mini|Yirgalem Fisseha bei einer Preisverleihung, 2023 Yirgalem Fisseha Mebrahtu (* 1981 in Adi Keyh)Literaturportal Bayern: Yirgalem Fisseha Mebrahtu, abgerufen am 26. Juli 2022 ist eine eritreische Lyrikerin, Schriftstellerin und Journalistin. Seit 2018 lebt sie als politisch Geflüchtete im Exil in München.
Leben und Wirken Yirgalem Fisseha Mebrahtu schrieb bereits als Kind Gedichte. Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre beteiligte sie sich an Literaturveranstaltungen, zunächst in ihrer Schule, später in privaten und staatlichen Medien.PEN International: 'Becoming a writer is an offense in the eyes of the regime' an interview with Yirgalem Fisseha Mebrahtu, 19. März 2019 (abgerufen am 3. Juli 2024) Sie gründete mit anderen jungen Autoren und Autorinnen den Adi Keyh-Literatur-Club, der zu einem Netzwerk ähnlicher Gruppen gehörte, die als Wiederbelebung der eritreischen Literatur wahrgenommen wurde. Bis zum Verbot privater Medien 2001 (siehe: Pressefreiheit in Eritrea) arbeitete sie als unabhängige Journalistin und veröffentlichte Gedichte in Literaturzeitschriften.
2002 besuchte sie in der Hauptstadt Asmara das Teacher Training Institute. Von September 2003 bis Februar 2009 war sie Autorin, Moderatorin und Programmdirektorin beim Radiosender Radio Bana des eritreischen Bildungsministeriums. Dort produzierte sie Gesundheitsnachrichten, interviewte Ärzte und informierte über HIV. Am 9. Februar 2009 wurde sie mit ca. 30 weiteren Personen im Gebäude des Radiosenders verhaftet, wobei sie die einzige Frau unter den Festgenommenen war.
Es wurde ihr vorgeworfen, Verbindungen mit ausländischen Medien zu unterhalten, weitere der willkürlichen Vorwürfe umfassten ein vermeintlich geplantes Attentat auf den Präsidenten und Herabwürdigung von Politikern.Fritz-Bauer-Forum: Yirgalem Fisseha Mebrahtu – Ich hoffe, dass andere, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ihre Geschichten ebenfalls erzählen werden, abgerufen am 16. Juli 2022 Die ersten beiden Jahre verbrachte sie in Isolationshaft im Gefängnis Mai Serwa, wo sie auch gefoltert wurde. Nach 6 Jahren Haft ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren wurde Fisseha Mebrahtu 2015 entlassen. Um 2017 versuchte sie aus Eritrea zu fliehen, wurde jedoch an der Grenze festgenommen und erneut für vier Monate inhaftiert. Nach ihrer Entlassung gelang ihr die Flucht nach Uganda.WDR 3 Kultur am Montag vom 18. Oktober 2019: Stimme Eritreas: Yirgalem Fisseha Mebrahtu (Audiodatei); abgerufen am 19. November 2019Deutscher Kulturrat: Yirgalem Fisseha Mebrahtu; abgerufen am 19. November 2019Bayerischer Rundfunk vom 5. November 2019: Wir kämpfen für das Leben; abgerufen am 19. November 2019
Die Umstände ihrer Gefangenschaft erzielten im Rahmen einer Debatte über die Menschenrechte in Eritrea ein großes internationales Medieninteresse.epd.de: Wochenspiegel vom 21. Oktober 2019; abgerufen am 19. November 2019ARTICLE 19 vom Oktober 2012: Eritrea: A Nation Silenced (PDF; englisch); abgerufen am 19. November 2019; abgerufen am 19. November 2019 Sie wurde von PEN International und dem im Exil arbeitenden PEN Eritrea unterstützt. Reporter ohne Grenzen nahm sie 2014 in ihre erstmalig erstellte „Liste der 100 Helden der Pressefreiheit“ auf.Reporter ohne Grenzen: Helden der Pressefreiheit 2014, abgerufen am 19. Juli 2022
Im Dezember 2018 konnte Yirgalem Fisseha Mebrahtu als Stipendiatin des Writers-in-Exile-Stipendiums des PEN-Zentrum Deutschland nach München kommen.PEN-Zentrum Deutschland: Die aktuellen Writers-in-Exile-Stipendiaten 2019; abgerufen am 19. November 2019 Seit Februar 2022 lebt sie in einer eigenen Wohnung.Süddeutsche Zeitung: Welt der Worte, 7. Februar 2022, S. R2
2019 veröffentlichte sie 130 Gedichte aus der Zeit vor der Haft und nach der Freilassung im Exil. Sie erschienen zunächst als ኣለኹ (Ich bin am Leben) in ihrer Muttersprache Tigrinisch im exil-eritreischen እሕታሚ እምኵሉ (Emkulu Verlag) mit Sitz in Schweden, 2022 wurde die deutsche Übersetzung bei Das Wunderhorn als Ich bin am Leben veröffentlicht.Das Wunderhorn: Ich bin am Leben, abgerufen am 16. Juli 2022 Nach Verlagsangaben sind die Gedichte zwei Kategorien zuzuordnen: „Ruhe, Feigheit und Bescheidenheit und Mut“ einerseits und andererseits „de[r] Höhepunkt der Spannungen, das Schlachtfeld von Laster und Anstand, Gewalt und Gerechtigkeit, die Zerstörung und Kontinuität von Generationen, Verfolgung und Tod.“ Die Rezeption des Gedichtbands war einhellig positiv; so bewertete ihn etwa der WDR als „mehr als beeindruckend“, und die Neue Zürcher Zeitung lobte die „bildstarke, nüchterne Sprache“ sowie eine „bestürzende Nüchternheit“.
2022 erschienen zudem auf Tigrinisch 33 Kurzgeschichten und Essays, in denen Yirgalem Fisseha Mebrahtu sich von ihrer Verfolgung löst und freiere Themen wählt.
Im deutschen Exil engagiert sie sich in der Vernetzung geflüchteter Schriftstellerinnen,Süddeutsche Zeitung: Was bleibt, ist die Wut – Das Schamrock-Festival der Dichterinnen ist diesmal besonders politisch ausgerichtet, 23. Oktober 2020, S. R16 vertritt die Münchner PEN-Exil-AutorinnenSüddeutsche Zeitung: Freiheit des Wortes. 9. Oktober 2020, S. R16 und nimmt an Literaturveranstaltungen teil, etwa im Bellevue di MonacoSüddeutsche Zeitung: Schreiben gegen die Gewalt, 6. Juni 2022 oder in der RegionVeronica Bezold: Mit Heine und syrischem Rap für die Freiheit. In: Süddeutsche Zeitung Regionalausgabe Bad Tölz / Wolfratshausen, 15. Februar 2022, S. R7, sowie seit 2022 an der Aktion Weiter Schreiben des Frauenprojekts Wir machen das, das geflüchtete Autorinnen bei der Fortsetzung ihrer Arbeit unterstützt.
Publikationen mini|Zwei Autorinnen im Dialog: Tanja Kinkel und Yirgalem Fisseha Mebrahtu ኣለኹ (Ich bin am Leben), እሕታሚ እምኵሉ (Emkulu Verlag, Schweden) 2019, ISBN 978-91-639-9565-1 auf Tigrinischእሕታሚ እምኵሉ: ኣለኹ, 2019 (deutsche Google-Übersetzung), abgerufen am 16. Juli 2022 Ich bin am Leben. Das Wunderhorn 2023, ISBN 978-3-88423-682-6 (Übersetzungen von Kokob Semere, Miras Walid, Mekonnen Mesghena; Nachdichtung von Hans Thill). Rezension im Literaturportal Bayern. ዘይበረየ ጐድነይ (Zeybereye Godney), እሕታሚ እምኵሉ (Emkulu Verlag, Schweden) 2022, TigrinischWeiterschreiben: Yirgalem Fisseha Mebrahtu, abgerufen am 26. Juli 2022እሕታሚ እምኵሉ: ዘይበረየ ጐድነይ, 2022 (deutsche Google-Übersetzung), abgerufen am 26. Juli 2022 Freiheit in Briefen. Zwei Autorinnen im Dialog. Zusammen mit Tanja Kinkel. Akono Verlag, 2023. ISBN 978-3-949554-14-8
Auszeichnungen 2018 PEN International Writer’s Scholarship 2019 Freedom of Expression Prize. Verleihung durch PEN EritreaPEN Eritrea: Yirgalem Fisseha Mebrahtu Receives PEN Eritrea’s Freedom of Expression Award; abgerufen am 19. November 2019 2019: Women, Writers and Activists Change Rules. Nominierung durch PEN International; abgerufen am 19. November 2019 2021: Václav Havel Library Award - Disturbing the Peace Award to a Courageous Writer at Risk: Nominierung Václav Havel Library: Disturbing the Peace Award 2021: Short List of Nominees Announced, abgerufen am 19. Juli 2022 2023: Georg-Elser-Preis 2023: Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur
Weblinks
PEN-Zentrum Deutschland PEN Eritrea: A Few Days in my Six Years Detention in Mai-Serwa, 2018 deutsche Übersetzung des Fritz-Bauer-Forum: Yirgalem Fisseha Mebrahtu – Ich hoffe, dass andere, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ihre Geschichten ebenfalls erzählen werden.
Einzelnachweise
Kategorie:Lyrik Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Künstler (Eritrea) Kategorie:Person (Menschenrechte in Eritrea) Kategorie:Eritreischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Eritreer Kategorie:Geboren 1981 Kategorie:Frau