mini|Häuser gegenüber der Kirche mini|Kirche der hl. Maria Magdalena und Friedhofskapelle
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Pustějov () ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt sechs Kilometer südwestlich von Studénka und gehört zum Okres Nový Jičín.
Geographie Pustějov erstreckt sich entlang eines namenlosen Baches im Kuhländchen. Östlich des Dorfes fließt der Bach Pustějovský potok, südlich mündet der Husí potok in die Oder. Im Norden führt die Dálnice 1 an Pustějov vorbei, am südlichen Ortsrand verläuft die Bahnstrecke Břeclav–Petrovice u Karviné. Das Dorf liegt am Rande des Naturparks Oderberge (Oderské vrchy). Gegen Süden befindet sich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Poodří das Naturreservat Bartošovický luh, südöstlich die Teiche Horní Bartošovický rybník und Dolní Bartošovický rybník.
Nachbarorte sind Dolní Dvůr und Bílov im Norden, Butovice im Nordosten, Albrechtičky und Nová Horka im Osten, Bartošovice im Südosten, Hukovice und Kunín im Süden, Nový Rybník und Hladké Životice im Südwesten sowie Kujavy, Jílovec und Pohořílky im Nordwesten.
Geschichte Die Gegend, durch die eine Route der Bernsteinstraße führte, war wahrscheinlich schon während der Eisenzeit besiedelt. In den Jahren 1880 und 1881 wurden in der Nähe des Dorfes eine griechische Bronzemünze aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. sowie Bernstein aufgefunden.
Pustějov wurde wahrscheinlich zwischen dem Ende des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der slawischen Kolonisation gegründet und wurde zum Ende des 13. Jahrhunderts in Folge kriegerischer Ereignisse wieder aufgegeben. Es ist nicht nachweisbar, dass das Dorf nach einem Lokator Pustěj benannt war oder der Name Pustějov erst nach der Verödung des Ortes entstand. Um 1300 erfolgte eine erneute Besiedlung nach deutschem Purkrecht. Das neue Hufendorf erhielt nach dem Lokator Peter den Namen Petrovice bzw. Petrowitz. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 28. Juli 1324, als der neue Lehnsherr Wok I. von Krawarn auf Fulnek und Wagstadt das Dorf an Heinrich Dominik Wibiger verkaufte. 1389 stiftete Beneš von Krawarn dem von ihm gegründeten Augustiner-Chorherrenstift Fulnek die Dörfer Tyrn und Eilowitz, die Salzbänke in Fulnek und weiteres Zubehör. Latzek von Krawarn auf Helfenstein und Johann von Krawarn erweiterten die Stiftung 1391 um die Dörfer Bielau und Altstadt. Ladislaw von Krawarn überließ dem Augustinerstift 1399 noch das Dorf Petrowitz. Die Herren von Krawarn hielten aber weiterhin die Lehnsherrschaft über die Stiftsdörfer. Während der Hussitenkriege sah sich das Stift zur Verpfändung eines Teils seiner Güter gezwungen. Im Jahre 1430 befahl Latzek von Krawarn zu bestimmten Zeiten den ausschließlichen Ausschank Fulneker Biers auf den zum schlesischen Gut Luck gehörigen Dörfern Tyrn, Eilowitz und Petrowitz; zugleich untersagte er dort die Ansiedlung von Handwerkern. Nachdem der Troppauer Herzog Wenzel II. bereits 1433 die Einlegung sämtlicher Güter des Fulneker Augustinerstifts in die Landtafel befohlen hatte, klagte das Stift in den Jahren 1437–1450 vor dem Landgericht erfolgreich gegen die Herren von Krawarn, die ihre Lehnsrechte durch den Erwerb aller Pfandbriefe über die Stiftsgüter weiter zu behaupten suchten.
Johann von Zierotin, der die Herrschaft Fulnek 1475 vom Troppauer Herzog Viktorin gekauft hatte, ließ sowohl seine Herrschaft als auch die Stiftsgüter anstatt in der Troppauer Landtafel in der mährischen Landtafel in Olmütz einlegen. Nachdem 1480 gleiches auch mit der Herrschaft Odra erfolgen sollte, brach zwischen den Troppauer und den mährischen Ständen ein Grenzstreit aus. Am 28. Oktober 1481 verglich sich Herzog Viktorin mit den Vertretern der mährischen Stände, Bischof Protasius und Landeshauptmann Ctibor von Cimburg darüber, dass die Oder die Grenze zwischen dem Herzogtum Troppau und dem Markgraftum Mähren bilden sollte und die Herrschaften Fulnek und Odra damit beim Herzogtum Troppau verbleiben sollten. Die vorgesehene endgültige Entscheidung erfolgte jedoch nicht. Zur Beilegung des weiter anhaltenden Streites wurde 1493 eine neue Grenzziehung zwischen Mähren und Schlesien vorgenommen, bei der die Herrschaft Fulnek endgültig dem Markgraftum Mähren zugeschlagen und die Stiftsdörfer Petrowitz, Altstadt, Bielowetz, Bielau, Eilowitz, Luck und Tyrn bei Schlesien verblieben.
Durch den schlesischen Gutsbesitz gehörten die Pröbste von Fulnek zum Prälatenstand des Herzogtums Troppau. Im Jahre 1485 verzichtete Johann von Zierotin gegen einen jährlichen Zins auf das Anfallsrecht in Petrowitz, Seitendorf, Klantendorf, Gerlsdorf und Stachenwald. Im 16. Jahrhundert gab es Versuche der protestantischen Grundherren von Fulnek zur Anfechtung der Besitzrechte des Stiftes; so nahm in den Jahren 1520–1521 Bernhard von Zierotin Petrowitz in Beschlag und hinderte die Bewohner am Frondienst, so dass der Probst Cyrill vor dem Brünner Landgericht klagte. 1623 wurde Petrowitz von Bielau nach Klantendorf umgepfarrt. Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt das Dorf schwere Schäden durch polnische, dänische und schwedische Truppen. Die Wassermühle wurde 1661 errichtet. 1672 verlieh Papst Clemens X. den Fulneker Pröbsten – ausschließlich auf schlesischem Gebiet – das Recht zum Gebrauch der Inful und des Pedums, im Jahr darauf bestätigte der Olmützer Bischof Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn dieses Privileg. 1678 wurde die Filialkirche der hl. Maria Magdalena errichtet. Das älteste Ortssiegel stammt von 1706; es zeigt drei aufgestellte Garben, darunter fünf pickende Hühner. Im 18. Jahrhundert setzte eine Germanisierung des Dorfes ein. Der aus Petrowitz stammende Probst Casimir Johann Barwig ließ in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Dorf ein Barockschlösschen errichten, das ihm als Sommersitz und zugleich als Herrschaftssitz der schlesischen Güter der Fulneker Augustiner-Chorherren diente. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts konnte das Augustinerstift seine Güter erfolgreich behaupten.
Im Zuge der Josephinischen Reformen wurde das Stift Fulnek 1784 unter dem 29. Probst Dominik Ambrosoni von Freiberg aufgehoben und seine Güter dem Religionsfonds übertragen. In Petrowitz wurde eine Lokalie eingerichtet, zugleich wurden im Schloss ein Schulraum und eine Lehrerwohnung geschaffen; zuvor fand der Schulunterricht in angemieteten Räumen statt. Zwischen 1786 und 1789 ließ die Staatsgüterverwaltung Jičín die Kolonien Hochkirchen und Wipplarsdorf anlegen. Der zum Staatsgut Petrowitz gehörige Meierhof Petrowitz wurde parzelliert und an 108 Chalupner verpachtet, die später den Grund auch käuflich erwarben. Die Kirche wurde im Jahre 1800 vergrößert. 1825 verkaufte die k. k. Staatsgüterveräußerungskommission die schlesischen Güter des ehemaligen Stiftes Fulnek als Gut Luk und Petrowitz an den Besitzer der Primogenitur-Pekuniar-Fideikommissherrschaft Fulnek mit Groß Glockersdorf, Klein Glockersdorf und Stettin, Karl Joseph Czeike von Badenfeld.
Im Jahre 1834 umfasste die Minderherrschaft Petrowitz die Dörfer Petrowitz, Altstadt, Bielau, Eylowitz, Tyrn und Luk sowie die Kolonien Hochkirchen und Wipplarsdorf. Die Bewohner waren robotfrei und überwiegend lachischsprachig. Das in der fruchtbaren Oderebene gelegene Dorf Petrowitz bzw. Pustiegowo bestand aus 152 gut gebauten und in zwei Gassen gereihten Häusern, in denen 1190 Personen lebten. Haupterwerbsquelle bildete der Ackerbau, außerdem wurde Obstbaumzucht, Viehzucht und Schweinehandel betrieben. Im Ort gab es eine Filialkirche und Lokalie, eine Schule, eine dreigängige Wassermühle und eine Windmühle. Pfarrort war Klantendorf. Amtsdorf der Minderherrschaft Petrowitz war Luk.Faustin Ens: Das Oppaland, oder der Troppauer Kreis, nach seinen geschichtlichen, naturgeschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlichkeiten. Band 3: Beschreibung des Oppalandes und seiner Bewohner im Allgemeinen. Wien 1836, S. 290–294 Christian Freiherr von Stockmar, der 1842 die Herrschaften Fulnek und Petrowitz erworben hatte, legte beide Herrschaften zusammen und verlegte die Verwaltung von Luk nach Fulnek.