Abfaltersbach ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im österreichischen Bezirk Lienz (Tirol).
Geographie Die Gemeinde Abfaltersbach liegt im Südwesten des Bezirks Lienz im Pustertal bzw. dem Hochpustertal. Die Siedlungen der Gemeinde liegen überwiegend im Tal der Drau zwischen den Villgrater Bergen und den Lienzer Dolomiten sowie auf den sonnseitigen Abhängen der Villgrater Berge. Das Gemeindegebiet ist mit 10,27 km² das zweitkleinste der 33 Osttiroler Gemeinden. Es grenzt im Norden an Außervillgraten, im Osten an Anras, im Süden an Kartitsch und im Westen an Strassen. Die Gemeinde umfasst einen kleinen Abschnitt des Hochpustertals sowie der angrenzenden Gebirge.
Topografie Das relativ schmale Gemeindegebiet von Abfaltersbach wird etwas südlich seiner Mitte von West nach Ost von der Drau durchquert. Im Bereich der Gemeinde verläuft die Drau eng entlang der Abhänge der Lienzer Dolomiten, wodurch südlich der Drau kaum Gebäude errichtet werden konnten. Dort umfasst das Gemeindegebiet die schattseitigen, fast ausschließlich bewaldeten Abhänge der Ausläufer jenes Gebirgszuges. Hier reicht das Gemeindegebiet jedoch nicht bis an den westwärts in Richtung St. Oswald absinkenden Gebirgskamm, sondern endet in einer Höhe von rund 1800 bis 1900 Metern mit der Grenze zu Kartitsch. Die westliche bzw. östliche Grenze wird in diesem Bereich des Gemeindegebietes vom Auenbach bzw. Badbach gebildet.
Im Nordwesten, also links der Drau, erstreckt sich das Gemeindegebiet an den Hängen der Villgratner Berge aufwärts, umfasst dort vor allem die Ostabhänge des Bichl sowie den Süd- und Südostabhang des Raucheggs, das mit 2594 m auch den höchsten Punkt des Gemeindegebiets markiert. Im Osten bildet hier der Erlbach die Grenze zu Anras, im Westen verlaufen der in der Gemeinde Strassen entspringende Pulverbach sowie der Thurnbach auf dem Gemeindegebiet von Abfaltersbach.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Abfaltersbach ist deckungsgleich mit der gleichnamigen Katastralgemeinde. Der Hauptort der Siedlung, das Dorf Abfaltersbach, befindet sich zwischen der Drau im Süden und der Drautalstraße im Norden auf , wobei die Ortschaft Erlbrücke der Gemeinde Anras bereits mit Abfaltersbach zusammengewachsen ist. Der Hauptort wird ortsüblich als „Walde“ bezeichnet und umfasst die Filialkirche Mariä Heimsuchung, die Volks- und Hauptschule mit Kindergarten sowie das Gemeindeamt, Sportanlagen und fast alle gewerblichen Betriebe. Nordwestlich von Abfaltersbach am sonnseitigen Abhang des Bichl liegt das Dorf Abfaltern in bis , zu dem auch der nördlich gelegene Einzelhof „Beim Troger“ gehört. Der Trogerhof stellt mit seiner Lage in den höchsten besiedelte Ort der Gemeinde dar. Abfaltern ist der älteste Ortsteil des Gemeindegebietes und beherbergt die Pfarrkirche und den Friedhof. Westlich von Abfaltersbach und Abfaltern befindet sich das Dorf Geselhaus beidseits der Drautalstraße und der Bahnstrecke auf dem Schuttkegel des Pulverbaches und des Thurnbaches in Von Abfaltersbach nach Westen oder von Geselhaus über eine nach Norden verlaufende Straße ist zwischen Schwärzenbach und Petrerbach gelegene Rotte Einöd (um ) mit etwa zehn Wohnhäusern zu erreichen. Nordnordwestlich davon liegt auf über und mit separater Zuwegung vom Ortsende Abfaltern der Pannerhof. Das einzige Wohnhaus auf der Schattseite ist der Bruggerhof, direkt gegenüber des Kernortes am rechten Drauufer.
Nachbargemeinden
Das Gemeindegebiet liegt im Gerichtsbezirk Lienz.
Geschichte Die älteste Namensform „Affoltrupach“ ist in einer Urkunde von 1160 überliefert und weist auf eine alte Besiedelung hin. Der Name Abfaltersbach könnte dabei von althochdeutsch affaltar (‚Apfelbaum‘) abgeleitet sein. Der Erlbach, der „kleine Bach vom Anraser Berg“ (urk. 769), an dem Abfaltersbach liegt, war durch Jahrhunderte Grenzbach. Er wird bis ins 13. Jahrhundert als östliche Grenze des bajuwarischen Siedlungsgebietes und gleichzeitig als Ostgrenze des freisingischen Herrschaftsgebietes erwähnt und ist auch bis 1500 Grenze zwischen dem görzischen Landgericht Heinfels und dem Gericht Anras. Abfaltersbach blieb noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Grenzgemeinde der beiden Gerichte Heinfels und Anras.
1805 bis 1809 war Abfaltersbach dem Königreich Bayern und von 1810 bis 1813 dem Kaiserreich Frankreich (Provinz La Carinthie) einverleibt. 1938 wurde die Gemeinde Abfaltersbach aufgelöst und mit der Gemeinde Strassen vereinigt, 1948 als selbständige Gemeinde wiederhergestellt.
Katastrophen Im Laufe der Geschichte war der Erlbach nicht nur Grenzbach, sondern auch eine ständige Bedrohung der Siedlungen. So gelobte die Gemeinde 1802 nach einem schrecklichen Gewitter „ein Stundengebet am 1., 2. und 3. Juli und am 4. Juli in Feiertagsordnung eine Prozession mit Bachsegnung jährlich abzuhalten“. Als die Eisenbahn gebaut wurde, erhielt der Bach ein tiefes Bachbett und seit 1980 ist die Gefahr durch Talsperren entschärft.
1882 zerstörte die Drau fünf Gebäude (Perfler, Rogger und Brugger Schmiede, die „Kolagner“-Mühle, Brugger Säge), beschädigte zwei Wohnhäuser und richtete gewaltige Flurschäden an. In den Hochwasserjahren 1965 und 1966 konnte die Drau im Überschwemmungsgebiet von 1882 gehalten werden. Trotzdem entstand beachtlicher Sachschaden an einem Wohnhaus (Tengg), an der Kunstmühle (Stallbaumer) und dem Sägewerk (Ortner). Auch der Pulverbach richtete immer wieder Flurschäden an.
Brandkatastrophen vernichteten in Abfaltern 1897 drei Häuser und 1904 fünf Gebäude. 1939 wurden die zwei Aigner Futterhäuser an der Hauptstraße, die miteinander über die Straße hinweg baulich verbunden waren, ein Raub der Flammen.
Bevölkerung Bevölkerungsstruktur 2025 lebten in der Gemeinde Abfaltersbach 646 Menschen. Ende 2001 waren 99,0 % der Bevölkerung österreichische Staatsbürger (Tirol: 90,6 %), bis zum Jahresbeginn 2012 sank der Wert nur unbedeutend auf 96,9 %. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 2001 99,2 % der Einwohner (Tirol: 83,4 %), 0,3 % hatten kein religiöses Bekenntnis, 0,5 % waren evangelisch.Statistik Austria Gemeindedaten von Abfaltersbach
Der Altersdurchschnitt der Gemeindebevölkerung entsprach 2001 ungefähr dem Landesdurchschnitt. 18,8 % der Einwohner von Abfaltersbach waren jünger als 15 Jahre (Tirol: 18,4 %), 61,9 % zwischen 15 und 59 Jahre alt (Tirol: 63,0 %). Der Anteil der Einwohner über 59 Jahre lag mit 19,3 % leicht über dem Landesdurchschnitt von 18,6 %. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung von Abfaltersbach sank in der Folge deutlich. Der Anteil der unter 15-Jährigen stieg per 1. Jänner 2012 auf 22,5 %, während der Anteil der Menschen zwischen 15 und 59 Jahren mit 63 % fast konstant blieb. Der Anteil der über 59-Jährigen sank hingegen auf 15,4 %. Nach dem Familienstand waren 2001 53,2 % der Einwohner von Abfaltersbach ledig, 40,6 % verheiratet, 5,4 % verwitwet und 0,8 % geschieden.Landesstatistik Tirol (VZ 2001) (PDF; 3,9 MB).
Bevölkerungsentwicklung Nachdem die Einwohnerzahl von Abfaltersbach zwischen 1869 und 1880 um 20 % gestiegen war, pendelte sie sich bis 1939 bei etwa 450 Einwohnern ein. Erst danach begann die Einwohnerzahl der Gemeinde zu steigen, wenngleich die Wachstumsrate ab den 1960er Jahren unter den Werten des Bezirks bzw. des Landes Tirol lag. Das stärkste Wachstum erreichte die Gemeinde zwischen 1939 und 1951, leichte Steigerungen gab es zudem in den 1950er und 1960er Jahren. Danach stagnierte die Einwohnerzahl erneut, wobei die Gemeinde zwischen 1971 und 2001 in jedem Jahrzehnt einen Geburtenüberschuss und eine negative Wanderungsbilanz aufwies. Auch zwischen 2002 und 2011 litt die Gemeinde in sieben von zehn Jahren unter mehr Weg- als Zuzügen, konnte jedoch durch eine positive Geburtenbilanz ihre Einwohnerzahl leicht ausbauen. Den höchsten Einwohnerstand verzeichnete die Gemeinde dabei Ende 2007 mit 660 Einwohnern.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Abfaltern mini|hochkant|Filialkirche Abfaltersbach
Katholische Pfarrkirche Abfaltern hl. Andreas Katholische Filialkirche Abfaltersbach Mariä Heimsuchung
Pfarre Das Gebiet bis zum Erlbach wurde bis 1190 vom Chorherrenstift Innichen und später von der Pfarre Sillian aus seelsorglich betreut. Im Ortsteil Abfaltern wird schon 1143 eine Kapelle erwähnt. Die heutige Pfarrkirche zum Hl. Andreas wurde zusammen mit dem Friedhof 1441 geweiht und später (1765) innen barockisiert. Im Jahre 1652 erhielt Abfaltersbach den ersten eigenen Kuraten und ist seit 1891 eine eigene Pfarrei.
Schon um 1590 stand im Ortsteil Walde ein Bildstock der Familie Aigner und später eine Kapelle, in der sich laut Votivtafel ein Wunder ereignet haben soll. Der gebürtige Abfaltersbacher Johann Anton Aigner (Pfarrer in Payerbach) stiftete und erbaute an dieser Stelle mit Hilfe seines Bruders Karl Aigner 1772 die Filialkirche Mariä Heimsuchung.
In Geselhaus steht seit 1905 eine Lourdeskapelle. In Einöd erbauten die Brüder Bartholomäus und Josef Goller 1975 eine Kapelle (dem Hl. Bartholomäus geweiht).
Vereine Als Kulturträger ist neben den traditionellen „Schützen“ an erster Stelle das Musikwesen zu nennen. Die 1825 gegründete Musikkapelle hat ihren musikalischen Stellenwert bis heute erhalten und den Nachwuchs durch die Musikschule Abfaltersbach (gegr. 1971 – seit 1999 in der Musikschule Oberland integriert) gesichert. Der gemischte Chor Belcanto ergänzt seit über 20 Jahren mit abwechslungsreichem Liedgut sowie Orchestermessen an höchsten kirchlichen Festtagen das Musikwesen in der Gemeinde. Die Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1896. Das Feuerwehrhaus befindet sich in Walde und ist mit zeitgemäßen Geräten ausgestattet. Derzeit stehen vier Löschgruppen mit 65 aktiven Mitgliedern zur Verfügung. 1970 wurde ein Sportverein gegründet, der zirka 270 Mitglieder zählt und mit Eisplatz und Fußballplatz über zwei Sportanlagen verfügt. Die Sportschützen bilden einen eigenen Verein. Der Krippenverein ist kirchlich orientiert. Das jüngste Vereinskind ist die „Jugendheimbühne“ mit einem jährlichen komödiantischen Stück und einer Faschingsveranstaltung.
Ein romantischer Blick in die Geschichte des Dorfes:
Bis heute ist uns das „Badl“ in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Das typische Biedermeier-Bauernbadl wurde 1855 von den Besitzern des Gasthauses Aigner errichtet. Die Bevölkerung schreibt der Quelle heilende Wirkung zu und besucht in den Sommermonaten diesen nostalgischen Bade- und Gastbetrieb.
Ebenso als ein Denkmal traditioneller Handwerkskunst wurde 1991 die Glasurmühle der Hafnerei Steger wiederhergestellt. Das Hafnereigewerbe wurde nachweislich seit 1654 eben dort bis 1989 betrieben.
Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsstätten und Beschäftigte