Das Minsk Kunsthaus in Potsdam ist ein Museum für zeitgenössische Kunst in Potsdam. Das Gebäude der früheren Gaststätte Minsk auf dem Potsdamer Brauhausberg war durch den Industriellen und Kunstmäzen Hasso Plattner und seine gemeinnützige Stiftung saniert und für den Museumsbetrieb umgebaut worden.
Am 24. September 2022 wurde das Museum zeitgleich mit den Ausstellungen – Wolfgang Mattheuer: Der Nachbar, der will fliegen und Stan Douglas: Potsdamer Schrebergärten – erstmals für die Öffentlichkeit geöffnet.Pressemitteilung. In: dasminsk.de, abgerufen am 24. September 2022.
Geschichte Bauensemble auf dem Brauhausberg Im Jahr 1962 wurde die Bebauung des Nordhangs des Brauhausbergs geplant. Mit dem Brauhausberg Ensemble sollte eine Schwimmhalle und eine Gaststätte entstehen, die über eine Terrassenanlage mit Brunnen verbunden werden sollten. Die Pläne konnten aber erst mit mehrjähriger Verzögerung umgesetzt werden. Gründe dafür waren die Enttrümmerung des Gebiets und finanzielle Engpässe im Volkswirtschaftsplan der Stadt Potsdam sowie Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung. So soll laut dem Architekten Karl-Heinz Birkholz der für den Bau vorgesehene Stahl für die Fertigstellung des Palasts der Republik in Ost-Berlin genutzt worden sein.Das ehemalige Terrassenrestaurant »Minsk«. In: dasminsk.de, abgerufen am 24. September 2022. Birkholz hatte das schließlich von 1971 bis 1977 errichtete Gebäude im Stil der „Ostmoderne“ entworfen, es gilt als wichtiges Zeugnis der DDR-Architektur. Architekt des Bauwerks war neben Birkholz auch Wolfgang Müller.
Gaststätte Minsk mini|Gebäude der ehemaligen Gaststätte Minsk, Westansicht (2010) Das Gebäude wurde ab 1977 als folkloristisches Nationalitätenrestaurant der belarussischen Küche unter dem Namen Minsk betrieben. Dieser ging auf eine Partnerschaft zwischen dem Bezirk Potsdam und dem sowjetischen Rajon Minsk der damaligen Zeit zurück. In dessen Hauptstadt Minsk wurde im Gegenzug ein Restaurant Potsdam eröffnet. An der Raumausstattung und der künstlerischen Gestaltung des Restaurants Minsk waren auch Experten aus Minsk beteiligt. Das Restaurant war mit Lampen aus Kupfer und Schnitzereien aus wertvoller belarussischer Mooreiche geschmückt, während der Eingangsbereich mit Garderobe im Erdgeschoss mit geflammtem Marmor verziert war. Die Gaststätte hatte 190 Innen- und 120 Terrassenplätze und war vor allem in den 1980er-Jahren ein beliebter Ausflugstreffpunkt.
Als die Gaststätte in der Wendezeit schloss, wurden die Stadtwerke Potsdam Eigentümerin des Grundstücks samt Restaurant, das als Café Minsk weiterbetrieben wurde, bis es im Jahre 2000 endgültig schloss. In der Folgezeit wurde das Gebäude dann nicht weiter genutzt und verfiel zunehmend. Die Stadtwerke hatten verschiedene Einrichtungsgegenstände des Restaurants gesichert, die sich seit 2023 als Schenkung im Besitz des Potsdam Museums befinden. Unter den 256 Objekten sind eine originale Tischlampe, „die Außenschilder aus Mooreiche, zahlreiche Teile der kunsthandwerklichen Inneneinrichtung wie die Wandverkleidungen mit der Silhouette von Minsk, Dekorelemente, Beleuchtungskörper, Wandleuchten, Tischlampen sowie vereinzelte keramische Gefäße zur Bewirtung der Gäste“.NEU: Kleine Präsentation zum ehemaligen Terrassenrestaurant Minsk. In: Potsdam Museum. Abgerufen am 10. Oktober 2025
Kunsthaus Minsk Mitte der 2010er-Jahre entging das Gebäude knapp seinem Abriss, der erst endgültig abgewendet wurde, als es ab 2019 durch Hasso Plattner und seine gemeinnützige Stiftung saniert wurde und im September 2022 seine neue Nutzung als Museum erhielt.
In Erinnerung an das Café wurden die breite Wendeltreppe und der abgerundete Bartresen nach der zweijährigen Sanierung am Originalort behalten, aber neu gestaltet. Für die Realisierung der Innengestaltung des Foyers und der Bar war das italienische Architekturbüro Linearama gemeinsam mit den HB-Werkstätten für Keramik im brandenburgischen Marwitz verantwortlich, die die Fliesen lieferten. Einzig das Dach und die Säulen verblieben als Originalgebäudeteile. An Stelle der Serviceräume und Küche des ehemaligen Restaurants entstanden zwei offene Säulenhallen mit insgesamt 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche.Elke Schlinsog: Das „Minsk“ in Potsdam. Kulturkampf um das architektonische Erbe der DDR. In: Deutschlandfunk Kultur vom 21. September 2022. Abgerufen am 10. Oktober 2025 Die Innenräume präsentieren sich nun „weiß, modern und verspiegelt“.Marie Kaiser: Vom "Betonklotz" zum "architektonischen Schmuckstück". In: rbb24.de, 23. September 2022, abgerufen am 24. September 2022. Ein filigranes Glasmosaikband, das einst die Außenwand des Gebäudes schmückte und an belarussische Folklorestickerei erinnerte, wurde entfernt.
Museumsausrichtung Das Museum mit seiner Ausrichtung auf zeitgenössische Kunst hat seinen Ausstellungsschwerpunkt bei Werken der DDR-Kunst und Künstlern der Gegenwart, die Teil der Sammlung Hasso Plattner sind.Stiftung & Sammlung. In: Das Minsk. Abgerufen am 10. Oktober 2025 Die Gründungsdirektorin, Kunsthistorikerin Paola Malavassi, die zuvor den Berliner Ableger der Julia Stoschek Collection leitetePaola Malavassi wird Gründungsdirektorin des Museums Minsk. In: kunstmarkt.com, abgerufen am 24. September 2022., stellte DDR-Kunst in einen internationalen Kontext. Sie hat das Haus Ende 2024 verlassen. Ihre Nachfolgerin Anna Schneider (seit 2012 Kuratorin am Haus der Kunst, München) hat ihre Stelle im April 2025 angetreten. Das Museum verfügt über zwei größere Ausstellungsräume sowie ein kleines Kabinett für direkte Bildvergleiche. Im oberen Geschoss befindet sich ein Café mit Panoramafenstern, das auch ohne Museumseintritt besucht werden kann.Stefan Dege/dpa: Hasso Plattner eröffnet Kunsthaus Minsk in Potsdam. In: dw.com, 24. September 2022, abgerufen am 24. September 2022.
In der Sammlung befinden sich verschiedene Werke unter anderem von Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, wie Maskenmann / Gesichtzeigen (1981),Wolfgang Mattheuer: Maskenmann / Gesichtzeigen. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 Liegendes Liebespaar (1970)Wolfgang Mattheuer: Liegendes Liebespaar. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 und Fuß (Jahrhundertschritt) (1987). Im Treppenaufgang im Außengelände ist das aus farbigen Keramikfliesen bestehende Mosaik Cagy Being (Käfigwesen) 3 (1989/2022) von Ruth Wolf-Rehfeldt angebracht.Ruth Wolf-Rehfeldt: Cagy Being (Käfigwesen) 3. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 Im Auftrag der Hasso Plattner Foundation und in Kooperation mit dem Minsk Kunsthaus sowie den Stadtwerken Potsdam schuf der Künstler Robin Rhode 2025 das großformatige Wandbild Der Botanische Garten an der der Museum gegenüberliegenden Südfassade des „blu Sport- und Freizeitbades“.Robin Rhode: Der Botanische Garten. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025
Ausstellungen (Auswahl) Neben den Dauerausstellungen werden auch Wechsel-Ausstellungen kuratiert. 2026/2027: Annemirl Bauer: Bruch ist in der Welt. Erste Retrospektive der DDR-Künstlerin und -Regimekritikerin.Annemirl Bauer: Bruch ist in der Welt. In: Das Minsk. Abgerufen am 6. September 2026 2025/2026: Unter dem Titel Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau entstand im September 2025 eine von Kito Nedo kuratierte Ausstellung mit fünfzig Werken (Installationen, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Filmen),Ausstellung zu Kunst und Leben im Plattenbau. Berliner Zeitung, 5. September 2025, Seite 12. unter anderem von Karl-Heinz Adler, Sibylle Bergemann, Manfred Butzmann, Kurt Dornis, Markus Draper, Wolfram Ebersbach, Nina Fischer & Maroan el Sani, Seiichi Furuya, Peter Herrmann, Gisela Kurkhaus-Müller, Harald Metzkes, Sabine Moritz, Henrike Naumann, Manfred Pernice, Uwe Pfeifer und Ruth Wolf-Rehfeldt.Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 2025: IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR. Gezeigt werden fünfzig Sammlungswerke vorwiegend aus der Zeit von 1966 bis 1992, unter anderem von Gudrun Brüne, Hartwig Ebersbach, Günter Firit, Ulrich Hachulla, Rolf Händler, Bernhard Heisig, Johannes Heisig, Peter Herrmann, Ralf Kerbach, Walter Libuda, Peter Makolies, Wolfgang Mattheuer, Ursula Mattheuer-Neustädt, Harald Metzkes, Stefan Plenkers, Nuria Quevedo, Robert Rehfeldt, Gerhard Richter, Arno Rink, Cornelia Schleime, Thomas Schulz, Willi Sitte, Klaus Staeck, Gabriele Stötzer, Erika Stürmer-Alex, Werner Tübke und Ruth Wolf-Rehfeldt.IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 2023/2024: I’ve seen the wall. Louis Armstrong auf Tour in der DDR 1965.I’ve seen the wall. Louis Armstrong auf Tour in der DDR 1965. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 2023: Ruth Wolf-Rehfeldt: Nichts Neues. RetrospektiveRuth Wolf-Rehfeldt: Nichts Neues. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 2022/2023: Wolfgang Mattheuer: Der Nachbar, der will fliegenWolfgang Mattheuer: Der Nachbar, der will fliegen. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025 2022/2023: Stan Douglas: Potsdamer SchrebergärtenStan Douglas: Potsdamer Schrebergärten. In: Das Minsk. Abgerufen am 8. Oktober 2025
Filme Museum Barberini und Das Minsk, Potsdam (= Museums-Check. Folge 78). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 18. Dezember 2022.
Literatur Architekturführer DDR – Bezirk Potsdam. Verlag für Bauwesen, 1981, S. 59.
Weblinks
Website von Das Minsk Maritta Tkalec: Als Betonklotz geschmäht, als Juwel der Moderne gelobt: Das Minsk ist wieder da. In: berliner-zeitung.de, 16. September 2022
Einzelnachweise
Kategorie:Architektur (DDR) Museum Minsk Museum Minsk Kategorie:Kunstmuseum in Brandenburg Museum Minsk Museum Minsk Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Betriebsstätte eines Gastronomiebetriebes Kategorie:Kunst (DDR) Kategorie:DDR-Museum Kategorie:Kunstmuseum (zeitgenössisch) Kategorie:Museumsgründung 2022