mini|Porträt des Terentius Neo und seiner Frau, Fresko; 1. Jh., Museum Neapel mini|Das Gebiet der Katastrophe, in Grautönen die Intensität des Asche- und Schlackefalls
Pompeji (, , ) war eine antike Stadt in Kampanien am Golf von Neapel, die wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. verschüttet wurde, unter der Vulkanasche aber weitgehend konserviert blieb.
In seiner etwa siebenhundertjährigen Geschichte wurde Pompeji von Oskern, Samniten, Griechen, Etruskern und Römern bewohnt und geprägt, nach der Verschüttung im Laufe der Zeit aber vergessen. Mit der Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert begann die zweite Geschichte der Stadt, in deren Verlauf Pompeji zu einem zentralen Objekt der Archäologie und der Erforschung der antiken Welt wurde. Pompeji ist eine der am besten erhaltenen Ruinenstädte der Antike. Ihr Schicksal ist vielen vertraut, weil es in Kunst und Literatur häufig rezipiert wird.
Geographische Lage Pompeji liegt in der italienischen Region Kampanien, am Fuße des Vesuvs, nördlich des Flusses Sarno kurz vor dessen Mündung in den Golf von Neapel. Es befindet sich auf dem Gemeindegebiet der modernen Stadt Pompei, deren Bebauung direkt an die Ausgrabungen anschließt.
Die Stadt wurde auf einem durch frühere Ausbrüche entstandenen Lavaplateau angelegt, das im Süden und Teilen des Westens steil, zum Norden und Osten hin jedoch nur leicht abfiel. Rekonstruktionen haben ergeben, dass die Stadt in der Antike viel näher am Meer lag (zur Zeit 700 Meter entfernt) als heute. Die Mündung des schiffbaren Sarno war offenbar durch Lagunen geschützt und diente schon früh griechischen und phönizischen Seeleuten als sicherer Hafen und Umschlagplatz für ihre Waren. Zudem war der Boden im Umland nicht zuletzt wegen der früheren Ausbrüche des Vesuvs sehr fruchtbar.Zur Geografie siehe u. a. Jens-Arne Dickmann: Pompeji. Archäologie und Geschichte. C. H. Beck, München 2005, S. 15–16.
Geschichte Frühe Stadtgeschichte mini|Besiedlungsphasen Pompejis mini|Pompeji mit dem Vesuv im Hintergrund
Ausgrabungen haben ergeben, dass es nahe der heutigen Stadt Nola eine seit dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. bestehende Siedlung gab, die man am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aufgab, um sie näher an die Flussmündung zu verlegen.Dickmann: Pompeji. S. 16. Diese neue Siedlung – Pompeji – wurde nach mythischer Überlieferung vom Halbgott Herakles gegründet,Servius, In Vergilii carmina comentarii 7.662 in Wirklichkeit wohl von den Oskern. Die Bedeutung des oskischen Ortsnamens „Pompeji“ ist nicht eindeutig zu klären. Häufig wird er von dem oskischen Zahlwort pompe („fünf“) hergeleitet, teilweise wurde auch eine Verbindung mit („Prozessionszug“) erwogen.Umberto Pappalardo: Pompeji. Leben am Vulkan. Zabern, Mainz 2010, S. 19. Die Bevölkerung der Stadt bestand laut Strabon in historischer Zeit aus Oskern, Etruskern, Pelasgern und Samniten.Strabon, Geographie 5,4,8 (englische Übersetzung).
Über die Geschichte der rasch wachsenden Stadt ist während der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und Etruskern in Kampanien nichts bekannt. Allerdings haben Funde belegt, dass man wahrscheinlich nach beiden Seiten hin Kontakte pflegte, wobei die Beziehung zu den Etruskern offenbar bedeutender war. Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Pompejaner zunächst unter griechischem Einfluss standen, was ihre Übernahme der griechischen Götterwelt und einen dorischen Tempel erklärt. 525 v. Chr. dehnten die Etrusker ihren Machtbereich bis nach Pompeji aus. Sie übernahmen unter anderem den in Pompeji gepflegten Apollon-Kult. Wie Funde aus dem Heiligtum südlich des Amphitheaters außerhalb der Stadt, die seit 2014 gemacht wurden, zeigen, lebten im 6. vorchristlichen Jahrhundert mit großer Sicherheit Etrusker in größerer Zahl in der Stadt.
Nach der Niederlage der Etrusker gegen die Flotten von Cumae und Syrakus in der Schlacht von Cumae im Jahr 474 v. Chr. hatten erneut die Griechen die Vorherrschaft über Kampanien inne. Seit dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. (zwischen 425 v. Chr. und 420 v. Chr.) stand Pompeji unter samnitischer Herrschaft. Im Jahre 310 v. Chr. konnte die Stadt einen Plünderungszug römischer Flottensoldaten noch abwehren, die die Nachbarstadt Nuceria Alfaterna einnehmen sollten.Dickmann: Pompeji. S. 19f.; Titus Livius, Ab urbe condita 9,38,2 f. 290 v. Chr. musste sich Pompeji wie auch alle anderen samnitischen Städte dem römischen Bündnissystem anschließen. Aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere oskische Inschriften gefunden. Nach und vor allem während des 2. Jahrhunderts v. Chr. ging es der kampanischen Stadt wirtschaftlich sehr gut. Es konnten viele öffentliche Projekte wie Markthallen- oder Tempelbauten realisiert werden. Auch private Bauten hatten zum Teil stattliche Dimensionen.
Römisches Pompeji mini|Darstellung der Krawalle während der Gladiatorenspiele zwischen Pompejanischen und Nucerianer „Schlachtenbummlern“ auf einem pompejanischen Wandgemälde Sowohl während der Samnitenkriege als auch während des Bundesgenossenkrieges stand Pompeji auf Seiten der Gegner Roms. Sulla belagerte die Stadt 89 v. Chr., Spuren des Artilleriebeschusses sind noch heute zu sehen. Es wurden auch Inschriften in oskischer Sprache an den Häuserwänden gefunden, die den ortsunkundigen Verteidigern den Weg weisen sollten. Pompeji unterlag schließlich den Römern und wurde 80 v. Chr. von Sulla in eine römische Kolonie umgewandelt. Die Stadt hieß nun Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum. Etwa 2000 römische Veteranen mit ihren Familien wurden offenbar in einem größeren geschlossenen Gebiet im Südwesten der Stadt angesiedelt. In der aktuellen Forschung ist jedoch umstritten, ob dazu Teile der Stadt oder einzelne Häuser enteignet wurden. Man kann davon ausgehen, dass viele der Siedler außerhalb der Stadt Land zugewiesen bekamen und daher nicht in der Stadt lebten. Aus dieser Zeit stammen lateinische Inschriften, die auf eine „Selbstromanisierung“ hinweisen. Als gesichert gilt, dass es zunächst Konflikte zwischen den neu angesiedelten Römern und der alteingesessenen Oberschicht gab, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Bis zur augusteischen Zeit scheinen die alten Familien ihren Einfluss wieder zurückgewonnen zu haben. In Anlehnung an das römische Kaiserhaus wurde auch der von Augustus vorgesehene Nachfolger in seinem Amt, sein Neffe Marcellus, zum Schutzpatron der Stadt auserkoren und wie Augustus in der Stadt kultisch verehrt. Ebenfalls in augusteischer Zeit scheint sich die mondän anmutende Kleinstadt zu einem Treffpunkt der römischen Oberklasse entwickelt zu haben.
Im Jahre 59 n. Chr. kam es nach einem Bericht des Historikers TacitusTacitus, Annales 14,17. im bis zu 20.000 Zuschauer fassenden Amphitheater während eines Gladiatorenkampfes zu blutigen Krawallen mit Besuchern aus der Nachbarstadt Nuceria. Darauf verbot Kaiser Nero für zehn Jahre jegliche Spiele in Pompeji. Die Ursachen für diese Auseinandersetzungen sind möglicherweise in über Pompeji und Nuceria hinausreichenden politischen Problemen zu suchen.
Ein großes Erdbeben, von dem sich Pompeji zum Zeitpunkt seines Unterganges noch nicht wieder ganz erholt hatte, erschütterte am 5. Februar 62 die Region um den Vesuv und richtete in Pompeji große Schäden an.Seneca, Naturales Quaestiones 6,1,1 mit der Datierung auf den 5. Februar 63 n. Chr. Tacitus, Annales 15,22,2 legt das Erdbeben ins Jahr 62 und gibt keinen genauen Tag an. Lange Zeit glaubte man in der Forschung, dass es infolge dieses Erdbebens zu einer Verarmung und Proletarisierung der Stadt kam, was neuere Forschungen jedoch für unwahrscheinlich halten.
Die Bevölkerung Pompejis, das in antiken Quellen uneinheitlich als urbs,Seneca, Naturales Quaestiones 6,1,1. oppidumTacitus, Annales 15,22,2. oder municipiumPlinius der Ältere, Naturalis historia 2,137. bezeichnet wurde und dessen Bürger zur tribus Menenia gehörten, wurde in der älteren Literatur auf 8.000 bis 10.000Coarelli: Pompeji. Archäologischer Führer. S. 46. Einwohner zur Zeit des Untergangs geschätzt. Die neuere Forschung geht aktuell von wesentlich höheren Populationszahlen von mindestens 20.000 bis zu 45.000Osanna: Pompeji. S. 226.Zuchtriegel: Vom Zauber des Untergangs. S. 156–173. Menschen aus.
Untergang mini|Schema einer Plinianischen Eruption.1: Aschewolke2: Schlot3: Aschenfall4: Aschen- und Lavaschichten5: Gesteinsschicht6: Magmakammer Das Erdbeben des Jahres 62, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht worden war, lockerte womöglich den Schlotpfropfen des Vulkans. In den folgenden 17 Jahren stieg durch eingeschlossene aufsteigende Gase und durch anwachsenden Dampfdruck in der Magmakammer der Druck unter dem Schlotpfropfen stark an.
Im Spätsommer oder Herbst des Jahres 79 gab es mehrere Tage lang Vorzeichen für den Ausbruch des Vesuvs, weshalb ein Teil der Einwohner Pompeji verließ. Vermutlich wurde der gesamte Ausbruch von andauernden, starken vulkanischen Beben begleitet, als der Innendruck den Widerstand des Gesteinspfropfens überwand. Ab der Sprengung des Pfropfens wurden binnen weniger Stunden in mehreren Eruptionswellen mehr als ein Kubikkilometer glühenden Magmas mit Überschallgeschwindigkeit in einer Eruptionssäule ausgestoßen, die bis weit in die Stratosphäre reichte.
Mit der Explosion des Schlotpfropfs gegen 13 Uhr wurde der Vulkanschlot derart tief leer geschossen, dass selbst die Trias-Dolomite des Herddachs mit ausgeworfen wurden. Danach blies ein Gasstrahl zerriebenes Gestein der Schlotwandungen aus. Der explosive Vulkanausbruch schleuderte Vulkanasche, Lava und Gase mehrere Kilometer hoch. Mit dem Erreichen der Tropopause flachte sich die Wolke ab, so dass ihre Form von Plinius treffend mit einer Schirmpinie verglichen wurde. Diese Wolke wurde vom Wind in Richtung Pompeji getragen, wo es begann, Bimsstein zu regnen. Im Bimssteinstaub befanden sich größere Stücke, die mit hoher Geschwindigkeit aufprallten und zahllose Dächer zum Einsturz brachten, Türen blockierten und die Bewohner der Stadt einschlossen.
Während einer Ruhepause verstürzte erstmals der Vulkanschlot. Die nächste Eruption räumte ihn wieder, auch dieses Material ging auf die Umgebung nieder. Die Gewalt des Ausbruchs nahm rasch zu. Der Schlot verstürzte ein zweites Mal und wurde ein weiteres Mal geräumt. Nun stieg gasreiches Tiefenmagma im Schlot empor, wurde durch heftige Explosionen zerstäubt und in steigernder Folge von starken Aschen-Eruptionen gefördert. Gleichzeitig verwandelte ein wolkenbruchartiger Eruptionsregen auf dem Westhang des Vulkans die Asche in Schlammströme. Durch den Auswurf pyroklastischen Materials waren der Schlot und der obere Teil der Magmakammer entleert, so dass das Dach der Magmakammer längs der Bruchlinien zusammensackte. Aus einer dieser Bruchlinien drang Magma an die Oberfläche und ergoss sich über das Sumpfgelände am Nordfuß des Monte Somma. Durch den Zusammensturz der Gipfelregion entstand eine Caldera von sechs Kilometern Durchmesser, in der sich in der Folgezeit der Kegel des heutigen Vesuvs bildete.
Als sich der Vesuv nach seinem etwa achtzehnstündigen Ausbruch wieder beruhigt hatte, waren die meisten Menschen in Pompeji entweder vom Gestein erschlagen oder erstickt. Dennoch hatten einige wenige die Katastrophe bis zu diesem Zeitpunkt überlebt. Diese fielen einer nun abgehenden Glutlawine zum Opfer.