kopf ist die Sperberung oft noch undeutlicher oder fehlt vollkommen, sodass er etwas heller wirken kann. Bei der Schwesterart B. nitidus ist die Sperberung der Oberseite und des Kopfes wesentlich akzentuierter. Fast immer ist ein dunkler Überaugenstreif deutlich erkennbar. Die gesamte Unterseite ist gleichmäßig und fein schwarz-weiß längsgesperbert. Die leuchtend gelben Füße sind bis zum Intertarsalgelenk befiedert und ebenfalls wie das übrige Unterseitengefieder fein gesperbert. Der Bürzel und der Schwanzansatz auf der Unterseite sind weiß; die Steuerfedern weisen auf der Oberseite eine breite, tiefschwarze Bänderung auf, die neben dem Terminalband meist noch zwei etwas schmälere Bänder umfasst. Auf der Unterseite ist nur das Terminalband schwarz, die weiteren Bänder sind mittelgrau. Die Unterflügeldecken sind etwas feiner als das Körpergefieder gesperbert, ebenso – jedoch undeutlich und unregelmäßig – die Schwingen, deren Innenfahnen hellgrau sind, sodass eine grau-weiß-Abstufung entsteht. Die äußeren fünf, nicht sehr langen Handschwingen sind in ihrem letzten Drittel dunkelgrau, etwas heller gerandet sind die übrigen Schwingen. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornfarben und am Ansatz mit einer gelben Wachshaut überzogen. Weibchen sind ebenso, aber meist geringfügig dunkler gefärbt.
Jugendgefieder mini|Jungvogel Das Jugendgefieder unterscheidet sich sehr deutlich vom Erwachsenengefieder; vor allem fehlen alle grauen Farbelemente und auch die charakteristische Sperberung ist nur an den befiederten Bereichen der Beine ausgebildet.
Die Oberseite ist matt dunkelbraun. Die meisten Rücken-, Mantel- und Flankenfedern sind heller gerandet, sodass ein gefleckter, scheckiger Eindruck entsteht. Kopf und Nacken sind auf gelblich-weißem Grund deutlich matt dunkelbraun gesträhnt und gefleckt. Markant sind ein heller Überaugenstreif sowie cremebeige Wangen. Die Unterseite ist auf cremeweißem oder gelblichem Grund meist großflächig längslinienförmig dunkel gestrichelt und gefleckt. Die Steuerfedern sind etwas länger als bei Adulten. Sie sind auf der Oberseite mattbraun und weisen eine undeutliche dunkle Bänderung auf, auf der Unterseite sind sie cremebraun und deutlich mehrfach dunkler gebändert, wobei das Terminalband am dunkelsten und breitesten ist. Die Unterflügeldecken sind dunkel gefleckt und merklich dunkler als die Schwingen, deren helle Innenfahnen sie deutlich aufhellen. Die unbefiederten Körperteile entsprechen in ihrer Färbung weitgehend jenen des Erwachsenengefieders.
Während adulte Graubussarde nahezu unverwechselbar sind, ähneln juvenile stark juvenilen Breitflügelbussarden und juvenilen Rotschulterbussarden.
Mauser Beim Schlupf tragen die Küken ein weißlich-graues Dunengefieder, das nach und nach ausbleicht. Mit etwa 10 Tagen brechen die ersten Steuerfedern durch, danach die Handschwingen. Mit dem 20. Tag sind alle Körperfedern vermausert, nur der Kopf ist noch bedunt. Mit dem Ausfliegen sind die Jungvögel weitgehend ins Jugendgefieder vermausert, doch haben die Steuerfedern und manche Schwingen noch nicht ihre endgültige Länge erreicht. Dieses Jugendgefieder tragen junge Graubussarde bis ins nächste Frühjahr. Zwischen April und August wechseln junge Graubussarde ins Erwachsenengefieder.
Lautäußerungen Graubussarde sind das gesamte Jahr über akustisch aktiv, akustisch auffällig sind sie jedoch nur in der Vorbrutzeit. Häufigster Ruf in dieser Periode ist ein lang gezogener Pfiff, der explosiv beginnt und ansteigt, um danach leicht nasal in abfallender Tonhöhe auszuklingen. Bei steigender Erregung bekommt die zweite Hälfte des Rufes einen wiehernden Charakter. Dieser Ruf dient der Revierabgrenzung, als partnerschaftlicher Kontaktruf und als Alarmruf.Stimmbeispiel: Revierruf Während der Brutzeit ist in Nestnähe häufig eine gereihte Ruffolge zu hören, die aus unterschiedlich vielen, rasch gereihten Elementen besteht. Er dient vor allem der Verständigung zwischen den Partnern und der Revierabgrenzung.Stimmbeispiel: Rufreihen Diese Hauptrufe werden vielfach kombiniert und situativ angepasst. Beide Geschlechter rufen; die Tonlage des Weibchens ist tiefer und die Stimmcharakteristik weniger scharf.
Verbreitung
Brutgebiet mini|283x283px|Verbreitung des Graubussards(braun: ganzjährig; grün-braun gestreift: Sommervogel) Der Graubussard ist mit etwa 100 Brutpaaren Brutvogel der südlichsten USA. Die Hauptvorkommen liegen in Arizona zwischen den Flusssystemen des San Pedro und des Santa Cruz, beides linke Zuflüsse des Gila Rivers. Weitere, kleinere Brutvorkommen bestehen am unteren Rio Grande und an anderen Plätzen in Texas sowie sporadisch in New Mexico. In Mexiko sind die Küstengebiete und das anschließende Hinterland sowohl an der Pazifikküste als auch an der Küste des Golfs von Mexiko etwa bis zur Höhe von Tehuacán besiedelt, wo sich das östliche und westliche Brutgebiet vereinen. Weiter südostwärts ist Mexiko in geeigneten Habitaten flächig besiedelt und anschließend auch die mittelamerikanischen Staaten bis ins zentrale Costa Rica. In der Provinz San José endet das Brutgebiet des Graubussards. Nach einer Lücke von etwa 50 km Breite schließt das Brutgebiet des nahe verwandten und bis vor kurzem als konspezifisch erachteten Zweibindenbussards an, das sich über weite Teile des nördlichen und zentralen Südamerikas bis Nordargentinien erstreckt.
Lebensraum links|mini|hochkant|Flussbegleitende Gehölze, wie hier am San Pedro River, sind Bruthabitat der Art in Arizona Vertikal ist der Graubussard vor allem in Höhen zwischen Meeresniveau und etwa 800 Meter über NHN verbreitet. In besonders geeigneten Habitaten ist er auch noch in Höhen bis 1400 Metern als Brutvogel zu finden. Die meisten Brutplätze zeigen eine gewisse Präferenz zu Wasser, können selbst aber in Randgebieten arider Zonen liegen.
In den USA brütet er vor allem in flussbegleitenden Gehölzen, die ihrerseits an Mequitebestände anschließen, daneben in Canyons mit entsprechender Busch- und Baumvegetation. Neben verschiedenen Arten der Zürgelbäume, sind Weiden, Eschen und Amerikanische Platanen wichtige Bestandteile einer geeigneten Baumvegetation. Es werden aber auch Randbereiche von tropischen Waldgebieten, lockere Eichen- und Kiefernwälder, Palmenhaine, ja sogar Dornensteppen besiedelt, sofern Wasserläufe in der Nähe sind und Eidechsen als Hauptbeutetiere in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. Weiter südöstlich brütet die Art auch in von Flussläufen durchzogenen und mit Gehölzinseln oder einzelnen Bäumen besetzten Savannen.
Raumbedarf Der Raumbedarf der Art ist möglicherweise der kleinste aller in Nordamerika lebenden Bussarde. In Arizona wurden Reviergrößen zwischen 59,2 und 90,3 Hektar erhoben. Dieses vergleichsweise kleine Revier wird energisch gegenüber Artgenossen verteidigt, gleichgültig, ob es sich um juvenile oder adulte Graubussarde handelt. Der geringste Nestabstand zu einem Nest eines Artgenossen betrug 1,18 Kilometer, zu einem Nest eines anderen Greifvogels (Rundschwanzsperber) nur 50 Meter. Diese auffällige Duldung anderer Greifvögel innerhalb des Reviers, selbst in unmittelbarer Nestnähe, lässt sich durch die starke Nahrungsspezialisierung von B. plagiatus erklären. Ob die Reviere auch im Winterhalbjahr aufrecht bleiben und wie Reviergröße und Art der Territorialität außerhalb der USA beschaffen sind, ist nicht bekannt.
Migration Einige Populationen der südlichen USA und des nördlichen Mexiko sind Kurzstreckenzieher. Die Grenze zwischen ziehenden und residenten Populationen liegt zwischen 28° und 29° Nord. Das Brutgebiet verlassen Graubussarde spät, erst Ende September/Anfang Oktober. Frühestens Ende Februar, vor allem aber im März, kehren die meisten wieder zurück.
Nahrung und Nahrungserwerb mini|Cophosaurus texanus gehört zu den Hauptbeutetieren in den USA und Nordmexiko