Jürgen Melzer (* 22. Mai 1981 in Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Tennisspieler. Mit seinen beiden Grand-Slam-Titeln im Doppel und seinem Erfolg im Mixed zählt er zu den erfolgreichsten Tennisspielern Österreichs. Anfang 2011 lag er 14 Wochen lang in beiden Weltranglisten – Einzel und Doppel – gleichzeitig in den Top 10. In der österreichischen Davis-Cup-Mannschaft ist er bei 38 Begegnungen in 78 Matches zum Einsatz gekommen und damit österreichischer Rekordhalter. Im Spätherbst seiner Karriere erreichte er beim ATP-Finale 2020 das Endspiel im Doppel. Seit Anfang 2023 ist Melzer Sportdirektor beim ÖTV.

Karriere Jugend und Juniorenlaufbahn Jürgen Melzer begann erst – verhältnismäßig spät – im Alter von neun Jahren mit dem Tennisspielen. Daneben übte er diverse andere Ballsportarten wie Fußball, Basketball oder auch Tischtennis aus. Auf sein Talent wurde man erstmals bei einem Familienurlaub in Kalabrien aufmerksam, als er seinen Vater, einen begeisterten Tennisspieler, auf den Platz begleitete und der damals Neunjährige vom dort angestellten Animateur, der nebenbei als Tennistrainer tätig war, entdeckt wurde. Damals spielte er noch eine beidhändige Vorhand, was ihm, als er etwa zwölf Jahre alt war, abgewöhnt wurde. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er in der Tennisschule von Heribert Elias, der bis 2014 über 30 Jahre lang eine Tennisschule in Deutsch-Wagram betrieb, angemeldet. Danach wechselte er in die Tennisschule von Günter Bresnik in die Südstadt,Tennisspieler Jürgen Melzer | E496 | Willkommen Österreich, abgerufen am 15. März 2021 wo er ab einem Alter von 14 Jahren im Internat des Österreichischen Leistungssportzentrum Südstadt war. Mit 18 Jahren wurde Melzer österreichischer Meister im Tennis und gewann nur eine Woche später das Junioreneinzel in Wimbledon, woraufhin er auf den sechsten Platz der Juniorenweltrangliste aufstieg.

1999 bis 2006 Melzer debütierte 1999 auf der ATP Tour, als er bei der BA-CA Tennis Trophy in Wien antrat. Nach einem 7:6, 2:6, 6:3-Sieg über Lars Burgsmüller verlor er dort in der zweiten Runde mit 4:6 und 0:6 gegen Nicolas Kiefer.

Im Jahr darauf qualifizierte er sich für die Wimbledon Championships, wo er in der ersten Runde Mark Philippoussis in vier Sätzen unterlag. Weitere Erstrundenniederlagen folgten bei den ATP-Turnieren Grand Prix St. Pölten und Generali Open in Kitzbühel.

2001 gewann Melzer das Challenger-Turnier in Mönchengladbach. Außerdem erreichte er die zweite Runde bei der BA-CA Tennis Trophy in Wien nach einem 6:7, 6:4, 6:4-Sieg über Fabrice Santoro. In der zweiten Runde unterlag er Michel Kratochvil aus der Schweiz in zwei Sätzen.

2002 stand Melzer bei ATP-Turnieren zweimal im Viertelfinale (St. Pölten und Wien) und einmal im Halbfinale (Umag, Kroatien).

2003 erreichte er sein erstes Finale; in Newport musste er sich erst im Endspiel Robby Ginepri in drei Sätzen geschlagen geben. Außerdem kam er in Houston ins Viertelfinale.

2004 schaffte Melzer den Einzug in die dritte Runde der Australian Open, in der er gegen Sjeng Schalken ausschied. Melzer spielte eine starke Sandplatzsaison: in Houston und bei den German Open in Hamburg erreichte er jeweils das Viertelfinale; in Hamburg besiegte er Marat Safin 6:4, 6:4 und unterlag dann Lleyton Hewitt; auch in St. Pölten gelang Melzer der Einzug ins Halbfinale, wo er Xavier Malisse unterlag. Zudem kam er beim Kanada Masters in Toronto ins Viertelfinale; er besiegte drei Top-20-Spieler der Weltrangliste (Dominik Hrbatý, Andre Agassi und Fernando González), bevor er Nicolas Kiefer in drei Sätzen unterlag. Auch bei den US Open erreichte er die dritte Runde. Die Saison 2004 beendete er auf Platz 40 im ATP Champions Race.

2005 erreichte Melzer bei den Grand-Slam-Turnieren Australian Open, French Open und Wimbledon jeweils die dritte Runde. Bei den US Open scheiterte er in Runde eins. Außerdem zog er zweimal ins Halbfinale ein (San José), einmal ins Viertelfinale (Adelaide) sowie zum zweiten Mal ins ATP-Finale von St. Pölten. Auch in den Doppelbewerben bei den Grand-Slam-Turnieren konnte er überzeugen. So besiegte er in der ersten Runde der Australian Open das topgesetzte Duo Daniel Nestor/Mark Knowles und unterlag erst im Halbfinale den späteren Titelträgern.

2006 schied Melzer zwar bei allen Grand-Slam-Turnieren in der ersten Runde aus, erreichte auf der Tour aber ein Endspiel (Houston) und zwei Mal ein Semifinale (München, Newport), ehe ihm im September 2006 der erste Turniersieg gelang. Bei dem mit 300.000 US-Dollar dotierten ATP-Turnier von Bukarest schlug er im Finale den als Nummer fünf gesetzten Italiener Filippo Volandri mit 6:1, 7:5. Nach zehn Siegen in Serie unterlag er eine Woche später im Finale von Metz Novak Đoković. Bei der folgenden BA-CA Tennis Trophy in der Wiener Stadthalle unterlag er im Viertelfinale dem als Nummer drei gesetzten Andy Roddick mit 4:6 und 3:6.

2007 bis 2009 Melzer startete in das Jahr 2007 auf Rang 41 mit einer guten Ausgangsposition: er musste im ersten Halbjahr so gut wie keine Punkte verteidigen. Er begann mit einer Niederlage in Doha gegen den Qualifikanten Federico Luzzi. Eine Woche später in Sydney zog er nach gutem Spiel ins Halbfinale ein, wegen eines Magen-Darm-Virus musste er jedoch die Partie gegen James Blake absagen. Bei den Australian Open bezwang er in der ersten Runde Ivo Karlović in drei Sätzen. In Runde zwei gegen Tommy Robredo machte ihm erneut eine Viruserkrankung zu schaffen und er verlor in drei Sätzen. Zusätzlich erlitt er eine Handgelenksverletzung. Ende Februar kehrte er in Las Vegas auf die Tour zurück und erreichte gleich das Finale, in dem er allerdings Lleyton Hewitt mit 4:6 und 6:7 unterlag. Bei den folgenden Masters-Series-Turnieren verlor er jeweils in Runde eins. Erst in Houston, wo er viele Punkte zu verteidigen hatte, schaffte er es bis ins Viertelfinale. Trotz der Niederlage gegen Mariano Zabaleta verlor Melzer nur einen Platz und war immer noch unter den Top 30. Danach gab es eine kleine Durststrecke, abgesehen von einem Viertelfinale in München und der zweiten Runde bei den French Open, wo er Juan Mónaco klar unterlag. In Halle verlor Melzer gegen Nikolai Dawydenko in drei Sätzen und im Doppel musste er wegen einer Handgelenksverletzung aufgeben. Danach wurde ein Sehnenriss im Handgelenk diagnostiziert – dies bedeutete eine Zwangspause von etwa einem halben Jahr. In Montreal feierte er sein Comeback und bot ein tolles Match gegen den US-Amerikaner James Blake, doch er verlor knapp mit 5:7 und 6:7. Eine Woche später beim Masters-Series-Event von Cincinnati spielte Melzer gegen Ivo Karlović; er gewann gegen den Kroaten beide Tiebreaks und feierte den ersten Sieg nach seiner Verletzung. In Runde zwei spielte er gegen Mario Ančić, einen weiteren Kroaten; diesmal gewann Melzer in drei Sätzen. Gegen seinen Angstgegner Lleyton Hewitt verlor er dann in zwei Sätzen.

Bei den US Open verlor Melzer in Runde zwei gegen Juan Martín del Potro. In der Woche danach trat er zu seiner Titelverteidigung in Bukarest an. Er verlor in der ersten Runde gegen den Italiener Andreas Seppi in drei Sätzen und fiel in der Weltrangliste aus den Top 40, womit er auch erstmals seit Jänner 2004 die Position des besten Österreichers in der ATP-Weltrangliste an Stefan Koubek abgeben musste. Im Davis-Cup-Relegationsspiel gegen Brasilien führte er Österreich mit drei Siegen zurück in die Weltgruppe.

Zum Saisonauftakt 2008 erreichte er jeweils die zweite Runde bei den Turnieren von Chennai und Auckland. Er scheiterte ebenfalls in der zweiten Runde bei den Australian Open. Ende Jänner erreichte er beim Challenger-Turnier in Breslau das Finale, das er gegen Kristof Vliegen verlor. In Sunrise schaffte er es bis ins Semifinale. In Pörtschach unterlag er Igor Kunizyn im Viertelfinale. Bei den Grand-Slam-Turnieren in Paris, London und New York kam er jeweils in die dritte Runde. In Kitzbühel erreichte er sein erstes ATP-Einzelfinale der Saison, das er gegen Del Potro verlor. Beim Saisonhöhepunkt in Peking, bei den Olympischen Spielen, verlor er im Viertelfinale gegen den späteren Olympiasieger Rafael Nadal.

Mehr Erfolg hatte Melzer 2008 im Doppel. Er erreichte das Finale von Auckland, Pörtschach und ’s-Hertogenbosch sowie dem Challenger in Breslau; das Turnier in ’s-Hertogenbosch gewann er auch. In Graz gewann er mit seinem Bruder Gerald ein Challenger-Turnier. Im Laufe des Jahres spielte er mit verschiedenen Partnern und löste in der Weltrangliste Stefan Koubek wieder als bestplatzierten Österreicher ab.

2009 feierte Melzer beim Heimturnier in der Wiener Stadthalle (Kategorie ATP 250) seinen bis dahin größten Erfolg: Er besiegte im Finale Marin Čilić und gewann damit sein zweites ATP-Turnier. Er schied in Umag (gegen Dawydenko) und in Bangkok (gegen Gilles Simon) jeweils im Halbfinale aus. Er scheiterte bei den Grand-Slam-Turnieren von Melbourne (gegen Andy Murray), Paris (gegen Gaël Monfils) und Wimbledon (gegen Roddick) jeweils in der dritten Runde. Bei den ATP Masters Turnieren von Rom (gegen Fernando González) und Shanghai (gegen Feliciano López) schied er jeweils im Achtelfinale aus. Melzer beendete das Jahr auf Position 28 der ATP-Weltrangliste. Im Doppel gewann er an der Seite von Julian Knowle die Turniere von Tokio (ATP World Tour 500) und New Haven. Die beiden erreichten das Halbfinale der ATP-Masters-Turniere von Miami und Schanghai und unterlagen Łukasz Kubot und Oliver Marach im Endspiel von Wien.

2010/2011 – auf dem Höhepunkt seiner Karriere mini|Melzer 2010 mit der Auszeichnung als Österreichs Sportler des Jahres

Mit dem Einzug ins Halbfinale der French Open im Juni 2010 feierte er seinen bis dahin größten Erfolg. Im Viertelfinale schlug er dabei Đoković in fünf Sätzen; im Halbfinale unterlag er dem späteren Turniersieger Nadal in drei Sätzen. In Wimbledon stand er erstmals im Achtelfinale und verlor dort gegen Titelverteidiger Roger Federer. Im Endspiel von Hamburg (Kategorie ATP 500) unterlag er dem ungesetzten Kasachen Andrei Golubew. Dazu stand er beim Madrid Masters im Viertelfinale (Niederlage gegen Nicolás Almagro) und im Halbfinale von Dubai (Kategorie ATP 500) gegen Michail Juschny. Im Doppel gewann er an der Seite von Philipp Petzschner das ATP-Turnier in Zagreb. Darüber hinaus sicherte sich Melzer als erster Österreicher mit Petzschner den Titel in der Doppelkonkurrenz von Wimbledon, was nach seiner Auffassung der größte Erfolg seiner Karriere ist. Bei den US Open verlor er im Achtelfinale erneut gegen Federer. Nachdem Melzer in Peking (Kategorie ATP 500) bereits im Achtelfinale gescheitert war, gelang ihm mit einem Sieg über den Weltranglistenersten Nadal im Achtelfinale des ATP-Masters-1000-Turniers in Shanghai ein neuer Karrierehöhepunkt – die letzten drei Begegnungen gegen Nadal hatte er alle ohne Satzgewinn verloren. Er gewann in derselben Woche sogar gegen insgesamt drei Weltranglistenerste: bei seinem Sieg im Doppelbewerb von Shanghai (Partner: Leander Paes) musste er im Semifinale auch die beiden Führenden der Doppelweltrangliste, Bob und Mike Bryan, überwinden. Ende Oktober konnte er in der Wiener Stadthalle seinen Titel verteidigen. Er besiegte seinen Landsmann Andreas Haider-Maurer in einem spannenden Finale (bei 6:7, 4:5-Rückstand gelang ihm sein erstes Break, Endergebnis: 6:7, 7:6, 6:4) und gewann damit seinen dritten ATP-Einzeltitel.

Aufgrund seiner Erfolge im Jahr 2010 wurde Melzer Anfang November außerdem als zweiter Tennisspieler nach Thomas Muster (1990, 1995) zu Österreichs Sportler des Jahres gewählt.