Die Burggräflich Nürnberger oder brandenburgischen Lehen der Burggrafen von Nürnberg in Österreich (Niederösterreich) waren Reichslehen oder Lehen der Hochstifte Bamberg, Freising, Passau und Regensburg, die bis kurz vor Ende des Alten Reiches im Besitz der Hohenzollern waren.
Geschichte Seit Beginn des 13. Jahrhunderts bis zum Frieden von Teschen 1779Auszug aus dem Vertragstext, Art. XI abgedruckt bei Wilhelm Stadelmann: Ueber den Ursprung der ehemaligen burggräflich nürnbergischen Lehen in Oesterreich. In: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 1/3 (1841), S. 23–35, bes. S. 24 (Google-Books). und der Verzichtleistung des Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg Ansbach-Bayreuth 1791Vgl. Johann Wendrinský: Die Grafen Raabs, Teil I. In: Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 12 (1878), S. 97–115, bes. S. 97 und 112f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). gab es verschiedene brandenburgische Lehengüter in Österreich.Vgl. Staatsarchiv Bamberg (Markgraftum Brandenburg-Bayreuth, Geheime Landesregierung; Geheimes Hausarchiv Plassenburg, Niederösterreichische Lehen) u. a.; Johann Christian Lünig: Ausführliche Nachrichten von denen Marggräflichen Brandenburgischen Lehen in Oesterreich. In: ders: Corpus Juris Feudalis Germanici, Bd. II. Friedrich Lanckisch Erben, Frankfurt am Main 1727, Sp. 1205–1208 (Google-Books). Ihre Herkunft ist nicht völlig geklärt. Die ältere Forschung sah nach dem bayerischen Geschichtsschreiber Johannes Aventinus einen Zusammenhang mit der erfolgreichen Beteiligung Friedrichs IV. von ZollernVerheiratet mit Margarethe von Kärnten († 1348). an der Schlacht bei Mühldorf 1322. Der Besitz in Niederösterreich stammt jedoch nach Untersuchungen des bayreuthischen Geheimen Rates Georg Peter Stelzer (1668–1724) wahrscheinlich aus der Ehe des Nürnberger Burggrafen Friedrichs I. (III.) von Zollern mit der Erbtochter Sophia von Raabs des um 1190/91 ohne männliche Nachkommen verstorbenen Konrad II. von Raabs und ist Friedrich I. oder seinem Sohn Friedrich II. (IV.) von dem österreichischen Herzog Leopold VI. von Babenberg († 1230) übergeben worden. Die Burggrafen von Nürnberg sind auch – schon „längere Zeit vor“ (longe prius) der Belehnung der Habsburger selbst mit Österreich, die 1278 erfolgte, – durch den römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg mit Gebieten in Niederösterreich als Reichslehen (foedum … a Romano imperio) belehnt worden.Urkunde König Rudolfs I. vom 7. Juli 1286; abgedruckt bei Philipp Ernst Spiess: Gegründete Nachricht von dem Ursprung und dermahligen Besiz der dem Fürstenthum des Burggraffthums Nürnberg zu Lehen gehenden Herrschafften und Güter in Niederösterreich. In: ders.: Nebenarbeiten und Nachrichten vermischten Inhalts mit Urkunden, Bd. II. Johann Jakob Gebauer, Halle 1785, S. 23f (Google-Books). Kaiser Karl IV. bestätigte 1363 den Charakter der „Lehen, als sie …, von alters geliehen und haben und noch lehen,“ als Reichslehen.Vidimus einer Urkunde vom 30. November 1363, ausgestellt in Prag durch Abt Johann Bückling († 1608) zu Langheim vom 22. Oktober 1602; Niederösterreichisches Landesarchiv (Urkundensammlung des Archivs für Niederösterreich, Nr. 418); Burkhard Gotthelf Struve: Commentatio de domino directo Serenissimorum Marggrauiorum Brandenburgensium in Austria (Kapitel II). In: Gottlob August Jenichen: Thesaurus iuris feudalis, Bd. III. Johann August Raspius, Frankfurt am Main 1754, S. 774–797, bes. S. 779 (Google-Books). Darüber hinaus besaßen die Burggrafen von Nürnberg bzw. die Brandenburger Lehen der Hochstifte Bamberg, Freising, Passau und Regensburg in Österreich.
Die Brandenburgische Lehenkammer in Österreich bestand bis 1792. Als Vertreter der Lehnsherren in Lehensangelegenheiten wurden ein adeliger Lehenträger und gelehrte Verwalter (Lehnspröpste, Lehensadvokaten oder Lehensrichter) in Wien bestellt. Markgräfliche Lehenträger in Österreich waren Kadolt III. von Eckartsau († nach 1380), Rudolf von Walsee († 1405), Gräfin Beatrix von Zollern-Nürnberg (1355–1414),Verheiratet mit dem Habsburger Herzog Albrecht III. von Österreich. Jörg von Eckartsau, Georg (Jörg) von Volkersdorf, Ulrich von Eyczing († 1460), Veit von Ebersdorf († 1500), Gamareth Fronauer (von Fronau) d. J. († nach 1502), Siegmund von Heßberg († 1533), Hans von Lamberg († 1536) zu Saunstein, Graf Julius I. zu Hardegg († 1557), Graf Ludwig von Leonstein (Löwenstein) (1530–1611), Graf Ulrich zu Hardegg († 1604) auf Glatz und im Marchlande, N. von Hardegg († nach 1607),Wohl Georg Friedrich Prüschenk von Hardegg (1568–1628) zu Stetteldorf. Graf Julius III. von Hardegg (1594–1684), Graf Johann Friedrich II. von Hardegg († 1703), Graf Johann Wilhelm von Wurmbrand-Stuppach (1670–1750), Graf Rudolph Joseph von Colloredo zu Wallsee, Graf Franz de Paula Gundaker von Colloredo-Mannsfeld zu Wallsee und andere.
Seitdem die Habsburger als Landesherren von Österreich in Personalunion ab 1439 fast ununterbrochen die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser stellten, wurden diese Nürnberger bzw. seit 1415/17 brandenburgischen Reichslehen in Österreich wiederholt Gegenstand von politischen Spannungen. Verschiedentlich wurden Lehen vorenthalten, gerieten in Vergessenheit, oder es wurde ihr Tausch gegen andere Grundherrschaften erwogen, so 1583 ein Tausch gegen die oberschlesischen Herrschaften Oderberg und Beuthen. Nach der brandenburgischen Teilung (Dispositio Achillea) wurden die österreichischen Lehen 1486 Kondominium der Markgrafschaften Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth.
Träger markgräflich nürnbergisch-brandenburgischer After-Lehen in Österreich waren unter anderem die FamilienVgl. insgesamt Johann Pörnbacher, Stefan Nöth (Bearb): Staatsarchiv Bamberg. Geheimes Hausarchiv Plassenburg. Bamberg 2008 (); Niederösterreichisches Landesarchiv (Weltliche Herrschaften und adelige Familien). Kapell (seit 1290 bis 1412; 1408 erloschen)Vgl. Johann Georg Adam von Hoheneck: Die Löbliche Herren Stände, Herren- und Ritterstand, In dem Ertz-Herzogthumb Oesterreich ob der Enns, dero FAMILIEN abgestorben, oder völlig erloschen, Band III, Gabriel Mangold, Passau 1747, S. 64–77, bes. S. 69f, 73 und 77 u. ö. (Google-Books). – Starhemberg zu Schönbühel (seit 1412)Vgl. Oberösterreichisches Landesarchiv (Hrsg.): Starhemberger Urkunden (). – Hardegg (seit 1582, teilweise später),Niederösterreichisches Landesarchiv (Hardegger Urkunden u. a.); vgl. ausführlich Urkunde über die Belehnung des Grafen Johann Josef von Hardegg mit den früheren Lehen der Burggrafschaft Nürnberg-Brandenburg vom 2. Mai 1811; Niederösterreichisches Landesarchiv (Urkundensammlung des Ständischen Archivs, Nr. 5087); vgl. Urkunde vom 24. April 1833 (Urkundensammlung des Archivs für Niederösterreich, Nr. 574). Walsee-Enns (1483 erloschen) – Schaunberg (seit 1483 bis 1498)Graf Siegmund I. von Schaunberg war verheiratet mit Barbara von Walsee, Tochter von Reinprecht V. von Walsee († 1483) und Margareta von Starhemberg. – Lappitz zu Seisenegg und Zeillern (ab 1499; 1536 bzw. 1567 erloschen) – Linsmayer zu Greiffenberg (bis 1608) – Risenfels (seit 1608), Kuenring-WeitraAlbero von Kuenring war verheiratet mit Agnes von Capellen, Tochter des Ulrich von Capellen.Vgl. Gottfried Edmund Friess: Die Herren von Kuenring. Ein Beitrag zur Adelsgeschichte des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns. Verein für Landeskunde von Niederösterreich, Wien 1874, passim (Digitalisat im Internet Archive). (seit 1292; 1595 heimgefallen, bis 1622 von Schönkirchen beansprucht)Vgl. Willibald Rosner: Vergangenheit und Gegenwart. Der Bezirk Hollabrunn und seine Gemeinden. Verein zur Förderung der Heimatkundlichen Forschung, Hollabrunn 1993, S. 869. – Hardegg (seit 1582), Maissau (bis 1440; erloschen) – Puchheim (seit 1440 bis 1709/10) – Schönborn-Puchheim (seit 1710/12), Pergau – EbersdorfVgl. Regest vom 27. November 1429, Belehnung des Reinprecht III. (IV.) von Walsee; Jodok Stülz: Regesten aus den Urkunden im Archive zu Eferding. In Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen 2 (1852), S. 305–323, bes. S. 311 (Google-Books); Max Doblinger: Die Herren von Walsee. In: Archiv für öesterreichische Geschichte 95 (1906), S. 235–578, bes. S. 368, 445 und 529 (Digitalisat im Internet Archive). (seit 1364/67; 1556 erloschen) – Hoyos (um 1525 eingewandert; seit 1556 bis 1709)Vgl. Hoyosischer Lehnsbrief von 1578 in: Franz Alexander Hartl von Hartenburg († 1762): Continuatio Actorum In Sachen Des Hochfürstl. Brandenburg-Bayreuth- und Onolzbachischen gemeinschaftlichen Anwalds und Lehen-Probsts Herrn Franz Alexander Härtel, J. U. Doctoris, Contra Herrn Philipp Joseph, Grafen von Hoyos: Die vorenthaltene Hochfürstl. Brandenburgische Lehen in Oesterreich, Rothengrub, Schrottenstein, Stolzenwörth, Neusidl auf dem Steinfeld cum Appertinentiis betreffend. Bayreuth 1723, S. 57f (Google-Books). – Schönborn-Puchheim (seit 1710), Tallesbrunn und Rauchenstein – Ebersdorf (seit 1387 bis nach 1421) – Fronau – Liechtenstein (ab 1470?). Seit dem Regierungsantritt Rudolfs II. 1576 versuchten die Habsburger verstärkt, den brandenburgischen bzw. protestantischen Einfluss in Österreich zurückzudrängen.
Viertel ober dem Manhartsberg (Waldviertel)
Grafschaft Raabs Die Grafschaft Raabs (Ragcz, Ragze, Räz, Retz) mit Markt wurde zwischen 1204 und 1230 von Burggraf Friedrich I (III.). und seiner Mutter Sophia von Raabs für 2000 Mark Silber an Leopold IV. von Österreich verkauft.Burkhard Gotthelf Struve: Commentatio de domino directo Serenissimorum Marggrauiorum Brandenburgensium in Austria (Kapitel II). In: Gottlob August Jenichen: Thesaurus iuris feudalis, Bd. III. Johann August Raspius, Frankfurt am Main 1754, S. 774–797, bes. S. 782 (Google-Books); Spiess, S. 19, nach Janns von Enenkel: Fürstenbuch von Oesterreich und Steyrland. Linz 1618.
Herrschaft Kronsegg und Schiltern Veste Idolsberg in Krumau am Kamp im Bezirk Krems und den dazu gehörenden öden Burgstall Türenweg (Thurnweiß, Thurnberg)Vgl. Franz Karl Wißgrill: Leyßer, Freiherren. In: Heraldisch-genealogische Zeitschrift 2 (1872), S. 19f (Google-Books). Burgruine Kronsegg (Cronsperg, Cronsteeg)Vgl. Burkhard Gotthelf Struve: Commentatio de domino directo Serenissimorum Marggrauiorum Brandenburgensium in Austria (Kapitel II). In: Gottlob August Jenichen: Thesaurus iuris feudalis, Bd. III. Johann August Raspius, Frankfurt am Main 1754, S. 774–797, bes. S. 784 (Google-Books)., heute Langenlois im Bezirk Krems Schiltern (Schültern), heute Langenlois im Bezirk Krems
Streubesitz Hofstatt in Roggenreith (Röckenreuth) im Bezirk Zwettl, Lehen „an der Prantstat“ in Röckenreuth
Viertel unter dem Manhartsberg (Weinviertel)
Herrschaft Seefeld Die reichsunmittelbare Herrschaft Seefeld wurde, nachdem die Herren von Seefeld 1268 ausgestorben waren, vor 1279 von König Rudolf I. von Habsburg an Burggraf Friedrich III. von Nürnberg verliehen. Der Lehensbrief wurde 1286 ausgefertigt.Urkunde vom 7. Juli 1286; Johannes de Indagine (Johann Heinrich von Falckenstein): Wahre und Grund haltende Beschreibung der … weltberühmten … Stadt Nürnberg . Johann Heinrich Nonne, Erfurt 1750, S. 359f (Google-Books).