Gerhard Rostin (* 6. November 1928 in Erben im ehemaligen Ostpreußen;Gunnar Porikys: Diener zweier Herren und einer Herrin. In: Eva Foerster, Gerhard Rostin (Hrsg.): Ein Garten der Erinnerung. Leben und Wirken von Karl Foerster – dem großen Garten-Poeten und Staudenzüchter. 4. Auflage 2001, ISBN 3-928119-65-6, S. 470–473, S. 471: Abbildung (Kniestück) Rostins mit Eva Foerster († 1996) im Jahre 1986 in Potsdam-Bornim; † 3. Juni 1991Traueranzeige des Union Verlags. In: Neue Zeit, 14. Juni 1991 in Berlin) war ein deutscher Herausgeber, Lektor und Kulturredakteur.
Leben und Wirken Berufliche Entwicklung Rostin wuchs in der einstigen Landgemeinde Erben im damaligen Kreis Ortelsburg auf, in der die Familie Rostin ein Gehöft besaß.„Seelenliste“ (Einwohnerliste) vom Dorf Erben, erstellt 1958; Ortsplan des masurischen Dorfes, das nach 1945 in Orzyny umbenannt wurde, und zu Polen gehört. Nachdem der junge Rostin 1946 kriegsbedingt nach Berlin gekommen war, studierte er Germanistik und Geschichte und absolvierte ein Volontariat in der Tageszeitung Neue Zeit des damaligen Union-Verlages GmbH in der Zimmerstraße 79/80. Rostins berufliche Entwicklung im Zeitungs- und Buchverlag der CDU in der DDR vollzog sich in der Redaktion der Neuen Zeit und im Lektorat des Union Verlags in Berlin (Ost). Neben den redaktionellen Aufgaben im Tagesgeschäft verfasste der FeuilletonredakteurGunnar Porikys: Diener zweier Herren und einer Herrin. In: Ein Garten der Erinnerung. 4. Auflage. 2001, S. (470–473), hier S. 471. Rostin eigenen Beiträge, darunter Porträts von Persönlichkeiten aus dem kulturellen Leben, Filmkritiken und Berichte von Lesungen zeitgenössischer Schriftsteller. Auch nachdem Rostin ins Lektorat des Buchverlages gewechselt war, schrieb er gelegentlich kulturelle Beiträge für die Neue Zeit, die inzwischen vom gleichnamigen Zeitungsverlag der CDU, NEUE ZEIT (VOB), über den Postzeitungsvertrieb (DDR) verbreitet wurde, welcher ein Zweigbetrieb der Vereinigung Organisationseigener Betriebe VOB Union in Berlin (Ost) war. Rostin blieb nach seinem Ausscheiden aus der Redaktion als Feuilletonredakteur noch jahrelang Mitglied im Verband der Journalisten der DDR und wurde 1978 anlässlich seines 50. Geburtstages in der Zeitschrift Neue Deutsches Presse (NDP) unter der Rubrik „Geburtstage im November“ namentlich aufgeführt.Neue Deutsches Presse. Organ des Zentralvorstandes des Verbandes der Journalisten der DDR, 10/1978, S. 31
Redaktionsmitglied der Tageszeitung Neue Zeit Einen Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeiten in den Jahren 1952/53 bildete das Schreiben von Filmkritiken. Insbesondere besuchte er dafür Uraufführungen von DEFA-Filmen. Die Arbeitsaufträge dafür bekam er in Abspreche mit dem Feuilletonredakteur Hans-Werner Gyßling. Im Jahre 1961 wechselte Rostin in den Buchverlag der Ost-CDU, den Union Verlag Berlin, um dort mit dem seit 1. September 1959 tätigen Lektor für Belletristik Johannes Bobrowski gemeinsam zu wirken. Die Bekanntschaft mit dem damaligen Verlagslektor Bobrowski hatte Rostin bereits im Juni 1959 gemacht, als beide eine Schriftstellertagung der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg (EABB) in der „Friedenskirche“ der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee zum Thema „Revolution und Tradition in der russischen Lyrik des 20. Jahrhunderts“ besuchten.Gerhard Rostin: Gedanken zum 60. Geburtstag von Johannes Bobrowski. In: Neue Zeit, 9. April 1977, S. 4 Über diese Schriftstellertagung von 1959 schrieb Rostin damalsNeue Zeit, 30. Juni 1959, S. 4, Autorenkürzel: „Ro.“ für Rostin einen Zeitungsbericht und erwähnte darin die von Bobrowski vorgetragenen Gedichte im Rahmen der abschließenden Schriftstellerlesung. Rostins Zeitungsbeitrag war „die erste öffentliche Resonanz“ des „dichterischen Schaffens“ von Bobrowski laut des Würdigungsartikels anlässlich des 60. Geburtstags des aus Ostpreußen stammenden Dichters im Jahre 1977 in der Neuen Zeit.
Teilnehmer an Tagungen der Evangelischen Akademie Rostin nutzte einige Tagungen der Berliner Evangelischen Akademie mit Schriftstellern aus Ost und West für ein persönliches Kennenlernen, insbesondere im Blick auf seine berufliche Arbeit"Ro. [Gerhard Rostin]": Das Wort meint den Menschen. Schriftsteller aus Ost und West lasen aus ihren Werken, in: Neue Zeit, 25. Mai 1960, S. 4 vor dem Bau der Berliner Mauer und auch danach. In seinen journalistischen Berichten von Akademietagungen brachte er eigene Vorschläge, Gedanken und Wünsche unter, zum Beispiel, dass „die Gedichte Bobrowskis bald einmal in einer Buchveröffentlichung gesammelt vorgelegt würden“. Er besuchte im März 1961 den neu berufenen Leiter der beiden CDU-Buchverlage, Union Verlag Berlin und Koehler & Amelang Leipzig, Hubert Faensen (1928–2019) und seine Ehefrau, die Journalistin Barbara Faensen-Altmann (1929–2000) in Kleinmachnow, um mit ihm ein Interview vor allem über das Verlagsprogramm zu führen.Neue Zeit, 11. März 1961, S. 3 1962 suchte er den Christen, Schriftsteller und Revierförster Gottfried Unterdörfer in Uhyst auf, der gelegentlich Lesungen seiner Werke in der Berliner Evangelischen Akademie vornahm, und porträtierte ihn für die Leser von Neuen Zeit.Neue Zeit, 25. August 1962, 6 Auch in den Jahren nach dem Berliner Mauerbau enthielt sich Rostin "einer negativen Beurteilung" von Tagungen der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg (EABB) mit deutsch-deutschen Schriftstellern, beispielsweise in einem Informationsbericht für die Parteileitung der Ost-CDUSchwarz, Peter Paul: Mitöffentlichkeit. Zur deutsch-deutschen Arbeit der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg, [Mit Hinweis auf die Archivalie im Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP)], Fußnoten 598 u. 599; ISBN 978-3-525-55791-4 über die Schriftstellertagung in der Evangelischen Akademie (EABB) vom 25. bis 27. Januar 1963 zur Thematik „Sprache im technischen Zeitalter“. Politisch betätigte sich Rostin als CDU-Mitglied 1963 im Kulturhaus „Peter Edel“ des Stadtbezirks seines damaligen Wohnorts Berlin-Weißensee.Neue Zeit, 26. März 1963, S. 6
Verlagslektor, Gutachter und Herausgeber Rostin übernahm die Lektorenstelle für Belletristik und Kunstliteratur von Johannes Bobrowski. Das Buch Ein Garten der Erinnerung über das Leben und Wirken von Karl Foerster, dem "großen Garten-Poeten und Staudenzüchter" gab er mit dessen Witwe, Eva Foerster, gemeinsam heraus. Rostin schrieb zudem die verbindenden Texte.6. Auflage 2009; ISBN 978-3-8001-5893-5 Die Präsentation der ersten Auflage fand im Januar 1983 in Anwesenheit der beiden Herausgeber im Schloss Friedrichsfelde statt und wurde vom NZ-Bildjournalisten Joachim Thurn als Pressefoto festgehalten.
Zum Erhalt der Druckerlaubnis vom Kulturministerium der DDR für die beabsichtigte Buchproduktion eines bestimmten Titels des CDU-Buchverlages Union Verlag Berlin verfasste Rostin das jeweils erforderliche Lektoratsgutachten. Dieses wurde mit dem Antrag der Verlagsleitung für das betreffende Einzelobjekt an die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel geschickt. So schrieb Lektor Rostin Gutachten im Rahmen der Schriftenreihe Das Christliche Denkmal u. a. für das Heft 122 mit dem Arbeitstitel „Die Französische Friedrichstadtkirche zu Berlin“ am 25. August 1983. Die staatliche Druckgenehmigung wurde von der zuständigen Mitarbeiterin des Kulturministeriums am 15. September 1983 erteilt mit dem internen Vermerk: „Selbst gelesen, Druck von Interesse für Geschichte der Hugenotten und Berlins“.Anlagen zum Druckgenehmigunganttrag: Lektoratsgutachten von Gerhard Rostin, Manuskriptkopie, 16 Abbildungsvorlagen, vorliegend als Bestand im Bundesarchiv: Ministerium für Kultur, Teil 3: Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel - Druckgenehmigungsvorgänge 1947–1991, hier: 1983; Findbuch zum Bestand DR 1 mit digitalen Reproduktionen für einen „Teil des Bestandes, insbesondere mit dem Schwerpunkt belletristische Literatur“.
Rostin betreute als Lektor in erster Linie die Buchprojekte von und über Johannes Bobrowski (1917–1965) sowie Karl Foerster (1874–1970). Letzteren und dessen Frau, Eva Foerster, geborene Hildebrandt (1902–1996), hatte er beide in Bornim 1954Brief Gerhard Rostins von 1989 an Eva Foerster; abgedruckt in: Ein Garten der Erinnerung. ISBN 3-928119-65-6, S. 470 f. kennengelernt. Im Epitaph für Bobrowski aus dem Jahr 1977 hob Rostin „die Ausstrahlungskraft dieses Menschen und Dichters“ sowie „die seines dem großen Thema der Verständigung zwischen den Völkern verpflichteten Werks hervor“ und identifizierte sich damit. Angefreundet hatte sich Rostin besonders mit Bobrowskis „Lust am Spott, an Polemik und derben Humor“ und an den in Distichen abgefassten Sinn- oder Spottgedichten, in denen dieser nicht zuletzt Kollegen „aufs Korn“ nahm.Gerhard Rostin: Nachbemerkung. In: Ahornallee 26 oder Epitaph für Bobrowski. Union Verlag, Berlin 1977, S. (94–97) 97;
Reise nach Schleswig-Holstein zur Akademie Sankelmark Nach der Erweiterung des Personenkreises der so genannten Reisekader erhielt auch der seit über 30 Jahren in CDU-Verlagen tätige Lektor Rostin den Status eines Reisekaders. Im Februar 1989 konnte er so an einer Tagung der Akademie Sankelmark in Schleswig-Holstein über Johannes Bobrowski teilnehmen und schrieb darüber einen Reisebericht.Im Bestand des Deutschen Literaturarchivs (DLA) Marbach; „Erinnerung und Zukunft“ (Prosa) Für die Bobrowski-Tagung der Akademie Sankelmark hatte er sein Referat schriftlich ausgearbeitet.Manuskript im DLA Marbach; Umfang: 22 Bl.
Ehrenamtliche Tätigkeit Nach der friedlichen Revolution und deutschen Wiedervereinigung arbeitete Rostin zunächst weiter als Lektor, bis er krankheitsbedingt aus dem Verlagswesen ausschied. Ab 1990 besuchte er den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., der als gemeinnütziger Verein im selben Jahr gegründet wurde. Die Veröffentlichung der dritten überarbeiteten und neugestalteten Auflage von Ein Garten der ErinnerungISBN 978-3-372-00187-5 im Jahre 1992 durch den nunmehrigen BVU Buchverlag Union erlebte er nicht mehr, jedoch wurde entsprechend dem Urheberrecht sein vollständiger Name als Mitherausgeber und Verfasser der verbindenden Texte ausdrücklich genannt.Beispielsweise: Ein Garten der Erinnerung. Leben und Wirken von Karl Foerster – dem großen Garten-Poeten und Staudenzüchter. [hrsg. von Eva Foerster und Gerhard Rostin. Die verbindenden Texte schrieb Gerhard Rostin]. DNB 978-3-8001-5893-5
Familie Er heiratete Gita Gräber, eine Journalistin und Redakteurin, die für die Neue Zeit unter diesem vollen Namen Artikel schrieb und nach der Eheschließung nur noch unter ihrem Vornamen „Gita“, während sie später als Angestellte der Zeitschrift Neue deutsche Presse (NDP) des Verbandes der Journalisten (VDJ) Beiträge unter ihrem neuen vollen Namen verfasste.Beispielsweise 1967 unter der Rubrik „Moment mal“, unterzeichnet mit „Gita“ in Neue Zeit, Ausgabe 246, S. 12 und 1973 Die „Schule der Solidarität“ des VDJ wurde vor zehn Jahren gegründet. In: Neue Zeit, Ausgabe 279, S. 3 sowie 1975 als Redakteurin Gita Rostin in Neue Deutsche Presse, 29. Jahrgang, Nr. 20/1975, S. 2–3 Über die Darstellung der Rolle der Frau. Im gemeinsamen Haushalt lebte Familie Rostin mit einem Sohn und einer Tochter. Gerhard Rostin wohnte zuletzt in der Modersohnstraße in Berlin-Friedrichshain, zuvor in der Lindenallee in Berlin-Weißensee.
Seine letzte Ruhestätte fand der Redakteur und Lektor auf dem Evangelischen Friedhof Stralau in Berlin-Friedrichshain.Das Nutzungsrecht auf dem Stralauer Friedhof ist abgelaufen und die Grabstätte Gerhard Rostin nicht mehr erhalten.
Verfasser von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln (Auswahl) „Die Erde ist doch wahrhaftig schön …“. Zum 75. Todestag Eduard MörikesNeue Zeit, 4. Juni 1950, S. 3 Steinerne Blumen, gefrorene Sterne. Die Verwandtschaft von Natur und MeschenwerkNeue Zeit, 23. Dezember 1951 (Weihnachtsausgabe), S. 2 Ein Dorf verteidigt sein Lebensrecht. Außergewöhnlicher Erfolg des neuen DEFA-Films „Das verurteilte Dorf“Neue Zeit, 16. Februar 1952, S. 3