Der Königsbussard (Buteo regalis) ist ein mächtiger Greifvogel, der zur Gattung der Bussarde (Buteo) innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zählt. Er ist weltweit der größte und schwerste Bussard.Anm. Verf.: Die Angaben sind uneinheitlich. Das HBW bezeichnet ihn als größten Bussard; BNA nach dem Hochlandbussard als zweitgrößten. Die Angaben von Avian Body Masses legen auch aufgrund der Schwankungsbreite von Größe und Gewicht nahe, dass sich beide den ersten Platz teilen. Als Brutvogel ist die Art auf das südwestliche Kanada und die westlichen USA beschränkt. Die in Kanada und in den nördlichen USA brütenden Vögel sind Zugvögel mit Überwinterungsgebieten im Südteil des Brutgebietes, sowie südwärts bis Zentralmexiko, etwa bis zur Höhe des Río Lerma Santiago-Flusssystems. Der Königsbussard bevorzugt eher niedrig gelegene Gebiete, steigt aber in den Vorbergen der Rocky Mountains bis etwa 1500 Meter auf. Er ist ein Greifvogel offener Landschaften wie Prärien, Wüsten-Beifuß-Steppen und Halbwüsten. In diesen oft baumlosen Habitaten baut er sein Nest auf höheren Exemplaren der Buschvegetation, auf von Menschenhand errichteten Strukturen, auf Felsklippen sowie gelegentlich auch am oder nahe dem Boden. Er wendet zwar einige Jagdtechniken an, ist aber hauptsächlich Ansitzjäger. Trotz einer Vielzahl von unterschiedlichen Beutetieren ist die Art in großem Maße von Hasen und nur wenigen mittelgroßen Nagetieren wie Präriehunden und anderen Erdhörnchen abhängig, die einen Großteil der aufgenommenen Biomasse ausmachen. Ihr Vorhandensein bestimmt auch wesentlich Gelegegröße und Ausfliegerate.
Der Königsbussard ist – wie viele Arten der Bussarde – sehr variabel gefärbt. Er erscheint in zwei Farbmorphen, einer hellen, die etwa 90 % des Bestandes umfasst, und einer dunklen. Die Geschlechter weisen keinen Färbungsdimorphismus auf, Weibchen sind geringfügig größer, aber deutlich schwerer als die Männchen.
Die Art ist monotypisch. Als Schwesterart wird der Raufußbussard (Buteo lagopus) angenommen, auch der Hochlandbussard gehört in die nächste Verwandtschaft. Laut IUCN ist der Bestand der Art ungefährdet. In den letzten 50 Jahren stieg der Brutbestand der Art signifikant an. Mit Stand Ende 2019 wird die Anzahl adulter Königsbussarde auf 110.000 Individuen geschätzt.
Aussehen mini|400x400px|Adulte Königsbussarde – ganz rechts die dunkle Morphe Der Königsbussard ist ein wuchtiger, massiver Greifvogel, dessen helle Morphe auf der Unterseite weitgehend weiß erscheint, auf der Oberseite kastanienbraun. Insgesamt ist die helle Morphe auf der Unterseite jedoch sehr variabel gefärbt, sodass es neben fast weißen Individuen auch Vögel mit ausgedehnten und intensiven rostbraunen Zeichnungen gibt. Die dunkle Morphe ist auf der Oberseite, Unterseite und Kopf düster schwarzbraun, die Deckfedern der Flügel sind dunkelbraun, scharf kontrastierend zu den hellsilbergrauen Schwingen. Die Körperlänge liegt zwischen 56 und 69 Zentimetern, die Flügelspannweite liegt zwischen 122 und 152 cm, das Körpergewicht zwischen 977 und 2074 Gramm. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich in der Färbung nicht, Weibchen sind im Durchschnitt um 2–7 % größer und um bis zu 17 % schwerer.
Der Königsbussard ist aufgrund seiner Größe, seiner sehr hellen (bzw. sehr dunkel-düsteren) Erscheinung und seines mächtigen, auffallend gelb markierten, tief gespaltenen Schnabels gut gekennzeichnet. Auffallend ist zudem ein rostbraunes V vor dem Schwanzansatz, das durch die rostrote Befiederung der Läufe gebildet wird.
Helle Morphe mini|Adult – Helle Morphe mini|Detail Kopf – Helle Morphe Die Mehrzahl der Königsbussarde gehört der hellen Morphe an. In manchen Populationen fehlen dunkel gefärbte Individuen völlig, in anderen können bis zu 10 % der Individuen dunkelmorphig sein.
Rücken, Schultern und Flanken sind meist dumpf kastanienbraun. Die meisten Federn sind cremebräunlich gerandet, wodurch insgesamt ein gesprenkelter Eindruck entsteht. Der große Kopf ist auf hell graubräunlichem Grund dunkel gestrichelt; diese graubräunliche Färbung geht im Bereich des Mantels in die Braunfärbung des Rückengefieders über. Der mächtige blaugraue Hakenschnabel ist tief gespalten und deutlich dottergelb markiert. Im basalen Drittel ist er von einer gelben Wachshaut umgeben. Der Schnabelspalt reicht bis Mitte Augenhöhe. Die Iris ist meist dunkelgelb oder kastanienbraun. Die Unterseite ist sehr hell. Kehle, Brust und Bauch sind auf reinweißem, gelegentlich auch gelblich oder bräunlich behauchtem Grund in unterschiedlicher Intensität rostbraun gestrichelt oder gefleckt. Vor allem die untere Bauchseite und die hinteren Flanken weisen oft eine intensivere Fleckung auf. Die weißen Schwingen sind oft undeutlich gebändert und auf der Unterseite subterminal undeutlich dunkel gerandet; die tief gefingerten Handschwingen sind in der terminalen Hälfte dunkel-bräunlich. Die unteren Flügeldecken sind unterschiedlich stark intensiv rostrot gesprenkelt, ein Färbungsdetail, das für die englische Bezeichnung der Art Ferruginous Hawk ausschlaggebend war. Oft sind diese Farbelemente linienförmig angeordnet. Auf der Oberseite sind die Flügel bräunlich. Wenn die Handschwingen gespreizt sind, zeigt sich in ihrem basalen Bereich ein deutliches, helles Fenster. Die meisten Innenfahnen der Armschwingen sind hellgrau bis weißlich, wodurch auf der Oberseite die inneren Handschwingen sowie die Armschwingen eine leichte hell-dunkel Schattierung aufweisen. Der Bürzel ist rostbraun, der Schwanz ist auf der Oberseite weiß mit einer oft leicht bräunlichen Randung der Steuerfedern, auf der Unterseite weiß mit nur angedeuteten Subterminal- und Terminalbinden. Die dicht befiederten Läufe sind bis zu den massiv bekrallten, orangegelben Zehen (bei adulten Individuen im Nahrungsstress gelbgrünlich) auf hellem Grund dicht rostrot, längslinear gesperbert. Diese Zeichnung bildet beim fliegenden Vogel mit angezogenen Läufen ein auffälliges V.
Dunkle Morphe Individuen der dunklen Morphe wirken aus der Entfernung einheitlich dunkel-düster schwarzbraun. Genauere Farbabstufungen sind nur aus der Nähe festzustellen.
Das Gefieder der gesamten Oberseite ist matt dunkelbraun, manchmal auch etwas heller rötlichbraun. Die meisten Federn sind etwas heller gerandet, sodass eine undeutliche Sprenkelung entsteht. Im Nackengefieder sind oft einige weiße oder silberfarbene strichförmige Farbelemente erkennbar. Oberkopf und Stirn sind ebenfalls meist ungezeichnet schwarzbraun. Nur der Bereich zwischen Schnabelansatz und Auge ist etwas heller, oft ist ein heller Überaugenstreif erkennbar. Der dunkel hornfarbene Schnabel ist im basalen Drittel von einer gelben Wachshaut überzogen. Die Oberseite der Flügel ist dunkelbraun, wobei die Oberflügeldecken etwas heller sind als die eher schwarzbraunen Schwingen. In ihrem basalen Abschnitt zeigen die gespreizten Handschwingen ein deutlich silberfarbenes Fenster. Die gesamte Unterseite und die Unterflügeldecken sind fast ungezeichnet schwarzbraun. Nur im Brustbereich lockern einige helle, weißliche Striemen diese düstere Farbgebung auf. Die befiederten Läufe sind undeutlich dunkel rötlichbraun gesperbert. Die äußeren, tief gefingerten Handschwingen sind dunkel silbergrau und deutlich grauschwarz begrenzt, die übrigen Schwingen sind weißlich mit leicht bräunlichen Rändern und einem eher undeutlichen graubraunen Subterminalband. Der Schwanz ist auf der Oberseite hell silberfarben, auf der Unterseite weitgehend weiß. Die Iris ist gelborange, die Zehen sind gelblich.
Jugendgefieder mini|Jungvogel in der Mauser ins erste Jugendgefieder. Das Körpergefieder ist schon weitgehend vermausert, die Kopfdunen werden gerade ersetzt Zwischen August des Geburtsjahres und Mai des Folgejahres zeigen Jungvögel das Jugendgefieder. Auf der Oberseite ist es dunkler als das Erwachsenengefieder, meist ohne rostbraune oder hell kastanienbraune Anteile. Häufiger und auffälliger als im Erwachsenengefieder sind weiße Federbasen, vor allem im Mantel- und Nackenbereich sowie am Oberkopf. Der helle Überaugenstreif, der im Erwachsenengefieder der hellen Morphe fast verschwindet, ist deutlich. Die Brust weist eine markante braunorange Tönung in Form eines Brustlatzes auf. Die untere Brust und die Bauchseite sowie die Unterflügeldecken sind eher spärlich matt dunkelbraun gefleckt; die typischen leuchtend rostbraunen Farbelemente des Adultgefieders fehlen. Die Färbung der Schwingen und der Steuerfedern entspricht weitgehend der von erwachsenen Bussarden, während die Gelbfärbung von Wachshaut und Zehen deutlich blasser ist. Die Befiederung der Läufe ist fast reinweiß, sodass auch das V-Zeichen fliegender ausgefärbter Königsbussarde fehlt.
Flug Die Spannweite der Art beträgt etwa das Zweieinhalbfache der Körperlänge, also mehr als 1,5 Meter. Königsbussarde fliegen mit langsamen, tief ausholenden, kräftigen Flügelschlägen und segeln mit leichter V-Stellung mit tief gefingerten äußeren Handschwingen. Für kurze Zeit vermag die Art auch zu rütteln. In der Vorbrutzeit kreisen sie in Thermikschläuchen und steigen hoch auf. Beutetiere werden meist in einem Fang zum Nest getragen.
Mauser Nestlinge beginnen mit etwa zwei Wochen das Dunengefieder zu wechseln. Sie vermausern zuerst das Kleingefieder und Körpergefieder, danach die Flügeldecken, die Schwingen und die Steuerfedern, zuletzt das Kopfgefieder. Diese Mauser dauert zwischen 25 und 40 Tagen und ist mit dem Ausfliegen weitgehend abgeschlossen. Bevor im Mai des nächsten Jahres die Mauser in das definitive Erwachsenengefieder beginnt, können einige Teilmauserungen des Körpergefieders, manchmal auch einzelner Schwingen und Steuerfedern vorangegangen sein. Diese Mauser, bei der in mehreren Einzeletappen das gesamte Gefieder vermausert wird, dauert bis zu 100 Tage. Brutvögel beginnen mit dem Federwechsel bereits während der Brutzeit (Weibchen schon in der Legeperiode). In der Nestlingszeit wird diese Mauser unterbrochen und nach der Brutzeit fortgesetzt. Meist wird sie erst im Winterquartier abgeschlossen.
Lautäußerungen Königsbussarde sind akustisch eher unauffällig. Nestlinge geben leise Bettellaute von sich. Altvögel sind nur in der Paarbildungsperiode und Vorbrutzeit häufiger zu hören, außerhalb dieser Zeit hört man die Art fast nicht, auch dann nicht, wenn sich mehrere Individuen zusammenfinden. Häufigster Laut ist ein bussardtypisches langgezogenes, oft leicht tremolierendes Wiiiiiiiiääh, das in relativ großen Abständen meist von fliegenden, gelegentlich auch von sitzenden Individuen geäußert wird. In der Paarbildungszeit dient er als Kontaktruf und wird zur Revierabgrenzung eingesetzt; ein kurzes, scharfes, deutlich auf der ersten Silbe betontes und meist gereihtes Wiääh ist ein universeller Alarmruf. Dieser Ruf hat eine große Ähnlichkeit mit den Rufen der Silbermöwe.
Verbreitung mini|312x312px|Verbreitungsgebiete des Königsbussardspink: Brutgebiet (Sommer), grün gestreift: Brutgebiet (ganzjährig), hellrosa: Überwinterungsgebiet, gelb gestreift: seltene Wintervorkommen Das Brutgebiet des Königsbussards liegt zur Gänze im südwestlichsten Teil Kanadas (ausgenommen British Columbia) und den westlichen und südwestlichen Teilen der USA. Es wird durch die Rocky Mountains in zwei verschiedene Ökoregionen getrennt: Die Graslandschaften der Prärien östlich der Rockies und die Buschsteppen und Halbwüsten westlich des Gebirges.