mini|Logo des Orchestre Symphonique de Québec (seit 2017) mini|Das Orchestre Symphonique de Québec mit dem Chefdirigenten Joseph Vézina in der ersten Reihe in der Mitte sitzend. Das Orchestre Symphonique de Québec bzw. Quebec Symphony Orchestra ist ein im Jahre 1902 gegründetes Sinfonieorchester aus der Stadt Québec in der gleichnamigen kanadischen Provinz.

Bereits zum Zeitpunkt der Gründung als Orchestre Symphonique de Québec bekannt, trat das Orchester, nachdem sich einige weitere Musiker angeschlossen hatten, ab dem Jahre 1903 als Société symphonique de Québec (SSQ) in Erscheinung. Nach der Fusionierung mit dem 1935 gegründeten Cercle philharmonique de Québec (CPQ) im Jahre 1942 erhielt das Orchester wieder seinen ursprünglichen Gründungsnamen.

Es gilt heute (Stand: 2019) als eines der führenden Orchester Kanadas und ist zudem das älteste und am längsten durchgehend aktive des Landes.

Geschichte Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg Nachdem Joseph Vézina beim 50. Jubiläum der Universität Laval am 23., 24. und 25. Juni 1902 drei große Konzerte mit einem Orchester bestehend aus lauter freischaffenden Musikern in der Quebec City Armoury dirigiert hatte, beschlossen die drei jungen Instrumentalisten Léonidas Dumas, Joseph Talbot und Raoul Vézina – Letzter ist ein Sohn des großen Dirigenten – eine dauerhafte Musikgruppe zu etablieren. So gründeten sie zusammen mit insgesamt etwa 25 Musikern am 3. oder 5. Oktober 1902 das Orchestre Symphonique de Québec. Joseph Vézina wurde als Chefdirigent vorgestellt, wobei er diese Position bis zu seinem Tod im Jahre 1924 beibehielt. Das neue Ensemble absolvierte am 28. November 1902 in drei Akten während eines Chorkonzerts in der Tara Hall an der Québecer rue Sainte-Anne seinen ersten öffentlichen Auftritt. Mit einem umfangreicheren Programm trat das Orchester daraufhin am 5. Dezember 1902 ein weiteres Mal in der Tara Hall auf. Am 23. Februar 1903 schlossen sich vier Mitglieder des Septetts Septuor Haydn (J.-Alexandre Gilbert, W. Noble Campbell, Arthur Lavigne und Nazaire LeVasseur), sowie um die zehn Mitglieder der Regimentskapelle dem Orchester an, um dieses zu verstärken. Dieses Vereinigung von 40 Musikern mit den verschiedensten Hintergründen wählte als Namen für sein Ensemble Société symphonique de Québec, kurz SSQ. Zu ebendieser Zeit trat der Gründungspräsident Léonidas Dumas sein Amt an J.-Alexandre Gilbert ab. Gilbert trat daraufhin auch bis 1934 als Konzertmeister in Erscheinung. Die offizielle Gründung der SSQ erfolgte am 20. März 1906; ihr Motto „Arte alitur fulgetque“ (dt.: Kunst nährt und erleuchtet) nahm die Société erst am 3. Juni 1927 an.

Im Jahre 1903 wurde die Société symphonique de Québec auserkoren, um bei einem Konzert den Musiksaal Auditorium de Québec, der heute als Capitole de Québec oder Théâtre Capitole bekannt ist, einzuweihen. In weiterer Folge fanden vor allem in der Anfangszeit jährlich drei Abonnementkonzerte im Auditorium statt. Bei der Eröffnung am 31. August und 1. September 1903 traten unter anderem die Solisten Rosario Bourdon, Paul Dufault, Émiliano Renaud und Joseph Saucier in Erscheinung. Die erwähnten Abonnements wurden ab dem Jahre 1904 verkauft. Bis zum Ersten Weltkrieg veranstaltete die SSQ auch jährlich eine Serie von drei Konzerten für die Société du parler français au Canada (das Nationalkovent der frankophonen Kanadier) und trat des Öfteren zu anderen feierlichen Anlässen, die zumeist religiöser Natur waren, auf.

Unter Vézinas Führung entwickelte sich das Orchester rasch zu einem der erfolgreichsten des Landes; bereits 1907 gewann die SSQ ersten Preis in der Musik-Kategorie bei einem von Albert Grey, 4. Earl Grey, dem damaligen Generalgouverneur von Kanada, organisierten Musik- und Theaterwettbewerb am Russel Theatre in Ottawa. Der Preisrichter war hierbei George Chadwick, der zu dieser Zeit als einer der bedeutendsten US-amerikanischen Komponisten galt und zu diesem Zeitpunkt Direktor des New England Conservatory of Music in Boston, Massachusetts, war. Kurze Zeit später hatte die SSQ einen großen Auftritt im Monument-National in Montreal. Im Jahre 1908 war Vézina Präsident des Musikkomitees für die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Stadt Québec. Aus diesem Anlass spielte die Société symphonique de Québec mehrere bedeutende Konzerte. Bis ins Jahr 1914 spielte das Sinfonieorchester mit rund 60 Musikern große Abonnementkonzerte. Darüber hinaus wurde das Orchester zu Auftritten in anderen Teilen des Landes eingeladen, insbesondere in Ottawa, Montreal, Sherbrooke und Montmagny.

Noch vor dem Krieg traten renommierte Solisten mit der SSQ auf, um die Balance zwischen lokalen und internationalen Künstlern zu halten. Vézina schuf die Partituren für drei komische Opern, die von der Société symphonique de Québec erstmals in den Jahren 1906 (Le lauréat; Libretto von Félix-Gabriel Marchand), 1910 (Le rajah; Libretto von Gaston Morelles (Pseudonym von Benjamin Michaud)) und 1912 (Le fétiche; Libretto von Alex Villandray und Louis Fleur (Pseudonyme von Alexandre Plante und Antonio Langlais)) aufgeführt wurden. Ein viertes Werk (La grosse gerbe), nach einem Gedicht von Pamphile Le May, blieb unvollendet. Die Opern, die allesamt im Auditorium de Québec uraufgeführt wurden, galten als erfolgreich.

Zeit von 1914 bis 1950 Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stoppte die Aktivitäten des Orchesters abrupt. Statt Abonnementkonzerten fanden in dieser Zeit philanthropischen Konzerte statt. Als die Spanische Grippe ab 1918 weltweit Millionen Todesopfer forderte, stellte die SSQ von März 1918 bis März 1919 ihren Betrieb gänzlich ein und kam keinen einzigen Auftritt. Mit ein Grund dafür waren auch die hohen Produktionskosten. Am 13. und 14. April 1921 lud die SSQ den jungen Violinisten Arthur LeBlanc (1906–1985) zu seinem Debüt ein. Bis Mitte der 1940er Jahre trat LeBlanc in weiterer Folge regelmäßig mit dem Orchester auf. Anlässlich des 300. Geburtstages von François de Montmorency-Laval gab die SSQ zusammen mit einem 300-stimmigen Chor ein Konzert vor etwa 6.000 Zuschauern; gespielt wurde das Oratorium La rédemption von Charles Gounod. Nach dem Tod von Joseph Vézina am 5. Oktober 1924 wurde Robert Talbot neuer Chefdirigent der Société symphonique de Québec. Unter seiner Führung wurde das Repertoire des Ensembles erweitert und zum 25. Jahrestag des Bestehens der SSQ dirigierte Talbot im Mai 1928 die erste vollständige Aufführung von Beethovens 5. Sinfonie.

Weiters wurden im Laufe dieser Zeit Sinfonien von Haydn und Schubert (ganz oder teilweise), Dvořáks Aus der Neuen Welt (9. Sinfonie), Tschaikowskis Der Nussknacker, Faurés Masques et Bergamasques, Vorspiel (Orchestereinleitung) zu Wagners Die Meistersinger von Nürnberg, die 3. Sinfonie von Brahms, die Sinfonie in d-Moll von César Franck oder die 6. Sinfonie von Glasunow gespielt. Weitere Werke waren von Vincent d’Indy, Emmanuel Chabrier, Ernest Chausson oder Joseph Guy Ropartz. Im Jahre 1931 ermöglichte Talbot dem Orchester sein Radiodebüt. Ein Jahr später fand bei der Einweihung des Palais Montcalm ein Konzert mit dem Solisten Raoul Jobin (1906–1974) statt. Nachdem Gilbert nach über drei Jahrzehnten seine Position als Konzertmeister im Jahre 1934 zurücklag, übernahm diese Position Alphonse Saint-Hilaire, der jedoch selbst nur bis 1936 im Amt blieb.

Im Herbst 1935 begannen wiederum schwierige Zeiten für de SSQ, als sich eine Gruppe junger Dissidenten, die Qualität und Quantität der Konzerte steigern wollte, unter Edwin Bélanger zum Cercle philharmonique de Québec, kurz CPQ, zusammenschlossen. Das erste Konzert fand am 10. Dezember 1935 im Palais Montcalm statt. Die erste Spielzeit bestand aus vier öffentlichen Konzerten, sowie fünf kostenlosen Bildungskonzerten für Schüler, was eine wichtige Neuerung darstellte. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich der CPQ zu einem nicht zu unterschätzenden Rivalen der SSQ. Innerhalb der nächsten sieben Jahre präsentierte der CPQ auf diese Weise 45 Konzerte, wobei hingegen die SSQ auf 31 Konzerte kam. Die Zeit, in der die Stadt Québec zwei Sinfonieorchester hatte, endete jedoch bereits wieder im Jahre 1942, als die beiden Orchester miteinander fusionierten und das nunmehrige Orchestre Symphonique de Québec bildeten. Die anhaltenden finanziellen Probleme beider Orchester zwangen zu diesem Schritt; die Benennung auf den ursprünglichen Gründungsnamen erfolgte am 25. Juni 1942. Talbot zog sich als Chefdirigent zurück; der bereits genannte Edwin Bélanger folgte ihm auf diese Position, die er selbst bis 1951 bekleidete. Zwischenzeitlich wurde auch der Konzertmeister mehrfach ausgetauscht. Auf den 1936 ausgeschiedenen Saint-Hilaire folgte Antoine Montreuil, ehe im darauffolgenden Jahr bereits Jules Payment übernahm. Diesem folgte abermals ein Jahr später Gilbert Darisse, der bis zum Jahre 1960 als Konzertmeister des Orchesters in Erscheinung trat.

Trotz einiger ernsthafter Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Musikern nahm das Orchester wieder seine jährliche Serie von vier bis sechs Konzerten auf. Des Weiteren lud es regelmäßig berühmte internationale Künstler ein und bot zudem innovative Bildungsprogramme an. Neben Kinderkonzerten an den Nachmittagen wurde im Jahre 1945 auch ein eigener Wettbewerb für junge Solisten ins Leben gerufen, bei dem die damals 13-jährige Pianistin Janine Lachance (1932–2017) als erste Gewinnerin hervortrat. Ein weiterer bekannter Gewinner dieses Wettbewerbs war der Tenor Richard Verreau (1926–2005), der den Wettbewerb im Jahre 1948 für sich entscheiden konnte. Gegen Ende der 1950er Jahre verschwand dieser Wettbewerb jedoch wieder aus dem Programm des Orchestre Symphonique de Québec, wurde aber im Jahre 1977 wieder reaktiviert. Unter Bélangers Führung wurde zunehmend versucht, die Öffentlichkeit für das zeitgenössische Repertoire zu sensibilisieren.

Wechselhafte Zeit bis in die 1980er Jahre Auf Bélanger folgte im Jahre 1951 Wilfrid Pelletier, der zuvor ab 1929 ein regulärer Dirigent an der Metropolitan Opera in New York City war, als neuer Chefdirigent. Unter Pelletier wurde das Niveau der Oper erhöht, was ihm mitunter dadurch gelang, dass er neue Musiker – darunter Lehrer und frische Absolventen – vom Conservatoire de Québec, das 1944 unter Pelletiers Leitung gegründet wurde, einlud. In den späten 1950er Jahren dirigierte Pelletier auch mehrere Opern in Konzertfassungen und führte zudem Bélangers pädagogische Arbeit weiter fort. Mit der Ankunft von Françoys Bernier als Pelletiers Assistent im Jahre 1959 kam es wieder zu einer radikalen strukturellen Veränderung innerhalb des Orchestre Symphonique de Québec. Im darauffolgenden Jahr erhielt das Orchester zudem nach knapp 23 Jahren wieder einen neuen Konzertmeister, als Stuart Fastofki den bisherigen Konzertmeister Gilbert Darisse ablöste. Ebenfalls ab 1960 wurde das Orchester zu einem dauerhaften und professionellen Ensemble sowie zu einem geschätzten Vertreter der Dezentralisierung. Städte wie Chicoutimi, Rimouski, Thetford Mines, Trois-Rivières und sogar die Regionen Abitibi, North Shore und Gaspé empfingen ab dieser Zeit zum ersten Mal ein professionelles Sinfonieorchester.