Die Universität für Wissenschaft und Technik der Landesverteidigung der Volksbefreiungsarmee () in Changsha, Provinz Hunan, im Ausland bekannt als National University of Defense Technology, daher oft „NUDT“ abgekürzt, ist eine der besten Universitäten Chinas. Sie gehörte 1996 zur ersten Gruppe der im Rahmen des „Projekts 211“ zu Exzellenzuniversitäten ernannten Lehranstalten. Die Universität untersteht direkt der Zentralen Militärkommission, aber anders als bei der ebenfalls der ZMK unterstehende Militärhochschule (国防大学) und der Militärakademie (军事科学院) werden dort nach einer Aufnahmeprüfung auch besonders begabte Zivilisten aus ausgewählten Provinzen aufgenommen. Im Studienjahr 2019/20 wurden zum Beispiel Abiturientinnen und Abiturienten aus Liaoning, Shandong, Henan, Hunan, Sichuan, Guizhou und Jiangxi für die Aufnahmeprüfung zugelassen.

Geschichte Militärakademie der chinesischen Volksbefreiungsarmee für Ingenieurwissenschaften mini|Chen Geng, 1952–1961 Rektor der Akademie für Ingenieurwissenschaften Am 18. März 1952 reichten Generalstabschef Nie Rongzhen und sein Stellvertreter Su Yu bei der Zentralen Militärkommission einen „Bericht betreffs der Errichtung einer Militärakademie für Ingenieurwissenschaften“ (关于成立军事工程学院的报告) ein. Nachdem Zhou Enlai, Zhu De und Lin Biao, die Stellvertretenden Vorsitzenden der ZMK, den Bericht studiert und für gut befunden hatten, gab Mao Zedong, der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, am 26. März 1952 seine Zustimmung. Damit war die Genehmigung für die Gründung der „Militärakademie der chinesischen Volksbefreiungsarmee für Ingenieurwissenschaften“ (中国人民解放军军事工程学院) erteilt.

Gut zwei Monate später, am 3. Juni 1952 schrieb Premierminister Zhou Enlai an Nikolai Alexandrowitsch Bulganin, damals einer der Stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats der UdSSR, und bat ihn, Experten und Berater für eine militärische Ingenieurhochschule mit fünf Fakultäten (Luftwaffe, Artillerie, Marine, Panzer, Pioniere) nach China zu entsenden. Am 11. Juli 1952 ernannte Mao Zedong General Chen Geng (陈赓, 1903–1961) zum Rektor der im Aufbau befindlichen Akademie. Am 22. August 1952 setzte die Zentrale Militärkommission einen zehnköpfigen Vorbereitungsausschuss unter der Leitung von Chen Geng ein, der am 1. September 1952, also mit Beginn des Studienjahres, in Peking seine Arbeit aufnahm. Gleichzeitig entsandte die Sowjetunion mehr als 300 Experten aller Fachrichtungen, die beim Aufbau der Akademie halfen und bis zum Bruch mit China im Sommer 1960 im Land blieben.Stephen Uhalley Jr.: A History of the Chinese Communist Party. Hoover Institution Press, Stanford 1988, S. 127. Am 15. August 1960 verließen sämtliche sowjetischen Experten die Akademie.

Die Zentrale Militärkommission hatte im Juni 1952 beschlossen, die Akademie für Ingenieurwissenschaften in Harbin, Provinz Heilongjiang anzusiedeln, das Lehr- und Verwaltungspersonal sollte zunächst aus Kadern der 2. Infanteriehochschule in Chongqing (西南军区第二高级步兵学校), dem Militärwissenschaftlichen Labor in Nanjing (华东军区军事科学研究室) und dem 3. Korps der Chinesischen Volksfreiwilligenarmee in Nordkorea (中国人民志愿军第三兵团) bestehen. Am 24. November 1952 erließ die Zentrale Militärkommission dann eine Anweisung an alle Truppenteile, aus ihren Reihen 300 Assistenten und 1000 Studenten für die neue Akademie auszuwählen. Am 25. April 1953 wurde in Harbin mit den Bauarbeiten für die Gebäude der Militärakademie begonnen, und am 1. September 1953 wurde der Unterrichtsbetrieb aufgenommen. Dies zählt heute als offizieller Gründungstag der Universität für Wissenschaft und Technik der Landesverteidigung.

mini|Fakultät für Raketentechnik Die Militärakademie der chinesischen Volksbefreiungsarmee für Ingenieurwissenschaften war nicht klein. Bis zum vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1955 hatten 5000 Arbeiter auf dem Campus mit einer Fläche von 180.000 m² insgesamt 167 Gebäude errichtet, von ebenerdigen Schuppen bis zu siebenstöckigen Gebäuden. 47 % der gesamten Geschossfläche von 410.000 m² dienten für Unterrichtszwecke, 39 % für Unterkünfte, 7 % für Büros, der Rest für Küchen, Speisesäle und andere Zweckbauten. Die gesamten Baukosten betrugen 3,5 Millionen Yuan. Zum Vergleich: im Jahr 1955 erhielt ein Leutnant der Volksbefreiungsarmee einen monatlichen Sold von 60 Yuan, ein General 425 Yuan. 1960, während des Großen Sprungs nach vorn, wurden die Gehälter in den höheren Besoldungsklassen um bis zu 12 % gekürzt. Nachdem Verteidigungsminister Peng Dehuai 1956 in Peking das „5. Forschungsinstitut“ eingerichtet hatte, das sich ab 1957 unter der Leitung von Qian Xuesen mit der Entwicklung der chinesischen Atombombe befasste, und am 11. April 1958 mit dem Bau des Kosmodroms Jiuquan begonnen worden war, wurde an der Akademie im Oktober 1958 eine Fakultät für Raketentechnik (导弹工程系) eingerichtet, im Juni 1960 eine Fakultät für ABC-Abwehr (原子化学防护系), und im August 1961 eine Fakultät für Kerntechnik (原子工程系), die eine entscheidende Rolle beim Aufbau des Kernwaffentestgeländes Lop Nor spielen sollte, sowie eine Fakultät für Elektronik (电子工程系).

Bis dahin handelte es sich bei allen Studenten um Soldaten, die von ihren Einheiten zur Weiterbildung an die Akademie geschickt wurden. Im Mai 1962 wurde dieses System jedoch auf Anweisung von Zhou Enlai geändert: es wurden nur noch Abiturienten direkt aus dem Zivilleben aufgenommen. Drei Jahre später, am 21. Oktober 1965 genehmigte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einen Antrag der Zentralen Militärkommission, die Militärakademie der chinesischen Volksbefreiungsarmee für Ingenieurwissenschaften aus ihrer Zuständigkeit herauszulösen und mit Wirkung vom 1. Januar 1966 der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee zu unterstellen, was dann allerdings auf einer Sitzung der ZMK am 19. Dezember 1965 mit Genehmigung Zhou Enlais auf den 1. April 1966 verschoben wurde.

Akademie für Ingenieurwissenschaften Harbin Durch die Zündung der ersten chinesischen Atombombe am 16. Oktober 1964 hatte die Volksbefreiungsarmee stark an Ansehen gewonnen und Verteidigungsminister Lin Biaos Position war gestärkt worden, der eine Politisierung der Armee anstrebte, auch vor dem Hintergrund des Kriegseintritts der USA in Vietnam am 7. August 1964.Stephen Uhalley Jr.: A History of the Chinese Communist Party. Hoover Institution Press, Stanford 1988, S. 137–139. Auf einer Besprechung am 18. November 1965 hatte Lin Biao den Begriff des „Primats der Politik“ (突出政治) geprägt, was in seiner Interpretation vor allen Dingen das Studium der Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung sowie eine Rückkehr zu den Traditionen des defensiven Volkskriegs, dem Üben des Nahkampfs und des Nachtkampfs bedeutete.Diese Doktrin blieb im Prinzip bis zum 1. Januar 2016 bestehen, als die Volksbefreiungsarmee mit der Umstellung auf Vorneverteidigung sowie der Gründung der Raketenstreitkräfte und der Strategischen Kampfunterstützungstruppe im Rahmen der Tiefgreifenden Reform der Landesverteidigung und des Militärs offiziell in eine Armee des 21. Jahrhunderts umgewandelt wurde. Die Akademie, die die Atombombe ermöglicht hatte, wurde als „eine der vier unpolitischsten und rückständigsten Einheiten der gesamten Armee“ (全军四个不突出政治的落后单位之一) kritisiert, mit Wirkung vom 1. April 1966 aus der Volksbefreiungsarmee ausgeschlossen und in „Akademie für Ingenieurwissenschaften Harbin“ (哈尔滨工程学院) umbenannt. Hierbei handelte es sich mehr um einen symbolischen Akt. Liu Juying (刘居英, 1917–2015), bis zur Abschaffung der Dienstgrade im Mai 1965 Generalmajor der Volksbefreiungsarmee, blieb Rektor der Akademie, und die Wehrtechnik-Kommission, die neue Trägerin der Hochschule, war ebenfalls eine Einheit der Volksbefreiungsarmee.

Das Personal wurde zwar kollektiv aus der Armee entlassen, die Dozenten unterrichteten jedoch, nun als Zivilisten, dieselben Inhalte wie vor dem 1. April 1966. Die ursprüngliche Artillerie-Fakultät war bereits im Juni 1960 nach Wuchang ausgelagert worden, die Panzer-Fakultät im Mai 1961 nach Xi’an, und die Pionier-Fakultät im Juni 1961 ebenfalls nach Xi’an. Nachdem mit der Umorganisation am 1. April 1966 eine Fakultät für elektronische Datenverarbeitung und eine Fakultät für ausländische Studenten eingerichtet worden waren, verfügte die Akademie für Ingenieurwissenschaften Harbin bei ihrer Gründung über folgende Fakultäten: Flugzeugbau (航空工程系) mini|Propagandatrupp für Maoismus Kerntechnik (原子工程系) Schiffsbau (舰船工程系) Elektronik (电子工程系) Raketentechnik (导弹工程系) Elektronische Datenverarbeitung (电子计算机系) Ausländische Studenten (外国留学生系) Versuchsfabrik (实验工厂)

Bald darauf brach die Kulturrevolution aus, und als reguläre zivile Universität hatte die Akademie genauso darunter zu leiden wie alle anderen Lehranstalten des Landes. Am 11. Mai 1966 wurde auf Anweisung der Führung des Landesverbandes Heilongjiang der KPCh an der Akademie eine „Kulturrevolutionäre Führungsgruppe“ (文化大革命领导小组) eingerichtet, am 22. Juli 1966 besetzte eine „Arbeitsgruppe des Provinzkomitees Heilongjiang der KPCh“ (中共黑龙江省委工作队) die Akademie. Diese wurde am 31. Januar 1967 von der „Vereinigten Machtergreifungskommission der Roten Revolutionären Rebellen der Rüstungsindustrie“ (军工红色造反者联合接管委员会) vertrieben, und diese wiederum am 29. August 1968 vom „Arbeiter-Propagandatrupp für Maoismus“ (工人毛泽东思想宣传队). Trotz der bürgerkriegsähnlichen Zustände konnte die Akademie für Ingenieurwissenschaften über 100 Forschungsaufträge erfolgreich abschließen, darunter Berechnungen für das Höhenleitwerk des Jagdflugzeugs J-6 (歼-6), die Verbesserung der Seetüchtigkeit der chinesischen U-Boote, Antriebsberechnungen für das Torpedoboot 027 I (27Ⅰ型钢质单水翼导弹快艇), der Volkstransistorrechner 441-B (441-B晶体管化通用电子计算机, der Urvater der Tianhe-Supercomputer) und vieles mehr.

Polytechnische Akademie Changsha 1969 hatten sich nach dem Zwischenfall am Ussuri die Spannungen mit der Sowjetunion soweit verschärft, dass Verteidigungsminister Lin Biao am 18. Oktober 1969 mit seinen „Befehl Nr. 1“ (林副统帅一号战斗号令, Pinyin Lín Fùtǒngshuài Yīhào Zhàndòu Hàolìng) die chinesischen Atomraketen startbereit machen ließ. In diesem Befehl ordnete Lin Biao außerdem nicht nur an, dass sich alle militärischen Einheiten weit verstreuen sollten,南懷沙: 挖山洞的大兵. 秀威資訊科技股份有限公司, 台北 2013, S. 111. sondern auch dass die wichtigen Institute sofort ins Landesinnere zu verlagern wären, die sogenannte „Dritte Front“ (三线), ein bereits seit 1964 laufendes Projekt. Am 4. Dezember 1969 wurde die Akademie für Ingenieurwissenschaften von der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee erstmals davon verständigt, dass sie auf Anweisung der Zentralen Militärkommission ebenfalls für eine Verlagerung vorgesehen war. Am 20. Dezember folgten die Details: Die Fakultät für Flugzeugbau kam nach Xi’an und wurde in die Polytechnische Universität Nordwestchinas integriert Die Fakultät für Kerntechnik kam zusammen mit einem großen Teil der Polytechnischen Universität Harbin nach Chongqing Die Fakultät für Schiffsbau und die Versuchsfabrik blieben in Harbin Die Fakultäten für Elektronik, Raketentechnik, Elektronische Datenverarbeitung und ausländische Studenten kamen zusammen mit der Verwaltung nach Changsha