Rhodomyrtus tomentosa ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rhodomyrtus innerhalb der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Sie ist in Süd- und Südostasien verbreitet und wird dort als Nutzpflanze kultiviert, in weiteren tropischen und subtropischen Ländern entwickelte sie sich nach der Einführung als Zierpflanze zu einer invasiven Art.

In asiatischen Kulturen wurde Rhodomyrtus tomentosa als Medizinalpflanze zur Behandlung bakterieller Infektionen und zur Stärkung des Immunsystems angewendet. Vielfältige pharmakologische Wirkstoffe der Pflanze wecken am Beginn des 21. Jahrhunderts erneutes wissenschaftliches Interesse.

Beschreibung mini|Illustration bei The Botanical Magazine, Volume 7, 1794, Tafel 250 mini|Blüte mini|Unreife Frucht mini|Reife Frucht mini|Aufgeschnittene Frucht Habitus und Blätter Rhodomyrtus tomentosa ist ein immergrüner Strauch mit Wuchshöhen von 2 bis 3 Metern. Die Borke ist braun und schuppig. Die Rinde der stielrunden jungen Zweige ist grau. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der kurze Blattstiel ist 0,4 bis 1 Zentimeter lang. Die ledrige, ganzrandige Blattspreite ist bei einer Länge von 5 bis 8 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 3,5 Zentimetern elliptisch bis verkehrt-eiförmig und abgerundet bis stumpf oder spitz, manchmal eingebuchtet oder auch feinstachelspitzig. Ihre Blattoberseite glänzt, wohingegen die hellere Unterseite dicht behaart ist. Die Nervatur ist dreizählig.

Blüten Die gestielten Blüten stehen einzeln oder zu wenigen in kurz gestielten, zymösen Büscheln zusammen und sind von zwei kleinen Deckblättern begleitet. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind weich behaart. Die fünf 10 bis 13 Millimeter langen Kronblätter haben einen Durchmesser von 2,5 bis 3 Zentimetern. Sie sind einheitlich pinkfarben oder außen weiß und innen rosa gefärbt. Es sind viele lange Staubblätter mit pinkfarbenen Staubfäden und goldgelben Staubbeuteln vorhanden.Thanh Sang Vo, Dai Hung Ngo: The Health Beneficial Properties of Rhodomyrtus tomentosa as Potential Functional Food. In: Biomolecules. Volume 9, Issue 2, 2019, , PMID 30795643, . Der mehrkammerige Fruchtknoten ist unterständig, in einem behaarten Blütenbecher, mit einem langen Griffel.

Die Blühzeiten variieren von drei Monaten in China, beginnend ab März oder April, bis zu ganzjährig in Singapur.Ming‐Si Wei, Zhang‐He Chen, Hai Ren, Zuo‐Yun Yin: Reproductive ecology of Rhodomyrtus tomentosa (Myrtaceae). In: Nordic Journal of Botany. Volume 27, Issue 2, 2009, S. 154–160, .

Früchte und Samen Die eiförmigen bis rundlichen, vielsamigen Beeren, die Ähnlichkeiten zu Heidelbeeren aufweisen, sind im reifen Zustand dunkelviolett und essbar. Unreife Früchte sind grün. Sie haben eine Länge von 10 bis 15 Millimetern und sind mit einem haltbaren Kelch gekrönt. Sie besitzen 40 bis 45 Samen, die etwa 2 Millimeter lang und abgeflacht sind.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Ökologie Die Ausbreitung der Samen findet über Vögel und Säugetiere statt, die die Beeren fressen und die unverdauten Samen über den Kot wieder ausscheiden (Endochorie). Eine Verschleppung der Beeren durch Ameisen (Myrmekochorie) findet ebenfalls statt. George W. Staples, Derral R. Herbst: A Tropical Garden Flora: Plants Cultivated in the Hawaiian Islands and other Tropical Places. Bishop Museum Press, Honolulu (Hawaii) 2005, ISBN 1-58178-039-7. Eine vegetative Vermehrung ist nicht beschrieben worden.

Die Rhodomyrtus tomentosa ist anspruchslos, frosttolerant, temperaturresistent und resistent gegen einige Schädlinge.A. Winotai, T. Wright, J. A. Goolsby: Herbivores in Thailand on Rhodomyrtus tomentosa (Myrtaceae), an invasive weed in Florida. In: The Florida Entomologist. Volume 88, Issue 1, 2005, S. 104‑105, . Die Sträucher wachsen bis in eine Höhenlage von 2400 Metern an halbschattigen bis stark sonnigen Standorten. Sie sind anzutreffen in Küstenbereichen auf salzigen und sandigen Böden, auf saurem Substrat sowie in Uferzonen, in Feuchtgebieten, an Moorrändern und in Regenwäldern. Auf alkalischen Böden wächst Rhodomyrtus tomentosa nicht. Aufgrund der Anspruchslosigkeit wird ein breites Spektrum an unterschiedlichen Umweltbedingungen toleriert. Die Hitzeresistenz führt dazu, dass nach Waldbränden der Strauch sich schnell erholt und wieder aussprießt.Danielle Frohlich: Rhodomyrtus tomentosa, CAB International, 22. November 2019, Invasive Species Compendium Wallingford, UK.L. Yang, H. Ren, N. Liu, J. Wang: The shrub Rhodomyrtus tomentosa acts as a nurse plant for seedlings differing in shade tolerance in degraded land of South China. In: Journal of Vegetation Science. Volume 21, Issue 2, 2010, S. 262–272, .Hazrulrizawati Abd Hamid, Roziasyahira Mutazah, Mashitah Yusoff: Rhodomyrtus tomentosa: A phytochemical and pharmacological review. In: Asian Journal of Pharmaceutical and Clinical Research. Volume 10, Issue 1, 2017, S. 10–16, (freier Volltext).

Ursprüngliche und neobiotische Verbreitung mini|Rhodomyrtus tomentosa als invasive Pflanze, Hawaii Rhodomyrtus tomentosa ist ursprünglich in tropischen und subtropischen Ländern wie Indien, Ost- bis Südchina, Kambodscha, Hongkong, Taiwan, auf den Philippinen, in Malaysia, Vietnam, Laos, Indonesien sowie auf den japanischen Ryūkyū-Inseln verbreitet.Z. Zhao, L. Wu, J. Xie u. a.: Rhodomyrtus tomentosa (Aiton.): A review of phytochemistry, pharmacology and industrial applications research progress. In: Food Chemistry. Volume 309, 2020, S. 125715, , PMID 31685368.

Durch die Nutzung im Landschaftsbau als Nutz- und Zierpflanze und als Medizinalpflanze wurde Rhodomyrtus tomentosa in zahlreichen weiteren Ländern als Neobiont eingeführt und hat sich durch aggressive invasive Ausbreitung vielfach zum Problem entwickelt.J. Janick, R. E. Paull: The Encyclopedia of Fruit and Nuts. CABI, 2008, ISBN 978-0-85199-638-7, S. 550. Aufgrund der hohen Samenproduktion, der robusten Eigenschaften, der ausgeprägten Feuerresistenz und der rasanten Verschleppung der Samen durch Tiere besiedelte diese Art unkontrolliert viele Regionen mit ähnlichen Lebensräumen.

Im amerikanischen Bundesstaat Florida wurde dieses Myrtengewächs 1920 als attraktive Zierpflanze eingeschleppt. Rhodomyrtus tomentosa bildete in den dortigen Kiefernwäldern im Unterholz monotypische Dickichte, verdrängte dadurch die natürliche Vegetation und drang bis in die Mangrovenwälder vor. Die Pflanze ist vom Florida Exotic Pest Plant Council als schädliches gebietsfremdes Unkraut eingestuft worden. Ähnliches invasives Verhalten als unkontrolliertes Unkraut konnte auch auf Hawaii beobachtet werden. Dort besiedelte das Holzgewächs einige Gebiete flächendeckend und dominiert in der Vegetation.Rhodomyrtus tomentosa. Center for Aquatic and Invasive Plants, Institute of Food and Agricultural Sciences (IFAS), University of Florida, abgerufen am 19. Juni 2020.Forest Starr, Kim Starr, Lloyd Loope: Rhodomyrtus tomentosa, Downy rose myrtle, Myrtaceae (PDF; 17 kB), United States Geological Survey, Biological Resources Division, Haleakala Field Station, Maui, Hawaiʻi, Januar 2003. In: Invasive species information for Hawaii and the Pacific, Hawaiian Ecosystems at Risk project (HEAR), abgerufen am 7. Juli 2020.

In den Küstengebieten des australischen Bundesstaats Queensland, wo die Sträucher in einigen Gärten angepflanzt wurden, wird befürchtet, dass eine ungesteuerte Ausbreitung von Rhodomyrtus tomentosa zu wirtschaftlichen Einschränkungen in der Weideproduktion und ökologisch zu einer Degradation der heimischen Vegetation führen könne. Die Einfuhr nach Westaustralien ist seit langem durch die nationale australische Quarantänestrategie untersagt. Ebenso ist in Neuseeland die Einfuhr verboten.Steve Csurhes, Clare Hankamer: Ceylon hill cherry (downy rose-myrtle). Rhodomyrtus tomentosa. Invasive plant risk assessment, Department of Agriculture and Fisheries, Queensland Government 2016, abgerufen am 19. Juni 2020.

Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1789 unter dem Namen (Basionym) Myrtus tomentosa durch William Aiton. Das Artepitheton tomentosa (lateinisch für behaart) bezieht sich auf die filzig behaarte Blattunterseite.K. A. Langeland: Identification and Biology of Non-native Plants in Florida’s Natural Areas. Gainesville, FL: IFAS Communication Services, University of Florida, 2008. Die Neukombination zu Rhodomyrtus tomentosa wurde durch Justus Karl Haßkarl veröffentlicht. Ein weiteres Synonym für Rhodomyrtus tomentosa ist Cynomyrtus tomentosa (1916).Rhodomyrtus tomentosa (Aiton) Hassk. In: Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 21. Mai 2020.

Von Rhodomyrtus tomentosa sind in der Literatur zwei Varietäten beschrieben worden, die in verschiedenen Regionen der Erde vorkommen und sich nur geringfügig in der Blattform, der Struktur und dem Verlauf der Blattadern, den Längen der Blütenstiele, der Kelche und der Kelchlappen unterscheiden:Die folgenden Unterscheidungen der Varietäten nach A. J. Scott: A Revision of Rhodomyrtus (Myrtaceae). In: Kew Bulletin. Volume 33, Issue 2, 1978, S. 311–329, .

Rhodomyrtus tomentosa var. tomentosa (Synonyme: Myrtus canescens ) ist vor allem in Südostasien, Südchina und Indochina beheimatet. Die Sträucher besiedeln das Flachland, Küstenwälder und Sekundärwälder bis zu einer Höhe von 1300 Metern. Die jungen Blätter sind weiß, glatt und glänzend und werden im Alter grau verholzt. Ihre Blattspitzen können spitz, aber auch stumpf sein. Die Blattadern verlaufen parallel, sind unauffällig und erheben sich nicht vom übrigen Blattgewebe. Die Blütenstiele weisen eine Länge von 1 bis 2,5 Zentimetern auf. Der Kelch ist 5 bis 7 Millimeter lang, der Kelchlappen ist 3 bis 4 Millimeter hoch.

Die andere Varietät Rhodomyrtus tomentosa var. parviflora (Synonyme: Rhodomyrtus parviflora und Myrtus tomentosa ) ist in Indien und Sri Lanka beheimatet und kommt in Bergwäldern und Graslandschaften in Höhenlagen zwischen 1800 und 2700 Metern vor. Ihre Laubblätter mit deutlich sichtbarer Netznervatur sind cremefarben bis gelblich verholzt und weisen apikal Spitzen auf. Kelch und Kelchlappen sind mit 5 Millimetern und 2 bis 3 Millimetern etwas kürzer als bei Rhodomyrtus tomentosa var. tomentosa. Die Stiele sind kürzer als 1 Zentimeter.A. M. Latiff: Rhodomyrtus tomentosa (Aiton) Hassk. In: E. W. M. Verheij, R. E. Coronel (Hrsg.): Plant resources of South-East Asia. No. 2: Edible fruits and nuts. Prosea Foundation, Bogor (Indonesien) 1992, S. 276 f.

Nutzung Verwendung als Zier- und Nutzpflanze mini|Rượu Sim Als attraktive Zierpflanze und aufgrund der vielen Beeren wurde Rhodomyrtus tomentosa in Grünanlagen und im Landschaftsbau verwendet und diente als vogelfreundlicher Zierstrauch. Die Früchte, die im unreifen Zustand grün sind und sich durch einen adstringierenden Geschmack auszeichnen, verlieren diesen bei der Reifung. Die reifen, aromatischen Früchte mit dem dunkel-purpurnen, weichen und sehr süßen Fruchtfleisch eignen sich direkt zum Verzehr, oder die Beeren werden zu Torten, Gelees, Marmeladen, Salaten oder, wie in Vietnam, zu einem Wein (Rượu Sim) verarbeitet.T. K. Lim: Rhodomyrtus tomentosa. In: Edible Medicinal and non-medicinal Plants.

Auf Hawaii wurden die Blüten für Tomake-Lei zu Blütenketten verwendet. In China kultivierte man die schnell wachsende Rhodomyrtus tomentosa als Schattenspender für langsam wachsende, heimische Arten. In Südchina pflanzte man Rhodomyrtus tomentosa als Pionierpflanze bei der Wiederbegrünung degradierter Berghänge.

Verwendung als Heilpflanze