mini|Weihrauch HW 97 K Weihrauch & Weihrauch (Weihrauch & Weihrauch Sport GmbH & Co. KG) ist ein traditioneller deutscher Kleinwaffenhersteller. Das Unternehmen wurde 1899 in Zella-Mehlis gegründet und hat seit 1948 seinen Sitz in Mellrichstadt. Die Firma ist hauptsächlich als Hersteller von Luftdruckwaffen und Schreckschusswaffen sowie für Revolver bekannt.

Vorgeschichte Die Geschichte der Firma Weihrauch folgt der Tradition der Waffenschmiede von Thüringen. Die Historie der Waffenherstellung in Zella-Mehlis und Zella St. Blasii reicht rund 800 Jahre zurück. Schon im Mittelalter gab es im Ort Handwerksinnungen der Waffenschmiede, in denen später auch Büchsenmacher organisiert waren. Bereits im 16. Jahrhundert war die Familie Weihrauch dort im Büchsenmacherhandwerk bekannt. International fand die Fertigung der benachbarten „Waffenstadt Suhl“ Anerkennung und sicherte die Beschäftigung in dieser Region, die vom Aufschwung der Gründerzeit profitierte. Anfang der 1890er Jahre bekam Zella-Mehlis ein Beschussamt, in dem später in Summe etwa fünfzehn Millionen Waffen geprüft wurden. Vor Ort waren zahlreiche Büchsenmacher ansässig, von denen auch Herrmann Weihrauch und Oskar Weihrauch in diesem Handwerk tätig waren und eigene Werkstätten gründeten. Zu Hermann Weihrauch ist bekannt, dass er 1889 Büchsenmachermeister wurde und danach zehn Jahre in Zella als Betriebsleiter für Carl Bartels tätig war, der sein Hauptgeschäft als „Hofbüchsenmacher“ in Wiesbaden betrieb. Zu Oskar Weihrauch, der seinen Betrieb 1898 gründete, wurde überliefert, dass er Jagdwaffen für „Kronprinzen der deutschen kaiserlichen Familie“ gefertigt haben soll. Firmen wie Carl Walther Sportwaffen, J. G. Anschütz, Mercedes-Büromaschinen- & Waffenwerke sowie das Venuswaffenwerk haben ebenfalls ihre Geschichte im Ort. Das Stadtmuseum Zella-Mehlis hat eine Ausstellung zur Geschichte der Industrialisierung und Waffenherstellung.

Unternehmensgeschichte Weihrauch in Zella-Mehlis mini|HWZ (Hermann Weihrauch Zella-Mehlis) eingetragen als Warenzeichen 1921 Das Unternehmen wurde 1899 von Hermann Weihrauch (Senior) in Zella-Mehlis gegründet. Zur Herstellung bis in die 1920er Jahre werden Jagdwaffen und Eisenwaren erwähnt. Nachweislich wurde 1921 das Warenzeichen HWZ für die Firma mit Schusswaffenherstellung mit der mehrfach dokumentierten in Zella-Mehlis eingetragen. Das Warenzeichen HWZ wurde 1926 in vereinfachter Form nochmals registriert. Im Verlauf der Geschichte wurde der Betrieb mit etlichen Firmennamen erwähnt; anfangs als Einzelunternehmen Hermann Weihrauch und später mit wechselnden Ergänzungen, wie am 22. Dezember 1939 mit „Herm. Weihrauch Gewehr- und Fahrradteile Fabrik O.H.G.“. Zur Herstellung in den 1930er und 1940er Jahren ist, bis auf den Schwerpunkt zu Fahrradteilen und die Scheibenbüchsen wenig bekannt. Es gibt drei Patente zu Pistolen und zwei Patente für Türschließer. Die Fertigung von Zielfernrohrmontageteilen mit Herstellermarkierung „eea“ für die Wehrmacht sowie einige Handelsregistereinträge sind urkundlich belegt. Die Betriebsleitung und Entwicklung lag bei Hermann Weihrauch (Senior) und den Teilhabern Hermann Weihrauch (Junior), Otto Weihrauch (Büchsenmacher) und Werner Weihrauch (Ingenieur). Zur Waffenproduktion vor 1945 sind wenige Hinweise bekannt, die sich folgenden Waffentypen oder Einzelstücken zuordnen lassen:

Scheibenbüchsen Zur Vorkriegsfertigung von Weihrauch in Zella-Mehlis sind zwei Typen von Scheibenbüchsen bekannt, die gelegentlich noch als gebrauchte Gewehre in Auktionen erscheinen: HWZ Modell 21 (auch HWZ Kleinkaliber Sportbüchse Modell 1921 oder HWZ 21 Martini-KK 1921). Dieses Modell wird wegen des Verschlusssystems mit Fallblockverschluss auch als Martinibüchse bezeichnet und wurde im Kaliber .22 lfB gefertigt. Die Bauart des HWZ Modell 21 entspricht mit geringen Abweichungen dem Gewehrmodell B. S. A. Model No. 12 Target Rifle. HWZ Modell 29 (auch HWZ Sportbüchse Modell 1929 oder HWZ 29 Vertikalblock). Dieses Modell wird wegen des Verschlusssystems auch als Fallblockbüchse bezeichnet und wurde im Kaliber .22 lfB gefertigt. Dieses Modell ist weniger bekannt als das Modell HWZ Modell 21.

Repetierbüchsen Weihrauch fertigte Nachbauten des DSM 34 (auch „Deutsches Sportmodell 1934“ oder „Wehrsportgewehr“) von Mauser im Kaliber .22 lfB. Diese Gewehre wurden (gemeinsam mit anderen Herstellern) unter der Marke „THÜRINGEN DAS GRÜNE HERZ DEUTSCHLANDS“ vertrieben. Diese Modelle sind in angloamerikanischen Bereichen auch als „DSM 34 Green-Heart“ bekannt. Seltener sind Wehrsportgewehre, bei denen Weihrauch als Herstellermarke verwendet wurde.

Jagdwaffen Der Bereich der Jagdwaffen von Weihrauch wird in der Literatur ohne Angaben zum Produktionsumfang erwähnt. Teilweise entstanden auf Basis der Sportwaffen jagdlich nutzbare Gewehre. Für größere Kaliber sind wenige Jagdwaffen von Weihrauch vor 1945 aus Zella-Mehlis bekannt: Drilling von Hermann Weihrauch, „World War II Weihrauch Drilling Gun“, zweimal Flintenkaliber 16 und einmal Kugelkaliber 7 × 57 mm. Querflinte von Oskar Weihrauch Nachweislich mit Belegexemplaren zur Fertigung nach 1945 aus Zella-Mehlis sind in der ehemaligen Sowjetunion Querflinten bekannt, bei denen „Herm. Weihrauch“ als Herstellermarke genutzt wurde. Von Otto Weihrauch ist für die Nachkriegszeit eine Querflinte überliefert, die im Oktober 1951 zur Beschussprüfung in Suhl vorgestellt wurde.

Sonstige Typen Die HWZ Para-Luftpistole (auch HWZ LP1 genannt) war ein Prototyp, der in der Fachliteratur auffindbar ist (siehe Abschnitt Weihrauch Entwicklungen und Patente). Andere Waffenmodelle wurden möglicherweise von Weihrauch im Rahmen von Kooperationen gefertigt. Bis auf wenige Hinweise zur Existenz solcher Gemeinschaften, wie dem „Verband Zella-Mehliser Waffenfabrikanten e.V.“ oder der Herstellergemeinschaft „Waffengenossenschaft Zella-Mehlis“, sind keine Details zur Waffenproduktion in diesem Rahmen bekannt. Montagearbeiten unbekannten Umfangs wurden Mitte der 1920er Jahre für die Reichswehr mit „Zubehörteilen“ für Maschinengewehre ausgeführt, die von der Hannoverschen Waggonfabrik geliefert wurden.

Fahrradteileproduktion und Firmenauflösung Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Firma in Zella-Mehlis zunächst von Beschlagnahmen, Demontage und Enteignung betroffen. Am 3. April 1945 wurde Zella-Mehlis vom US-Militär besetzt. Die Amerikaner waren insbesondere an den waffenproduzierenden Betrieben interessiert, die sie durchsuchten und Material beschlagnahmten. Drei Monate später kam der Ort mit seinen Betrieben unter sowjetische Verwaltung, die ab dem 9. Juli 1945 von der Sowjetischen Militäradministration des Bundeslandes Thüringen (SMATh) ausgeübt wurde. Zur Firma wurde notiert: „Hermann Weihrauch Fahrradfabrik -Freigabe von Spezialmaschinen für Tretlagerkonstruktionen durch die SMAD, Juni – Juli 1946 ThHStAW, LTh, MdI, AzS LK Nr. 6310“. Für die Fahrradindustrie in der Sowjetischen Besatzungszone wurde der Betrieb ein wichtiger Lieferant für Tretlager und Fahrradbremsen. Zur Waffenproduktion sind nur wenige Objekte aus der IFA-Zeit bekannt. Einen Hinweis dazu ergibt auch der Firmeneintrag im Verzeichnis der Industriebetriebe der DDR, in dem 1950 neben Tretlagern auch Jagdgewehre genannt werden. Die Nachfolgebetriebe in der Amtsstraße 24 erfuhren im Laufe der Zeit etliche Umwandlungen:

mini|Deutsche Handelszentrale (1957) bis 1946 Hermann Weihrauch, Fahrradteile- und Metallwaren-Fabrik, Zella-Mehlis ab 1947 VVB (Z) IFA Tretlagerwerk, Zella-Mehlis, Amtsstraße 24 ab spätestens 1952 VEB Fahrradteilewerk Zella-Mehlis VVB IFA, Zella-Mehlis (Thür), Amtsstraße 24 ab 1953 VEB Fahrradteilewerk Zella-Mehlis, Zella-Mehlis (Thür), Amtsstraße 24 1954 VEB Fahrradteilewerk Zella-Mehlis, Zella-Mehlis (Thür), Reissmannstraße 24 ab 1954 VEB Fahrzeugteilewerk Zella-Mehlis, Zella-Mehlis (Thür), Reissmannstraße 24 ab 1958 WERK II des VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson; später Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“

Als Herstellermarken für Fahrradteile wurden FTZW und FATEX bekannt. Zum ehemaligen Firmensitz in der Amtsstraße 24 ist überliefert, dass dort die Deutsche Handelszentrale Pharmazie- und Krankenhausbedarf, Niederlassung Suhl bis zum 29. Oktober 1958 als eigenständiger Betrieb aktiv war, der unter Erfurter Leitung bis etwa 1962 weitergeführt wurde. In den 2010er Jahren war das ehemalige Firmengrundstück als unbebautes Areal bekannt und wird in der Liste der „Rüstungsaltlastverdachtsstandorte“ als Objekt Nummer 06060 geführt.

Weihrauch in Mellrichstadt Nach der Enteignung des Betriebes in Zella-Mehlis gründeten Hermann Weihrauch (Junior) und Hans Weihrauch in Mellrichstadt in der Trizone ihre Firma 1948 neu. Der räumliche Abstand zwischen dem alten Betrieb in Zella-Mehlis und dem neuen Betrieb in Mellrichstadt beträgt rund 50 Kilometer. Die neue Betriebsstätte wurde nach und nach in drei Holzbaracken eingerichtet und fertigte in den ersten Jahren hauptsächlich Teile zur Fahrradtechnik. Nach dem Auslaufen von Herstellungsbeschränkungen für die Bundesrepublik Deutschland wurde wieder die Waffenproduktion aufgenommen. Spätere WEU-Herstellungsbeschränkungen für die Bundesrepublik sind im Protokoll Nr. III zum WEU-Vertrag vom 23. Oktober 1954 über die Rüstungskontrolle enthalten (siehe Pariser Verträge). In den 1950er Jahren wurden zuerst Luftdruckwaffen und weitere Sportgewehre entwickelt/produziert. Wichtig für die Entwicklung des Unternehmens war eine Außenstelle der bayerischen Beschussverwaltung, die 1955 in Mellrichstadt eingerichtet wurde. Bis zum Ende der 1950er Jahre hatte sich die Firma als Qualitätshersteller von Sportwaffen etabliert und wurde dementsprechend im Waffenhandel sowie in Katalogen geführt.

In den 1960er Jahren konnte man die Produktion ausweiten und neben Gewehren auch Pistolen und Revolver fertigen. Luftdruck- und Schreckschusswaffen bildeten das Kerngeschäft, neben dem zusätzlich Jagdwaffen, Abzugsvarianten und Zubehör für Visierungen gefertigt wurden. Die Ausweitung des Vertriebes nach Nordamerika wurde durch Kooperationen mit US-amerikanischen Firmen gestützt. Neben den eigenen Marken HWM und Arminius wurde auch für Handelsmarken wie Burgo, Fabico, BSF, Beeman und weitere produziert. Der Erfolg dieses Jahrzehnts wurde durch den Tod von Hermann Weihrauch im Jahre 1967 überschattet. Die Firma wurde dann in der 3. Generation von Hans Weihrauch und seiner Ehefrau Christel Weihrauch weitergeführt.

Im Jahre 2000 hatte die Firma Weihrauch den Wechsel zum 21. Jahrhundert mit über 100 Jahren Firmentradition in allen Bereichen gut überstanden. Die Aufstellung der Firma als Waffenhersteller war gesichert, und die Geschäftsführung wurde in der 4. Generation des Familienbetriebes von den Brüdern Hans-Hermann Weihrauch und Stefan Weihrauch ausgeübt. Die in die Jahre gekommenen Gebäude und Produktionsanlagen wurden ab 2008 abgebrochen und in mehreren Abschnitten bis 2014 zu einem modernisierten Standort ausgebaut. Im Pressespiegel finden sich bis in die 2010er Jahre Schwerpunkte zur Ausbildung mit Lehrstellen, zur Ehrung langjähriger Firmenmitarbeiter und zur Zusammenarbeit mit dem Beschussamt von Mellrichstadt.

Ausgewählte Firmenangaben zum Jahr 2008: „Zur Herstellung der Läufe und Einzelteile werden Spezialwerkstoffe und -materialien verwendet. Modernste Maschinen werden in der Fertigung eingesetzt. Die Firma zählt rund 100 Mitarbeiter. Knapp 60000 Sportwaffen verlassen alljährlich die Produktionshallen, die Exportquote liegt bei 70 Prozent.“

Markenübesicht: HWM = Firmenmarke Arminius = Hausmarke Burgo = Handelsmarke US-Importeur Karl Burgsmüller Fabico = Handelsmarke US-Importeur Fabico Gun Co. in Jacksonville Florida, Fabico = Abkürzung für F.A. Bower Import Company (frühe 1950/60er Jahre) FKN = Handelsmarke Versandhaus Fern-Kauf-Nord Waffen GmbH, Celle (vorwiegend in den 1950/60er Jahren für BSF bedeutend) BSF = Handelsmarke Bayerischer Sportwaffen Fabrik (mit Vorgeschichte Wischo)