mini|Jurymitglieder begutachten ein Wettbewerbsteil (Designwettbewerb der Auszubildenden 2011) mini|„International German Fur Award 2010“ – Auszeichnungs-Trophäe „Premium Gold“

Der Internationale Design-Wettbewerb des deutschen Kürschnerhandwerks ist ein vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks seit 1949 ausgerichteter Leistungswettbewerb für Pelz produzierende Handwerksbetriebe. Vorläufer waren die Neuheiten-Ausstellung (ab 1881) und die Deutsche Pelzmodenschau (ab 1921). Eine ähnliche Veranstaltung wie die in der Bundesrepublik fand seit 1964 in der DDR statt.

Allgemein Die wesentliche Motivation der Kürschner, sich an Leistungswettbewerben zu beteiligen, ist unzweifelhaft die damit verbundene Werbemöglichkeit. Der ausgezeichnete Betrieb hebt sich aus den Mitbewerbern hervor und zeigt sich als modisch auf dem neuesten Stand. Er publiziert dies durch das Ausstellen der Urkunden, Trophäen und Medaillen im Schaufenster und in den Geschäftsräumen, auf der Homepage, durch Kundenanschreiben und durch Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, eventuell sogar mit einer im Regionalfernsehen gezeigten Modellpräsentation. Besonders wichtig für ihn ist die anschließende Information der Presse, die in der Regel eine eher beachtete, nicht im Anzeigenteil untergehende und dabei kostenlose Mitteilung dazu veröffentlicht.

Für die Pelzbranche insgesamt bedeuten die auf den Wettbewerb folgende Publikationen, dass sie den Pelz in die Öffentlichkeit bringen und damit den Pelzumsatz aller Anbieter befördern.

Für kleine Betriebe stellt die Teilnahme an Leistungsvergleichen eine erhebliche finanzielle und zeitliche Belastung dar. Zwar sagt die Ausschreibung in der Regel, dass nur der modische Aspekt und die qualitativ hochwertige Ausführung der Arbeit bewertet werden. Doch war es in der Vergangenheit vielleicht trotzdem leichter, mit einem Zobelmantel eine Medaille zu erringen als mit einem Kaninmantel. Bei letzterem wird die Jury eine höhere Innovation verlangen als bei dem wertvollen, als eher etwas zeitloser erwarteten Zobel. Zudem können kapitalstarke Unternehmen es sich erlauben, mehr Teile zum Wettbewerb einzusenden und damit ihre Chancen auf eine Auszeichnung erhöhen. Auch beschäftigen sie eventuell einen Zuschneider als Designer oder sie kauften in der Vergangenheit Schnittmuster angesehener Modeunternehmen ein, wie beispielsweise Dior.Ohne Autorenangabe: Qualitätspelze sind eine solide Geldanlage. Düsseldorf – ein Zentrum der deutschen Pelzmode. Absatz: Pelz-Kunze KG, Martin Luther Platz [Düsseldorf]. In: Wirtschaftsberichte Nr. 19, 15. Oktober 1971, Tüffers Auskunftei und Wirtschaftsverlag GmbH, S. 8. Zunehmend mehr wurden in den vergangenen Jahren, einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend der Tiernutzung folgend, Felle ohnehin anfallender, einheimischer Pelztiere zum Wettbewerb eingesandt. Diese fallen durch Bejagung derzeit noch in größerer Zahl an, als sie bisher verwertet wurden.(Stand 2019) Vor allem von Züchter- oder Handelsorganisationen für Nerz oder Karakulpersianer werden zusätzlich Sonderpreise mit dekorativen Trophäen und Urkunden vergeben.

Letztlich führt die Teilnahme an Leistungsvergleichen dazu, dass der Kürschner sich mit der aktuellen Modelinie und eventuell neu hinzugekommenen Arbeitstechniken befasst oder selber eine solche entwickelt. Er muss sich mit den aktuellen Veredlungstechniken, wie neuen Modefarben, Schermustern usw. vertraut machen. Anhand der Ausstellung der im Modellwettbewerb prämierten Modelle konnte sich dann einmal im Jahr zur Frankfurter Pelzmesse die gesamte Branche über die neueste Entwicklung der Kürschnerei informieren, heute im kleineren Rahmen die Mitglieder der Organisationen des Kürschnerhandwerks und deren ausländische, am Wettbewerb beteiligten Gäste.

Ein überregionaler, weltweiter Pelzdesign-Wettbewerb ist die Remix, die alljährlich regional, mit dem Höhepunkt der Prämierung und Ausstellung in Italien auf der Mailänder Pelzmesse Mifur veranstaltet wird. Ihr Aufruf richtet sich vor allem an junge Textildesigner, die sich hier meist das erste Mal mit dem Material Fell beschäftigen. Die erste Ausscheidung fand im Jahr 2002 statt.www.wearefur.com: Remix Competition - What is Remix 2019 Competition? (englisch). Zuletzt abgerufen am 6. November 2019

Geschichte mini|hochkant=0.3|links|Ehrendiplom 1903

Im Jahr 1902 hatten die Kürschnermeister Paul Larisch und Joseph Schmid in der von ihnen herausgegebenen Zeitschrift „Das Kürschnerhandwerk“ zu einem Preisausschreiben aufgerufen. Die deutschsprachige Zeitung erschien in Paris, wo die beiden Kürschner angestellt waren, Larisch in leitender Position bei Revillon Frères. Die Aufgabe war, „eine Garniture aus Feh“ herzustellen, für die nicht mehr als 120 Felle verwendet werden durfte. Einsendeschluss war der 5. März 1903. Der Einsendung musste beiliegen: „1. Das Muster der beiden Artikel aus Papier in natürlicher Größe, mit aufgezeichneter Stellung der Felle. 2. Eine Zeichnung oder Photographie der gedachten oder ausgeführten Arbeit. 3. Eine Beschreibung der gedachten oder ausgeführten Arbeit […].“ Die Sieger aus 36 eingesandten Modellen oder Modellentwürfen wurden am 26. April in Faubourg Saint-Martin von einer Fachjury ermittelt. Der erste und dritte Preis ging nach Paris, der zweite nach Wien, das Berliner Modell „Werda“ kam auf den vierten Platz.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. Verlag Larisch und Schmid, Paris. 15. Januar 1903, S. 25[? - in vorliegender Bindung]. --- III. Teil Nr. 11, Mai 1903, S. 33. Dies war wahrscheinlich der erste europäische, ausdrücklich als „Wettbewerb“ bezeichnete, Leistungsvergleich der Pelzbranche. Beispielsweise schrieb bereits 1896 die Österreichisch ungarische Kürschner-Zeitung „einen Preis von hundert Kronen für das Modell eines aus Pelz zu fertigenden Kleidungsstückes aus“. Gefordert wurde die „Neuheit des Façon, praktische und kleidsame Form und Herstellung des Stückes zu einem Preise, dass dessen Anschaffung den Consumenten des Mittelstandes ermöglicht.“ Das Teil musste nicht in natura ausgeführt werden, genügte die Einsendung einer deutlichen Zeichnung mit Beschreibung.Was wird in der nächsten Saison modern sein?. In: Österreichisch ungarische Kürschner-Zeitung, 5. Februar 1895, S. 1. Abgerufen am 8. Januar 2026.

In den Pariser Pelzwerkstätten arbeiteten zu dieser Zeit so viele Kürschner aus Deutschland, dass es seit 1890 sogar einen deutschen Gesangverein „Lyra“ mit 30 bis 40 Mitgliedern gab. Und so war das zweite Preisausschreiben kein praktisches Leistungsmessen mehr, sondern es wurde ein neues „Lied des Kürschners“ gesucht.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk, 1. Jahrgang, Nr. 12, III. Teil - IV. Kapitel, Selbstverlag Paris, Juni 1903, S. 41–45, 55.

Neuheiten-Ausstellung mini|links|hochkant=0.8|Medaille zur Neuheiten-Ausstellung mini|Vergrößerte Medaillen der Neuheiten-Ausstellung im Leipziger Pelzwaren-Spezialhaus G. Nauck, Inhaber Johannes Rohde (etwa 1930er Jahre)

Als erster Vorgänger des Leistungswettbewerbs der deutschen Kürschner kann die, erstmals 1882, vom Verein deutscher Kürschner jedes Jahr in der ersten Woche der Leipziger Rauchwaren-Ostermesse veranstaltete „Neuheiten-Ausstellung“ angesehen werden. Die im Rahmen des Kürschnertages (erster Kürschnertag 1881) durchgeführte Veranstaltung umfasste eine Verkaufsausstellung für Pelzbekleidung, Kürschnerbedarfsartikel, Hüte, Mützen und anderes.Friedrich Lübstorff: Die deutsche Kürschnerschaft und ihre Neuheitenausstellung. In: Das Pelzgewerbe - Festschrift für den Kürschnertag des Handwerks Leipzig 9.-14. Mai 1954, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig, S. 29–31.

Die Neuheiten-Ausstellung sollte nicht nur dem dominierenden Einfluss, den Paris auf die Mode mit feinen Pelzartikeln ausübte, entgegenwirken, vor allem aber der überhand nehmenden Konkurrenz der Pelzkonfektion, insbesondere aus Berlin. Die besten Modelle wurden durch eine Kommission von neun „wirklichen Mitgliedern“ ausgewählt, prämiert, und es hieß, sie „bilden die Mode für die nächste Wintersaison“.Statut der Ausstellung der Neuheiten, Stand 1897, S. 117, S. 118, S. 119.

Fand die Neuheiten-Ausstellung vorher noch in „qualvoll fürchterlicher Enge“ im Gebäude des Leipziger Zoos statt, änderte sich dies mit dem Hinzukommen der Deutschen Pelzmodenschau. Durch das breite Hauptportal schob und drängte sich die Menge jetzt in den Krystallpalast, „und jeder war freudig überrascht, als er nunmehr in geräumige Hallen“ trat. Hier wurden nicht nur wie üblich auf einem runden Podium die ausgewählten Teile gezeigt, sondern Kürschner und Pelzkonfektionäre boten an Ständen auch ihre Produkte an. „Im Glockenzimmer war Arthur Wolfs Vorführung stets dicht umlagert, und der Stand von Herpich, den ein Glanzstück, der russische Zobelmantel von 1 Million Mark, zierte, war das Ziel aller Besucher.“ Der enorme Preis relativiert sich etwas durch die herrschende katastrophale Geldinflation, ein US-Dollar kostete zu der Zeit etwa 280 Mark.„M“ [Philipp Manes]: Aus den Verbänden - Sitzung des Vereins Deutscher Kürschner am 26. April. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 97, Berlin, 3. Mai 1922, S. 6.Leipziger Ostermesse 1922 - Die Neuheitenausstellung. S. 1–2 und Letzte Nachrichten: Der Dollar 281. S. 1. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 96, Berlin, 30. April 1922.

Aus Sicht der Kürschner hatte die Rauchwaren-Order-Messe ihre besondere Bedeutung erst durch die Neuheiten-Ausstellung erhalten, die ihr einen großen Kundenkreis zuführte. Von dem die Pelzmessen veranstaltenden Großhandel wurde die Ausstellung der Kürschner, die einen erheblichen Flächenanteil beanspruchte, jedoch immer auch kritisch gesehen. 1927, einer Zeit ungünstiger Geschäftslage, glaubten sich einige Firmen von der Rauchwaren-Ostermesse und der Neuheiten-Ausstellung lossagen zu können, da „die Verkäufe auf der Messe weder im Interesse der Käufer noch der Verkäufer lägen“.:

Letztlich war man sich aber bewusst, dass gerade dieser Messeteil einen bedeutenden Anziehungspunkt bildete, insbesondere für die Inhaber kleinerer Kürschnerbetriebe. Philipp Manes, der von den Nationalsozialisten ermordeten Berichterstatter der Pelzbranche, von Beruf eigentlich Rauchwaren-Kommissionär und damit dem Zwischenhandel zugehörig, schrieb: „Die Neuheitenausstellung ist ebenfalls ein heiß umstrittener Posten auf dem schwierigen Gebiet der Messeveranstaltungen. Wenn wir uns ganz offen und ehrlich darüber im klaren sind, daß die Neuheitenausstellung nichts weiter ist, als ein Zugeständnis auf die allerdings nicht zu tadelnde Schwäche des Kürschners, nämlich eine Auszeichnung zu erhalten, die er in Fenster und Briefbogen anbringt, dann wissen wir auch, was in Zukunft zu tun ist. Die Neuheitenausstellung soll Spitzenleistung modischen Könnens zeigen, nichts weiter. […]“Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 182 (Kollektion G. & C. Franke).

Im Jahr 1954 nahm die Pelzbranche der DDR die Tradition in Leipzig erneut auf, anfangs ebenfalls als Neuheiten-Ausstellung bezeichnet.

Deutsche Pelzmodenschau mini|Emblem zur ersten Deutschen Pelzmodenschau 1921