mini|Mona Juul, 2009
Mona Juul (* 10. April 1959 in Sparbu, Trøndelag) ist eine frühere norwegische Diplomatin. Sie war entscheidend am Oslo-Friedensprozess beteiligt und amtierte von 2019 bis 2023 als ständige Vertreterin Norwegens bei den Vereinten Nationen. Bis zu ihrer Suspendierung infolge des Epstein-Skandals arbeitete sie zuletzt als Botschafterin in Jordanien und im Irak.
Leben Juul wuchs mit vier Brüdern in Sparbu, das mittlerweile zur Kommune Steinkjer gehört, auf. Bis 1988 studierte sie Politikwissenschaften an der Universität Oslo. Das Studium beendete sie mit einem Masterabschluss. Sie nahm von 1986 bis 1988 am Ausbildungsprogramm des norwegischen Auswärtigen Dienstes teil. Anschließend arbeitete sie bis 1990 an der norwegischen Botschaft in Kairo.
Im Jahr 1988 heiratete sie den Diplomaten Terje Rød-Larsen. Gemeinsam haben sie Zwillingskinder (* 2000). Ihr Sohn nahm sich im April 2026 im Alter von 25 Jahren das Leben.
Oslo-Prozess Von 1993 bis 1994 fungierte sie als Referatsleiterin (Byråsjef) im norwegischen Außenministerium. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Terje Rød-Larsen spielte sie in den frühen 1990er-Jahren eine Schlüsselrolle im sogenannten Oslo-Friedensprozess, der schließlich in Vereinbarungen im Nahost-Konflikt mündete. Die Geheimverhandlungen wurden im Wesentlichen durch Juul und ihren Mann vorbereitet und geleitet. Am 13. September 1993 wurde in Washington, D.C. erstmals eine Vereinbarung zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) geschlossen.Brantley, Ben, "Review: A Byzantine Path to Middle East Peace in 'Oslo'," 11. Juli 2016, New York Times abgerufen am 6. Mai 2017Jones, Chris, "'Argo' and the new play 'Oslo' are stories about heroes nobody knows," 21. April 2017, Chicago Tribune abgerufen am 6. Mai 2017Interview von Charlie Rose mit Terje Rød-Larsen, J. T. Rogers und Bartlett Sher in , Public Broadcasting System (PBS), abgerufen am 6. Mai 2017 Von 1994 bis 1997 arbeitete sie an der norwegischen Botschaft in Tel Aviv.
Juul und das übrige Moderatorenteam konzentrierten sich auf den Konflikt zwischen Israel und der PLO, ausgehend von der Erkenntnis, dass ein Friedensabkommen nur durch die Konfliktparteien entwickelt werden kann und dass eine Vermittlergruppe diesen Prozess vor allem durch günstige Verhandlungsmodalitäten unterstützen kann.
Staatssekretärin (2000) Nachdem sie ab 1997 als Ministerialreferentin (Seniorrådgiver) im Außenministerium tätig und für Nahost-Fragen zuständig war, wurde sie am 17. März 2000 in der Regierung Stoltenberg I in diesem Ministerium zur Staatssekretärin ernannt. Als solche war Juul bis zum 15. Dezember 2000 unter Außenminister Thorbjørn Jagland tätig.
Tätigkeit als Botschafterin und bei den Vereinten Nationen (ab 2001) Von 2001 bis 2004 diente sie als Botschafterin in Israel. Zugleich war sie Botschafterin in Zypern. In der Zeit von 2005 bis 2010 war Juul stellvertretende Direktorin und Botschafterin der norwegischen Delegation bei den Vereinten Nationen in New York City. Sie erweckte Aufsehen, als im Jahr 2009 eine Aussage, in der sie dem damaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon Führungseigenschaften absprach, an die Presse geleakt wurde. Ab 2011 arbeitete sie erneut am Außenministerium.
Von 2014 bis 2018 war sie als Nachfolgerin von Kim Traavik Botschafterin in Großbritannien. Zwischen 2019 und 2020 war sie ein Jahr lang Präsidentin des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen (ECOSOC). Am 14. Januar 2019 wurde Juul Nachfolgerin von Tore Hattrem als ständige Vertreterin Norwegens bei den Vereinten Nationen. Am 25. Juli 2019 löste sie Inga Rhonda King als Präsidentin des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen ab. Am 23. Juli 2020 gab sie dieses Amt an den Pakistani Munir Akram weiter.
Im September 2023 trat Juul als UN-Botschafterin zurück, ihre Nachfolgerin als zweite Frau in dieser Position wurde Merete Fjeld Brattested. Juul war daraufhin bis 2024 erneut als Ministerialreferentin am Außenministerium tätig. Im Oktober 2024 wurde sie Botschafterin Norwegens in Jordanien, ein Jahr später zudem im Irak. Im Zuge der Veröffentlichung von Epstein-Akten wurde sie Anfang 2026 zunächst beurlaubt, dann abberufen.
Im April 2026 wurde bekannt, dass ihre Tätigkeit für das Außenministerium ende und sie in Pension gehe.
Auszeichnungen 1994 erhielt sie zusammen mit ihrem Ehemann Terje Rød-Larsen den Peer-Gynt-Preis des norwegischen Parlamentes. Im Jahr 1999 folgte für das Ehepaar eine Sonderauszeichnung des Peres Center for Peace.
Kontroversen
Preisgeld Im Jahr 2002 wurde bekannt, dass Juul ihr Preisgeld in Höhe von 50.000 US-Dollar vom Peres Center for Peace dem Außenministerium verschwiegen hatte. Sie zahlte das Preisgeld daraufhin an die Stiftung zurück. Zuvor war der Kontrollausschuss des Stortings aktiv geworden.
Kontakte zu Epstein Nachdem sich durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten herausgestellt hatte, dass die beiden Kinder von Juul und Rør-Larsen im Testament des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in Höhe von ca. 8,5 Mio. Euro als Begünstigte eingesetzt waren, wurde Juul Anfang Februar 2026 vom Dienst suspendiert.Norwegische Botschafterin wegen Verbindung zu Epstein suspendiert. In: Der Spiegel, 3. Februar 2026, abgerufen am selben Tag. Juul gab an, dass es private Kontakte der Familie nur sporadisch gegeben habe und allein wegen einer geschäftlichen Beziehung zwischen ihrem Ehemann und Epstein veranlasst gewesen seien.
Økokrim leitete im Februar 2026 Ermittlungen gegen Juul und ihren Ehemann ein. Gegen Juul wird aufgrund des Verdachts der schweren Korruption ermittelt.
Rezeption 2016 wurde am Broadway ein Theaterstück Oslo des bekannten New Yorker Dramatikers J. T. Rogers aufgeführt, in dem die außergewöhnliche Rolle des Paares und ihres Teams thematisiert wurde, die durch den Einsatz von Kommunikationstechniken wie Back-Channel den Verhandlungsprozess mehrmals vor dem Scheitern bewahrten."'Oslo' and the Drama in Diplomacy", 17. Juni 2016, The New York Times abgerufen am 6. Mai 2017
Im Mai 2021 veröffentlichte der Fernsehsender HBO den Film Oslo, der auf dem Theaterstück von Rogers basiert. Die Regie bei Oslo führte Bartlett Sher. Mona Juul wurde von Ruth Wilson dargestellt, ihren Ehemann Terje Rød-Larsen spielte Andrew Scott.Sheila O’Malley: Oslo. In: Roger-Ebert-Kritikportal, 28. Mai 2021, abgerufen am 3. Februar 2026.
Weblinks Mona Juul im Store norske leksikon (norwegisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Politiker (Norwegen) Kategorie:Staatssekretär (Norwegen) Kategorie:Norwegischer Botschafter in Israel Kategorie:Norwegischer Botschafter im Vereinigten Königreich Kategorie:Person im Nahostkonflikt Kategorie:Ständiger Vertreter Norwegens bei den Vereinten Nationen in New York City Kategorie:Person (Vereinte Nationen) Kategorie:Norweger Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Frau