mini|hochkant=1.35|Sevilla-Collage

Sevilla (spanisch: [, ]) ist die Hauptstadt der Autonomen Region Andalusien und der Provinz Sevilla von Spanien. Mit Einwohnern (Stand: ) ist Sevilla die viertgrößte Stadt Spaniens. Nach einer Legende wurde die Stadt von dem griechischen Helden Herakles gegründet. Die Einwohner werden als bezeichnet.

Die Stadt ist ein wesentlicher Industrie- und Handelsplatz und ein Touristenzentrum. Sevillas Altstadt ist die größte Spaniens und neben Venedig sowie der Altstadt von Genua eine der größten Altstädte Europas.

Geographie Geographische Lage Sevilla liegt im Südwesten der Iberischen Halbinsel am Guadalquivir in einer weiten und fruchtbaren Ebene in 6 m Höhe über dem Meeresspiegel.Ciudad de Sevilla auf der Website der Stadt.

Der Guadalquivir ist bis zum Hafen von Sevilla für Seeschiffe befahrbar, die Flussmündung bei Sanlúcar de Barrameda ist 80 km entfernt. Der Fluss bildete die natürliche Begrenzung des an seinem linken, östlichen Ufer gelegenen Stadtzentrums von Sevilla; gegenüber lag die Vorstadt Triana, die inzwischen eingemeindet wurde. Zum Schutz vor den regelmäßigen Überschwemmungen und zur Verbesserung der Hafenzufahrt wurde der Guadalquivir ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem neuen geraden Flussbett im Westen an der Stadt vorbeigeleitet. Im Norden wurde das alte Flussbett gesperrt (Tapón de San Jerónimo), im Süden wurde der Fluss begradigt (Corta de Tablada bzw. Canal de Alfonso XIII), neue Hafenbecken gebaut und eine Schleuse zwischen dem alten und dem neuen Flussbett angelegt. Der alte Fluss ist deshalb nur noch ein langes Hafenbecken, auch wenn es im Alltag meist Guadalquivir genannt wird.

Die umgebenden Gemeinden sind (im Norden) Santiponce, La Algaba, La Rinconada, (im Osten) Alcalá de Guadaíra, (im Süden) Dos Hermanas und Gelves auf der anderen Seite des Flusses und (im Westen) San Juan de Aznalfarache, Tomares und Camas.

Klima Das Klima in Sevilla ist mediterran mit ozeanischen Einflüssen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 18,6 °C. Damit ist die Stadt eine der wärmsten in ganz Europa. Die Winter sind mild. Der Januar ist mit einem durchschnittlichen Tageshöchstwert von 16 °C und Tiefsttemperaturen von 5,7 °C der kälteste Monat des Jahres. Die Sommer dagegen sind sehr heiß mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen um 36 °C und Tiefsttemperaturen um 20 °C. Die Schwelle von 40 °C wird regelmäßig überschritten. Die bisherigen Extremtemperaturen, die an der meteorologischen Station am Flughafen Sevilla gemessen wurden, sind −5,5 °C am 12. Februar 1956 sowie 46,6 °C am 23. Juli 1995. Es gibt noch eine unbestätigte Rekordmessung vom 1. August 2003 von 47,2 °C. Nach Eleusis (Griechenland) mit 48,0 °C. In: hnms.gr. Hellenic National Meteorological Service, 16. Juli 2011, abgerufen am 16. November 2019. hält Sevilla damit den Rekord der höchsten jemals gemessenen Temperatur in Europa.

Die Niederschlagsmenge beträgt rund 540 mm im Jahr, konzentriert auf die Monate von Oktober bis April. Der Dezember ist mit 99 mm der niederschlagsreichste Monat.

Es gibt im Jahresmittel nur 50 Regentage. Sevilla profitiert von 2917 Sonnenstunden im Jahr. An einigen Tagen kann die Temperatur in der Nacht unter den Gefrierpunkt sinken.

Flora Die Temperaturen sind das ganze Jahr über genügend hoch und durch den Guadalquivir ist genügend Wasser vorhanden, dass einerseits das Straßenbild durch Bitterorangenbäume und Dattelpalmen dominiert wird, während andererseits in den zahlreichen Parks subtropische und tropische Laubbäume aller Art – z. B. Gummibäume, Oliven- und Magnolienbäume dominieren. Daneben geben zahlreiche subtropische und tropische Blumen dem Straßenbild Farbe (vorwiegend Rot und Blau), z. B. Oleander, Bougainvilleen und Glycinen.

Geschichte mini|Santa Cruz, Judenviertel, Altstadt

Antike Sevilla – vielleicht eine Gründung der Phönizier – war bereits vor der Ankunft der Römer ein wichtiges Handelszentrum und hieß im Altertum Hispalis. Sein Name leitet sich vom phönizischen Spal ab, was unteres Land bedeutet. Römer und Araber haben es jeweils in ihre Sprache umgeformt. Damals mündete der Guadalquivir (lat. Baetis) bei Sevilla in einen großen Binnensee. Inzwischen ist dieser See versandet, aber kleinere Seeschiffe können Sevilla noch anlaufen. Gaius Iulius Caesar erhob die Stadt 45 v. Chr. zur colonia (Colonia Romulensis oder Colonia Iulia Romula). Híspalis war eine der bedeutendsten Siedlungen in der Provinz Baetica und wurde mehrfach von Kaisern besucht. 428 plünderten die durchziehenden Vandalen die Stadt. Während der Spätantike, als die Westgoten den größten Teil Spaniens beherrschten, war Hispalis/Sevilla als Bischofssitz von Bedeutung. 553 wurde die Stadt offenbar zeitweilig von den oströmischen Truppen des Kaisers Justinian I. erobert, war aber spätestens um 580 wieder unter der Kontrolle der Westgoten. In dieser Zeit wirkte auch Isidor von Sevilla, der vielfach als der letzte große Gelehrte der Antike und zugleich der erste des Mittelalters gilt. In Sevilla wurden 590 und 619 zwei Konzile (concilia Hispalensia) gehalten.

Islamische Zeit Die Umayyaden unter der Führung von Mūsā ibn Nusair eroberten die Stadt im Jahr 712, ein Jahr nach der entscheidenden Niederlage der Westgoten in der Schlacht am Río Guadalete. Sie machten sie zur Hauptstadt einer Provinz und formten den Namen Hispalis zu um, woraus später der Name „Sevilla“ abgeleitet wurde. Im August 844 plünderten die Normannen die Stadt sieben Tage lang. Nach dem Sturz des Kalifats von Córdoba etablierte sich, zunächst mit dem Richter Abbad I. als Emir, in Sevilla die Taifendynastie der Abbadiden, die die Stadt in ihre erste Glanzperiode führten. Im Jahr 1091 kam sie unter die Macht der berberischen Almoraviden, die gut 50 Jahre später (1147) von den Almohaden abgelöst wurden. Unter den Almohaden wurde Sevilla zur bedeutendsten Stadt in al-Andalus; das prestigeträchtigste Bauwerk war die große Moschee, deren Minarett im unteren Teil der Giralda noch erhalten ist. Auch der Torre del Oro stammt in seinen Grundmauern noch aus dieser Zeit, er war Teil einer Sperranlage gegen feindliche Schiffe.

Reconquista und Spätmittelalter Am 23. November 1248 wurde Sevilla nach mehrmonatiger Belagerung im Rahmen der Reconquista von Ferdinand III. von Kastilien erobert und blieb seitdem im Besitz der christlichen Spanier. Doch sank die Wirtschaftskraft, als mit der Zeit ca. 300.000 Mauren in die muslimischen Gebiete nach Granada und Nordafrika auswanderten. Peter I. ließ 1363 maurische Handwerker aus Granada kommen, die den Alcázar-Palast erbauten.

Mit den Christen kamen die Juden zurück nach Sevilla. Die heutigen Barrios Santa Cruz und San Bartolomé bildeten bis 1492 die Judería Sevillas in Nachbarschaft zum Alcázar-Palast. 1391 wütete ein Pogrom gegen die jüdischen, bis dahin unter königlichem Schutz stehenden Stadtbewohner. Mit 5.000 Personen stellten sie fünf Prozent der Stadtbevölkerung. Danach lebten viele als Kryptojuden weiter, weshalb die spanische Inquisition 1480 ihren Sitz in der Stadt nahm und 1481 mit den Autodafés begann. Die Kirchen San Bartolomé und Santa María la Blanca entstanden aus Synagogenbauten.

Handel mit der Neuen Welt mini|Sevilla im 16. Jahrhundert war Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst Internationale wirtschaftliche Bedeutung erhielt die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert, als sie der Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels war. Daneben wurde sie zum Zentrum der spanischen Kunst, namentlich der Malerei. In dieser Zeit besaß der Hafen von Sevilla das Monopol über den Handel mit Übersee. Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan planten und starteten hier ihre Entdeckungsreisen. Die Casa de Contratación war das spanische Verwaltungszentrum für alle amerikanischen Angelegenheiten; in der ehemaligen Börse von Sevilla, der Casa Lonja de Mercaderes, ist bis heute das Indienarchiv untergebracht.

Als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges verlor das im Krieg pro-habsburgische Sevilla 1717 das transatlantische Handelsmonopol an das von den Bourbonen begünstigte, im Krieg pro-bourbonische Cádiz. Zu dieser Entscheidung trug maßgeblich die zunehmende Versandung des Guadalquivir bei. 1778 verloren Sevilla und Cádiz ihre Vorrechte als Monopolhäfen für den Handel mit den spanischen Kolonien.Jörg Ludwig: Der Handel Sachsens nach Spanien und Lateinamerika 1760–1830. Warenexport, Unternehmerinteressen und staatliche Politik. Nouvelle Alliance, Leipzig 1994, ISBN 3-929808-06-4, S. 25.

19. und 20. Jahrhundert mini|Iberoamerikanische Ausstellung, 1929

In Sevilla bildete sich am 27. Mai 1808 die spanische Zentraljunta, die sich am 1. Februar 1810 nach Cádiz zurückzog. Auch die Cortes flüchteten in der Spanischen Revolution, als sie 1823 Madrid verließen, nach Sevilla und entführten den König von hier nach Cádiz.

1920 wurde die Beerdigung des Stierkämpfers José Gómez Ortega zum Massenereignis. 1929 fand in Sevilla die Iberoamerikanische Ausstellung (Exposición Iberoamericana) statt, die bis 1931 verlängert wurde. Der Stadtteil rund um den Parque de la Maria Luisa und Repräsentiermeilen mit imposanten Gebäuden wurden neu angelegt. Den Mittelpunkt bildete die Plaza de España im Neomudéjarstil. Am 2. Oktober 1929 erschien die erste Nummer der Zeitung ABC Sevilla. 1932 führte der General José Sanjurjo in Sevilla einen Staatsstreich der politischen Rechten an, der nach kurzer Zeit scheiterte.

Im Spanischen Bürgerkrieg kam am 18. Juli 1936 der Putschisten-General Queipo de Llano mit zwei Offizieren nach Sevilla, um die dortige Garnison auf die Seite der Putschisten zu ziehen. Die Offiziere der Garnison erklärten, auf der Seite der republikanischen Regierung zu stehen, ließen sich aber ohne Gegenwehr einsperren. ABC lieferte am Montag, 20. Juli die erste Kriegsausgabe. Der Besitzer Juan Ignacio Luca de Tena ließ dafür sein Personal den ganzen Sonntag arbeiten, stand aber treu auf Seiten der Kirche, der Monarchie und der aufständischen Militärs.

Am 13. August 1936 starteten deutsche Bomber vom Flugplatz Tablada bei Sevilla zu einem Überraschungsangriff auf das vor Málaga liegende Kriegsschiff Jaime I., der erste Bombenangriff der deutschen Luftwaffe in diesem Krieg. Von hier starteten auch die Angriffe auf Gernika.

Als sich Spanien nach dem Tod von Diktator Francisco Franco 1975 in der Transición schon auf gutem Weg befand, schlugen rechte Militärs im Putsch vom 23. Februar 1981 erneut zu, scheiterten nun jedoch. In den Straßen Sevillas demonstrierten wenige Tage später über 100.000 Menschen für die Demokratie. Auch der Besuch von Johannes Paul II. Ende 1982 zog viele Menschen an, eher aus dem konservativen Teil der Gesellschaft.

Expo 92

Sevilla war 1992 nach der Iberoamerikanischen Ausstellung von 1929 zum zweiten Mal Gastgeber einer Weltausstellung, diesmal mit 18,5 Millionen Besuchern. Die Infrastruktur wurde wesentlich verbessert. So erhielt die Stadt Anschluss an eine Bahntrasse für Hochgeschwindigkeitszüge nach Madrid (siehe Alta Velocidad Española); der Flughafen Sevilla wurde ausgebaut. Ebenso wurden in der Region Autobahnen gebaut, unter anderem 85 km nach Huelva (Autopista A-49) und 94 km in die Küstenstadt Cádiz. Die Expo hinterließ eine hohe Verschuldung; viele Bauten wurden hinterher abgerissen oder stehen leer. Einer der wenigen noch gut erhaltenen Bauten ist der Pabellón Hassan II des französischen Architekten Michel Pinseau, der die Stiftung Fundación Tres Culturas beherbergt.

mini|Stadtflagge

Stadtemblem Die Stadtflagge von Sevilla trägt wie auch das Wappen den Text NO 8 DO, wobei die Ziffer 8 ein (Woll-)Knäuel (span. ) symbolisieren soll. Der Text findet sich überall in Sevilla an Gebäuden, Laternen und Polizeifahrzeugen und ersetzt damit praktisch das Stadtwappen oder den Schriftzug Sevilla vollständig.