mini|400px|Tänzer beim Flurry Festival 2019 Die Contra-Dance-Choreographie spezifiziert die Tanzformation, die Figuren und die Reihenfolge dieser Figuren in einem Tanz. Die Figuren wiederholen sich idealerweise in einem anmutigen, fließenden Muster und sind auf die Phrasierung der Musik abgestimmt. Insbesondere haben Contra Dance Figuren mit wenigen Ausnahmen keine definierte Beinarbeit; ein Großteil des Tanzes wird als Gehbewegung ausgeführt, ein Schritt für jeden Schlag in der Musik. Arme und Hände führen die meisten Veränderungen – vornehmlich die Übergänge von Formation zu Formation – aus. Dabei wechselt die Verbindung meistens zu den Händen anderer Tänzer.
Die meisten Choreographien bestehen aus einer Sequenz von etwa sechs bis zwölf Einzelfiguren, die der Rufer (engl.: Caller) im Takt der Musik während des Tanzes ansagt. Nach mehrfacher Wiederholung, reduziert der Caller seine Ansagen, manchmal auf ein einziges Wort für jede Figur. Er hört mit den Ansagen ganz auf, wenn die Tänzer sich mit der Choreographie sicher fühlen, um so die Tänzer sich selbst und der Musik zu überlassen.
Grundlagen Eine Figur ist eine Bewegungsabfolge, die typischerweise über acht Zählungen ausgeführt wird, darüber hinaus gibt es Figuren mit vier oder sechzehn Zählungen. Jeder Tanz enthält eine Sequenz von Figuren, die so zusammengestellt wurden, dass die Tänzerinnen und Tänzer die jeweils nächste Sequenz mit einem neuen Partner oder Tanzpaar entlang der Formation (engl.: Set) ausführen können.
Rhythmus Eine Zählung (wie oben definiert) ist ein Taktschlag der Musik wie z. B. eine Viertelnote im 2/4- oder 4/4-Takt oder drei Achtelnoten im 6/8-Takt.
Da Contra Dance Tänze mit Gehbewegungen sind, entspricht jeder Zähler der Choreographie typischerweise einem einzelnen physischen Schritt in einer Figur und einem Taktschlag in der Musik. Die typische Contra Dance Choreographie besteht aus vier Teilen, die jeweils 16 Taktschlägen (8 Takte) lang sind. Die Teile heißen A1, A2, B1 und B2. Diese Nomenklatur ergibt sich aus der Musik: Tanzmusik besteht typischerweise aus zwei Teilen (A und B), jeweils 16 Zähler lang und jeweils einem Teil des Tanzes. Die A- und B-Stimmen werden jeweils zweimal hintereinander gespielt, also A1, A2, B1, B2. Während in den Teilen A1 und A2 im Allgemeinen die gleiche Musik gespielt wird, folgt in diesen Teilen eine eigene Choreographie. 64 Zähler bilden typischerweise eine Choreographie, die zu der beschriebenen Phrasierung der Musik passt. Musik dieser Form wird als „quadratisch“ bezeichnet; Melodien, die von dieser Form abweichen, werden als „schief“ bezeichnet.
Körperspannung und Gegengewicht (engl. giving weight) Ein wesentliches Element des Contra Dance ist der Aufbau einer leichten physischen Spannung zwischen Tänzern. Um diese Spannung zu erzeugen, lehnen Sie sich bei Figuren die in einer Zweier-Formation getanzt werden, leicht von Ihrem Tanzpartner weg und halten Sie eine deutliche Spannung in Körper, Armen, Händen und Fingern aufrecht; drücken Sie dabei nicht zu hart, aber lassen Sie Ihre Arme auch nicht schlaff hängen oder gehen in eine vollständige Streckung. Dies hilft Ihnen und Ihrem Partner, sich im Einklang zu bewegen. Das erzeugte Gegengewicht ermöglicht es, drehende Figuren schneller und mit mehr Flair auszuführen, und erzeugt das Gefühl des Tanzens mit der anderen Person und nicht nur in ihrer Nähe. Gewicht kann auch als Elastizität oder Spannung bezeichnet werden.
Gleichgeschlechtliche Paare sind im Contra Dance immer wieder anzutreffen, typischerweise um unterschiedliche Anzahlen von Damen und Herren auszugleichen oder nach Vorliebe. In den folgenden Beschreibungen beziehen sich die Begriffe Herr (engl.: Man, Gentleman) und Dame (engl.: Lady) auf die Rollen im Tanz und nicht auf das Geschlecht. Für eine bessere Lesbarkeit wird auf die Nennung beider Geschlechter verzichtet, z. B. Tänzer für „Tänzerin und Tänzer“, sondern diese möglichst abwechselnd benannt, es sei denn dies ist für die Definition der Figur relevant.
Figuren des Square- und Contra-Tanzes In den folgenden Erklärungen wird jeweils der in Englisch angesagte Begriff benannt und eine wörtliche Übersetzung gegeben. Dies erleichtert es, die Figuren wiederzuerkennen oder sich einzuprägen.
Grundfiguren für einzelne Tänzer und Paare In den folgenden Erklärungen wird jeweils der in Englisch angesagte Begriff benannt und eine wörtliche Übersetzung gegeben. Dies erleichtert es, die Figuren wiederzuerkennen oder sich einzuprägen. Die Figuren sind in alphabetischer Reihenfolge gelistet.
Allemande Turn (Deutsche Drehung) Zwei Tänzer verbinden nach Ansage rechte oder linke Hände mit den Fingerspitzen nach oben und dem Daumen auf dem Handrücken des Gegenübers. Sie bewegen sich um die gefassten Hände umeinander herum.
Balance (Wiegeschritt) Das Paar steht sich mit einer oder beiden Händen gefasst gegenüber und tanzt im Takt der Musik einen Schritt aufeinander zu, einen Schlussschritt, dann einen Schritt auseinander und einen Schlussschritt. In einigen Bereichen ist es typisch, die letzten Schritte durch einen Stomp, Kick oder Jump zu ersetzen, was die Rhythmik der Figur stärker betont. Auf ein „Balance“ folgt oft ein Swing. Ein Balance kann auch in Linien oder Kreisen mit mehreren Tänzern ausgeführt werden.
Butterfly Whirl (Schmetterlingswirbel) Ausgangsformation: Zwei Tänzer, typisch Dame und Herr stehen nebeneinander, mit offener Handfassung oder mit der Innenhand jeweils die Taille des Partners gefasst. Es erfolgt eine Drehung als Paar nach rechts oder links, typischerweise als Fortsetzung der von der vorherigen Figur eingeleiteten Drehrichtung. Die Person die sich anfänglich auf dem Innenkreis befindet geht dabei rückwärts, die andere Person vorwärts. Alternative Fassungen: Die Dame legt Ihre Innenhand auf die Schulter des Herrn.
Courtesy Turn (Höflichkeitsdrehung) Der Herr nimmt die linke Hand der Dame in die linke Hand und legt seine rechte Hand auf ihren Rücken in Höhe des Schulterblatts, alternativ werden die rechten Hände auf dem Rücken der Dame gefasst. Die Tänzerinnen und Tänzer stehen Seite an Seite, während sie sich als Paar drehen. Die Tänzer enden als Paar zur Mitte der Formation gewendet. Der Herr geht stets rückwärts, während die Dame vorwärts geht.
Do-Si-Do, auch Do Sa Do (Rücken-an-Rücken) Ausgangsformation: Zwei voreinander stehende Tänzer. Sie bewegen sich umeinander herum und behalten dabei die Blickrichtung bei. Die Tänzer gehen mit der rechten Schultern beginnend aneinander vorbei („Pass by the right“), gleiten dann Rücken an Rücken auf die jeweils andere Seite. Sie passieren rückwärts und linksschultrig ihr Gegenüber und kehren an den Ausgangsplatz zurück.
Für die Variante: „1½ mal“ tanzen die Paare die erste Hälfte, rechtsschultrig erneut. Beendet wird die Figur auf dem Platz des und mit dem Rücken zum Gegenüber. Als Verzierung fügen erfahrene Tänzer oft einen Spin hinzu, während sie diese Figur ausführen. Ein Spin ist eine allein ausgeführte Drehung am Platz.
Gypsy (Zigeuner) Diese Figur wurde aus dem englischen Country Dance übernommen. Zwei angesprochene Tänzer etablieren und halten Augenkontakt. Sie gehen in der angesagten Richtung: rechts- oder linksschultrig umeinander herum, ohne sich dabei gegenseitig zu berühren. Die Intensität des Augenkontakts hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Komfort und der lokalen Tradition. Als Reaktion auf einige Einwände gegen den als diskriminierend empfundenen Namen verwenden Caller teilweise eine Reihe neuer Begriffe, vor allem die rechte Schulterrunde. Der Caller sagt dann: „Right/left shoulder around your neighbor“.
Promenade (Spaziergang) In die gleiche Richtung nebeneinander gehen die Tänzer in die vom Caller angesagte Richtung, typischerweise in Tanzrichtung. Die Dame befindet sich dabei auf der rechten Seite. Es sind verschiedene Handverbindungen zwischen den Tänzern möglich:
offene Handfassung – das Paar fast die inneren Hände. Dabei bietet der Herr der Dame die innere (rechte) Hand mit der Handfläche nach oben an. Die Dame legt ihre innere (linke) Hand hinein. Alle Fingerspitzen zeigen nach vorn. Courtesy Turn Position – (siehe Courtesy Turn oben). Skaterpromenade oder Kreuzhandfassung – wie beim Courtesy Turn verbindet das Paar die linke Hand vorne; anstatt die rechte Hand hinter dem Rücken der Dame zu verbinden, werden die rechte Hand vorne über der linken Hand verbunden. Varsouvienne-Position – In dieser Position befindet sich der Herr leicht hinter der Dame, mit ihren gefassten linken Händen vor ihrer linken Schulter und den gefassten rechten Händen über ihrer rechten Schulter.
Zum Ende der Figur kann der Herr die Dame dazu einladen, sich unter den gefassten Händen hinweg einmal zu drehen. Hierfür hebt der Herr die linken Hände. Diese Verzierung soll den Tanzspaß erhöhen, verlangsamt aber häufig die Bewegung und kann damit den Ablauf des Tanzes stören. Promenaden werden häufig verwendet, um ein Paar auf die andere Seite des Sets zu bewegen, um Tänzer wieder an ihren Platz zu bringen oder alle Tänzer in Tanzrichtung vorwärts zu bewegen.
Roll Away (Wegrollen, Hinüberrollen) Ausgangsformation: Zwei Tänzer, die in die gleiche Richtung schauen und eine Handverbindung haben. Der angesprochene Tänzer dreht sich (Roll Away) mit einer vollen Drehung auf den Platz des Tanzpartners während dieser sich in einer seitlichen Bewegung und ohne Drehung hinter dem rollenden Tänzer auf dessen Platz bewegt. Am Ende der Figur haben beide die Plätze getauscht und schauen in die gleiche Richtung, in der sie die Figur begonnen haben. In vielen Fällen beginnt diese Figur mit der Dame zur Linken des Herrn. Sie geht vor dem Herrn vorbei. Dem Partner dabei ein Gegengewicht zu bieten ist für diese Figur von zentraler Bedeutung.
Sashay Die Partner stehen sich gegenüber und halten beide Hände. Sie bewegen sich seitwärts im Seitgalopp in die vom Caller angegebene Richtung.
Swing (Schaukeln, Gemeint ist: Im Paar im Kreis drehen) Das Paar geht in eine geschlossene Tanzhaltung: die linke Hand der Dame auf der Schulter des Herrn, der rechten Hand des Herrn auf dem linken Schulterblatt der Dame, die freien Hände gefasst. Tänzer gehen in einfachen Gehschritten oder in einem Schritt, der der Fortbewegung auf einem Roller ähnelt umeinander herum. Ein Swing endet normalerweise mit Blick in der vom Caller angesagten Richtung, typischerweise in Tanzrichtung oder zur Mitte der Formation. Die Person mit der ein Swing getanzt wird zum (neuen) Tanzpartner. Der Herr endet links von der Dame.
Turn Alone / U-Turn Back (Alleine umdrehen) Die angesprochene Person oder Personen drehen sich an Ort und Stelle um. Es gilt als höflich, die Drehung in Richtung der Person auszuführen, mit der sie gerade interagieren – etwa dann, wenn sich eine andere Person als momentaner Tanzpartner identifizieren lässt.
Turn as a Couple / Wheel around (Als Paar drehen / Herumwirbeln) In dieser Figur drehen sich zwei Tänzer, die aktuell Partner zueinander sind und eine Handverbindung etabliert haben, als Paar herum. Dabei geht der links stehende Tänzer rückwärts, der andere vorwärts (Wheel Around). Das Bewegungsmuster ähnelt dem Courtesy Turn, ist aber freier definiert: Es dürfen beliebige Tänzer nebeneinander stehen. Die Ansage wird von Tänzern gerne auch als California Twirl ausgeführt.
Twirl to Swap (Wirbeln, um die Plätze zu tauschen) Dies ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Tanzbewegungen, die als Paar getanzt werden und bei der Herr und Dame die Position tauschen und die Blickrichtung wechseln. Sie erheben ihre gemeinsamen Hände, und die Dame geht unter den gefassten Händen hindurch, während der Herr hinter der Dame herum geht. Sie unterscheiden durch die Richtung in die das Paar schaut und die verwendete Handhaltung.
California Twirl – Das Paar beginnt nebeneinanderstehend, die Dame auf der rechten Seite des Herrn, die Hände gefasst. Die Figur endet mit Blick in die entgegengesetzte Richtung.