A Corpus of Rembrandt Paintings ist ein vom Rembrandt Research Project zwischen 1982 und 2015 in sechs Bänden herausgegebenes Werkverzeichnis der Gemälde Rembrandt van Rijns. Das ursprüngliche Ziel bestand in der Abschreibung all jener Gemälde, die Rembrandt im 19. und 20. Jahrhundert zu Unrecht zugeschrieben worden sind. Dazu sollten statt der bisherigen Praxis der intuitiven Beurteilung durch Connaisseure alle Zu- und Abschreibungen der in Frage kommenden Gemälde nach wissenschaftlichen Untersuchungen erfolgen.

Die Abschreibungspraxis des Rembrandt Research Project wurde während und nach den Veröffentlichungen der ersten drei Bände heftig kritisiert. Zudem zeigte sich, dass die angewandten Methoden der Dendrochronologie und der Materialanalyse von Grundierungen und Farben keine Unterscheidung der Werke Rembrandts von denen seiner Schüler und Werkstattmitarbeiter erlaubte. Abschreibungen aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen waren die seltene Ausnahme, meist bestätigten die Untersuchungsergebnisse nur bereits aus anderem Grund ergangene Urteile.

1993 wurde Ernst van de Wetering Leiter des Rembrandt Research Project und damit für den vierten und fünften Band verantwortlich. Er schrieb eine Reihe der seit 1982 abgeschriebenen Arbeiten wieder Rembrandt zu. Im 2015 erschienenen sechsten und letzten Band der Reihe wurde weitgehend im Stil früherer Werkverzeichnisse das gesamte Werk Rembrandts dargestellt, soweit van de Wetering es als authentisch ansah.

Hintergrund Frühere Werkverzeichnisse Rembrandts basierten auf stilkritischen und intuitiven Zuschreibungen anerkannter Rembrandt-Experten, die ihre Entscheidungen nicht begründen mussten. Der erste Catalogue raisonné der Werke Rembrandts war der 1836 erschienene siebte Band von John Smith A catalogue raisonné of the works of the most eminent Dutch, Flemish, and French painters. Herausragend wegen der Form der Präsentation war Wilhelm Bodes von 1897 bis 1905 in acht Bänden veröffentlichtes Werk Rembrandt. Beschreibendes Verzeichniss seiner Gemälde mit den heliographischen Nachbildungen. Daran hatte Cornelis Hofstede de Groot bereits mitgearbeitet, der von 1907 bis 1928 zehn Bände seines Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des 17. Jahrhunderts vorlegte. Die Reihe, deren siebter Band Rembrandt und Nicolaes Maes gewidmet war, folgte seinen Angaben zufolge dem Muster des Catalogue raisonné von Smith. Hofstede de Groot leistete hervorragende Arbeit in Bezug auf die detaillierte Schilderung von Provenienzen. Er nahm jedoch unkritisch eine Vielzahl von Werken auf, bei denen Rembrandts Urheberschaft kaum belegt oder längst widerlegt war. Mit Wilhelm Reinhold Valentiners Veröffentlichungen unter dem Titel Rembrandt. Wiedergefundene Gemälde erreichte Rembrandts vermeintliches Werk seinen größten Umfang. Dabei war sicher von Bedeutung, dass die Pariser Verleger Charles Sedelmeyer (für Wilhelm Bode) und Franz Kleinberger (für Hofstede de Groot) in erster Linie als Kunsthändler tätig waren, die Kunsthistoriker der Jahrhundertwende schrieben für den Kunsthandel.

Der 1935 von Abraham Bredius vorgelegte Katalog der Gemälde Rembrandts war für die folgenden 30 Jahre die Referenz. Darauf folgte 1968 das Werkverzeichnis Horst Gersons und im Jahr darauf die von Gerson überarbeitete dritte Auflage des Katalogs von Bredius. Gerson war bereits als Ikonoklast bezeichnet worden, da er zahlreiche Gemälde abgeschrieben oder zumindest in Zweifel gezogen hatte. All diese Verzeichnisse hatten den Mangel, dass sie keine eingehende Erörterung von Urheber, Datierung, Motiv, Stil und Provenienz der einzelnen Gemälde vornahmen. Vielmehr basierte die Zuschreibung oder Abschreibung eines Werks seit dem 19. Jahrhundert auf dem Urteil des Verfassers, des Connaisseurs, dessen intuitive Einschätzung nur selten in Frage gestellt wurde. Cornelis Hofstede de Groot hatte noch 1923 ausdrücklich und mit Erfolg gegen das Ergebnis naturwissenschaftlicher Untersuchungen und für seine eigene Kennerschaft argumentiert. Das 1968 von Kunsthistorikern gegründete Rembrandt Research Project hatte das Ziel, das Werk Rembrandts von falschen Zuschreibungen zu befreien und ein Werkverzeichnis zu erstellen, das für alle in Frage kommenden Werke eine begründete Zuschreibung oder Abschreibung vornimmt. Nicht die Autorität eines Kunsthistorikers oder Connaisseurs, sondern nachprüfbare Ergebnisse wissenschaftlicher, vor allem naturwissenschaftlicher, Untersuchungen sollten ausschlaggebend sein.

Geschichte Zunächst, in den ersten drei Bänden des auf fünf Bände angelegten Corpus, wurde jedes Gemälde in eine von drei Kategorien einsortiert. Die Kategorie A enthielt jene Gemälde, die als unzweifelhaft und nachweislich echt angesehen wurden. Die Kategorie C wurde für Werke vergeben, die unzweifelhaft und nachweislich nicht von Rembrandt stammten. Dabei wurden in der Gruppe C zunächst nur solche Werke aufgeführt, die bereits 1935 im Werkverzeichnis von Abraham Bredius enthalten waren. Schließlich wurden Gemälde, die nicht zuverlässig als Rembrandt oder Nicht-Rembrandt erkannt wurden, in die Kategorie B eingeordnet. Bereits im zweiten Band wurde die Werkauswahl nach dem Katalog Bredius’ verworfen, nunmehr wurden alle Bilder des Katalogs von Horst Gerson aus dem Jahr 1968 als Basis herangezogen, zuzüglich einiger Gemälde, die in der Nachkriegsliteratur als mögliche Werke Rembrandts diskutiert wurden.

Es zeigte sich bald, dass die Durchführung naturwissenschaftlicher Untersuchungen jedes einzelnen Werks und deren Interpretation durch die gesamte Gruppe die Arbeit am Corpus stark verzögerten. Zuletzt wurde vom ursprünglichen Ansatz der naturwissenschaftlichen Untersuchung aller Werke als Basis der Beurteilungen Abstand genommen, Zuschreibungen und Abschreibungen erfolgten wieder vorrangig auf der Basis der Stilanalyse. Nach dem Erscheinen des dritten Bandes im Jahr 1989 war für die meisten Mitarbeiter der Gruppe das Projekt abgeschlossen, da sie die Bearbeitung des gesamten Werks nicht mehr für möglich hielten. Die älteren Mitglieder zogen sich 1993 aus dem Projekt zurück, das jedoch unter der Leitung von Ernst van de Wetering fortgeführt werden sollte.

Ernst van de Wetering war der Auffassung, dass das noch unbearbeitete Spätwerk Rembrandts der eigentlich interessante Teil seines Schaffens sei. Daher wollte er den ursprünglichen Plan eines umfassenden Werkverzeichnisses aus wissenschaftlicher Grundlage weiter verfolgen, aber auf die starre Kategorisierung in „Rembrandt“, „Nicht-Rembrandt“ und „unbestimmt“ verzichten. Für Gemälde in öffentlichen Sammlungen sollte zukünftig vor einer Veröffentlichung das Gespräch mit den Kuratoren gesucht werden, und eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener Fachgebiete sollte an Untersuchungen und Beurteilungen der Gemälde mitwirken. Die durch die Untersuchungen gewonnenen objektiven Kriterien, die für sich genommen oft nur eine geringe Aussagekraft hatten, sollten zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammengefügt werden. Van de Wetering folgte dabei der Auffassung, dass ein Gemälde keine Abbildung in einem bestimmten Stil ist. Vielmehr ist es die in einem komplexen schöpferischen und handwerklichen Prozess erarbeitete Antwort auf eine künstlerische Herausforderung.

In der Pause zwischen dem dritten und vierten Band erläuterte van de Wetering in einem Artikel die Neuausrichtung des Projekts anhand eines Gemäldes, das Rembrandt neu zugeschrieben wurde: dem Selbstporträt mit flachem Hut von 1642 in der Royal Collection im Windsor Castle.

Der vierte und fünfte Band umfasst die Gruppen der Selbstporträts und der kleinformatigen Historienbilder, und bereits in diesen Bänden wurden einige früher dargestellte Gemälde neu bewertet. Fast einhundert nach 1642 entstandene Gemälde, darunter großformatige Historienbilder, Bibelszenen, Landschaften und alle Porträts außer den Selbstporträts, waren in den fünf erschienenen Bänden nicht dargestellt. Das war etwa ein Viertel des Werks, womit das Ziel eines umfassenden Werkverzeichnisses klar verfehlt war. Daher arbeitete Ernst van de Wetering weiter, und besichtigte zwischen 2005 und 2012 fast alle bekannten Gemälde Rembrandts.

Das Corpus wurde 2014 nach 46 Jahren Arbeit mit dem sechsten Band abgeschlossen, der 2015 erschien und in überwiegend sehr knappen Darstellungen alle 340 zum Redaktionsschluss Rembrandt zugeschriebenen Werke – und nur die – aufführt. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Gemälde nicht voneinander isoliert, sondern im Zusammenhang und als Teil einer künstlerischen Entwicklung zu präsentieren. Folglich wurde eine neue Nummerierung erstellt, die eine Chronologie von Rembrandts Malerleben nach dem aktuellen Stand der Forschung ist.

Einzelbände mini|Die Flucht nach Ägypten, 1627, Musée des Beaux-Arts de Tours, im ersten Band abgeschrieben Band 1: 1625–1631 (1982) Der erste Band der Reihe umfasst die Leidener Periode Rembrandts, nach dem zweiten Teil seiner Ausbildung bei Pieter Lastman in Amsterdam, und vor der dauerhaften Umsiedlung von seiner Geburtsstadt Leiden nach Amsterdam. Der Band beginnt nach dem Vorwort und technischen Hinweisen mit vier einführenden Essays, die sich auf mehr als sechzig Seiten mit der stilistischen Entwicklung Rembrandts, seinen Materialien und Arbeitsmethoden, dem Wert von Reproduktionen in frühen Drucken, und Rembrandts Signaturen befassen. Der Katalogteil umfasst 610 Seiten mit Beschreibungen von 42 als authentisch angesehenen Gemälden der Gruppe A, 44 verworfenen oder abgeschriebenen der Gruppe C, und sieben Gemälden, für die Rembrandt als Urheber weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden kann (Gruppe B). Alle Gemälde sind abgebildet, allerdings fast ausnahmslos in Schwarzweiß-Aufnahmen, und fast alle Gemälde werden mit mehreren Detailfotos und Röntgen- und Infrarotaufnahmen gezeigt. Die einzelnen Katalogeinträge sind bei den ersten drei Bänden in neun Punkte gegliedert:

Zusammengefasste Einschätzung; wenige Zeilen zur Authentizität des Gemäldes. Beschreibung des Gemäldes; im Sinne einer Bildbeschreibung. Beobachtungen und technische Untersuchung; Datum und Umstände der Begutachtung, mit Angabe der beteiligten Projektmitglieder; Unterlage (Holztafel oder Leinwand); Grundierung; Farbschicht; Röntgen- und Infrarotaufnahmen, Signatur, Firnis. Kommentare; die Projektmitglieder geben eine in der Regel einstimmige Beurteilung des Gemäldes ab, ordnen es in das Werk Rembrandts ein und erläutern Beziehungen zu anderen Werken; Dokumente und Quellen; Graphische Reproduktionen; Kopien; Provenienz; Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung.

Im Katalogteil wurden elf Werke neu abgeschrieben, das war ein Fünftel des bis dahin Rembrandt zugeschriebenen Bestands aus dem Zeitraum bis 1631. Dabei waren so bekannte Werke wie die Flucht nach Ägypten, Ein alter Gelehrter in einem Gewölbe und Der Zinsgroschen. Die ersten beiden, eine Anzahl weiterer Werke der Gruppe C, und alle sieben in die Gruppe B eingeordneten Werke, wurden mittlerweile wieder Rembrandt zugeschrieben.

Band 2: 1631–1634 (1986) Der zweite Band des Corpus umfasst lediglich die Werke aus dreieinhalb Jahren, von Rembrandts Umzug nach Amsterdam bis 1634, dem Jahr seiner Hochzeit mit Saskia van Uylenburgh. Dieser Band beginnt mit einer im Vergleich zum ersten Band noch umfangreicheren Einleitung mit sechs Essays. Behandelt werden die stilistischen Merkmale von Rembrandts Porträts der 1630er Jahre, die Leinwände, Probleme der Ausbildung von Schülern und des Werkstattbetriebs, Mäzene und frühe Käufer, und die Signaturen von 1632 bis 1634.