In der Hansestadt Stralsund existieren mehrere Friedhöfe, von denen nicht mehr alle bewirtschaftet werden. Teilweise reicht die Geschichte der Friedhöfe bis weit in die Stadt-Gründungszeit im Jahr 1234 zurück. Da die älteren der Friedhöfe ursprünglich auf dem Gelände der Stralsunder Kirchen angelegt waren, heißen diese Begräbnisfelder Kirchhöfe.

Geschichtsüberblick Die ersten Begräbnisstätten entstanden im 13. Jahrhundert. Derartige Plätze für die Toten wurden neben den vier Pfarrkirchen St. Nikolai, St. Marien, St. Jakobi und St. Peter und Paul (die inzwischen nicht mehr vorhanden ist)St. Peter und Paul – die verschollene vierte Stadtkirche von Stralsund.; abgerufen am 6. Januar 2019., den Klosterkirchen St. Johannis und St. Katharinen, dem Kloster St. Annen und Brigitten, der Gasthauskirche, der Gertrudenkirche sowie um die Heilgeistkirche angelegt.

Es war üblich, dass Tote aus reichen Familien direkt in den Kirchen bestattet wurden. Nach dem sozialen Stand geordnet lagen die Begräbnisstätten im Chor, im Kirchenschiff, im Kreuzgang oder auf dem Kirchhof.

Schnell wurde die Bebauung neben den Kirchen dicht, sodass der Platz auf den Kirchhöfen sehr begrenzt war. Spätestens mit den ersten Pesttoten wurden die Kirchhöfe zu klein. Die Kirchengemeinden begannen zu Beginn des 14. Jahrhunderts am Rand der Stadt Friedhöfe anzulegen.

Die Reformation brachte die Forderung nach einer Trennung der Begräbnisplätze von den Kirchen. Allerdings sind in Stralsund noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Begräbnisse in den Kirchen durchgeführt worden. Die schwedische Regierung erließ aus Angst vor Seuchen im Jahr 1778 ein Verbot dieser Bestattungen in Kirchen, das aber umgangen wurde. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fanden Beerdigungen auf den Kirchhöfen der Stadt statt.

Die aus Platzmangel angelegten Friedhöfe wurden zunächst hainartig gestaltet. Sie lagen an der Stadtgrenze und stießen auch dort bald an räumliche Grenzen, denn Stralsund war noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine Festung.

Im Laufe der Geschichte waren sowohl die Begräbniskultur als auch das Verständnis für die Geschichte und die Bedeutung von Friedhöfen einem steten Wandel unterlegen.

Die Stralsunder Kirchhöfe und Friedhöfe

Nachfolgend sind die Stralsunder Kirch- und Friedhöfe alphabetisch geordnet aufgeführt.

Frankenfriedhöfe mini|hochkant|Allee auf dem Neuen Frankenfriedhof mini|hochkant|Zerstörtes Grabmal auf dem Neuen Frankenfriedhof Die Frankenfriedhöfe (Alter und Neuer Frankenfriedhof) werden nicht mehr als Begräbnisstätten genutzt.

Im Jahr 1710 hatte es eine große Pestepidemie in Stralsund gegeben, in deren Folge der Gertrudenfriedhof im Stadtteil Franken eine Überbelegung erfuhr. Daraus entstand die Notwendigkeit der Neuanlage eines Friedhofs.

Der Frankenfriedhof wurde im Jahr 1713 geweiht. Er befindet sich auf einem leicht erhöhten Gelände, das im 17. Jahrhundert noch als Verteidigungswerk genutzt wurde. In diese Zeit fiel auch die Wandlung der Friedhöfe von reinen Begräbnisstätten in gartenkünstlerisch angelegte Friedhöfe. Der Alte Frankenfriedhof wurde streng geometrisch gestaltet.

Um 1820 wurde der Friedhof um einen südlichen Teil erweitert. Der nördliche und der südliche Teil sind durch eine Auffahrt, die vom Frankendamm abführt, voneinander getrennt. Dazu wurden rechtwinklig vier Querwege angelegt. Die äußere Grenze bildet eine noch heute erhaltene Mauer aus Feldsteinen.

1928 wurde erstmals geplant, den Alten Frankenfriedhof zu schließen. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte er seine Belegungsgrenze erreicht. Bis 1965 wurden jedoch noch Beerdigungen vorgenommen. Ab 1986 wurde der Friedhof beräumt und zu einem Park umgestaltet. Dabei wurden allerdings viele historisch wertvolle Anlagen vernichtet. Eine letzte erhaltene Grabplatte mit der Inschrift „Carolina Helena Johanna v. Pollet gest. 1797“ wurde 1998 von Vandalen zerstört.

Auf dem Alten Frankenfriedhof waren unter anderem der Kommerzienrat und bürgerliche Oberbürgermeister Stralsunds Israel, der Wissenschaftler Otto Fock und der Dichter Karl Lappe begraben.

Eine Zeichnung von 1856 zeigt erste Pläne für eine Neuanlage in der Franken-Feldmark, die noch als Weide genutzt wurde. Der Neue Frankenfriedhof wurde wie der Alte Frankenfriedhof streng geometrisch mit Haupt- und Nebenwegen und Alleen und Baumreihen gestaltet.

Auch auf diesem Friedhof sind nur noch wenige Grabstätten erhalten. Hier wurden der Stralsunder Stadtbaudirektor Ernst von Haselberg und 1949 der Komponist Georg Meißner beigesetzt; beide Gräber sind nicht mehr auffindbar. Einer privaten Initiative ist zu verdanken, dass das Grab des Arztes Carl Pogge erhalten blieb.

1976 wurde der Neue Frankenfriedhof geschlossen.

Franzosenfriedhof

Die Franzosenfriedhof genannte Begräbnisanlage wurde 1865 in Knöchelsöhren angelegt. Hier wurden die 52 französischen Soldaten und Offiziere, die während ihrer Internierung 1870/1871 auf dem Stralsunder Dänholm gestorben waren, beerdigt, was dem Friedhof im Volksmund seinen Namen einbrachte.

Der sehr niedrige Grundwasserspiegel brachte auch bald die Schließung des Friedhofes als Begräbnisstätte. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein neuer Bahnhof errichtet und dafür das Gelände auch um Knöchelsöhren neu gestaltet wurde, verschwand der Friedhof. Heute sind keine Hinweise mehr darauf zu finden.

Gasthauskirchfriedhof

Die Gasthauskirche befand sich in der heutigen Marienstraße. Sie existiert nicht mehr und auch der Kirchhof dazu besteht nicht mehr.

Gertrudenfriedhof

Die Gertrudenkirche wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet. Sie befand sich vor dem heute nicht mehr erhaltenen Frankentor am heutigen Frankendamm. In einem erhalten gebliebenen Testament von 1335 wird der Gertrudenfriedhof genannt.

Die Kirche wurde im Jahr 1547 abgerissen. Der Friedhof allerdings wurde weiter betrieben. Er war vor allem für die ärmere Bevölkerung gedacht. Auf einem Kupferstich von 1652 ist ein Platz zu sehen, den in der Mitte ein großes Kreuz überragt. Hier wurden Bewohner des Heilgeisthospitals und der Frankenvorstadt beerdigt.

Bei der Belagerung der Stadt durch die Truppen Wallensteins im Jahr 1628 wurde der Friedhof durch die Bewohner in der Art zerstört, dass dort die Kirchhofschanze als Verteidigungsanlage angelegt wurde.

Der Friedhof wurde nach der erfolgreichen Verteidigung wieder seinem Zweck übergeben. Nachdem er infolge der Pestepidemie von 1710 allerdings völlig überbelegt war, gab der Rat der Stadt 1712 den Auftrag zur Anlage des Frankenfriedhofs. Der Gertrudenfriedhof wurde dann ab 1713 nicht mehr für Beerdigungen genutzt. Heute ist das Areal mit Häusern bebaut.

Jakobikirchhof

Der Jakobikirchhof war zweigeteilt. An der Nordseite der Jakobikirche befand sich der Grüne Kirchhof, der noch bis mindestens 1840 als Begräbnisstätte diente, und an der Südseite der Kahle Kirchhof, auf dem um 1777 die letzten Bestattungen stattfanden.

Beim Bombenangriff auf Stralsund am 6. Oktober 1944 wurden die bis dato bis dicht an die Kirche stehenden Häuser und Bäume zerstört. An der Nordseite wurden 1954 Bäume gepflanzt und ein kleiner Park angelegt.

Jüdische Friedhöfe Juden waren in der Vergangenheit immer wieder Vertreibungen und Verfolgungen ausgesetzt, in deren Verlauf häufig auch die Begräbnisstätten der Gemeinden zerstört worden sind. Die Grabmale wurden zerstört oder anderweitig genutzt; selbst für Kirchenbauten kamen sie zum Einsatz.

Juden in Stralsund waren in der deutschen Ostkolonisation aus dem Westen gekommen, jedoch um 1500 weitgehend aus der Stadt vertrieben worden. Erst im 18. Jahrhundert wurde ihnen die Neuansiedlung in Stralsund gestattet. Der Straßenname Judenstraße lässt Rückschlüsse auf ihre Ansiedlung zu. Begräbnisstätten aus der Zeit des Mittelalters sind allerdings nicht mehr vorhanden. Bestattungen wurden nach der Erlaubnis der Neuansiedlung von Juden in Stralsund 1777 durch ein Edikt des schwedischen Königs Gustav III. zumeist in den Orten Sülze und Ribnitz vorgenommen.

Jüdischer Friedhof in Niederhof bei Brandshagen

Die Stadt Stralsund lehnte es ab, der Jüdischen Gemeinde einen Platz innerhalb der Festungsmauern zur Verfügung zu stellen. Daher griff die Gemeinde auf das Angebot des Kammerrates Joachim Ulrich Giese zurück, der ihr auf seinem Gut in Niederhof bei Brandshagen unentgeltlich einen Platz zur Nutzung als Friedhof überließ. Bis 1855 fanden hier Beerdigungen statt. Von den vor dem Ersten Weltkrieg erhaltenen 60 Grabmälern wurden einige ausgegraben und in Niederhof als Tritt am Hauseingang genutzt. Die Nationalsozialisten ließen den Friedhof unbeschadet. 1955 wurden auf dem Friedhof noch 38 erhaltene Grabmäler festgestellt. 1997 waren es noch 28, die sich nun inmitten eines Waldes befinden.

Jüdischer Friedhof direkt in Stralsund Im Jahr 1850 konnte die Jüdische Gemeinde endlich einen eigenen Begräbnisplatz innerhalb von Stralsund einrichten. Dieser befindet sich an der heutigen Greifswalder Chaussee und ist mit einer Mauer eingegrenzt. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1855.

1912 konnte der Friedhof noch erweitert werden. In der Zeit des Nationalsozialismus verlor die Jüdische Gemeinde ihre rechtliche Stellung und beendete 1938 ihre Existenz. Im Jahr 1942 verkauften die Nazis das Grundstück an die Stadt; Beisetzungen fanden hier nicht mehr statt. Den verbliebenen Juden wurde ein kleiner Platz auf dem Neuen Frankenfriedhof zur Verfügung gestellt.

Das Gelände des Friedhofs wurde in den 1950er Jahren zur Gedenkstätte umgestaltet. Erhalten geblieben sind auch Grabmale der Familie von Adolf Wertheim.

Im Jahr 1997 erhielt die Jüdische Gemeinde Mecklenburg-Vorpommern den Friedhof in ihr Eigentum zurück. Zwischen dem Jahr 2000 und November 2008 ließ die Gemeinde den Begräbnisplatz sanieren: die Umgebungsmauer wurde restauriert, die Grabmale aufgearbeitet, Grabinschriften erneuert und der Eingangsbereich durch Restaurierung der Pfeiler und die Erneuerung des Tores aufgewertet. Nach Beendigung der Arbeiten entstand ein zentraler Platz mit einem Gedenkstein und einem Sitzbereich.Jüdischer Friedhof Stralsund auf alemannia-judaica.de

Katholischer Friedhof

Stralsund war mit der Reformation evangelisch geworden. Die kleine Gemeinde der Katholiken musste ihre Toten daher auf den von den Protestanten genutzten Friedhöfen beziehungsweise Kirchhöfen bestatten. 1775 wurde eine Gemeinde gegründet, der es gelang, ab 1842 einen eigenen Platz für Bestattungen einzurichten. Dieser Katholische Friedhof lag außerhalb der Festung Stralsund an der heutigen Greifswalder Chaussee nahe dem Jüdischen Friedhof.

1912 wurde durch die Gemeinde ein neuer Friedhof mit heute noch erhaltenen Lindenbäumen, Ahornbäumen und Eschen angelegt. Dieser Friedhof wurde 1941 noch erweitert.

Mariakronfriedhof

Der im 14. Jahrhundert eingerichtete Friedhof lag in der Nähe der heutigen Wolfgang-Heinze-Straße. 1350 wurde für diesen Friedhof die Maria-Magdalena-Kapelle gestiftet, 1421 in der unmittelbaren Nachbarschaft das Brigittenkloster Mariakron gegründet.

Der Friedhof wurde erweitert und ist noch 1733 auf einem Festungsplan als solcher verzeichnet. Heute existieren weder das Kloster noch der Friedhof mehr.

Marienkirchhof

Die Pfarrkirche St. Marien war noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts an der Nordseite (zum Neuen Markt hin) und an der Westseite dicht von Häusern umgeben. Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite der Kirche gab es Kirchhöfe, auf denen Bestattungen durchgeführt wurden. Von 1868 bis 1871 wurde auf städtischen Beschluss hin der nördliche Kirchhof in eine Grünanlage umgestaltet. Dazu wurden die dort stehenden Häuser abgerissen. Die Gartenanlage blieb in dieser Form bis zum Zweiten Weltkrieg bestehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch auf dem südlichen Marienkirchhof die Bestattungen eingestellt und der Platz gärtnerisch gestaltet. Die dort gepflanzten Lindenbäume und Kastanienbäume stehen noch heute.