Queen of Drags ist eine deutsche Castingshow des Senders ProSieben, in der Dragqueens aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegeneinander antreten. Moderatoren und Jury sind Heidi Klum, Bill Kaulitz und Conchita Wurst. Die erste Staffel der Show, die vom 14. November bis zum 19. Dezember 2019 ausgestrahlt wurde, gewann Yoncé Banks.

Im März 2020 wurde bekannt, dass die Show eine zweite Staffel erhält, deren Start noch nicht bekannt ist.

Format Die zehn Teilnehmerinnen werden ähnlich wie bei Germany’s Next Topmodel vom Sender gemeinsam in einer Villa untergebracht. Neben dem Wettbewerb wird in den einzelnen Folgen auch ihr Zusammenleben im Haus gezeigt. Jede Episode stellt eine Woche dar, die jeweils ein anderes Motto enthält, zu dem die Dragqueens eine Performance auf einer Showbühne vor Publikum präsentieren. Die Jury beurteilt diese Auftritte durch Punktevergabe. Die Teilnehmerin mit den meisten Punkten wird zur Queen of the Week, die mit den wenigsten Punkten scheidet aus dem Wettbewerb aus.

Außerdem gibt es begleitende Off-Kommentare von Conchita und Interviewsequenzen sowohl der Juroren als auch der Teilnehmerinnen, die das Geschehen kommentieren und auch über den Hintergrund der Travestie und der LGBT-Community anhand ihrer eigenen Biografien aufklären.

Jury Staffel Juroren 1 Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst 2 Die ständigen Juroren bilden die Moderatorin der Show, Heidi Klum, der Sänger und Klums Schwager Bill Kaulitz sowie die durch den Sieg beim Eurovision Song Contest 2014 bekannte Dragqueen Conchita Wurst. Die drei werden jede Woche durch einen Gast in der Jury unterstützt. Am Ende jeder Folge bewerten alle vier Jury-Mitglieder die Kandidaten mit einer Punktevergabe. Gastjuroren Staffel 1

Folge 1: Olivia Jones Folge 2: Amanda Lepore Folge 3: Leona Lewis (Gastauftritt in Folge 4) Folge 4: Pabllo Vittar Folge 5: La Toya Jackson Folge 6: Laganja Estranja

Staffel 1 Teilnehmerinnen mini|Kandidatin Catherrine Leclery; Teilnehmerin der ersten Staffel Teilnehmerin Alter Heimatstadt Platzierung Ausgeschieden inYoncé Banks26Paderborn 1. Platz –Aria Addams22Wolfsburg 2. PlatzFinale (Folge 6)Vava Vilde30Stuttgart 3. PlatzCatherrine Leclery48Köln4. PlatzFolge 5Bambi Mercury32Berlin5. PlatzKaty Bähm27Berlin6. PlatzFolge 4Candy Crash32Berlin7. Platz Folge 3Hayden Kryze20Bern8. PlatzSamantha Gold35Hamburg9. PlatzFolge 2Janisha Jones26München10. PlatzFolge 1

Einzelergebnisse (Staffel 1) Folge 1: The Art of Drag Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst Olivia Jones Punkte 1 Yoncé Banks 9 10 10 10 39 2 Catherrine Leclery 10 9 8 8 35 3 Bambi Mercury 8 8 9 7 32 4 Katy Bähm 6 7 7 9 29 5 Samantha Gold 7 6 2 6 21 6 Vava Vilde 4 4 5 5 18 7 Hayden Kryze 5 2 6 1 14 7 Candy Crash 1 5 4 4 14 9 Aria Addams 2 3 3 3 11 10 Janisha Jones 3 1 1 2 7

Folge 2: Future Universe Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst Amanda Lepore Punkte 1 Katy Bähm 8 8 7 9 32 2 Yoncé Banks 9 4 9 8 30 2 Aria Addams 7 9 8 6 30 4 Vava Vilde 6 7 4 3 20 4 Bambi Mercury 5 5 6 4 20 6 Candy Crash 3 6 5 5 19 7 Catherrine Leclery 2 2 3 7 14 8 Hayden Kryze 4 3 2 2 11 9 Samantha Gold 1 1 1 1 4

Folge 3: Fairytale Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst Leona Lewis Punkte 1 Catherrine Leclery 5 7 7 7 26 2 Yoncé Banks 7 4 6 5 22 3 Bambi Mercury 4 6 5 4 19 4 Katy Bähm 3 5 4 6 18 5 Vava Vilde 6 1 3 3 13 6 Aria Addams 1 3 2 2 8 7 Candy Crash 2 2 1 1 6

Folge 4: Divas and Icons Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst Pabllo Vittar Punkte 1 Yoncé Banks 5 6 2 6 19 2 Aria Addams 6 3 3 3 15 2 Catherrine Leclery 1 5 4 5 15 2 Bambi Mercury 4 4 5 2 15 5 Vava Vilde 2 2 6 1 11 6 Katy Bähm 3 1 1 4 9

Folge 5: Grusel und Horror Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst La Toya Jackson Punkte 1 Yoncé Banks 4 5 2 4 15 1 Vava Vilde 5 3 4 3 15 3 Aria Addams 1 2 5 5 13 4 Catherrine Leclery 3 4 3 2 12 5 Bambi Mercury 2 1 1 1 5

Folge 6: Candyland Platz Teilnehmerin Heidi Klum Bill Kaulitz Conchita Wurst Laganja Estranja Punkte 1 Yoncé Banks 3 3 3 2 11 2 Aria Addams 2 1 2 3 8 3 Vava Vilde 1 2 1 1 5

Who’s That Queen?

Parallel zu den abendfüllenden Shows erschien kurz nach jeder Sendung jeweils ein Video, in dem eine der Teilnehmerinnen einen Prominenten mittels komplettem Makeover zur Dragqueen umstylt. Die Videos wurden sowohl auf der sendereigenen Website veröffentlicht als auch auf YouTube.

Folge 1: Who’s That Queen? Katy Bähm verwandelt Moderator Jochen Schropp in Britney Bähm Folge 2: Who’s That Queen? Candy Crash macht aus YouTuber Luca Cordula Crash Folge 3: Who’s That Queen? Bambi Mercury macht aus Rapperin Nura Extra Dönerteller Folge 4: Who’s That Queen? Catherrine Leclery verwandelt Sänger Ross Antony in Rose an de Toilette Folge 5: Who’s That Queen? Aria Addams verwandelt Moderator Aaron Troschke in Amanda Addams Folge 6: Who’s That Queen? Yoncé Banks verwandelt Ex-Bachelor Leonard Freier in Loana Banks

Vorgeschichte Vorbild und Entwicklung der Idee Das Vorbild für eine Contestshow um Dragqueens ist das US-amerikanische Format RuPaul’s Drag Race von und mit der Dragqueen RuPaul. Die Idee eines deutschen Ablegers wurde immer wieder aufgeworfen. 2013 sicherte die Firma Phantomfilm sich die deutschen Rechte für das Format, doch die Suche nach einem Mainstream-Sender, der dieses ausstrahlen sollte, blieb ergebnislos. Zuvor wurde bereits 1996, moderiert von Bruno Bieri und 1997, moderiert von Karsten Speck, auf RTL jährlich die Die Travestie-Show, produziert von den Endemol Studios, ausgestrahlt. In der Jury saßen damals Linda de Mol, Til Schweiger und Lilo Wanders. Gewählt wurde die Miss Travestie und in einer gesonderten Kategorie ein Pop-Diven Imitator.Eine Miß-Wahl der besonderen Art: Bruno Bieri moderiert die Travestie-Show Männer in Frauen-Fummeln, Von Tim Rauch, 13.04.1996 in Berliner Zeitung

In der deutschen Model-Castingshow Germany’s Next Topmodel kamen das deutsche Publikum wie auch Heidi Klum 2018 in der 13. Staffel und 2019 in der 14. Staffel mit Drag in Berührung, indem jeweils vor dem Halbfinale mehrere Dragqueens aus Amerika – darunter einige aus RuPaul’s Drag Race – als Gäste auftraten und mit den Kandidatinnen zusammenarbeiteten. 2019 war in der entsprechenden Episode Bill Kaulitz Gastjuror. Diese Episoden waren jeweils beim Publikum besonders beliebt.

ProSieben-Chef Daniel Rosemann sagt dazu: „Wir haben schon lange über das Thema Dragqueen nachgedacht. Und darüber, wie wir das Thema für ProSieben angemessen umsetzen können. In der vorletzten Staffel #GNTM haben unsere Zuschauer die Drag-Folge sehr gefeiert. Deswegen haben wir jetzt mit der ProSiebenSat.1 Produktionsfirma Red Seven eine eigene Show entwickelt.“

Kritik im Vorfeld Kontroverse um Heidi Klum ProSieben verkündete Queen of Drags am 26. Juni durch einen Facebook-Post, mit dem sie auch die mitwirkenden Juroren bekanntgaben. Das dabei hochgeladene Foto, das nur Klum zeigte, lenkte die Aufmerksamkeit besonders auf sie. Dass diese eine Show mit queeren Inhalten, Themen und Teilnehmern moderieren sollte, wurde in der Reaktion, insbesondere durch die LGBT-Community Deutschlands, sehr kontrovers aufgenommen und durch Protestformen wie Online-Petitionen beantwortet.

Bereits vor Bekanntgabe der Show schrieb Jurassica Parka für die Siegessäule einen Kommentar: „Es ist traurig, es ist erbärmlich – eigentlich ist es tatsächlich ein Skandal.“ Von der Tageszeitung wurde besonders Klums Beurteilungsverhalten und Umgang mit den Kandidatinnen bei Germany’s Next Topmodel kritisiert, welches die Kandidatinnen zu Objekten mache und bloßstelle und limitierte Körperideale propagiere: „Bei GNTM geht es also um Abwertung, Beschämung und Konkurrenz. Bei RPDR geht es um Empowerment, subversive Fabelhaftigkeit und Solidarität.“ Daher sei nur schwer vorstellbar, dass sie den Drag-Kandidatinnen den nötigen Respekt entgegenbringe. Am Tag der Bekanntgabe der Show starteten zwei Travestiekünstler eine Petition auf Change.org, die als problematisch ankreidet, dass die Show nicht von einer queeren Persönlichkeit, sondern von einer, die „von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung“ hat, angeführt werde. Neben der Kritik an der vermeintlichen Hauptjurorin begrüßten sie aber dennoch ausdrücklich, dass ein solches Format nach Deutschland kommt. Das Format der Show nahm sich auch Olivia Jones in einem positiven offenen Brief zum Thema: „Damit bekommen Drag Queens in Deutschland erstmals bei einem großen deutschen TV-Sender eine eigene Prime Time Show. Dafür haben Viele jahrelang vergeblich gekämpft. Den Durchbruch hat am Ende Heidi Klum gebracht, in dem sie bei Germany’s Next Topmodel den Mut hatte, Drag Queens eine große Plattform zu geben und in dem sie sich danach für ein eigenes Drag Queen Format stark gemacht hat. Endlich können auch deutsche Drags mal allen zeigen, dass sie sich hinter ihren amerikanischen Kolleginnen nicht verstecken müssen und wir eine unglaublich vielfältige Szene haben.“

Klum verkündete in einer Mitteilung, dass sie die Drag-Kultur seit Jahren liebe und bewundere. In der ersten Episode der Show nahm sie die Kritik an ihr im Kreise der Kandidatinnen zum Gesprächsthema und verteidigte sich: „Ich bin offen für alles. Tolerant für alle Menschen.“ Intolerant finde sie allerdings die Reaktion besagter Community ihr gegenüber: „Weil ich hetero bin, weiß bin und eine Frau bin. Das ist total gemein.“

Werbeplakat Auch das offizielle Werbeplakat, das Anfang November veröffentlicht wurde, sorgte im Internet für kritische Reaktionen. Es zeigt die drei Juroren, wobei Klum überdimensioniert erscheint, ihre Beine so lang wie die anderen beiden Juroren in Gänze, was als „Photoshop-Fail“ kommentiert wurde. Auch wird kritisiert, dass es keinen Bezug zu Travestie zeigt und damit nicht für den Inhalt der Show wirbt: „[H]ier überwog wohl abermals der Wunsch, mit Hilfe des Bekanntheitsgrades der Jurymitglieder die Zuschauer zum Einschalten zu bewegen (ohne dass diese notwendigerweise verstehen sollen, worum es geht),“ schrieb Gregor Löcher für Fernsehserien.de.

Rezeption Nach der ersten Episode wurde das Drag-Format hauptsächlich positiv aufgenommen und auch Klums eher zurückhaltende Rolle hat teilweise positiv überrascht, wurde aber weiterhin am stärksten kritisiert.

Margot Schlönzke gab dem Focus ein Interview: Sie sehe ihre Befürchtungen um Klum bestätigt, dass diese keine Ahnung von der Materie hat. Außerdem zeigten Klums Kommentare zu der Kritik, dass sie diese nicht verstanden habe. Positiv finde sie aber, dass man Klum stark zurückgeschnitten habe, was möglicherweise auch an der Kritik im Vorfeld liege. Gerade im Kontrast mit Olivia Jones habe sich gezeigt, dass Klum keine Ahnung hat. So heißt es auch bei der Welt, bei den Jurybewertungen wurde endgültig klar, warum eine Dragqueen der bessere Juryvorsitz gewesen sei.

Allerdings fiel auch auf, dass ihre Jurykollegen genauso viel wie sie zu sehen sind und Klum wiederum in dieser Show so wenig Sendezeit wie noch nie in einer ihrer Shows hat, sodass hier tatsächlich die Dragqueens im Mittelpunkt stehen. Für Anja Rützel sind daher die guten Momente der Show, wenn die Dragqueens zu Wort kommen. Durch deren Aufklärung und Hintergrundgeschichten habe das Format „das Zeug dazu, wirkliche Botschaften zu übermitteln.“ Gregor Löscher für Fernsehserien.de zieht das Fazit, „dass die negative Presse im Vorfeld doch etwas voreilig war. Die Teilnehmerinnen halten ihr Narrativ weitgehend selbst in der Hand, sogar geweint wird eher mit als vor der Kamera – vorgeführt wird hier niemand.“

Einschaltquoten