Eschlikon ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft im Bezirk Münchwilen des Schweizer Kantons Thurgau, etwa sechs Kilometer westlich von Wil SG. Die politische Gemeinde Eschlikon entstand am 1. Januar 1997 aus den Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil und aus Hurnen.
Geschichte mini|links|Eschlikon im Jahr 1927
Eschlikon wird erstmals 1280 genannt. Der Name leitet sich von einem Mann namens Askilo ab, dessen Nachkommen man die Askilinge nannte. Diese bauten in der Region des heutigen Eschlikon ihre ersten Höfe, die Askilinghöfe. Ältere Namenformen der Ortschaft sind Askilinghofen, Aschilinghofen, Äschlingkofen, Äschlingkon, Äschlikon.Diverse Autoren: Geschichte von Eschlikon. 3., überarbeitete Auflage vom März 1986, hrsg. von der Schulgemeinde Eschlikon
Im Mittelalter gehörte Eschlikon, abgesehen von den Gütern einiger freier Bauern, zum Kloster Magdenau und zum Heiliggeistspital St. Gallen. Eschlikon lag in den sogenannten hohen Gerichten am Tuttwilerberg und unterstand vom Spätmittelalter bis 1798 dem eidgenössischen Landvogt im Thurgau bzw. dem von ihm eingesetzten Vogt zu Hofen, der sowohl das Hoch- als auch das Niedergericht innehatte. Lediglich Hurnen gehörte zur Herrschaft Tannegg. Kirchlich gehörte Eschlikon ursprünglich zu Sirnach. Das seit 1529 mehrheitlich reformierte Eschlikon trennte sich jedoch 1936 von Sirnach ab und bildet seither mit Münchwilen, Oberhofen, St. Margarethen und Wallenwil zusammen die reformierte Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon; die katholische Bevölkerung gehört zur Pfarrei Sirnach.
Neben Acker- und Rebbau sowie Torfgewinnung kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Viehwirtschaft auf. Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert prägten die verschiedenen Zweige der Textilindustrie die Dorfwirtschaft: Nach der Leinenweberei kam im 19. Jahrhundert die Baumwollweberei auf, von 1870 bis 1930 waren Stickereien und die Strickwarenproduktion von Bedeutung. 1898 bis 1962 bestand die Ziegelei Weibel. 1875 eröffnete die Bürgergemeinde Eschlikon eine Leih-, Viehleih- und Sparkasse, deren Konkurs 1912 die Gemeinde schwer schädigte. Von 1864 bis 1973 war Eschlikon Erscheinungsort der Regionalzeitung «Volksblatt vom Hörnli». Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts siedelten sich im bis dahin kleinbäuerlich geprägten Dorf neue Industrie- und Gewerbebetriebe wie die Metallwarenfabrik Spring mit rund 200 Mitarbeitern an und leiteten einen Strukturwandel ein.
Eschlikon war eine Ortsgemeinde und gehörte zur Munizipalgemeinde Sirnach. 1997 entstand aus den Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil sowie den Weilern Hurnen und Than, die zur Ortsgemeinde Horben gehörten, die politische Gemeinde Eschlikon.
Wappen Ortsgemeinde links|60px
Blasonierung: In Rot ein hängender gelber Lindenzweig mit Blättern (2) und Blüten (2).Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
Eschlikon gehörte vor 1798 zum sogenannten Hohen Gericht Tuttwilerberg, das dem Landvogt unterstand. In Eschlikon tagte im Mittelalter unter einer Linde oft das thurgauische Landgericht, was der Lindenzweig symbolisiert. Die Farben Rot und Gelb gehen auf die Farben der Landgrafschaft Thurgau zurück.
Politische Gemeinde Nachdem sich die Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil zur politischen Gemeinde Eschlikon vereinigt hatten, verwendete die neue Gemeinde ein Logo und liess die Wappenfrage ungeklärt.
Bevölkerung +Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Eschlikon +Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden 1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018 2023 Politische Gemeinde 3133 3844 43574864 Ortsgemeinde 422 640 1026 1814 Quelle
Von den insgesamt 4864 Einwohnern der Gemeinde Eschlikon am 31. Dezember 2023 waren 723 bzw. 14,9 % ausländische Staatsbürger. 1407 (28,9 %) waren evangelisch-reformiert und 1468 (30,2 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Eschlikon zählte zu diesem Zeitpunkt 3476 Einwohner.
Wirtschaft und Verkehr Im Jahr 2016 bot Eschlikon 1367 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 1,8 % in der Land- und Forstwirtschaft, 50,3 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 47,9 % im Dienstleistungssektor tätig.
Ziegelei und Torfabbau Über lange Zeit wurde von zahlreichen Bauern aus der Umgebung, in einer Senke südlich des Dorfes, abgelagerter Lehm abgebaut und in Handziegeleien zu Lehmziegeln gebrannt. Später baute Johann Weibel eine Mechanische Ziegelei, welche von etwa 1898 bis in die 1960er-Jahre einer der bedeutendsten Industriebetriebe Eschlikons blieb.
Ein zweiter, nicht unbedeutender Gewerbezweig war das Torfstechen. Im sog. Riet, einem heute verschwundenen Torfmoor, wurde mit jedem einsetzenden Frühling durch die Dorfbevölkerung Torf gestochen, welcher zum privaten und industriellen Heizen verwendet werden konnte. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges kam es zur Gründung der Schweizer Torfgenossenschaft (STG), welche den Torfabbau mit maschineller Hilfe industrialisierte. Aufgrund erschöpfter Kapazität wurde der Torfabbau am 15. August 1946 endgültig eingestellt.
Heute sind über 200 Industrie- und Gewerbebetriebe auf dem Gebiet der Gemeinde ansässig. Die Gemeinde fördert den Zuwachs.
Verkehr Eschlikon liegt an der Bahnlinie Zürich – St. Gallen. Nachdem der Ort früher mit der halbstündlich zu erreichen war, verkehrt sie seit 2019 abwechselnd mit der im Stundentakt. Im Nachtnetz am Wochenende verkehrt die . 2019 wurde die erste grossflächige Tempo-30-Zone für den Strassenverkehr eingerichtet. Eschlikon ist seit April 2021 die erste Schweizer Gemeinde, die allen Einwohnern, die einen Fahrausweis besitzen, eine kostenlose mobility-Mitgliedschaft anbietet.
Bildung und Kultur Auf dem Gemeindegebiet befindet sich das Einzugsgebiet der Volksschulgemeinde Eschlikon (öffentlich-rechtliche Körperschaft) im Hinterthurgau (Südthurgau).
Seit 30 Jahren (Gründung der Volksschulgemeinde Eschlikon 1982) ist die Schule in der Gemeinde Eschlikon vom Kindergarten bis zum 9. Schuljahr in einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft organisiert.
Die Volksschulgemeinde Eschlikon besteht aus drei Einheiten: Primarschule am Kwant (Eschlikon) Primarschule am Stutz (Wallenwil) Sekundarschule Bächelacker (Eschlikon)
In den Primarschulen werden von Kindergarten bis 6. Klasse Doppelklassen in je zwei Klassenzügen geführt. Am Standort der Primarschule am Kwant ist ein dritter Klassenzug im Aufbau. Die Sekundarschule Bächelacker besteht aus je zwei Klassen pro Jahrgangsstufe.Homepage der Volksschulgemeinde Eschlikon Ebenfalls finden sich eine Bibliothek sowie diverse Sportvereine, wie beispielsweise der örtliche Fussballverein FC Eschlikon.Fussballverein Eschlikon
Sehenswürdigkeiten
Die katholische Kirche Bruder Klaus von 1963 besitzt zwei Betonglasfenster von Yoki Emile Aebischer (1964).
Als touristische Attraktion verfügt Eschlikon über einen Schlangenzoo.Schlangenzoo Eschlikon
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde: Ferdinand Büchler (1853–1935), Kantons- und Regierungsrat Markus Werner (1944–2016), Schriftsteller Töbi Tobler (* 1953), Musiker Daniel Hubmann (* 1983), Orientierungsläufer
Bilder
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Eschlikon
Einzelnachweise Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau.
Kategorie:Ort im Kanton Thurgau Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ersterwähnung 1280