Monika Günther (* 1944 in Bad Hersfeld, Deutschland) und Ruedi Schill (* 18. Juni 1941; † 31. Juli 2020 in Luzern, Schweiz) waren ein Künstlerpaar im Feld der Performance Art. Sie tragen als Künstlerpersönlichkeiten bereits seit den 1980er Jahren durch ihre künstlerische und kuratorische Arbeit entscheidend zur Entwicklung, Förderung und Verbreitung von Performancekunst, in Luzern, der gesamten Schweiz und zu ihrer internationalen Wahrnehmung bei. 2023 hat das Translocal Performance Art Festival Giswil die Performance Lieber nichts sagen von Monika Günther und Ruedi Schill angekauft die nun jedes Jahr wiederaufgeführt werden soll.

Werdegang Sie realisierten seit 1995 gemeinsam Performancekunst, Ausstellungen, Workshops und organisieren Festivals. Sie folgten weltweiten Einladungen zu Konferenzen und Festivals, führten ihre Arbeiten an öffentlichen Orten und im musealen Kontext auf und lehrten die Kunst der Handlung. Helen Koriath schreibt 2016 im SIKART Lexikon dazu: „1995 entschlossen sie sich zur performativen Zusammenarbeit und schufen bis heute ein unverwechselbares Gemeinschaftswerk, in dem menschliches Verhalten, Rituale und Wahrnehmungsmuster thematisiert sowie soziale Fragestellungen eindrücklich ins Ästhetische überführt werden. Dafür haben sie hohe internationale Anerkennung erfahren.“ Monika Günther studierte von 1966 bis 1971 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Hoehme Malerei. Sie arbeitet mit Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Fotografie und Aktionskunst. Seit 1980 stellt sie aus, realisiert Kunst im öffentlichen Raum und zeigt Performances. Monika Günther hat Lehraufträge und Gastdozenturen für Performance Art an verschiedenen Kunstschulen und Universitäten, u. a. an der Gestaltungsschule Material und Form in Luzern. Edith Krebs schreibt 2007 zur Arbeit Monika Günthers in der Neuen Zürcher Zeitung:„Als Nischenbewohnerin bezeichnet sich die seit vielen Jahren in Luzern lebende deutsche Künstlerin Monika Günther, die oft mit ihrem Lebenspartner Ruedi Schill auftritt". . . „Schmerz und Verletzung sind zentrale Themen von Günthers Kunst, die stark auf Intuition basiert. Lange trägt sie ein Thema mit sich herum, bis sie sich reif fühlt, es performativ zu verkörpern. Immer wieder spricht die Künstlerin vom Phänomen der Präsenz, das für die Performance unerlässlich sei. „Man hat es, oder man hat es nicht“, davon ist Günther überzeugt. Sie hat es, das spürt man bei jedem Satz, den die empfindsame Künstlerin in die Kamera spricht.“ Ruedi Schill absolvierte von 1962–1963 die Grafische Fachschule Biberach und von 1971–1972 die Gestaltungsschule, heute F+F Schule für Kunst und Design, in Zürich. Er war seit 1979 im damals neuen Bereich Aktionskunst aktiv, praktizierte aber auch Land Art und arbeitete mit interdisziplinären und experimentellen Ansätzen mit allen neuen Medien und Aktionen. Seine grosse Präsenz als Performancekünstler in Museen und auf internationalen Festivals wird immer beschrieben.

1971 gründete er die Galerie Apropos die jetzt, gemeinsam mit Monika Günther seit 1995 organisiert, als Projektraum Apropos in Luzern existiert. 1982 kuratierte er im Palazzo Liestal in Liestal das erste Performance Art Festival in der Schweiz. Erst als Gastdozent und dann im Lehrauftrag unterrichtete er von 1995-2007 Performance Art an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern (HGKL).

Kuratorien und Preise Preise 2023: Ankauf der Performance Lieber nichts sagen durch das Festival Translocal Performance Art Giswil 2000: Werkbeitrag Kanton und Stadt Luzern 2002: Arbeitsstipendium der Stiftung Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr, Insel Elba, Italien 2002: Ankauf der Performance Das Luzerner Stück durch den Kanton Luzern, Schweiz 2004: Projekt- und Werkbeitrag vom Kulturfonds, Bundesamt für Kultur, Bern, Schweiz 2004: Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern 2008: Förderbeitrag im Wettbewerb Performance Art, Kunstkredit Basel, Schweiz (jetzt Performancepreis Schweiz)

Konzeption, Organisation, künstlerische Leitung 1982: erstes Performancekunstfestival in der Schweiz, von Ruedi Schill kuriert, Palazzo, Liestal seit 1995: Leitung des Projektraums Apropos (vormals Galerie Apropos) in Luzern, Schweiz 1998–2000: künstlerische Leitung, Internationalen Performancetage Giswil 2000: Gastkuratoren für die Performances in der Ausstellung SURPRISE, Kunstpanorama Luzern, Schweiz 2001: künstlerische Leitung Young Performance Art, Performancetage im Projektraum Apropos, Luzern, Schweiz 2003: 2003 künstlerische Leitung, Internationale Performance ArtWillisau, eine Veranstaltungsreihe der Stadtmühle Willisau, Schweiz 2005–2013: künstlerische Leitung, International Performance Art in Giswil

Performance Wiederaufführungen und Würdigungen

2024: Lieber nichts sagen, Monika Günther, Translocal Performance Art Giswil 2024: Kormoran, Axelle Stiefel, Laura-Issé Tusevo, Translocal Performance Art Giswil, Turbine Giswil, Schweiz 2025: Lieber nichts sagen, Vu Duc Toan inspiriert von der gleichnamigen Performance von Monika Günther & Ruedi Schill aus 2004, Translocal Performance Art Giswil, Turbine Giswil, Schweiz

Literatur / Medien 1983: Ruedi Schill. Performances 1979–1983. Text: Martin Kunz. Galerie Apropos, Luzern. 1989: Schönes Wetter heute oder Seilziehen ist gefährlicher als leben. Texte: Martin Kunz. Kunstmuseum Luzern. 2007: Performance Saga, Interview 03, Monika Günther. DVD-Edition, Hrsg.: Andrea Saemann, Katrin Grögel. edition fink, Zürich. ISBN 978-3-03746-114-3 2014: Performance Art : Monika Günther / Ruedi Schill: Monographie. Helen Koriath. Vexer Verlag. 2015: Dorothea Rust schreibt nach der Performance von Monika Günther & Ruedi Schill. Anlässlich der Brise°3, dem Performance Art Festival in Flensburg, Augustenborg vom 3. bis 5. Juli 2015. 2018: Vidéo d’artiste: Ruedi Schill et l’art alternatif en Suisse alémanique. ARCHIVES ECART, Ruedi Schill, 4. April 2018, Galerie Apropos, Luzern.

Gemeinsame Performances und Präsentationen 1995 Das italienische Haus, MA, europäisch-asiatisches Performance-Festival, Institut Mathildenhöhe, Darmstadt, Deutschland; Kunstraum Düsseldorf, Deutschland gründeln, Performance-Index, Kaskadenkondensator, Werkraum Warteck PP, Basel, Schweiz Schlangengarten, Projektraum Apropos, Luzern, Schweiz

1996 Die Milchstrasse, 50 Jahre Kunstlandschaften in NRW, Tonhalle, Düsseldorf, Deutschland und Landesmusikakademie NRW, Heek, Deutschland Das italienische Haus, Kunstpanorama Luzern, Schweiz Im Vorgarten, Der Helix-Hochbau: Ereignisse zum erweiterten Kunstbegriff, Kunsthaus Essen, Deutschland

1997 Hochofen 5, Akzente 97, Nordpark Duisburg, Deutschland Au Sauvage I bis VI, Performance Art in NRW 1997, Maschinenhaus Essen; Kulturzentrum Cobra, Solingen; Moltkerei Werkstatt, Köln; Künstlerhaus Dortmund; Frauenmuseum Bonn; Kunstraum Düsseldorf L’art pour l’espoir, Volkshochschule Essen, Deutschland

1998 Unter Strom, Internationale Performancetage, Kunstraum Giswil, Schweiz Sammeln, Haus für Kunst Uri, Altdorf, Schweiz

1999 Ohne Titel, 8. Internationale Performance-Konferenz, Casino im ehemaligen IG-Farbenhaus, Frankfurt/Main, Deutschland Windstück, Insel Baltrum, Deutschland L’art pour l’espoir II, Jahresausstellung der Innerschweizer Künstlerinnen und Künstler 1998, Kunstmuseum Luzern, Schweiz Intermezzo I und II, Zur falschen Zeit. Am falschen Ort. Kunst, Dalvazza, Schweiz Bureau de Performance als Gast bei Apropos, 7. Performance-Konferenz, Performance-Art-Netzwerk CH, Projektraum Apropos, Luzern, Schweiz Scheuchposen, Performance zur Eröffnung des Kunstgartens von Monika Günther, Landesgartenschau Oberhausen, Deutschland

2000 Performance zur Übergabe der Schwarzen Lade, Performancetage 2000, Seedamm-Kulturzentrum, Pfäffikon, Schweiz This is not a miracle, 9. Internationale Performance-Konferenz, Alte Feuerwache, Mannheim, Deutschland Ohne Titel, Kaskadenkondensator Basel, Schweiz Work in progress, Allgemeiner Konsumverein, Braunschweig, Deutschland Ohne Titel, Sommerakademie Irsee/Allgäu, in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg

2001 Das Berner Stück, BONE IV, Stadtgalerie Bern, Schweiz Au Sauvage VIII, 1. Internationaler Performancetag, Galerie für Zeitkunst, Bamberg, Deutschland Au Sauvage VII, migma Perfomancetage, Ausstellungsraum o.T. und Prosart, Raum für aktuelle Kunst, Luzern, Schweiz Ohne Titel, Von Aussen nach Innen, Kulturprojekt auf dem Schiff „Graf Zeppelin“, Friedrichshafen, Deutschland Ohne Titel, Sommerakademie Irsee/Allgäu, in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg

2002 Das Luzerner Stück, Kunstpanorama Luzern, Schweiz Das Essener Stück, E.P.I. Zentrum NRW, Europäisches Performance Institut, Maschinenhaus Essen, Deutschland Das Berliner Stück, Fraktale III, U-Bahnhof Reichstag, Berlin, Deutschland Castrum Romain, Expo 02, Yverdon-les-Bains, Schweiz Steinzeit, Foto-Aktion, Insel Elba, Italien Ohne Titel, Performance-Tag, Ökostation Bergkamen, Deutschland

2003 Stück für Hannover, Across the border, Performance-Festival, Städtische Galerie KUBUS, Hannover, Deutschland Das Dresdener Stück, 8. Internationales Dresdner Performancetreffen, Deutschland Die blaue Grotte, Potsdam-Marquardt, Deutschland: Blauer Ort I, Schlosspark Marquardt Blauer Ort II, Ballsaal Schloss Marquardt

2004 Ohne Zensur, „Vor Ort“, Dahl Gallery of Contemporary Art, Luzern, Schweiz Lo que tu digos, III Encuentro Internacional de Performance Yucatan, México in Dzidzantun El Placer, III Encuentro Internacional de Performance Yucatan, México in Progreso Ohne Titel, „Québec I“ Rencontre Internationale d’Art Performance de Québec, Galerie Rouje in Québec City, Kanada Ohne Titel, „Québec II“ Rencontre Internationale d’Art Performance de Québec, Galerie du Centre Sagamie in Alma, Québec, Kanada Lieber nichts sagen, Performance-Festival „BONE 7“, Schlachthaus Theater Bern, Schweiz

2005 Short Pieces, Galeria Dzialan Warschau, Polen Lieber nichts sagen II, International Art Action Festival „Interakcje“, Piotrkow Trybunalski, Polen Dialog, „Der längste Tag“, Kunsthof Zürich, Schweiz Dialog II, Ungarisches Performance Festival in Szentendre, Ungarn

2006 Get it on, MOMENTUM, Platform for Performance-Art, Bains, Connective, Bruxelles, Belgien Talking Hands, Navinki, The 8th International Performance-Art Festival, Palace of Art, Minsk, Weissrussland Talking Hands, The 14th International Performance Art Conference Vietnam, in Dalat und Ho Chi Minh-City (Saigon) Talking Hands, OVER SIXTY, Festival de Performances, Le Théatre de l'Usine, Genève, Schweiz und BONE 9 Performance-Art-Festival, Schlachthaus Theater Bern

2007 Talking Mirrors, „Kunst der Begegnung“, ein Performance-Art-Projekt zusammen mit 7 japanischen Performancekünstlern, Essen, Deutschland Talking Mirrors, „The Future of Imagination 4“, International Performance Art Festival, Singapur Yuko’s Home, „Der Lange Atem – The Long Breath“, E.P.I. Zentrum NRW, Europäisches Performance Institut, Maschinenhaus Essen, Deutschland Talking Hands, IPAH 2007, 2. Internationales Performance Art Treffen, Hildesheim, Deutschland

2008 Talking Hands, „Top of Central Switzerland 2007“, Kunstmuseum Luzern, Schweiz Ohne Titel, Performance-Reihe „tanzt“ im Kaskadenkondensator, Basel, Schweiz Talking Hands, VI International Performance Art Meeting, IVAM Institut Valencià d'Art Modern, Spanien Talking Hands, Universität Osnabrück, Deutschland Talking Hands, Harta, 6th International Performance Art Festival, Teatrino della Villa Reale di Monza, Italien Ohne Titel, „Blow!4“, Umformstation, Ilseder Hütte, Gross Ilsede, Deutschland Time after Time, Navinki, The 10th International Performance Art Festival in Minsk, Weissrussland Talking Hands, „Sicht auf das Original“, Kunsthaus Baselland, Muttenz, Schweiz, Endrunde im Wettbewerb „Performance“ des Kunstkredits Basel-Stadt