Das Hübner-Haus ist ein Kontorhaus in Hamburg, im Stadtteil Neustadt im Bezirk Hamburg-Mitte. Es wird verwaltet von der Hübner Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG und steht unter Denkmalschutz.
Bau des Hübner-Hauses Im Jahr 1907 kaufte Georg Hübner jun.laut Website des Gebäudes (vgl. Weblinks) das Grundstück Poststraße 2–4 / Bei der Stadtwassermühle, das an seinen bisherigen Geschäftssitz im Eckhaus Neuer Wall 22/22a / Poststraße anschloss.grafische Darstellung des Vorgängerbaus in einer Anzeige (in der Ausstellung, vergleiche Bilddatei) Er ließ auf diesen beiden Grundstücken bis 1909 nach einem Entwurf des Hamburger Architekten Henry Grell das Hübner-Haus bauen. Der Neubau hat fünf Vollgeschosse und eine neoklassizistische Fassade, zu wesentlichen Teilen wurde er aus Beton erbaut. Er gilt als der erste BetonbauBetonbau laut Website des Gebäudes (vgl. Weblinks) – Für die Bauzeit um 1908 ist nur bewehrter Beton (Eisenbeton) ein relativ „neues“ Baumaterial, unbewehrter Beton (Stampfbeton) dagegen nicht. in Hamburg und ist äußerlich bis auf das Dachgeschoss und die Schaufensterzone fast unverändert. Die Fassade entspricht mit ihren dicht gereihten Stützen und den flachen Erkern dem fortschrittlichsten Stand der Kontorhausarchitektur zur Bauzeit. Mit der Innenraumgestaltung wurde höchstes Niveau angestrebt. Vor allem zeigt sich dies an der aufwändig im Jugendstil der Wiener Secession ausgestatteten Eingangshalle. Um 1910 war die Café-Konditorei Georg Hübner im Bauteil an der Ecke Neuer Wall / Poststraße untergebracht, das Ladenlokal zur Ecke Poststraße / Bei der Stadtwassermühle nutzte das Kindermoden-Geschäft von Siegfried Freundlich.Moderne Bauformen, 9. Jahrgang 1910, Heft 6 (Juni 1910), S. 275. (Abbildung, Blick von Süden)
Café-Konditorei Georg Hübner Unternehmensgründung mini|hochkant|Zeichnung des Ursprungsbaus (vor 1907) in einer Anzeige Christian Georg Adolph Hübner war Sohn eines Reeders aus Warnemünde. Im Jahr 1883 schwor er den Hamburger Bürgereid und gründete zusammen mit seiner Ehefrau Mathilde ein Unternehmen, das er am 8. Juli 1884 unter der Firma Georg Hübner ins Handelsregister eintragen ließ. Zum Unternehmen gehörten eine Konditorei, ein Café und eine Marzipanfabrik. Die stilvolle Einrichtung des Cafés wurde höchsten Ansprüchen gerecht. In einer Vitrine im heutigen Treppenhaus sind zur Erinnerung an das Café Hübner historische Bilder ausgestellt, sie zeigen die Räumlichkeiten und die Einrichtung. Zeichnungen zeigen gut gekleidete Damen mit großen Hüten und Herren der feinen Gesellschaft, die dort regelmäßig zu Gast war. Das Café war so exklusiv, dass selbst Damen ohne männliche Begleitung sich dort zum Kaffee, Tee oder einer heißen Schokolade treffen konnten, eine Besonderheit zu damaliger Zeit in Hamburg. Schon bald wurde das Gebäude am Neuen Wall für das Unternehmen und vor allem für das Café, um das sich hauptsächlich Mathilde Hübner kümmerte, zu klein. Die Familie beschloss sich zu vergrößern, und so wurde das benachbarte Grundstück an der Poststraße gekauft. Georg Hübner senior erlebte die Fertigstellung des Gebäudes nicht mehr, sein Sohn Georg junior vollendete den Bau. Das Café und die Konditorei befanden sich nun in den beiden unteren Geschossen des Neubaus, die beiden mittleren Geschosse wurden vorwiegend als Büros an Anwälte und Makler vermietet und in den beiden oberen Geschossen wurde gebacken und Marzipan hergestellt. Hübners Köstlichkeiten wurden oft ins Rathaus geliefert und das Marzipan sogar exportiert.
Kriegsjahre Der Erste Weltkrieg setzte auch dem Unternehmen Hübner schwer zu, die Zeiten von Torte und Speiseeis mit Schlagsahne waren vorbei, hochwertige Lebensmittel wurden rationiert. Nach dem Krieg kam die Hochinflation, ehemals wohlhabende Stammgäste blieben weg. Auch die Einrichtung im Café änderte sich, statt japanischem Flair und Gemälden bekam das Café im oberen Geschoss nun Holz und Stoffbezüge – gemütlich, aber nicht mehr luxuriös. Die Räume wurden anders aufgeteilt, es gab einen Rauchsalon für etwa 150 Gäste und einen separaten Damensalon. Während des Zweiten Weltkriegs besaß das Hübner-Haus die einzige funktionierende Wasserpumpe am Neuen Wall und viele Menschen kamen nur deshalb. Außerdem wurde nun auch gekocht und es gab Mittagessen – vor der Währungsreform gegen Lebensmittelmarken. Das Café Hübner wurde zu einem wichtigen Versorger für viele Berufstätige. Nach dem Krieg und mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 kam die Deutsche Mark, und für das Unternehmen Hübner begannen endlich wieder bessere Zeiten. Schon einen Tag später gab es wieder Torten, Kuchen, Sorbets und viele andere Köstlichkeiten. Im Jahr 1961 wurde das Café aus persönlichen Gründen geschlossen.
Heutiges Kontor- und Geschäftshaus Das Hübner-Haus ist heute ein modernes Geschäftshaus in Innenstadt-Lage. Es ist unter der Nummer 29194 in der Denkmalliste mit den Adressen Bei der Stadtwassermühle 1 und Poststraße 2–4 eingetragen (Stand 8. Juli 2019). Im Erdgeschoss und Zwischengeschoss befinden sich Verkaufsflächen, in den Geschossen darüber eine Mischung aus Büros und Arztpraxen. Im Dachgeschoss hat die Hübner Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG ihre Büros. Im Erdgeschoss im Eingangsbereich wird an den Unternehmensgründer und Namensgeber des Gebäudes und an das damalige Café erinnert. Über dem Eingang sitzt die Inschrift Hübner-Haus, die Türgriffe der Eingangstür bestehen jeweils aus einem H. Die Idee, mit einer kleinen Ausstellung in einer Vitrine an das Café Hübner zu erinnern, stammt von Jörg Hübner, einem Urenkel des Gründers. Er starb bei einem Unfall im Jahr 2003, die dort ausgestellten Gegenstände stammen aus seiner Sammlung. Dokumentiert ist dort die Familiengeschichte in Textform, historische Bilder vom Café und der Marzipanfabrik sowie Porzellan – weiß und mit Familiennamen. Er selbst erlebte die Fertigstellung der Vitrine nicht mehr, Angehörige und Freunde kümmerten sich darum. Links befinden sich zwei kleine Fahrstühle, rechts der Treppenaufgang. Dazwischen steht eine Portierloge aus lackiertem Holz, die den Eindruck erweckt, als käme der Portier gleich zurück. Manchmal brennt dort Licht, an der Wand hängt ein historisches Telefon, auf dem Schreibtisch eine aufgeschlagene Zeitung aus früherer Zeit und Schreibutensilien. Zur Weihnachtszeit wird die Loge mit einer Girlande und Deko-Geschenkpaketen auf dem Dach geschmückt. Im Eingangsbereich sind die Wände in Marmor mit einem Fries aus grafischen Mustern verkleidet, die Türrahmen der Zwischentür schmücken farbige, teilweise vergoldete Mosaik-Fliesen. In den Obergeschossen sind die Wände hell gefliest mit Grafik-Ornamenten, die Fahrstuhl-Eingänge ebenfalls mit Mosaik-Fliesen umrandet.
Abbildungen
Literatur Bernd Allenstein, Michael Pasdzior: Welterbe Kontorhäuser. Hamburgs architektonische Perlen. Köhler, Hamburg 2017, ISBN 978-3-7822-1273-1, S. 80–83.
Weblinks
Website des Gebäudes, zuletzt abgerufen am 28. September 2026 Foto des Hübner-Hauses (2013 von Thomas Robbin) auf www.architektur-bildarchiv.de, zuletzt abgerufen am 28. September 2026 Denkmalliste für Hamburg-Mitte als PDF auf www.hamburg.de, am 28. September 2026 nicht mehr abrufbar
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Hamburg-Neustadt Kategorie:Kontorhaus in Hamburg Kategorie:Erbaut 1909 Kategorie:Bauwerk im Bezirk Hamburg-Mitte