Der Kessel von Kausche war eine Einschließung deutscher Truppen und Zivilisten durch sowjetische Truppen im Zuge der Berliner Operation im April 1945 in und um den Ort Kausche in der Niederlausitz.
Vorgeschichte Am 16. April 1945 begann die Schlacht um Berlin mit den drei Frontabschnitten Nord, Mitte und Süd der sowjetischen Streitkräfte. Im nördlichen Abschnitt stand die 2. Weißrussische Front unter Marschall Konstantin Rokossowski, im mittleren Abschnitt die 1. Weißrussische Front unter Georgi Schukow und im südlichen Abschnitt die 1. Ukrainische Front unter Marschall der Sowjetunion Iwan Konew. Insgesamt waren an diesen drei Frontabschnitten 1.593.800 Mann aufgestellt. Die 1. Ukrainische Front unter Marschall Konew hatte in der Cottbus-Potsdamer Operation die Aufgabe, die Neiße zwischen Forst und Bad Muskau zu überschreiten, die Verteidigungslinien der dortigen 4. Panzerarmee zu durchbrechen, in Richtung Cottbus und Spremberg vorzustoßen und dann in die Berliner Operation von Süden her einzugreifen. Das Hauptquartier der in der Niederlausitz stationierten deutschen Truppen befand sich in Senftenberg und wurde vom General der Panzertruppe Fritz-Hubert Gräser befehligt.
Festung Spremberg mini|Kommandeur der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“, SS-Brigadeführer Harmel Mit dem Beginn der Großoffensive der Roten Armee rückte die 3. Gardepanzerarmee unter Generaloberst P. S. Rybalko, die 13. Armee unter Generaloberst N. P. Puchow sowie die 5. Gardearmee unter Generaloberst A. S. Schadow der 1. Ukrainischen Front auf die zur Festung erklärten Stadt Spremberg vor. Mit den nun bekannten Stoßrichtungen der sowjetischen Truppen befahl der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte Generalfeldmarschall Schörner die 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ unter SS-Brigadeführer Heinz Harmel im Eilmarsch von Görlitz in die Niederlausitz nach Spremberg zu verlegen. Nicht alle Fahrzeuge erreichen dabei ihr Ziel, Nachschubtruppen blieben auf Grund der sich immer weiter zuspitzenden Treibstoffsituation bereits im Raum Bautzen liegen. Am 17. April erreichten die Kampfverbände der 10. SS-Panzer-Division ihr Zielgebiet und errichteten am 18. April in Roitz, westlich von Spremberg, ihren Divisions-Gefechtsstand.
Die angreifenden sowjetischen Verbände konnten schnell große Raumgewinne erzielen und stießen dabei auch südlich und nördlich an Spremberg vorbei. Eine schwach verteidigte Sicherungslinie befand sich dabei noch östlich von Spremberg, welche von der Führer-Begleit-Division unter Generalmajor Otto Ernst Remer verteidigt und vorerst gehalten wurde. Die 344. Infanterie-Division unter Generalmajor Erwin Jollasse die nördlich von Spremberg am Spree-Abschnitt stand, zog sich auf Grund der im Norden durchgebrochenen sowjetischen 3. Garde-Panzerarmee südlich in Richtung Stadtgebiet Spremberg zurück. Um einer möglichen Einkesselung durch die an Spremberg vorbei stoßenden sowjetischen Truppen vorzubeugen, verlegte die Führer-Begleit-Division am Abend des 18. April 1945 ihren Gefechtsstand nach Gosda, westlich von Spremberg. Am Morgen des 19. April 1945 verblieb den drei deutschen Verbänden nur noch ein schmaler Korridor in Richtung Westen offen. Im Norden stieß die sowjetische 13. Armee mit dem 24. Schützenkorps unter Generalmajor Onuprienko vor. Südlich davon rückte Schadows Armee mit dem 34. und 33. Gardeschützenkorps unter Generalleutnant Lebedenko auf die Befestigungen von Spremberg vor, während östlich davon das 32. Gardeschützenkorps unter Generalleutnant Rodimzew mit der 95. Gardeschützendivision (Generalmajor Olejnikow) aufschloss.
Am Abend des 19. April 1945 rief Generalmajor Remer alle erreichbaren Kommandeure zusammen, um ihnen mitzuteilen, dass sie von sowjetischen Verbänden von drei Seiten eingeschlossen wurden. Daraufhin bildeten die Kommandeure der drei größeren deutschen Verbände die „Kampfgruppe Spremberg“, die insgesamt ca. 20.000 Mann umfasste.
In der Nacht vom 19. April auf den 20. April 1945 bereiteten die sowjetischen Truppen den Sturm auf Spremberg vor. In einem 30-minütigen Dauerbeschuss aus 1247 Geschützen jeden Kalibers des 7. und 10. Artilleriedurchbruchkorps und weiterer Artilleriebrigaden sowie Kräften der 2. Luftarmee unter Generaloberst Krassowski wurde Spremberg sturmreif geschossen. Am Morgen des 20. April 1945 waren die drei deutschen Verbände in einem Kessel nordwestlich von Spremberg eingeschlossen. Am Vormittag des 20. April 1945 drangen die ersten sowjetischen Truppen in die Innenstadt ein – von Norden das 24. Schützenkorps, von Osten und Süden die 95. Gardeschützendivision und das 33. Gardeschützenkorps – und eroberten die Stadt bis zum Abend vollständig. Die Verluste bei den Verteidigern der „Festung Spremberg“ betrugen etwa 2000 Mann, 1130 Mann gingen in Gefangenschaft.
Für die drei eingeschlossenen Divisionen gab es trotz eindeutigem Führerbefehl vom 20. April 1945 an Generalmajor Heinz Harmel
nur noch eine Möglichkeit, der Ausbruch aus dem Kessel in Richtung Nordwesten. Der Befehlshaber der 344. Infanteriedivision Generalmajor Erwin Jollasse äußerste Bedenken, sich an diesem Ausbruch zu beteiligen und wollte die „Festung Spremberg“ um jeden Preis halten. Unter Generalmajor Harmel wurde folgender Ausbruchsplan festgelegt:
1. Alle nicht unbedingt zum Ausbruch notwendigen Fahrzeuge und Waffen werden vernichtet. Der Betriebsstoff ist vor der Vernichtung restlos auszupumpen, damit sind die zum Ausbruch vorgesehenen Fahrzeuge aufzutanken.
2. Die Reste der 10. SS-Panzerdivision stellen sich bereit und erzwingen den Durchbruch.
3. Die Nachhut übernimmt Remer mit den Resten der Führer-Begleit-Division. Die Gruppe erhält Kettenfahrzeuge zur Mitnahme von Verwundeten.
4. Ausbruchsrichtung nach Nordwesten, um im Raum südlich von Berlin Anschluss an die eigenen Truppen (Armee Wenck) zu gewinnen. Der Ausbruch soll durch Wälder der Niederlausitz erfolgen.Von Kausche bis Ressen. 2. Auflage, Seite 41, 3. Abschnitt
Am Morgen des 21. April 1945 brachen zunächst zwei der drei eingeschlossenen deutschen Verbände, weitere versprengte Truppenteile und der Spremberger Volkssturm aus dem „Kessel Spremberg“ aus. Mit dabei befanden sich Einwohner und Flüchtlinge, die sich vor den sowjetischen und den auch beteiligten polnischen Truppen, die Spremberg jetzt plünderten und brandschatzten, in Sicherheit bringen wollten.
Ein Ausbruch dieser Größenordnung blieb den sowjetischen Verbänden natürlich nicht verborgen, sodass das 24. Schützenkorps von Norden und das 33. Gardeschützenkorps von Süden einen erweiterten Umfassungsangriff unternahmen und sich am Mittag des 21. April 1945 südlich des Ortes Kausche vereinigten.
Kessel von Kausche mini|Danke Frundsberg – Ohne Euch wäre ich nicht auf dieser Welt (Soldatenfriedhof Spremberg 2015) Die 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“, die ihren Gefechtsstand in Roitz hatte, die Führer-Begleit-Division mit Gefechtsstand in Gosda brachen nach Nordwesten in Richtung Kausche aus.
Die Spitze des Ausbruchs bildeten dabei die 10. SS-Panzer-Division, die sich zwischen Wolkenberg und Gosda durch Waldgebiete in Richtung Welzow kämpfte. Die Führer-Begleit-Division wurde durch Angriffe auf Gosda in Richtung Norden abgedrängt und schwenkte nördlich in unübersichtliche Waldgebiete ab, wo sie starkem feindlichen Beschuss ausgesetzt war. Im Laufe des Vormittags des 21. April erreichten dann die anderen ausbrechenden Verbände die 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“. Die 344. Infanteriedivision unter dem erst am Vortag zum Generalleutnant beförderten Jollasse, der den „Kessel von Spremberg“ noch um jeden Preis halten wollte, vereinigten sich gegen Mittag mit den ausbrechenden Verbänden. Die Ausbruchs-Kolonne der beteiligten Verbänden dehnte sich durch den öfters stockenden Ausbruch und Beschuss auf fast 2,5 Kilometer.
Am Nachmittag erreichte ein kleines Vorauskommando des SS-Pionierbataillon 10 das Dorf Kausche, welches schon von sowjetischen Truppen besetzt war. Diese wussten noch nicht, das sich gerade eine Streitmacht von ca. 20.000 Mann auf das Dorf zubewegte. Da Kausche direkt in der Ausbruchsrichtung der deutschen Verbände lag, musste das Dorf genommen werden. Gegen Abend des 21. April wurde Kausche zurückerobert. In den kommenden Stunden trafen immer weitere deutsche Verbände, die sich teilweise durch Waldgebiete durchschlagen mussten oder aber auch in kleinere Scharmützel verwickelt waren, in Kausche ein.
Die sowjetischen Truppen hatten Kausche derweil von Norden, Süden und Osten umschlossen, die deutschen Truppen saßen abermals fest, nun im „Kessel von Kausche“. Auch für die im Dorf verbliebene und die die deutschen Truppen begleitende Zivilbevölkerung gab es kein Entkommen. Frauen und Mädchen aus Kausche schilderten das Schicksal von Vergewaltigung und Misshandlung der letzten Stunden. Die Kommandeure der deutschen Verbände beschlossen daher, dass sämtliche Zivilisten auf dem Weg nach Westen auf ihren Fahrzeugen mitgenommen werden.
Während die drei deutschen Divisionen abermals festsaßen, forderte Hitler in Berlin in völliger Unkenntnis der Lage, die Versorgung der „Kampfgruppe Spremberg“ durch die Luftflotte Reich unter Ia Karl Kessel, da eine erhebliche Lücke in der Front zwischen Spremberg und Cottbus entstanden sei. Weder dem Lufttransportchef noch der Operationsabteilung der „Luftflotte Reich“ waren aber der genaue Standort der „Kampfgruppe Spremberg“ bekannt. Eine Versorgung aus der Luft fand nie statt.
Vernichtung beim Ausbruch aus dem Kessel von Kausche mini|Ausbruch aus dem Kessel Kausche In den Morgenstunden des 22. April 1945 sammelten sich die deutschen Verbände abermals zum Ausbruch. Das kleine Dorf Kausche und das umliegende Gebiet von einer Größe von etwa 5 km² war völlig überfüllt mit Mensch und Material. Der verbliebene Kraftstoff wurde auf die intakten Fahrzeuge umgepumpt, alles was nicht mitgenommen werden konnte, wurde gesprengt oder unbrauchbar gemacht.
Am Vormittag setzten sich, nach Erkunden der Lage, erste Panzer und SPW der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“, besetzt auch mit Zivilisten in Richtung Klein Görigk, Geisendorf auf Waldwegen in Bewegung. In der Nähe von Geisendorf begann sumpfiges Gelände, welches an beiden Seiten von Wäldern begrenzt war. Die sumpfigen Wiesen wurden durch sowjetische PaK, Artillerie und MG-Feuer bereits kontrolliert. Diese hatten am Vortag unverschlüsselte Funksprüche abgefangen, woraus die Aktivitäten der deutschen Truppen bekannt wurden. Sowjetische Truppen wie die 117. Gardeschützendivision und das 1228. SFL-Artillerieregiment, die bereits im Raum Calau operierten, wurden in den Raum Kausche zurück verlegt, um die dortigen Truppen zu verstärken.
Der Hauptteil der 344. Infanterie-Division und die Führer-Begleit-Division brachen ebenfalls in Richtung Nordwesten aus. Aber auch diese erwartete das gleiche Schicksal, starke sowjetische Verbände kontrollierten mit immer stärkerem Beschuss die Ausbruchsrichtung und fügten dem sich schleppend vorankommenden Tross erhebliche Verluste zu. Teile der 344. Infanterie-Division, die einen Ausbruch in Richtung Norden versuchten, wurden auch dort von sowjetischen Truppen schwere Verluste zugefügt, sodass sie dann in Richtung Westen schwenken mussten. Die ganze Tragik der abgefangenen Funksprüche wurde nun an allen Abschnitten mehr als deutlich.