Neukölln ist der nördlichste und am dichtesten bebaute, namensgebende Ortsteil des Berliner Bezirks Neukölln, der weithin aus Gründerzeitvierteln besteht. Bis 1920 war Neukölln eine eigenständige Stadt, die bis 1912 den Namen Rixdorf trug. Gelegentlich wird der Ortsteil zur Unterscheidung vom Bezirk auch als Nord-Neukölln bezeichnet.
Das Gebiet nordöstlich des Hermannplatzes (Reuterkiez) gehört zum von Neu-Berlinern umgangssprachlich so bezeichneten „Kreuzkölln“ (von Kreuzberg und Neukölln).Sagt endlich Kreuzkölln! Tagesspiegel, 12. April 2016; abgerufen am 20. Juni 2018
Ortsteile und Stadtquartiere mini|hochkant=1.3|Übersichtskarte des Ortsteils Neukölln
Zum Ortsteil Neukölln gehören die Ortslagen Rixdorf (um den Richardplatz, damals Deutsch-Rixdorf genannt) und Böhmisch-Rixdorf (um die Kirchgasse).
Weitere Stadtquartiere oder Wohnviertel im Ortsteil sind: Rollbergsiedlung (an der Rollbergstraße) Reuterkiez High-Deck-Siedlung Dammwegsiedlung / Weiße Siedlung () Schillerkiez Körnerkiez Flughafenkiez () Donaukiez () Harzer Kiez ()
Geschichte
Von der Ordenssiedlung im 13. Jahrhundert bis zum Dorf im Spätmittelalter mini|hochkant|Bethlehemskirche in Deutsch-Rixdorf
Das ehemalige Rixdorf wurde um 1200 von den Tempelrittern gegründet, die in Tempelhof ansässig waren. Archäologische Spuren einer slawischen Vorbesiedlung sind bisher nicht gefunden worden. Durch Wüstwerdung wurde das Dorf in einen Wirtschaftshof der Tempelritter umgewandelt. 1318 wurden die Besitzungen der brandenburgischen Tempelritter dem Johanniterorden übertragen, weil der Templerorden 1312 aufgelöst worden war. Aus diesem Grund trägt das Wappen des Bezirks das Johanniterkreuz. Laut der in mittelniederdeutscher Sprache abgefassten Gründungsurkunde vom 26. Juni 1360 wurde der bis dato bestehende Hof Richarsdorp (Richarstorp/Richardstorff) in ein Dorf mit 25 Hufen umgewandelt.Wortlaut der Gründungsurkunde von Rixdorf vom 26. Juni 1360 aus: Karl Ernst Rimbach: 600 Jahre von Richardsdorf bis Neukölln. Herausgegeben vom Bezirksamt Neukölln von Berlin, Verlag Heimat und Werk, Berlin 1960. Diese seit 1945 verschollene Urkunde enthielt nicht nur die erste urkundliche Erwähnung von Rixdorf überhaupt, sondern war darüber hinaus die einzige vorhandene Dorfgründungsurkunde von Brandenburg. Dem Inhalt der Urkunde zufolge hatte Rixdorf Abgaben an den Pfarrer von Tempelhof zu leisten, kann also noch keine eigene Dorfkirche besessen haben. 1375 wurde das Dorf Rixdorf im Landbuch Karls IV. als Richardstorpp erwähnt, wiederum mit den bereits in der Gründungsurkunde erwähnten 25 Hufen, eine relativ geringe Anzahl (der Durchschnitt lag bei rund 50). Die Komture von Tempelhof besaßen jedoch nicht mehr alle Rechte. Der Ortskern befand sich am Richardplatz. 1435 verkauften die Johanniter alle ihre Dörfer (Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf) an die Städte Berlin und Kölln. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Rixdorf eine eigene Dorfkirche. Im Jahr 1525 wird das Dorf in Urkunden als Ricksdorf erwähnt.
Aus Richardsdorf und seinen drei niederdeutschen Schreibweisen Richarsdorp, Richarstorp, Richardstorff aus dem 14. Jahrhundert entwickelte sich im 15. Jahrhundert Reicherstorff, Richerstorp und Rigerstorp. Im nächsten Jahrhundert etablierten sich Reichstorff (1541), Richstorff oder Rigstorff (1542), während im 17. und 18. Jahrhundert die Bezeichnungen Rechsdorff, Risdorf, Riechsdorf, Riecksdorf, Ricksdorf gebräuchlich waren. Rixdorf wurde dann im 19. Jahrhundert mehr und mehr in den amtlichen Ortsverzeichnissen verankert und setzte sich als Ortsbezeichnung durch.
Bevölkerungszuwächse durch Immigranten ab dem 18. Jahrhundert mini|Böhmisch- und Deutsch-Rixdorf 1857: heutige Richardstraße, heutiger Richardplatz, heutige Karl-Marx-Straße mini|hochkant=0.5|Rixdorfer Wappen
Im Jahr 1737 gestattete Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung böhmischer Exulanten in Ricksdorf, die wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren. Diese Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine bauten ihre eigene Kirche und siedelten in einem eigenen Bereich abseits des Dorfangers, entlang der heutigen Richardstraße. Das entstandene Böhmische Dorf erhielt schließlich im Jahr 1797 als Böhmisch-Rixdorf eine eigene Verwaltung. Der übrige Siedlungsteil wurde zu diesem Zeitpunkt (Deutsch-)Rixdorf genannt.
Die beiden selbstständigen Gemeinden Böhmisch-Rixdorf und Deutsch-Rixdorf wurden durch Erlass vom 11. Juli 1873 zur Gemeinde Rixdorf zusammengeschlossen.Amtsblatt der Regierung Potsdam, 1873, S. 230books.google.de Die neue Gemeinde hatte bereits 8.000 Einwohner und wuchs im Folgejahr auf 15.000 Einwohner.
Rixdorf erlangt Stadtrecht und erhält den Namen Neukölln Am 1. Mai 1899 bildete das damals 80.000 Einwohner zählende Rixdorf, bis dahin als größtes Dorf Preußens zum Kreis Teltow gehörig, einen eigenen Stadtkreis und bekam die Stadtrechte.berlin.de Chronik und Geschichte Neuköllns bei berlin.de, abgerufen am 12. Januar 2020 1903 erhielt Rixdorf sein Wappen, mit dem Johanniterkreuz und dem Kelch (für die böhmischen Glaubensflüchtlinge). Die Umbenennung von Rixdorf zu Neukölln erfolgte mit Zustimmung von Kaiser Wilhelm II. an dessen 53. Geburtstag am 27. Januar 1912 und wurde von den Behörden deshalb beschlossen, weil Rixdorf mittlerweile für die Berliner zum Inbegriff frivoler Unterhaltung geworden war, der damalige – und zum Teil noch heute – populäre Gassenhauer In Rixdorf ist Musike bringt das zum Ausdruck. Das negative Erscheinungsbild für den Ort sollte mit dem Namen abgestreift werden. Der Name Neucölln leitet sich von den nördlich des alten Rixdorf gelegenen Neucöllner Siedlungen ab, die auf die Lage vor den südlichen Toren des alten Berlin-Cölln hinweisen (vgl. Neu-Kölln).
1920 Teil von Groß-Berlin mini|Bahnhof Rixdorf im Jahr 1901, seit 1912 Bahnhof Neukölln
Mit dem im Frühjahr 1920 vom Preußischen Landtag verabschiedeten Groß-Berlin-Gesetz (Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin)Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin vom 27. April 1920. In: Preußische Gesetzessammlung, Nr. 19 vom 14. Mai 1920, S. 123ff., Digitalisat. wurden zahlreiche Umlandorte am 1. Oktober 1920 zu Groß-Berlin vereinigt und der Stadtkreis Neukölln zusammen mit den Dörfern Britz, Rudow und Buckow zum 14. Verwaltungsbezirk. Mit der Gebietsreform 2001 im Rahmen der Berliner Verwaltungsreform wurde der Bezirk Neukölln zum 8. Verwaltungsbezirk Berlins.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Fall der Mauer mini|Hermannplatz mini|Rathaus Neukölln
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Neukölln zum Amerikanischen Sektor von Berlin und war bis 1990 ein Teil von West-Berlin. Die Berliner Mauer trennte es vom Nachbarbezirk Treptow, der zu Ost-Berlin gehörte. Ebenso wie andere traditionelle Arbeiterviertel Berlins wie Kreuzberg und Wedding/Gesundbrunnen, die entlang der Sektorengrenze lagen, wurde Neukölln nach dem Mauerbau im August 1961 für die bessergestellten Bevölkerungsgruppen zunehmend unattraktiv. Vor allem wegen der preisgünstigen Mietwohnungen wurde es zum bevorzugten Wohnort von Einwanderern und Personen mit Migrationshintergrund.
Seit 1989 Nach dem Mauerfall endete die Isolation Neuköllns. Der Ortsteil wurde in den 1990er und 2000er Jahren als ‚Problemkiez‘ und sozialer Brennpunkt bekannt, zu den zunächst überwiegend aus der Türkei stammenden Gastarbeitern kamen später Menschen aus arabischen Ländern sowie Flüchtlinge. In den 2010er Jahren waren bereits ca. 15 % der Bewohner des Ortsteils türkischer und 10 % arabischer Herkunft. Mitte 2021 betrug der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund knapp 50 %, die aus 155 verschiedenen Ländern stammen. Der ehemalige Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky thematisierte die hohe Kriminalität (Beschaffungs- und andere Drogenkriminalität), Problemverhalten von Schulabbrechern, soziale Verwahrlosung sowie islamischen Fundamentalismus und ging im Rahmen der Bezirksverwaltung gegen diese Probleme vor. Werner Schiffauer führte die Probleme nicht auf die Ethnizitäten zurück, sondern auf die Asylgesetzgebung: „Die Familien sind zur Arbeitslosigkeit verurteilt, sie dürfen nicht arbeiten und sie dürfen nicht studieren, was zu den bekannten Problemen führt, die die Soziologie der Arbeitslosigkeit beschrieben hat, nämlich zu Depression, Perspektivlosigkeit, Verunsicherung in der geschlechtlichen Rollenverteilung, was sich nicht selten in innerfamilialer Gewalt entlädt.“ Parallel dazu wird seit den 2000er Jahren vor allem im Norden Neuköllns der Bezirk gentrifiziert. Zahlreiche Kneipen, kreative Läden, Cafés und Restaurants wurden eröffnet, machten Neukölln zu einem Szenekiez. Seit der Verwaltungsreform am 1. Januar 2001 bildet der Bezirk Neukölln den achten Berliner Bezirk (vorher den vierzehnten). Neukölln, Spandau und Reinickendorf blieben aufgrund ihrer Größe von mehr als 200.000 Einwohnern die einzigen ohne Zusammenlegung mit einem anderen Bezirk.
Im Jahr 2018 veröffentlichte der Senat von Berlin einen Generalentwicklungsplan der Stadt. Darin enthalten sind auch Projektideen zur Bebauung einer elf Hektar großen Fläche am Koppelweg, nördlich der Mohriner Allee und des Britzer Gartens gelegen. Die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen zu Bauflächen umgewidmet werden, auf denen Wohnhäuser unterschiedlicher Haustypen mit insgesamt rund 150 Wohnungen, eine Grundschule und Kitas entstehen. Die Flächen befinden sich nur teilweise im kommunalen Besitz, die Privateigentümer sollen aber auch zu entsprechenden Bauprojekten mit einem Anteil an Sozialwohnungen angeregt werden.Ulrich Paul: Auf Feld und Flur. Wo Berlin wächst: Der Senat plant elf neue Wohngebiete. Die Berliner sollen mitreden. In: Berliner Zeitung, 29. Mai 2018, S. 14.
Bevölkerung Jahr Deutsch Rixdorf Böhmisch Rixdorf gesamtNeukölln, Ein Bezirk von Berlin, Richard Schneider und Werner Krohn 1993 1805 376 319 695 1840 2.146 520 2.666 1858 3.077 1.014 4.091 1871 5.996 2.129 8.125 Deutsch- und Böhmisch Rixdorf wurden 1873 zur Gemeinde Rixdorf zusammengeschlossen, die 1899 das Stadtrecht erhielt und 1912 in Neukölln umbenannt wurde. Seit 1920 ist Neukölln ein Ortsteil des Berliner Bezirks Neukölln. Jahr Einwohner1880–1919 Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt, Friedrich Leyden 1933 und Preußische Gemeindelexika 1880 18.729 1885 22.775 1890 35.702 1895 59.945 1900 90.422 1905 153.572 1910 237.289 1919 262.414 1925 271.658 1930 278.208 Jahr Einwohner1925 bis 1987 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre) 1935 248.658 1938 242.704 1946 213.486 1950 222.533 1960 199.097 1970 159.362 1987 139.930 1995 158.436 2000 146.522 Jahr EinwohnerStatistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre) 2007 149.466 2010 154.066 2015 168.035 2020 164.636 2021 163.852 2022 164.809 2023 163.735 2024 162.548 2025 163.184
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke Alte Post Amtsgericht Neukölln Bethlehemskirche Genezarethkirche Geyer-Werke Johannes-Basilika Magdalenenkirche Martin-Luther-Kirche Neue Welt (Veranstaltungssaal) Philipp-Melanchthon-Kirche Rathaus Neukölln Schmiede am Richardplatz Şehitlik-Moschee Stadtbad Neukölln Sudhaus der Berliner Kindl-Brauerei (Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst)
Parkanlagen, Friedhöfe und Gewässer (Auswahl) Anita-Berber-Park Böhmischer Gottesacker Rixdorf Comenius-Garten Grünzug Heidekampgraben Herbert-Krause-Park Friedhöfe an der Hermannstraße Körnerpark Lessinghöhe Türkischer Friedhof Berlin mit Şehitlik-Moschee Volkspark Hasenheide (südlich der Straße Hasenheide, die zu Kreuzberg gehört) mit dem Trümmerfrau-Denkmal von Katharina Szelinski-Singer Von-der-Schulenburg-Park mit Märchenbrunnen Landwehrkanal Neuköllner Schifffahrtskanal Britzer Verbindungskanal
Siehe auch: Parks in Neukölln
Einkaufszentren Kindl-Boulevard Neukölln Arcaden Neucölln Carree HermannQuartier am S+U-Bahnhof Hermannstraße