Holger Friedrich (* 22. September 1966 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Unternehmer und Verleger. Er war Mitgründer der SPM Technologies GmbH, die 2004 von der Dresdener SAP-SI, nach 2006 Teil des Software-Konzerns SAP, aufgekauft wurde. Seit 2019 ist er, zusammen mit seiner Frau Silke Friedrich, Besitzer des Berliner Verlags, zu dem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier gehört. 2025 übernahm er die Rechte für die Herausgabe des historisch bedeutenden Magazins Die Weltbühne. 2026 gründete er die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung mit Sitz in Dresden.
Kindheit und Ausbildung Holger Friedrich wuchs im Ostberliner Heinrich-Heine-Viertel in Berlin-Mitte in der Nähe der Berliner Mauer auf. Seine Eltern trennten sich, als Holger sieben Jahre alt war. Seine Mutter war Lehrerin in einer Sonderschule, sein leiblicher Vater Außenhändler. Sein Stiefvater war Architekt und arbeitete als Abteilungsleiter in der Bauakademie der DDR. Nach einer Facharbeiterausbildung als AnlagenmonteurAlexander Dergay: Die Kraft, selbst zu urteilen, Berliner Zeitung, 4. Mai 2026, Seite 14 (Printausgabe). absolvierte Holger Friedrich als Freiwilliger seinen Dienst in der Nationalen Volksarmee, wo er unter anderem für die Büroarbeit zuständig war und, nach eigener Darstellung, durch gefälschte Urlaubsscheine und Notizen zu Details der sogenannten Protokollstrecke negativ auffiel. Er nahm an der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 teil, die er als „Sternstunde der Menschheit“ bezeichnete.
Werdegang nach 1989 Nach dem Abitur, das er in Potsdam ablegte, begann er ein Germanistik- und Informatikstudium an der Universität Potsdam, das er jedoch nicht abschloss. Er arbeitete als Werkstudent bei Siemens (Siemens Nixdorflt. Selbstdarstellung auf den Seiten der Berliner Zeitung).
Als IT-Unternehmer war er Mitgründer der SPM – Systementwicklung Projektmanagement GmbH – später SPM Technologies GmbH –, die 2004 von der Dresdener SAP-SI, nach 2006 Teil des Software-Konzern SAP, aufgekauft wurde. Er war anschließend bis 2006 für die SAP-SI und SAP in leitender Position tätig. 2019 kauften seine Frau und er die Berliner Zeitung.
Im September 2022 wurde Friedrich Prokurist der N26 Bank GmbH, hielt die Position aber nur für eine kurze Zeit.
Seit Mai 2025 ist Friedrich Verleger einer Neuausgabe der Weltbühne, als Herausgeber fungieren Thomas Fasbender und Behzad Karim Khani.
Im Mai 2026 gründete Friedrich außerdem die Beratungs- und Interessenvertretungsfirma Orbis Nova, die nach ihrer Unternehmensbeschreibung Beratungs-, Interessenvertretungs- und Kommunikationsdienstleistungen für Unternehmen, Verbände und Regierungen anbieten soll. Sein Partner bei Orbis Nova ist der frühere OAZ-Redakteur Alexander Dergay.
IT-Beratungsfirma Core SE 2009 Nach einer Tätigkeit als Berater für McKinsey und als Vorstand der Software AG war Friedrich 2009 an der Gründung der IT-Beratungsfirma für Technologiethemen Core SE beteiligt, mit der er auch an der Log-In-Plattform Verimi beteiligt war. Er ist außerdem mit seiner Frau an der internationalen Schule Berlin Metropolitan School beteiligt und war Eigentümer des E-Werks. Die Geschäftsaktivitäten bündelt Friedrich in der Holding CCG-Commercial Coordination Germany GmbH, deren Beteiligungsfelder Technologie, Bildung, Veranstaltungen und seit November 2019 Medien sind.
Die Core SE residiert unter anderem in der Villa Schwabacher am Sandwerder in Berlin-Wannsee, in der Werke der Core Art Collection von Karl-Heinz Adler, Norbert Bisky, Ruprecht von Kaufmann, Karl Lagerfeld, Jonathan Meese, David Schnell und Heidi Specker aushängen.
Kauf der Berliner Zeitung Im September 2019 kauften Holger und Silke Friedrich überraschend als Branchenfremde die Berliner Zeitung als Teil des Berliner Verlags vom DuMont Verlag, nach eigenem Bekunden aus „zivilgesellschaftlichem Engagement in bewegten Zeiten“. Gegenüber dem RBB erläuterte Holger Friedrich im Interview, der Kauf sei, wie die taz getitelt habe, sowohl aus Profitinteressen als auch aus Idealismus erfolgt und sei zudem „Zonengabis Rache“. Der Tagesspiegel spekulierte, der Verkaufserlös für DuMont der einstigen SED-Zeitung sei möglicherweise sehr niedrig gewesen, wenn „nicht sogar ein negativer Kaufpreis für den defizitär arbeitenden Hauptstadtverlag vereinbart wurde“. Gegenüber Alexander Osang kommentierte Friedrich im Spiegel, er habe „sechs Millionen, vielleicht sieben“ investiert. Zum Verlegerwechsel veröffentlichten die beiden Käufer Friedrich in ihrem Blatt einen medial kritisch rezipierten Essay (Was wir wollen), an dem der ehemalige Chefredakteur der Berliner Zeitung Uwe Vorkötter und einzelne Kritiker Parallelen zu AfD- und Pegida-Rhetorik beanstandeten. In dem Manifest zeigte das Ehepaar Friedrich unter anderem Verständnis für Wladimir Putins Politik und formulierte vehemente EU-Skepsis. Zudem forderte Friedrich Dankbarkeit gegenüber Egon Krenz, „weil er damals, als die Mauer fiel, nicht habe schießen lassen“.
Nutzungspläne von BerlinOnline In der NZZ erklärte Friedrich, zentraler „Hebel“ und der „eigentliche Schatz unseres Deals“ sei das zum Berliner Verlag gehörende Stadtportal BerlinOnline, eine zentrale Plattform, die für jede Dienstleistung in der Berliner Verwaltung als eine Art digitales Bürgeramt genutzt werden könne. Daraufhin wiesen die Berliner Staatssekretärin Sabine Smentek und die zuständige Berliner Senatskanzlei Friedrichs Pläne zurück und teilten mit, sie seien „weit davon entfernt, einem privaten Unternehmen tiefere Einblicke in die sensiblen Daten der Berlinerinnen und Berliner zu gewähren.“ Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller, ergänzte, „[i]rgendeine Form von Datenweitergabe war nie unser Ansatz“, man wolle künftig „direkte Eingriffs- und Zugriffsmöglichkeiten“ wahrnehmen und habe daher den 1998 zwischen Senat und BerlinOnline für das Stadtportal „berlin.de“ geschlossenen Vertrag zu Dezember 2021 gekündigt. Laut Christian Gaebler plane die Stadt Berlin zukünftig die „vollständige Kommunalisierung“ des Portals.
Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit Im November 2019 hat die Welt am Sonntag Friedrichs Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) von Dezember 1987 bis Februar 1989 während seines Wehrdienstes offengelegt. Friedrich, der seit 1986 SED-Mitglied war, bestätigte die Vorwürfe im eigenen Blatt: Er habe nach versuchter Republikflucht und damit Fahnenflucht während seines dreijährigen Wehrdienstes in der NVA das Angebot der Stasi zur „Wiedergutmachung“ angenommen und nach einer Verpflichtungserklärung einige Berichte über sein Umfeld – laut Recherchen der Welt am Sonntag insbesondere über konfessionell gebundene und in der Kirchenarbeit engagierte NVA-Angehörige – geschrieben. In einem Fall habe Friedrich nach eigenen Angaben mit dem Opfer die Berichterstattung inhaltlich verabredet, um nur Harmloses weiterzugeben. Es liegen zwölf Berichte vor, in denen er unter dem Decknamen „Peter Bernstein“ Informationen über 20 identifizierte Personen gibt.
Rezeption Robert Ide kritisierte im Tagesspiegel, durch Friedrichs Verhalten drohe die Berliner Zeitung in ein Glaubwürdigkeitsproblem zu geraten. Zeit Online, der Deutschlandfunk wie auch Der Spiegel monierten, Friedrich habe die Chance, „mit seiner Vergangenheit offen umzugehen“, verpasst, als er Krenz im Essay gedankt hatte und im späteren dpa-Interview seine Rolle als Armeesoldat nicht weiter erläuterte, zumal er seine IM-Tätigkeit erst nach Bekanntwerden durch die Recherchen der Welt am Sonntag bekanntmachte. Auch Uwe Vorkötter äußerte, Friedrich habe sich als Verleger disqualifiziert. Julian Reichelt verspottete das Ehepaar Friedrich in einem Tweet: „Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist die @berlinerzeitung wieder in Stasi-Hand.“ Gegenüber der FAS erwiderte Friedrich, man würde „nicht hier sitzen“, wenn man seine Stasi-Tätigkeit vor dem Kauf bekanntgemacht hätte: „[W]ir glauben, dass damit eine Chance vertan wäre. Insofern diskutieren wir dieses Thema zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns der Redaktion gegenüber schon als neue Eigentümer bewiesen haben.“ Uwe Müller, der zusammen mit Christian Meier die IM-Tätigkeit für die Welt recherchiert hatte, kritisierte gegenüber Zapp, Friedrich habe mit der schriftlichen Beantwortung der Fragen der Welt-Redaktion in der eigenen Zeitung „seine Redaktion zur Geisel seiner eigenen Geschichte“ gemacht. In der Zeit resümierte Jana Hensel, Friedrich habe durch das Verschweigen seiner Stasi-Tätigkeit „Vertrauen in der Redaktion und weit darüber hinaus zerstört.“
Birthler-Kowalczuk-Untersuchungsbericht In einer Stellungnahme vom 15. November 2019 erklärte die Chefredaktion ihre Unabhängigkeit zu den Recherchen um Friedrichs Stasi-Tätigkeiten und betonte die Absicht, sich „sachlich und angemessen mit der Situation“ auseinanderzusetzen und weiterhin einen „Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte“ zu leisten. Fortan würden Marianne Birthler und Ilko-Sascha Kowalczuk das fünfköpfige Reporterteam zur Aufarbeitung der Angelegenheit beraten, zudem plane man die Gründung eines Redaktionsbeirats und die Einführung neuer Redaktionsstatuten. Eine Auswahl wichtiger Dokumente aus der Stasi-Akte Friedrichs stellte der Historiker Hubertus Knabe Ende November online. Mitte Dezember 2019 vermerkten Birthler und Kowalczuk in ihrem Bericht zu den ihnen vom BStU zur Verfügung gestellten Stasi-Akten, dass diese auch „subjektive Einschätzungen und Eigenwilligkeiten in der Aktenführung“ enthalten. So solle niemand „davon ausgehen, in den Akten die reine Wahrheit zu finden“, obwohl in den Akten auch nicht gelogen würde. Sie fanden im Fall Friedrich Unstimmigkeiten zwischen der Einschätzung des Führungsoffiziers und den dokumentierten Informationen. In einem Fall habe Friedrichs Bericht zu einer strafrechtlichen Belehrung eines anderen geführt. Weitere Folgen für andere Personen halten Birthler und Kowalczuk für unwahrscheinlich. Genaueres ließe sich jedoch nur ermitteln, wenn die Akten von Dritten einsehbar wären. Birthler und Kowalczuk plädierten für eine Offenlegung aller Akten und wiesen darauf hin, dass sie darauf verzichten, den sich „aus den Unterlagen ergebenden Befund politisch oder moralisch zu bewerten und ihm damit quasi ein Etikett zu verpassen.“
Matthias Dell lobte den Untersuchungsbericht im Deutschlandfunk für seine distanziert-nüchterne und differenzierte Betrachtungsweise und erläuterte, der Bericht bestätige Friedrichs eigene Aussagen größtenteils. Die taz sieht im Bericht „keine Verdammung des Neuverlegers, aber eben auch keine Absolution.“ Die Welt-Redakteure Meier und Müller, die ursprünglich die Recherche angestoßen hatten, interpretierten den Birthler-Kowalczuk-Bericht als „letztlich vorwiegend entlastend oder zumindest wohlwollend für Holger Friedrich“ und stimmten der Forderung nach einer Veröffentlichung aller Akten zu, um dem „Publikum [zu] erlauben, sich selbst ein Bild zu machen.“
Interessenkonflikt Centogene