mini|Virtaniemi (1935) Virtaniemi (inarisamisch: Virdáánjargâ, skoltsamisch: Ve'rddnjargg) ist ein ehemaliges Dorf und ein geschlossener Grenzübergang in der Gemeinde Inari in Finnland an der Grenze zu Russland.

Geographische Lage Virtaniemi liegt am südöstlichen Ufer des Inarisees, wo der Paatsjoki entspringt, und nach Norden zum Arktischen Ozean fließt. Damit verbindet der Ort das Wassersystem des Inarisees mit dem Flusssystem des Paatsjoki, das über norwegisches Gebiet in die Barentssee entwässert. Der Ort liegt im Rentierweidegebiet der Ivalo- (Ivalon paliskunta) und der Paatsjoki-Rentierzuchtgemeinschaft (Paatsjoen paliskunta), wo die samische Rentierhaltung ganzjährig auf natürlichen Weideflächen betrieben wird.

Virtaniemi ist über die Landstraße 969 (Nellimintie) mit dem finnischen Straßennetz verbunden, das nächstgelegene Dorf Nellim liegt etwa 8 Kilometer entfernt. Die Straße führt auch zur Paatsjoki-Grenzbrücke bei Nellim, östlich von Virtaniemi, in das Wildnisgebiet Vätsäri (Vätsärin erämaa).

Geschichte Das Dorf Die Gründung Virtaniemis (Datum unbekannt, vor 1910) steht im Zusammenhang mit der schrittweisen Erschließung des Gebietsteils Petsamo, der Finnland durch den Vertrag von Tartu im Jahr 1920 einen Zugang zum Arktischen Ozean verschaffte. Zur verkehrstechnischen Anbindung dieses neuen Gebietsteils wurde ab 1916 der Bau der sogenannten Eismeerstraße (Jäämerentie) begonnen, die von Rovaniemi über Nellim und Virtaniemi bis zum Hafen Liinahamari führen sollte. Der Straßenbau wurde durch Kriegsereignisse mehrfach unterbrochen und erst 1931 abgeschlossen. An den Bauarbeiten waren nach zeitgenössischen Angaben fast alle männlichen Einwohner der Gemeinde Inari beteiligt. Die Strecke wurde in Abschnitte von jeweils hundert Metern unterteilt, die einzeln vergeben und nach Fertigstellung gesondert vergütet wurden.

Virtaniemi lag bereits an einer älteren Reiseroute zwischen Ivalo und Ruija (Norwegen), die der Finnische Reiseverein in seinen Routenbeschreibungen bereits 1910 dokumentierte. Auf dieser Route entwickelte sich, befördert unter anderem durch den Ruf der Region Petsamo als „Klondike des Nordens“, schon vor dem Ausbau eines durchgehenden Straßennetzes ein wachsendes Interesse von Reisenden. Der Finnische Reiseverein betrieb seit 1924 eine Herberge für Durchreisende. 1937 folgte ein Campingplatz. Neben Touristen nutzten auch Angler die Einrichtungen. Mit der Fertigstellung der Eismeerstraße erhielt der bereits bestehende Reiseverkehr eine zusätzliche, durchgehende Straßenanbindung.

Virtaniemi diente zugleich als zentraler Umschlagpunkt der Holzflößerei am Inarisee. Ab 1921 wurden im Winter gefällte Baumstämme an den Ufern des Sees gelagert und im Sommer per Boot über den See bis zur Mündung des Paatsjoki nach Virtaniemi transportiert. Von dort wurden die Stämme über den Paatsjoki weiter zu einem Sägewerk in Jakobsnes im heutigen Norwegen geflößt, das zur damaligen Zeit als das größte Sägewerk Nordeuropas galt.

Nach dem „Fortsetzungskrieg“ 1941–44 musste Finnland das Gebiet Petsamo an die Sowjetunion abtreten. Die dort ansässige skoltsamische Bevölkerung verlor dadurch ihre angestammten Siedlungsgebiete und wurde in der Folge in mehreren neuen Siedlungsgebieten in Finnland angesiedelt. Das nahegelegene Nellim war eines von drei solchen Ansiedlungsgebieten, in das die Familien aus 35 Häusern umgesiedelt wurden.

Der Grenzübergang Virtaniemi gehörte zu den sogenannten temporären Grenzübergangsstellen (tilapäiset rajanylityspaikat) an der finnisch-russischen Grenze, zu unterscheiden von den international zugelassenen Grenzübergängen (Vaalimaa, Niirala, Nuijamaa, Imatra, Vainikkala, Salla, Raja-Jooseppi und Vartius), die nur unter bestimmten Voraussetzungen benutzt werden durften. 2011 wurden zehn der temporären Grenzübergänge geschlossen, darunter auch Virtaniemi. 2014 wurde die dort stationierte Grenzwache aufgrund Sparmaßnahmen aufgehoben. Trotz der förmlichen Schließung stand das Gelände dennoch unter grenzpolizeilicher Kontrolle. So wurden hier im Dezember 2023 zwei finnische Staatsangehörige verdächtigt, die Grenze zu Russland unerlaubt überschritten zu haben.

Ab 18. November bis 15. Dezember 2023 schloss die finnische Regierung als Reaktion auf einen starken Anstieg instrumentalisierter, irregulärer Migration über die Ostgrenze schrittweise sämtliche straßengebundenen Grenzübergangsstellen zu Russland. Einzig der Schienengrenzübergang Vainikkala wurde ausgenommen, der ausschließlich dem Güterverkehr dient. Diese Schließung besteht auch 2026 fort, sodass an der gesamten finnisch-russischen Landgrenze kein regulärer internationaler Personenverkehr über offizielle Grenzübergänge mehr stattfindet.

Heutige Nutzung Die ehemalige Grenzwachstation in Virtaniemi wird gegenwärtig als touristische Sehenswürdigkeit geführt. In der näheren Umgebung befinden sich touristische Angebote wie ein Hundeschlittenbetrieb sowie eine orthodoxe Kirche des Heiligen Tryphon von Petschenga.

Im Jahr 2025 befand sich für das Gebiet Virtaniemi ein Strand-Bebauungsplan (ranta-asemakaava) der Gemeinde Inari im Verfahren, zu dem unter anderem die Rentierzuchtgenossenschaft (Paliskuntain yhdistys) im Rahmen des Beteiligungsverfahrens Stellung nahmen. So sollen Rentierweidewege, Zauneinrichtungen und die saisonale Bewegungsfreiheit der Rentiere nicht beeinträchtigt werden. Der Planungsprozess betrifft die künftige Nutzung von Uferflächen im Bereich des ehemaligen Dorfes für Freizeit- und Erholungszwecke.

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