mini|Der Künstler in der Gießerei mit seiner Bronzeskulptur Pan (2018) Stuart Nigel Reid Wolfe (geboren in London) ist ein britischer Schauspieler, Zirkusartist, Bildhauer, Maler, Designer, Physiotherapeut und Osteopath. Bekannt ist der universelle Künstler für seine Hauptrolle in dem Film Eine Liebe wie andere auch von 1983 und für seine Figuren gegen das Vergessen, die 2006 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück aufgestellt wurden. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Leben Seine frühe Kindheit verbrachte Wolfe in London. Unmittelbar nach Errichtung der Berliner Mauer zog er 1961 mit seiner Familie nach West-Berlin. Dort besuchte er ab 1961 die Schule der Deutsch-Amerikanischen Gemeinschaft, die 1963 während der Visite des US-Präsidenten John F. Kennedy nach seiner berühmten Rede Ich bin ein Berliner in John-F.-Kennedy-Schule umbenannt wurde. Nach eigener Schilderung gelang es Wolfe, dem Präsidenten im Rahmen der feierlichen Namensverleihung die Hand zu schütteln.
An den Studentenprotesten in West-Berlin beteiligte sich der zwölfjährige Wolfe gemeinsam mit dem Schulsenator Carl-Heinz Evers. Nach einem anschließenden Aufenthalt 1968 bis 1970 mit der Familie in Bangalore in Indien, wo er die Bishop Cotton Boys School besuchte, kehrte Wolfe nach Berlin an die John-F.-Kennedy-Schule zurück, die er 1975 mit einem High School Diploma (12. Klasse) abschloss.
Den Einstieg in ein künstlerisches Umfeld fand Wolfe 1975 in Berlin im Schillertheater und Schlosspark Theater, wo er mehrere Monate lang hinter den Kulissen und als Garderobier arbeitete. 1976 jobbte er einige Monate an Theatern in New York City und New Jersey. 1977 bis 1978 bereiste er Frankreich, Israel und mehrere Länder in Afrika, wobei er ein halbes Jahr lang in Paris seinen Lebensunterhalt mit Straßenmusik bestritt. Anschließend absolvierte er in London das englische Abitur. Er blieb in London und besuchte dort 1979 bis 1980 eine Schauspielklasse an der Mountview Academy of Theatre Arts. Anschließend nahm er 1981 privaten Schauspielunterricht bei Else Bongers und Otto Sander in Berlin. Darüber hinaus besuchte er in dieser Zeit für 18 Monate die Zirkus- und Artistenschule im Tempodrom. Nebenher sammelte er erste Erfahrungen als Schauspieler in Theater, Film und Fernsehen. Ab 1983 bis 1988 wirkte er in größeren Rollen in fünf Kino- bzw. TV-Produktionen mit.
Um einen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben, der ein ständiges Einkommen garantiert, absolvierte Wolfe von 1983 bis 1985 am Oskar-Helene-Heim in Berlin eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Später, 1990 bis 1994, spezialisierte er sich durch eine Zusatzausbildung auf Osteopathie. Seitdem war er fast ohne Unterbrechung bis 2014 an zwei Tagen in der Woche als Osteopath tätig.
1986 entschied sich Wolfe, eine zweite künstlerische Existenz als Bildhauer, Maler und Designer aufzubauen. 1987 bis 1989 unternahm er zunächst Studienreisen rund um den Erdball mit Aufenthalten in Warschau, Prag, Rom, Florenz, Thailand, Singapur, Australien, Neu-Kaledonien, Tahiti und den USA. 1990 bis 1995 waren einige seiner Werke in diversen internationalen Ausstellungen vertreten. 1996 begann er mit Arbeiten an Wanderausstellungen und hatte weitere Studienreisen nach Malaysia, Wien, Spanien und Italien. 1997 kam es zur ersten Zusammenarbeit mit Architekten für Projekte in Berlin und Sachsenhausen. 1999 stellte er unter seinem alleinigen Namen in Frankreich und Italien aus. 2000 folgten weitere Architektur- und erstmals Fotoprojekte. Es schlossen sich Kulturreisen nach New York und durch Europa an. Mehrere Auftragsarbeiten verhalfen ihm zu einem neuen Renommee.
2003 wurde Wolfe zum Artist in Residence ernannt. An der Berlin British School begann er eine Honorartätigkeit als Lehrer für Kunst und Schauspiel. Im selben Jahr gründete er die „gallery sleeping dogs“ in der Berliner Kochstraße nahe dem Checkpoint Charlie, die er für die Dauer von zwei Jahren leitete. 2004 begann für Wolfe die mehrjährige Phase diverser Großprojekte. 2005 unternahm er deshalb zunächst eine Studienreise nach Asien, finanziert durch Jobs in Restaurierung und Architektur, ehe er ab 2006 hauptsächlich im Atelier arbeitete.
Die renommierten Projekte, aber auch zahlreiche Designarbeiten fanden 2015 ihre Präsentation auf drei Kunstmessen in der Schweiz, Berlin und Paris. Seit 2016 vermarktet Wolfe unter dem Label stw-design kunsthandwerkliche Designobjekte. 2017 und 2018 agierte er auch im Auftrag von Kunstsammlern in mehreren südeuropäischen Ländern. Seit 2019 entwickelt er seinen Stil mit neuen Techniken in Grafik und Modellierung weiter.
Theater (Auswahl) 1981: Titelrolle in Klotzkopf (Autor und Regie: Chris Kurbjuhn) im Jungen Theater Berlin 1981: Hauptrolle in Das Leben in meiner Hand (von Peter Ustinov, Regie: Horst Frank) auf Tournee 1982: Rolle des Damie in Tartuffe (von Molière, Regie: Kurt Hübener) an der Freien Volksbühne Berlin 1982: Rolle des Masham in Das Glas Wasser (von Eugène Scribe, Regie: Helmuth Froschauer) mit Herbert Bötticher in der Komödie im Marquardt Stuttgart 2023/24: verschiedene Rollen und Anleitungen beim Inklusionstheater-Workshop im NHU (Nachbarschaftshaus Urbanstraße), Berlin-Kreuzberg, Mai 2023 bis Februar 2024
Filmografie (Auswahl) Kino 1983: Eine Liebe wie andere auch (Regie: Hans Stempel und Martin Ripkens), der im Internationalen Forum des jungen Films und beim Chicago International Film Festival lief 1984: Races (Regie: Masato Harada) mit Hiroyuki Watanabe, Leslie Malton, Claus Theo Gärtner, Deborah Sasson, Dean Reed und Patrick Stewart
Fernsehen (Auswahl) 1984: Cold Room – Kalter Hauch der Vergangenheit mit George Segal 1987: in der Folge Von Frau zu Frau der Fernsehserie Alles aus Liebe mit Simone Rethel, Susanne Uhlen und Heiner Lauterbach 1989: im ZDF-Thriller Zugzwang von und mit Mathieu Carrière und Schachweltmeister Anatoli Karpow
Arbeit als Bildhauer und Maler Werke (Auswahl) Bildende Kunst mini|„Figuren gegen das Vergessen“ am Anhalter Bahnhof mini|Ornamentik und Figur von Stuart Wolfe an der Fassade des Wohnhauses Pannierstraße 41, Berlin
1993: Grafischer Zyklus „Taurus & Equus“ 1995: „Figuren gegen das Vergessen“ – Installation 17 überlebensgroßer Skulpturen am Anhalter Bahnhof Berlin zum Thema „Holocaust-Denkmal“, Eröffnung durch Alfred Gottwaldt von der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin 1997–1999: „Grauer Mann“ – Skulptur im Garten des Hauses Am Priesterberg 10 in 13465 Berlin (Architekt: Oliver Collingnon) 1997–1999: künstlerische Gestaltung des Hauses Pannierstr. 41 in 12047 Berlin (Architekt: Holger Schweitzer) 1997–1999: Gestaltung des Gedenkplatzes im ehemaligen Außenlager Klinkerwerk – Jugendprojekt Sachsenhausen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ab 1999: Vermarktung von Skulpturen über die Kunst.AG-Internetplattform 2000: Telephone Box Sculptures 2006: „Holocaust Memorial“ – Ankauf der „Figuren gegen das Vergessen“ durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Aufstellung im ehemaligen KZ Ravensbrück 2008 und 2010: „Hanging Forest“ – Installationsprojekt für einen potenziellen Standort in Berlin 2011: „Hanging Hedges“ – Landartprojekt erarbeitet 2011: Kunstprojekt an der Johann-August-Zeune-Schule für Blinde 2011: Auftrag für die künstlerische Gestaltung des jährlich vergebenen Hans-Peter-Hauschild-Preises für die Deutsche AIDS-Hilfe 2012/13: Sturgeon r.t.r. Project – künstlerisch-bildhauerische Begleitung der Wiederansiedlung des Störs in Flüssen in Deutschland, Holland, Frankreich und England
Aus den genannten Projekten wurden mehrere im Rahmen des sozialen Engagements gestiftet bzw. durchgeführt:
1995: „Figuren gegen das Vergessen“ am Anhalter Bahnhof 1999: Jugendprojekt Sachsenhausen – Außenlager Klinkerwerk 1999: drei Skulpturen aus dem Projekt „Creating Modern Myths“ für die Ausstellung „100 Jahre Blinden-Museum“ in Berlin 2011: Projekt „Modellieren für blinde Kinder“ in der Johann-August-Zeune-Schule für Blinde
Angewandte Kunst und Kunsthandwerk mini|Upcycling-Design-Leuchten blamp 1 spring collection
2014: Ausbau der Bronzemöbel-Serie „living sculpture“ 2016: Kreation und Vermarktung unter dem Upcycling-Label „stw-design“ Lampenkollektion „smarte Upcycling-Ideen aus Berlin“ April 2025: Fahrrad-Upcycling-Kollektion bei „FahrArt“ im „Haus der Materialisierung“ Otto-Braun-Straße, Berlin-Mitte Mai 2025: Fahrrad-Upcycling-Kollektion bei der „VELOBerlin 2025“ auf dem Tempelhofer Feld in Berlin
mini|Bronzeskulptur Minotaur in der Kunstgießerei Hermann Noack, Berlin Einzelausstellungen (Auswahl) Galerie Schlangenbader Straße, Kunstamt Wilmersdorf Galerie Treppenhaus II, Kunstamt Steglitz Anhalter Bahnhof „Figuren gegen das Vergessen“ 8 Figuren in der Hohenzollernkirche Wilmersdorf 8 Figuren im Berliner Dom Galerie Hofkunst „Figuren gegen das Vergessen“ in Oranienburg-Sachsenhausen, Eröffnungsrede Prof. Günter Morsch „Figuren gegen das Vergessen“ in Ravensbrück „Figuren gegen das Vergessen“ in Neuengamme „Figuren gegen das Vergessen“ in Bonn im Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen, Eröffnungsreden von Minister Manfred Dammeyer, Ignatz Bubis (Präsident des Zentralrat der Juden in Deutschland) und Stuart Wolfe „Figuren gegen das Vergessen“ in Theresienstadt „Figuren gegen das Vergessen“ im Haus der Wannsee-Konferenz, Eröffnungsrede von Gedenkstätten-Direktor Norbert Kampe „Figuren gegen das Vergessen“ vor dem Landtag Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf „Figuren gegen das Vergessen“ im Jakobskirchhof Weimar – Beitrag zur Kulturhauptstadt 1999 „Hunde – der Kampf und das Kämpfen“ in der gallery sleeping dogs Berlin „Dogs“ im Hotel Westin Grand Berlin Skulpturenzentrum am Spreebord – Kunsthalle auf dem Gelände der Kunstgießerei Hermann Noack „Ein Hund ist nie … nur ein Hund!“ im Möckernkiez-Café, Berlin-Kreuzberg, 10. Dezember 2022 bis 31. Januar 2023
mini|Schreibtisch Latitude aus Bronze, Holz und Glas mini|hochkant=0.8|Bronze-Glas-Regal Arabesque mit Tierfigurinen Gruppenausstellungen Galerie Hahn Sylt, Künstlerhaus Odense und U-Bahn-Linie 9 Berlin – jeweils über den Bildhauerverein Michael Schutz Galerie Richter, Berlin Werkstattgalerie Hermann Noack gallery sleeping dogs mit „4 europeans 1 dog“ Berliner Aids-Hilfe Maison & Objet, Paris Museum der Arbeit, Hamburg Forum Factory Berlin, Gallery Week End Galerie Michael Schmalfuß in der „Löwenvilla Potsdam“ Kunst-Werkstatt „Auf den Gleisen nach Theresienstadt“, seit März 2023
Gemeinnützige Modellier-Workshops für die Insassen in der Justizvollzugsanstalt für Frauen, Berlin-Lichtenberg, Mai bis September 2022 für blinde und sehbehinderte Menschen im Atelier Möckernstraße 92, Berlin-Kreuzberg, Januar/Februar 2024 und Juli 2025
Auszeichnungen 2003: Artist in Residence in Berlin
Rezeption in den Medien (Auswahl) Die wohl ausführlichste Beschreibung des Films Eine liebe wie andere auch mit Stuart Wolfe in einer der beiden Hauptrollen liefert das Berlinale-Programm 1983. Darin äußern sich auch die beiden Regisseure, Hans Stempel und Martin Ripkens, in einem Interview. Auf der Berlinale 2008 erhielten Stempel und Ripkens einen Special Teddy Award für ihr Filmschaffen, das es gegen die gesellschaftlichen Konventionen nie leicht hatte. mini|„Figuren gegen das Vergessen“ in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen mini|„Figuren gegen das Vergessen“ in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück
Die größte Aufmerksamkeit fand der Bildhauer Wolfe mit seinen Figuren gegen das Vergessen, die über mehrere Jahre an verschiedenen Orten (Anhalter Bahnhof Berlin, NS-Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück) aufgestellt und schließlich von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten angekauft wurden. Die acht Plastiken bestehen aus Gips, Holzwolle und Eisen und tragen verschiedenfarbige Winkel als Symbole für die unterschiedlichen Häftlingsgruppen.