Die Frowein & Co. war eine Band- und Breitweberei in Elberfeld, Friedrich-Ebert-Straße 154 und zuvor ab 1899 in der Uellendahler Straße 70–72. Elberfeld ist seit dem 1. August 1929 ein Stadtteil von Wuppertal.

Sie wurde 1763 als Kontor für leinene und wollene Bänder und Litzen gegründet. Um 1900 wurde die Bandweberei zunehmend von der Heimarbeit in die Fabrik verlagert. Deshalb baute Frowein & Co. 1899 ein neues Fabrikgebäude an der Uellendahler Straße. Bis 1995 dienten die Gebäude an der Uellendahler Straße der Textilproduktion. Die Frowein & Co. GmbH webte und färbte bis 2004 am Standort Friedrich-Ebert-Straße.

Geschichte Bleicherei Jaspar, Johannes, Peter Johann Frowein (1., 2. und 3. Generation in Elberfeld) mini|Posament

Hermann Frowein war in Lennep in der Tuchmacherei und im Tuchhandel tätig. Dessen Sohn Jaspar (Caspar) Frowein (1. Generation in Elberfeld; * um 1575 in Lennep; † 9. November 1631 in Elberfeld) zog nach Elberfeld und heiratete dort im Jahr 1601 die Tochter Gertrud (* um 1585 in Barmen; † November 1665 in Elberfeld) des Elberfelder Kaufmanns, Garn-Bleichers, Schöffen und Gutsbesitzers Jasper Rittershaus (* um 1560 in Barmen; † November 1631 in Elberfeld). Für die Familie erbaute er 1603 ein Haus auf einem der Regierung abgekauften Platz der Burgfreiheit.

Jasper Frowein wurde bereits 1610 einer der vier Vorsteher der Garnnahrung, 1617 auch Bürgermeister von Elberfeld. Er hatte zwölf Kinder. Maria (1602–1646), Caspar (1604–1668), Johannes (1608–1674), Ursula (1644–1683), Anna Maria (1646–1714), Anna (1613–1665) und Engelbert (1616–1667) wurden älter als 15 Jahre. Der älteste Sohn, Caspar, zog nach Schwelm und der jüngste, Engelbert, nach Köln.

Der mittlere Sohn, Johannes Frowein (2. Generation; * Januar 1608 in Elberfeld; † Juni 1674 ebenda), erbte das Stammhaus in Elberfeld sowie von der Mutter einen Teil des in Barmen gelegenen Rittershausschen Hofes. Er betrieb ab 1636 auf dem Unterbarmer Hof Zur Furt eine Garnbleicherei und handelte mit Erzeugnissen aus Leinengarn. Dies blieb im Wesentlichen auch für die folgenden Generationen das Geschäft seines Sohnes Johann Peter Frowein (3. Generation; * 25. Dezember 1670 in Barmen; † November 1725 in Elberfeld) und des Enkels Johann Kaspar Frowein (4. Generation; * September 1700 in Elberfeld; † Juli 1743 in Barmen). Sie waren kleinere Landwirte und Bleicher auf dem Besitz „vor dem Brögel“ in Unterbarmen.

Bandweberei Abraham Frowein (ab 1763) Aufgrund der Entwicklung der Mode war der Bedarf an Bändern, Litzen und Besatzartikeln kräftig gestiegen. Kaufleute gingen daher dazu über, fertig veredelte Garne von Garnhändlern zu kaufen, auf eigene Rechnung verweben zu lassen und als Bänder, Litzen und Posamente an die Abnehmer zu verkaufen.

Abraham Frowein (5. Generation; * 23. Oktober 1734 in Barmen; † 18. April 1813 in Elberfeld), Sohn von Johann Kaspar Frowein (4. Generation; 1700–1743), gründete nach einer kaufmännischen Lehre in der Garnhandlung der Gebrüder Cappel, 1763 die eigene Firma Abraham Frowein für leinene und wollene Bänder und Litzen. Sein Kontor hatte er an der Klotzbahn 54. Die Hochzeit 1772 mit einer Tochter aus der angesehenen Kaufmannsfamilie von Carnap beförderte sicher den Erfolg der Firma, deren Kunden in den ersten Jahren vornehmlich in Elberfeld und den umgebenden Orten wohnten.

Abr. & Gebr. Frowein (ca. ab 1775) mini|links|Abraham Frowein (1766–1829) mini|Grabstätte Abraham Frowein (1766–1829), Else-Lasker-Schüler-Str.

Schon 1776 waren die direkten Absatzquellen der Bänder und Litzen, abgesehen von Deutschland und den Niederlanden, in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Russland, 1790 wurden die ersten Sendungen nach Nordamerika verschifft.

Da das einzige Kind der Eheleute bereits im Kindesalter starb, nahm Abraham Frowein (5. Generation) seine Neffen Kaspar (Caspar) Abraham Frowein ((6. Generation; * 30. April 1759 in Elberfeld; † 11. Mai 1823 ebenda) und Abraham Frowein (6. Generation; * 29. Januar 1766 in Barmen; † 16. März 1829 in Elberfeld)) erst als Lehrlinge und ab 12. Juli 1787 als Teilhaber ins Geschäft. Die Firma nannte sich seitdem Abraham & Gebrüder Frowein (Abr. & Gebr. Frowein).

Kaspar A. Frowein blieb unverheiratet und kinderlos. Neffe Abraham (6. Generation) heiratete am 31. Juli 1794 Charlotte (Luisa) Luise Weber (* 30. September 1770 in Elberfeld; † 27. Dezember 1833 ebenda), eine gute Partie, entstammte sie doch den alteingesessenen Elberfelder Kaufmannsfamilien Weber und Cappel. Aus Mitgift und Erbschaft gelangte er so in den Besitz bedeutender Mittel und dreier Wohnhäuser am Neuen Weg und am Wall. Hier am Wall wohnte nun die Familie Frowein mit schließlich elf Kindern.

Napoleonische Zeit (1806–1813) Die napoleonische Zeit brachte dem Handel mancherlei Wandel. Zunächst brachte der Niedergang der französischen Manufakturen den Bergischen einen großen Aufschwung. Die Kontinentalsperre von 1806 schnürte dann aber diesen Markt bald mehr und mehr ab, Handel und Produktion litten große Not und damit auch das ganze Land. Das Ende Napoleons wurde zwar als große Erlösung empfunden, jedoch waren damit die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht vorbei. Die früher im Tal starke Baumwollindustrie war wegen der hohen Löhne in billigere Regionen gezogen (Mönchengladbach, Sachsen, Vogtland). Englische Händler hatten die amerikanischen und indischen Märkte übernommen und überschwemmten nun auch den Kontinent mit billigen Baumwollwaren. Viele deutsche Baumwollspinnereien und Handelshäuser mussten aufgeben. Auch bei Abr. & Gebr. Frowein war das Auslandsgeschäft zusammengebrochen, dafür wurden aber auch schnell wieder neue Geschäftsbeziehungen ins europäische Ausland geknüpft, wo nach wie vor Bänder und Litzen verlangt wurden.

Appretur Dünnbiers-Gasse (heute Neumarktstraße) (ab 1813) Als der Firmengründer Abraham Frowein (5. Generation) 1813 im Alter von 79 Jahren starb, setzten es dessen beide Neffen Abraham (6. Generation) und Kaspar (6. Generation) fort. Die Familie war trotz der schlechten Zeiten wohlhabend geworden, sodass die beträchtliche Summe von fast 75.000 Talern für Legate und Abfindungen ausgezahlt werden konnte, ohne dass das für die Firma notwendige Kapital nennenswert berührt wurde. Wenige Jahre später 1816 konnte das Geschäftsgrundstück durch den Kauf angrenzender Grundstücke bis zur damaligen Dünnbiers-Gasse (heute Neumarktstraße) wesentlich erweitert wurden. 1818 errichteten die beiden Neffen Abraham (6. Generation) und Kaspar (6. Generation) hier als ihr Wohnhaus ein dreistöckiges bergisches Schieferhaus im Empirestil. Zugleich erbauten sie im Garten hinter dem benachbarten Stammhaus ein Fabrikgebäude für die Appretur ihrer Bänder, in dem 1825 von der Firma Harkort aus Wetter (Ruhr) eine mit Steinkohlen betriebene Dampfmaschine mit einer Leistung von drei PS aufgestellt wurde.

Seiden- und Halbseidenbänder Weberei (ab 1829) 1829 starb Abraham Frowein (6. Generation). Der gesamte Nachlass wurde auf 465.500 Taler bewertet, darin die Geschäftseinlage von 288.026 Talern. Zum Nachlass gehörten vier Häuser am Neumarkt mit den dahinter liegenden Fabrikgebäuden sowie einige weitere Grundstücke in Elberfeld und einige Weinberge am Rhein. Drei seiner fünf Söhne übernahmen als Teilhaber das Geschäft. Sie heirateten wie ihre Schwestern Töchter bzw. Söhne aus Kaufmannsfamilien.

Abraham Frowein (7. Generation; * 15. Juli 1797 in Elberfeld; † 15. Mai 1848 ebenda) heiratete am 7. Juni 1820 Eleonore Wilhelmine von Carnap (* 18. Januar 1801 in Elberfeld; † 5. August 1861 in Mainz) (ohne Kinder); August Frowein (7. Generation; * 10. Oktober 1805 in Elberfeld; † 25. März 1850 ebenda) heiratete am 23. September 1837 Thekla Boeddinghaus (* 6. Juli 1819 in Elberfeld; † 7. August 1897 ebenda, Teilhaber 1850–1864, 4 Kinder) und Louis (Ludwig der Ältere) Frowein (7. Generation; * 19. Februar 1808 in Elberfeld; † 29. März 1882 ebenda, Teilhaber ab 1. September 1832) ehelichte am 18. September 1832 Julie von der Heydt (* 27. Januar 1810 in Elberfeld; † 28. Juli 1884 ebenda), (7 Kinder).

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zudem die bisherigen Baumwollbänder zunehmend durch Seiden- und Halbseidenbänder abgelöst, von denen die Mode Unmengen für Kleider und Hüte verlangte.

Die Geschäftsbeziehungen mit Kunden in Süd- und Nordamerika sowie der Karibik (seinerzeit noch Westindien genannt) erhielten in den folgenden Jahren eine wachsende Bedeutung. In den 1820er Jahren wurde die Fabrikation auf die in überseeischen Plätzen beliebten seidenen, halbseidenen und wollenen Bänder, Litzen, Kordeln und Besatzartikel ausgedehnt.

Zwar beruhte das Geschäft immer noch weitgehend auf der Arbeit von Hausbandwirkern. Jedoch stieg die Arbeitsausbeute durch Aufstellung von breiteren Bandstühlen und Litzenmaschinen bei Frowein. Frowein produzierte und lieferte. 1854 wurde eine neue, stärkere Dampfmaschine aufgestellt mit der Auflage der Aufsichtsbehörde, bei auftretenden Beschwerden der Nachbarn den Schornstein auf 60 Fuß (18,3 m) zu erhöhen, denn die Bebauung im Umfeld war inzwischen wesentlich ausgeweitet worden.

Neubau am Neumarkt (1869) 1869 wurde das alte Stammhaus am Neumarkt 1 abgerissen und durch einen 5-geschossigen Hochbau ersetzt. Das benachbarte Empirehaus wurde Geschäftshaus. Im Garten wurde ein neuer Shedbau errichtet für die Unterbringung von Bandstühlen, auf denen eine neue Produktion von schwarzen Taft, Faillé und Satinbändern gewebt wurde. Hier wurden nun an die 100 Bandstühle aufgestellt.

Louis Frowein der Ältere und Kinder (7. und 8. Generation) (ab 1848–1882) mini|Louis Frowein (1808–1882) mini|links|Villa Frowein, ehemals Bergische Musikschule (Wuppertal) mini|Villa Frowein, Briller Str. 2 mini|Tafel an Villa Frowein

Nach dem Tode seiner Brüder Abraham (7. Generation; 1797–1848) und August (7. Generation; 1805–1850) führte Louis (Ludwig) Frowein (7. Generation; 1808–1882) das Geschäft allein weiter.

Er nahm in den folgenden Jahren in der 8. Generation drei seiner Söhne: Ludwig (Louis der Jüngere) Frowein (* 9. Januar 1835 in Elberfeld; † 6. Juli 1906 ebenda, Teilhaber 1858–1877); Rudolf Frowein (* 7. April 1836 in Elberfeld; † 24. Januar 1918 ebenda, ab 1868 Teilhaber); Abraham Frowein (* 20. Februar 1847 in Elberfeld; † 26. August 1893 in Magglingen, ab 1875 Teilhaber) (von 7 Kindern) als Teilhaber auf, während die Nachkommen seiner beiden Brüder Abraham und August aus der Firma ausschieden. 1877 schied Ludwig (Louis der Jüngere) (1835–1906) aus der Firma aus, um seinem jüngsten Bruder Karl Frowein (8. Generation, * 31. Juli 1852 in Elberfeld; † 28. April 1928 in Lugano, Teilhaber 1877–1926) als Teilhaber Platz zu machen.

Louis Frowein der Ältere wurde wegen seiner Verdienste um das wirtschaftliche Leben der Stadt Elberfeld zum Königlichen Kommerzienrat ernannt.

Der Elberfelder Textilunternehmer und Teilhaber der Seidenweberei Frowein & Co. GmbH und preußische Kommerzienrat Rudolf Frowein (8. Generation) heiratete am 20. Juni 1861 Elisabeth De Weerth (* 26. April 1840 in Elberfeld; † 21. April 1927 ebenda, Teilhaberin 1918–1922, 6 Kinder). Rudolf Frowein war der Bauherr der spätklassizistischen Villa Frowein Elberfeld, Briller Straße 2.

Bandweberei Frowein und Stückfärberei Sehlbach (ab 1880) In den 1880er Jahren entwickelte der preußische Kommerzienrat Rudolf Frowein zusammen mit der Färberei Sehlbach die Herstellung stückgefärbter Bänder. Das war gegenüber der Bandfärberei eine wesentliche Vereinfachung, da jetzt zuerst die Bänder gewebt und dann nach Bedarf gefärbt werden konnten. Damit erhöhte sich bei Frowein der Absatz von Bändern, die Zahl der eigenen Webstühle für die Bänderproduktion musste erheblich gesteigert werden. Dies war am Neumarkt nicht mehr möglich.

Umzug zur Bandweberei Uellendahler Straße und Aufgabe des Standorts Neumarkt (ab 1886)