Johann Ignaz Seuffert (* 1. August 1728 in Würzburg; † 4. Februar 1807 in Kirrweiler (Pfalz)) war ein deutscher Orgelbauer.
Leben und Werk Johann Ignaz Seuffert war der älteste Sohn des berühmten Würzburger Orgelbauers Johann Philipp Seuffert und seiner Frau Anna Magdalena geb. Hillenbrand. Er erlernte den Orgelbau in Lothringen und war zunächst in Nancy bei Nicolas Dupont tätig. Anschließend siedelte er nach Offenburg über, wo er 1759 Bürger wurde, und arbeitete mit seinem Schüler Johann Ferdinand Balthasar Stieffell zusammen.Fischer, Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. 1994, S. 386. 1767 zog er nach Rastatt um. Während im Jahr 1768 sein jüngerer Bruder Franz Ignaz Seuffert den väterlichen Betrieb in Würzburg übernahm, trennte sich Johann Ignaz Seuffert im selben Jahr von Stieffel und eröffnete in Kirrweiler in der Vorderpfalz als „Fürstlich Speyerischer Landorgelmacher“ eine Werkstatt.Hermann Fischer: Seuffert Orgelbauer. In: Deutsche Biographie. Bd. 24, 2010, S. 278–279.
Die Orgeln der Brüder Seuffert gleichen sich zunächst äußerlich und vom Klangkonzept sehr. Später passt sich Johann Ignaz Seuffert dem oberrheinisch-französischen Stil an und baut keine Spitztürme mehr. Charakteristisch für seine Bauweise ist das eng mensurierte Register Piffara, ein Schwebesalizional, das er mit Stieffell ab 1750 in Baden einführte.Eberlein: Orgelregister. 2016, S. 465.
Die Pfälzer Linie der Orgelbauerfamilie Seuffert wurde von seinem Sohn Franz Seuffert (* 17. Januar 1773 in Kirrweiler; † 20. August 1855 ebenda) und anschließend vom Enkel Johann Franz Seuffert (* 4. September 1814 in Kirrweiler; † 14. Februar 1887 ebendaOrtsfamilienbuch Kirrweiler, #3492 S. 703) fortgeführt. Hier wurden bis etwa 1850 zahlreiche Orgelneubauten geschaffen. Aufgrund der überregionalen Konkurrenz im Orgelbau und der Verlagerung des bürgerlichen Interesses auf den Klavierbau führte die Kirrweiler Werkstatt nur noch Reparaturen und Wartungsarbeiten durch.
Werke (Auswahl) Von Johann Ignaz Seuffert sind um die 30 Orgelneubauten nachgewiesen, von denen einige (in veränderter Form) erhalten sind.Fischer: Der Orgelbauer Johann Philipp Seuffert und seine Nachkommen. 2015, S. 88–90.
Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist oder lediglich noch der Prospekt aus der Werkstatt stammt.
Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1754 Bad Langenbrücken St. Vitus 160x160px I/P 14 Der Neubau von Karl Göckel (1992) integriert die wenigen erhaltenen Seuffert-Register und den Prospekt.Orgel in Bad Langenbrücken, abgerufen am 19. November 2019. 1755 Ettlingen St. Martin II/P 15 nicht erhalten 1760 Neckarau St. Jakobus I/P 11 1887 an die Marienkirche (Lauda) verkauft, wo der Prospekt erhalten ist. 1762 Offenburg Heilig-Kreuz-Kirche zentriert|160x160px I/P Rückpositiv 1784 von Stieffell ergänzt; Gehäuse erhalten 1764 Alsheim Mariä Himmelfahrt zentriert|160x160px I/P 14 2018 restauriert durch Orgelbau Vleugels 1765 Rastatt Schloss Rastatt, Schlosskirche I/P 12 zusammen mit Ferdinand Stieffell; erhalten 1771 Frankenthal Dreifaltigkeitskirche II/P 16 nicht erhalten 1771 Eppstein St. Cyriakus I/P 11 Ende des 19. Jh.s nach Einselthum verkauft, seit 1997 wieder in Eppstein; weitgehend erhaltenOrgel in Eppstein, abgerufen am 19. November 2019. 1771 Oberhochstadt St. Georg nicht erhalten 1772 Landau in der Pfalz Stiftskirche 160x160px I/P 19 Prospekt erhaltenEberlein: Orgelregister. 2016, S. 269. 1779–1780 Worms-Abenheim St. Bonifatius I/P 17 um 1900 verbrannt 1780 Königsbach an der Weinstraße St. Johannes Baptist und Sebastian nicht erhalten 1782 Heiligenstein St. Sigismund I/P 14 1812 nach Kriegsbeschädigungen durch Franz Seuffert erneuert, mehrfach umdisponiert erhaltenBonkhoff: Denkmalorgeln in der Pfalz. 1990, S. 100. 1782 Freimersheim Prot. Kirche nicht erhalten 1784 Mengen Ev. Kirche I/P 13 ursprünglich vermutlich für Ulm (Renchen) gebaut und 1880 nach Mengen umgesetzt.Orgel in Mengen, abgerufen am 19. November 2019. 1786 Mörlheim katholische Kirche I/P 10 weitgehend erhalten 1785 Durmersheim Maria Bickesheim nicht erhalten 1788 Rheinsheim St. Vitus 160x160px I/P 14 1893 nach Mechtersheim verkauft, seit 1968 Prospekt in der Stiftskirche Neustadt als Fassade erhalten 1792 Dahn St. Laurentius I/P 17 im 19. Jh. um ein Hinterwerk erweitert; 1928 ersetztBonkhoff: Denkmalorgeln in der Pfalz. 1990, S. 112.18. Jh. Insheim evangelische Kirche 160x160px I/P 13 erhalten
Literatur
Rudolf Walter: Der Orgelbaustil von Joh. Philipp Seuffert (1693–1780). In: Acta Organologica. Bd. 20, Kassel 1988, S. 113–148.
Weblinks
Hermann Fischer: Seuffert Orgelbauer. In: Deutsche Biographie. Bd. 24, 2010, S. 278–279.
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1728 Kategorie:Gestorben 1807 Kategorie:Mann