Der Fachbereich Informatik ist ein Fachbereich der Technischen Universität Darmstadt. Er ist mit 31 Professuren und über 3.700 Studierenden in 9 Studiengängen der größte Fachbereich der Universität (Stand 2025). Mit seinen Forschungsschwerpunkten „Künstliche Intelligenz“, „Cybersicherheit & Privatheit“ sowie „Komplexe, vernetzte Systeme“ prägt er das Profil der TU Darmstadt im Forschungsfeld „Information + Intelligence“.

Die Geschichte des Fachbereichs ist wie die Geschichte der Universität durch Pioniere geprägt. Dazu zählen zum Beispiel Wolfgang Bibel, Johannes Buchmann und Robert Piloty. 9 Preisträger der Konrad-Zuse-Medaille, der höchsten Auszeichnung für Informatik in Deutschland, sind mit dem Fachbereich verbunden. Der Fachbereich war Mitbegründer des IT-Cluster-Rhein-Main-Neckar, des größten IT-Cluster Europas.

Historie

Die Anfänge der Informatik bis zur Gründung des Fachbereichs mini|Mitarbeiter des Instituts für Praktische Mathematik (1960) 1928 wurde Alwin Walther als Professor für Mathematik an die Technische Hochschule Darmstadt berufen. Walther baute dort das Institut für praktische Mathematik (IPM) auf, das an der Abteilung für Mathematik und Naturwissenschaften angesiedelt war. In Deutschland gehen die Anfänge der Informatik auf dieses Institut zurück. Am Institut befasste man sich mit der Automatisierung von Berechnungen mithilfe mechanischer und elektromechanischer Geräten und mit der Entwicklung von Maschinen, mit deren Hilfe mathematische Probleme gelöst werden können. Eines der frühesten Ergebnisse war der Rechenschieber System Darmstadt, der vor allem im Maschinenbau weit verbreitet war. Eine weitere Entwicklung war eine elektromechanische Integrieranlage.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte man sich zunehmend auf die Entwicklung von elektronischen Rechenanlagen. Aufgrund des Renommees, das die TH Darmstadt zu diesem Zeitpunkt in der Rechenautomatenforschung hatte, fand der erste im deutschsprachigen Raum abgehaltene Kongress zum Fachgebiet Informatik (elektronische Rechenmaschinen und Informationsverarbeitung) mit internationaler Beteiligung im Oktober 1955 an der TH Darmstadt statt. Mithilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft entstand der Darmstädter Elektronischer Rechenautomat (DERA), der 1959 fertiggestellt wurde. Seine Rechenkapazität war damals in Europa einzigartig. Zwei Jahrzehnte vor der Erfindung von Programmiersprachen, wurden auf der Rechenstation Algorithmen getestet und erfolgreich bei der Bearbeitung von Problemen aus der Industrie eingesetzt.Biener, Klaus (August 1999). „Alwin Walther – Pionier der Praktischen Mathematik“. RZ-Mitteilungen. doi:10.18452/6275.

1956 konnten sich die ersten Studenten am DERA mit den Problemen von Rechenautomaten befassen. Zeitgleich wurden an der TH Darmstadt die ersten Programmiervorlesungen und -Praktika angeboten. 1957 sorgte Walther dafür, dass die TH Darmstadt einen IBM 650 bekam, den zu diesem Zeitpunkt leistungsfähigsten Computer. Damit war die TH Darmstadt die erste Universität in Deutschland mit einem Großrechner. Auf Walthers Bestreben hin wurde 1961 das Deutsche Rechenzentrum (DRZ), das erste Großrechenzentrum in Deutschland, in Darmstadt gegründet, mit dem die TH Darmstadt eine Kooperation einging, um mathematisch-technische Assistenten auszubilden. 1966 wurde Walther emeritiert.

Die Elektrotechnik hatte auch einen großen Einfluss auf die Informatik an der Technischen Hochschule Darmstadt (TH Darmstadt). 1964 wurde Robert Piloty auf den Lehrstuhl Datentechnik an der TH Darmstadt berufen. Deutschland mangelte es in den 1960er Jahren an Wettbewerbsfähigkeit im Gebiet der Datenverarbeitung (DV). Um dem entgegenzuwirken, verabschiedete der Bundesausschuss für wissenschaftliche Forschung am 26. April 1967 das Programm für die Förderung der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung für öffentliche Aufgaben. Für die Umsetzung war der so genannte „Fachbeirat für Datenverarbeitung“ zuständig, der überwiegend aus Vertretern der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bestand. Auf der siebten Sitzung des Fachbeirates am 15. November 1967 signalisierte Karl Ganzhorn, der zu dem Zeitpunkt für Forschung und Entwicklung bei IBM Deutschland zuständig war, die Probleme der Industrie, Fachpersonal zu finden. Der Direktor des Instituts für Nachrichtenverarbeitung an der TH Darmstadt, Piloty, wies darauf hin, dass die deutschen Hochschulen dafür zuständig seien, qualifiziertes Personal auszubilden. Daraufhin bildete sich der Ausschuss „DV-Lehrstühle und -Ausbildung“. Den Vorsitz übernahm Piloty. Der Ausschuss formulierte Empfehlungen für die Ausbildung von Informatikern, welche die Einrichtung eines Studiengangs der Informatik an mehreren Universitäten und Technischen Hochschulen vorsahen. An der Technischen Hochschule Darmstadt arbeitete Piloty mit Winfried Oppelt an einem Studienplan „Informatik“, der ingenieurwissenschaftlich geprägt war. Es lag bereits ein anderer Studienplan mit dem Namen „Diplom-Ingenieur Informatik (Mathematik)“ vor, der von der Fakultät für Mathematik und Physik stammte und eine stärkere Betonung der Softwaretechnik vorsah. Jedoch war die Fakultät für Elektrotechnik die treibende Kraft, weswegen noch im selben Jahr erstmals ein Studiengang deutschlandweit, der auch den Namen Informatik trug, auf Grundlage von Pilotys und Oppelts Studienordnung an der Fakultät für Elektrotechnik eingerichtet wurde. 1969 folgte die Fachrichtung „Datentechnik (Technische Informatik)“ am Fachbereich Regulierungs- und Datentechnik und 1970 ein Mathematikstudiengang, das mit dem Grad „Diplomingenieur im Fach Mathematik mit Schwerpunkt Informatik“ abschloss. 1971 entstand die erste Diplomarbeit, 1975 die erste Doktorarbeit und 1978 wurde die erste Habilitation abgeschlossen.

Im Frühjahr 1969 hatten Hartmut Wedekind und Robert Piloty zusammen eine mehrwöchige Reise durch die USA unternommen, um die dortigen Fakultäten für Informatik zu studieren. Zur Konstituierung des Fachbereichs Informatik wurde dann am 7. Juli 1969 der Gründungsausschuss Informatik (GAI) eingeführt. Später erfolgte die Ablösung des Ausschusses durch eine kommissarische Fachbereichskonferenz. Diese tagte zum ersten Mal am 15. Mai 1972, sodass an dem Tag dann offiziell der Fachbereich Informatik entstand. Dessen erster Dekan wurde Wedekind. Piloty erhielt für seine Leistungen 1989 die Konrad-Zuse-Medaille.

Geschichte der Wirtschaftsinformatik Die Geschichte der Wirtschaftsinformatik geht auf Peter Mertens zurück, der Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt (TH Darmstadt) studiert hat. Seine Habilitationsschrift war die erste Habilitationsschrift zum Fachgebiet Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum. 1968 wurde Peter Mertens auf den ersten auf betriebliche Datenverarbeitung ausgerichteten Lehrstuhl im deutschsprachigen Raum an die Johannes-Kepler-Universität Linz berufen. Im selben Jahr vertrat Hartmut Wedekind, ehemaliger Systemberater bei IBM Deutschland, erstmals den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der TH Darmstadt. Zwei Jahre später wurde er auf den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Datenverarbeitung der TH Darmstadt berufen. Wedekind arbeitete an Datenbanksystemen und deren betriebliche Anwendungen und leitete bereits 1971 über das „Überregionale Forschungsprogramm Informatik“ die Forschungsgruppe „Datenverwaltungssysteme I“, die sich mit Datenbanken im betrieblichen Kontext beschäftigte. Es war die erste größere Forschungsgruppe, die sich der Themen der Wirtschaftsinformatik annahm. 1976 führte dann die TH Darmstadt den ersten Studiengang für Wirtschaftsinformatik in Deutschland ein. Der Studiengang ist am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften angesiedelt.

Geschichte der Künstlichen Intelligenz mini|Wolfgang Bibel (2006) Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz geht mit der Berufung von Wolfgang Bibel einher, der von Professoren der Technischen Universität München abgewiesen worden war, weil sie nicht an die Zukunft des Fachgebiets Künstliche Intelligenz glaubten. Im Wintersemester 1985/1986 vertrat Bibel erstmals den Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Darmstadt (TH Darmstadt), auf die ihn später die Universität berufen hat. Für die Vertretungsprofessur engagierte sich Hans-Jürgen Hoffmann, Professor für „Programmiersprachen und Übersetzer“. Den Ruf an die TH Darmstadt nahm Bibel am 1. Oktober 1988 an und wurde Professor für Intellektik am Fachbereich Informatik. Zu diesem Zeitpunkt war Bibel bereits 50. Die TH Darmstadt war der 16. Arbeitgeber und auch der letzte von Bibel. Es war auch für Bibel das erste stabile Arbeitsumfeld, indem er normal arbeiten konnte, denn vorher wurde ihm die Arbeit an der TU München erschwert. Bibel gehört zu den Gründern des Gebietes Künstlichen Intelligenz in Deutschland und Europa. Er baute die notwendigen Institutionen, Konferenzen und wissenschaftlichen Fachzeitschriften auf und sorgte für die notwendigen Forschungsprogramme, damit sich das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz etablieren konnte. Für das akademische Jahr 1991/1992 übernahm er das Amt als Dekan des Fachbereichs Informatik der TH Darmstadt. Er führte in der Zeit in drei Berufungskommissionen den Vorsitz. Darunter waren Oskar von Stryk und Karsten Weihe. In seiner Zeit baute er zudem seine Forschungsgruppe weiter auf und machte die Technische Universität Darmstadt zu einer der führenden Universitäten für Künstliche Intelligenz weltweit. Das wissenschaftlich herausragendste Projekt war das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte nationale Schwerpunktprogramm Deduktion. Das Projekt führte dazu, dass Deutschland eine führende Position in der Künstlichen Intelligenz einnahm. Seit 2004 ist er Professor emeritus. Seine Abschiedsvorlesung hielt er am 13. Februar 2004.Bibel, Wolfgang. (2004). Intellektik und Informatik im Konzert der Wissenschaften. 10.13140/RG.2.2.31867.31520. Stand 2017 wurden fünfundzwanzig seiner Doktoranden oder Mitarbeiter Professoren, sodass ein Großteil der heutigen Deutschen KI-Forscher Absolventen der TU Darmstadt sind. Für seine Leistungen wurde er von der Gesellschaft für Informatik als einer der zehn prägenden Köpfe der deutschen KI-Geschichte ausgezeichnet. Er wurde auch als einer der ersten Fellows der Association for the Advancement of Artificial Intelligence (AAAI) ausgezeichnet.

Auf Bestreben von Constantin Rothkopf, Professor für Psychologie der Informationsverarbeitung, entstand an der TU Darmstadt das Centre for Cognitive Science (CCS), dessen Gründungsdirektor Rothkopf wurde. An dem Zentrum arbeiten Forschungsgruppen aus verschiedenen Disziplinen. Im gleichen Zeitraum gründete Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, dann die Initiative Artificial Intelligence at TU Darmstadt (AI•DA), ein einzigartiges Modell, das verschiedene Forschungsgruppen koordiniert, um die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz voranzutreiben. Kersting wurde 2019 für seine wissenschaftlichen Leistungen als Fellow der European Association for Artificial Intelligence (EurAI) und der European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS), die europäische Organisation für maschinelles Lernen, ausgezeichnet. 2019 wurde die TU Darmstadt als Gründungsstandort von ELLIS ausgewählt mit dem Ziel ein KI-Spitzenforschungsinstitut zu errichten. Die Entscheidung, die internationale Wissenschaftler getroffen haben, richtete sich nach der wissenschaftlichen Exzellenz in dem Gebiet.

Geschichte der IT-Sicherheit mini|Johannes Buchmann (2016)