Nguyễn Văn Vĩnh (* 1882 in Hanoi, Kaiserreich Vietnam; † 1936) war ein vietnamesischer Journalist und Publizist in Französisch-Indochina. Er war der Gründer der ersten Zeitung in moderner vietnamesischer Schrift in Hanoi und fungierte als Herausgeber und Journalist mit politischem und kulturellem Anspruch. Er vertrat gegenüber der Kolonialmacht eine Linie der Kooperation, da er sich durch den Kolonialismus eine Demokratisierung versprach.
Herkunft und Werdegang Nguyen Van Vinh wurde im Distrikt Ha Dong der Stadt Hanoi geboren. Er besuchte die Übersetzerschule der Kolonialbehörden in seiner Heimatstadt. Danach war er für die Kolonialverwaltung in Lao Cai, Hải Phòng, Bac Ninh und Hanoi selbst tätig.Duiker, 2006 S. 284f
Berufliche Tätigkeit
Nguyen Van Vinh war Gründer und Herausgeber der Zeitung Dong Duong Tap Chi (Indochina Revue) im Jahr 1913.Duiker, 2006 S. 284f Ein Teil der mit den Kolonialbehörden zusammenarbeitenden Presse wurde gefördert durch den Generalgouverneur Albert Sarraut.Goscha, 2013, S. 116f Nguyen Van Vinh sah als wichtigstes Instrument der Modernisierung die flächendeckende Verbreitung der latinisierten modernen vietnamesischen Schrift.Goscha, 2013, S. 343 Seine Zeitung diente auch als Veröffentlichungsort des modernen vietnamesischen Literaten Tản Đà.Brocheux, 2009, S. 245 Die französischen Kolonialbehörden finanzierten sie, da sie aufgrund der Xinhai-Revolution in China eine republikanisch-antikoloniale Bewegung fürchteten. Um dieser vorzubeugen, versuchten sie pro-französische Republikaner wie Nguyen Van Vinh zu fördern.Brocheux, 2009 S. 227
Im weiteren Verlauf seiner Herausgebertätigkeit gründete er weitere Zeitungen, nämlich die vietnamesischsprachige Trung Bac Tan Van (Nachrichten aus Annam und Tonkin) und die französischsprachige Annam nouveau.Duiker, 2006, S. 246f
Er machte sich um Erstübersetzungen traditioneller vietnamesischer Werke in die moderne Schrift verdient. So übersetzte er Die Geschichte der Kiều und Die Geschichte der Drei Reiche ins moderne Vietnamesisch. Ebenso übersetzte er westliche Werke wie Gullivers Reisen und Die Elenden.Goscha, 2013, S. 346f
Während des Ersten Weltkriegs diente Nguyen Van Vinh als Übersetzer für vietnamesische Truppenverbände und Arbeiter am europäischen Kriegsschauplatz.Goscha, 2013 S. 111
Er befürwortete die Errichtung einer Indochinesischen Union mit republikanischer Verfassung anstatt der indirekten Herrschaft der Nguyen-Dynastie und der Kolonialbehörden.Goscha, 2013 S. 120f Ngyuen Vanh Vinh setzte jedoch voraus, dass der Kolonialstaat in diesem Kontext auch für die Einheimischen demokratisiert werden müsse.Brocheux, 2009 S. 303 Dies führte zu einer öffentlich geführten Debatte über die Medien mit dem monarchistischen Premierminister Phạm Quỳnh.Duiker, 2006, S. 284f
Einzelnachweise
Literatur Im Artikel verwendet Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. Berkeley 2009 Bruce L. Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Oxford 2006 Christopher Goscha: Vietnam - A New History. New York 2016 Weiterführende Literatur Christopher E. Goscha (2004): "The Modern Barbarian: Nguyen Van Vinh and the Complexity of Colonial Modernity in Vietnam". European Journal of East Asian Studies.
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