mini|hochkant=1.5| Die Parkettschleifer,Die Parkettschleifer gibt das Musée d’Orsay auf seiner Internetseite als deutschen Titel an. Der Titel findet sich zudem in den beiden Veröffentlichungen von Karin Sagner: Gustave Caillebotte. Neue Perspektiven des Impressionismus. 2009, S. 76 und Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie, 2012, Nr. 77, S. 112; in Ernst-Gerhard Güse: Die Entdeckung des Lichts, Landschaftsmalerei in Frankreich von 1830 bis 1886, S. 174 und in Rudolf Leopold: Impressionisten aus dem Pariser Musée d’Orsay. Leopold-Museum, Wien 2005, S. 4. auch Die ParkettabzieherDie Gemäldeversionen werden als Die Parkettabzieher betitelt in Anne-Birgitte Fonsmark, Dorothee Hansen, Gry Hedin: Über das Wasser – Gustave Caillebotte. 2008, S. 50–53. Ebenfalls unter diesem Titel wurde das Bild 1982 in der Ausstellung Von Courbet bis Cézanne – Französische Malerei 1848–1886 in der Berliner Nationalgalerie gezeigt, siehe Katalog zur Ausstellung, S. 109. oder Die ParketthoblerDie Gemäldeversion des Pariser Musée d’Orsay wird als Parketthobler betitelt in Théodore Duret: Die Impressionisten: Pissarro, Claude Monet, Sisley, Berthe Morisot, Cézanne, Guillaumin. B. Cassirer, Berlin 1914, S. 33; in Michael Bockemühl: Bildrezeption als Bildproduktion, ausgewählte Schriften zu Bildtheorie, Kunstwahrnehmung und Wirtschaftskultur. Transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3656-7, S. 198; in Gottfried Boehm, Karlheinz Stierle: Modernität und Tradition. Fink, München 1985, ISBN 3-7705-2318-0, S. 33; Narnara Paul: Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im Deutschen Kaiserreich. Von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1416-7, S. 464; beide Gemäldeversionen tragen den Titel Parketthobler in Klaus Türk: Bilder der Arbeit, eine ikonografische Anthologie. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000, ISBN 3-531-13358-6, S. 176. (),Les raboteurs de parquet ist der Titel den Marie Berhaut im Werkverzeichnis von 1994 verwendet (S. 74–77) und unter dieser Bezeichnung stellt das Musée d’Orsay seine Gemäldeversion aus. sind ein wiederholt dargestelltes Motiv im Œuvre des französischen Malers Gustave Caillebotte. Neben zwei GemäldeversionenIm Werkverzeichnis von Marie Berhaut von 1994 tragen die Gemälde die Nummern 34 und 35. Zudem ist dort vermerkt, dass Claude Renoir 1943 eine weitere Gemäldeversion besessen haben soll, wie sich dessen Bruder Pierre Renoir später erinnerte. Pierre Renoir war ein Patenkind von Gustave Caillebotte, sein Vater Pierre-Auguste Renoir war dessen Testamentsvollstrecker. Über dieses Bild gibt es keine weiteren Angaben zu Aussehen und Größe. Das nur mündlich überlieferte Werk hat im Werkverzeichnis keine eigene Katalognummer erhalten. Siehe hierzu Marie Berhaut: Caillebotte, catalogue raisonné. 1994, S. 75. schuf er eine vorbereitende Ölstudie und zahlreiche Zeichnungen auf Papier. Die Bilder zeigen Handwerker, die in einer Pariser Wohnung mit Arbeiten am Parkett-Fußboden beschäftigt sind. Die 1875 entstandene erste Gemäldeversion der Parkettschleifer ist 102 × 146,5 cm groß, in Öl auf Leinwand gemalt und gehört zur Sammlung des Musée d’Orsay in Paris. Dieses Bild war eines der ersten Werke des Künstlers in einer öffentlichen Sammlung und zählt zu seinen bekanntesten Arbeiten.Karin Sagner: Gustave Caillebotte, neue Perspektiven des Impressionismus. 2009, S. 76. Caillebotte variierte das Thema 1876 in einer zweiten Gemäldeversion. Dieses Gemälde in einer Privatsammlung ist ebenfalls in Öl auf Leinwand gemalt und mit den Maßen 80 × 100 cm deutlich kleiner als die erste Version. Solche Darstellungen von Arbeitern stehen in der Tradition der Werke des französischen Realismus und haben beispielsweise ihr Vorbild in Arbeiten von Gustave Courbet. Die zeitgenössischen Kritiker besprachen die Gemälde kontrovers und lehnten teils das Motiv der Arbeit ab, andere lobten das Talent des jungen Malers.

Bildmotiv und Bildtitel Das Motiv für die Darstellung der Parkettarbeiter fand Caillebotte in der elterlichen Wohnung in der Pariser Rue Miromesnil Nr. 77.Anne Distel: Die Parkettabzieher. In: Claude Keisch u. a. (Hrsg.): Von Courbet bis Cézanne – Französische Malerei 1848–1886. 1982, S. 109. Aus erhaltenen Dokumenten ist bekannt, dass dort von Ende 1874 bis Mai 1875 Renovierungsarbeiten vorgenommen wurden.Michael Marrinan: Caillebotte’s Deep Focus. In: Mary G. Morton, George T. M. Shackelford, Michael Marrinan: Gustave Caillebotte, the painter’s eye. 2015, S. 26. Das Haus, in dem seine Familie ab 1868 lebte, entstand im Zuge der unter dem Präfekten Georges-Eugène Haussmann vorgenommenen Modernisierung von Paris und war erst wenige Jahre alt, als Caillebotte die Arbeit der Handwerker malte. Der Titel Die Parkettschleifer ist für die dargestellten Arbeiten insofern irreführend, da keine der gezeigten Personen im eigentlichen Sinn mit dem Abschleifen von Parkett beschäftigt ist. Nach den Recherchen des Kunsthistorikers Kirk Varnedoe zeigt Caillebotte demnach nicht Arbeiter, die eine alte Wachsschicht abschleifen, sondern während sie Mängel an einem relativ neuen Fußboden beheben.Kirk Varnedoe: Gustave Caillebotte. 1987, S. 54. Varnedoe vermutet, dass sich die Dielen entlang der Fugen bei der Trocknung des Holzes geschüsselt – also nach oben verformt – hatten. Die dunkle, glänzende Oberfläche der Bodendielen in Caillebottes Gemälden ist durch den Auftrag und das Einpolieren von Öl oder Bohnerwachs entstanden. Durch das Hobeln und Abziehen des Bodens wurde die ursprünglich matte und helle Farbe des Holzes sichtbar. Die freigelegten hellen Streifen zeigen, dass sich die Dielen quer zur Längsachse entlang der Nut- und Federverbindungen nach oben gewölbt hatten. Die helle Fläche zeigt eine bereits fertig abgezogenen Holzfläche. Der rechte Arbeiter auf dem Bild von 1875 sowie der Arbeiter auf dem Bild von 1876 verwenden einen Hobel (französisch rabot), um die aufgewölbten Längsfugen zwischen den Dielen abzutragen und der linke Arbeiter auf dem ersten Bild trägt mit einer Ziehklinge (französisch racloir) die beim Hobeln stehen gelassene Holzoberfläche in der Mitte der Dielen ab, um auch dort das rohe Holz freizulegen. Hiervon leiten sich alternativen Übersetzungen des Bildtitels Die Parkettabzieher und Die Parketthobler ab.

Vorbereitende Zeichnungen Zunächst fertigte Caillebotte eine Reihe von Zeichnungen an, welche die unterschiedlichen Arbeitsprozesse dokumentieren und die Männer in verschiedenen Körperhaltungen zeigen. Als genauer Beobachter skizzierte er mit Bleistift auf Papier die Handwerker beim Umgang mit ihren Werkzeugen. Er stellt sie beim Abziehen des Parketts in typisch knienden Körperhaltungen dar oder zeigt sie in sitzender Position beim Schärfen der Klingen. Es gibt zudem Detailzeichnungen von den Händen oder eines Balkongitters. Diese Skizzen zeichnete er wahrscheinlich direkt vor Ort in den Zimmern, in denen die Handwerker arbeiteten. Die Gemälde hingegen entstanden später in seinem Atelier im Dachgeschoss.Ausführliche Angaben zu den Zeichnungen finden sich in Anne Distel u. a.: Gustave Caillebotte, Urban Impressionist. 1995, S. 42–51 und in Kirk Varnedoe: Gustave Caillebotte. 1987, S. 54–58.

Ölskizze zur ersten Gemäldeversion mini|hochkant=1.5|

Zur Vorbereitung der großformatigen ersten Gemäldeversion erstellte Caillebotte zunächst eine kleine Ölskizze. In dieser ersten Studie ist bereits das wesentliche Schema der späteren Komposition vorhanden. Abgesehen vom flüchtigen Pinselstrich, unterscheidet sich der Raum in der Skizze von der folgenden Darstellung in der ersten Gemäldeversion vor allem in den Formen des Fenstergitters und den Wandtäfelungen. Während in der Studie das Balkongitter noch eher florale Motive zeigt, sind in der späteren Gemäldeversion überwiegend Bogenformen zu erkennen. Die Wandtäfelung neben dem Fenster ist in der Vorstudie ein mehrfach gerahmtes großes Feld, während in der Gemäldeversion Reihen von kleineren Kassetten die Wandgestaltung prägen. Da auch der Blick aus dem Fenster ein anderes Bild der gegenüberliegenden Häuser zeigt, ist es möglich, dass die Vorstudie einen anderen Raum beschreibt, als die spätere Gemäldeversion. Die Kunsthistorikerin Anne Distel vermutete, dass der Raum der Vorstudie möglicherweise in einer anderen Etage lag, als der Raum der ersten Gemäldeversion.Anne Distel u. a.: Gustave Caillebotte, Urban Impressionist. 1995, S. 40. Bei den drei Handwerken im Raum erscheinen die mittlere und rechte Figur nahezu identisch auch in der späteren Gemäldefassung. Hingegen wird der Handwerker auf der linken Seite in der Vorstudie in einer komplett anderer Haltung gezeigt als in der finalen Ausführung. In der Vorstudie kniet er mit aufrechtem Rücken und hält beide Hände vor sich. In der Gemäldeversion ist er seitlich gedreht mit vorgestrecktem Oberkörper und einer zum Boden reichenden Hand zu sehen.

Erste Gemäldeversion mini|Gustave Caillebotte: Die Parkettschleifer, 1. Fassung, Detailansicht des Fensters Das Gemälde zeigt ein Interieur mit drei Handwerkern. In einem leer geräumten Zimmer fällt der Blick von oben auf die mit Arbeiten an einem Holzfußboden beschäftigten Männer. Der glänzend lackierte Fußboden wurde von den Arbeitern teilweise bereits behandelt, wovon die hellen Holzpartien und die auf dem Boden verteilten Holzspäne zeugen. Mit seinen nach hinten verlaufenden Holzdielen nimmt der Boden in der Raumansicht eine große Fläche ein; am oberen und rechten Bildrand sind der untere Bereich der Wände beziehungsweise eines Fensters zu sehen. In dem mit hoher Horizontlinie nach hinten geweiteten RaumKarin Sagner: Gustave Caillebotte, neue Perspektiven des Impressionismus. 2009, S. 76. sieht der Kunsthistoriker Kirk Varnedoe „einen kippenden Boden, der bedrohlich unwirklich wirkt“.„the tipped-up floor seemed threateningly unreal“ in Kirk Varnedoe: Gustave Caillebotte. 1987, S. 54. Die Wände sind mit Paneelen verkleidet, bei denen sich vergoldete Zierleisten vom weißen Grund absetzen. Neben umlaufenden Leisten gliedern kassettenartige Felder die Wand. Durch die horizontalen Linien der Wandpaneele und den vertikalen Linien des Holzfußbodens ergibt sich eine durch geometrische Komponenten geprägte Raumwirkung. Dem steht die bogenförmige Ornamentik des Fenstergitters gegenüber. Dahinter erscheint die Außenwelt in Form gegenüberliegender Hausdächer und einem hellgrauen Himmel. Durch das bis zum Boden reichende geschlossene Fenster fällt ein diffuses Licht ins Zimmer.