mini|Heinrich Bessel (1603–1671) Heinrich Bessel (* 28. Juli 1603; † 22. Oktober 1671 in Braunschweig) stammt aus dem Adelsgeschlecht derer von Bessel. Er war ein Kanzler des Fürstentums Minden und des harburgischen Landesanteils des Fürstentums Lüneburg.

Leben Herkunft rahmenlos|rechts|Stammwappen des aus dem Fürstbistum Minden stammenden Adelsgeschlechts Bessel Über seine Großmutter Johanna Bessel geb. von Schaumburg († 1599)Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1915. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1914, S. 68. besaß Bessel hochadelige Ahnen. Sie war eine illegitime Tochter seines Urgroßvaters Johann V. von Holstein-Schaumburg (1512–1560), eines Sohnes des Grafen Jobst I. sowie Onkels der beiden Mindener Fürstbischöfe Hermann und Anton. Sein Großvater, der fürstbischöflich mindensche Oberamtmann und Kammerrat zu Petershagen, Engelbert Bessel († 1567), war mit jener Schaumburger Grafentochter Johanna verheiratet.Erich Schoenberg: Bessel, Friedrich Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 179–180 (Online-Version). Das Epitaph des Ehepaares Engelbert von Bessel und Johanna von Schaumburg (van Schauenburg) befindet sich in der Sakristei der Petrikirche zu Petershagen.Karl Großmann: 400 Jahre Petrikirche Petershagen. 1615–2015. Festschrift hrsg. von der ev.-luth. Kirchengemeinde Petershagen 2015, S. 12.

Deren Sohn bzw. Heinrich Bessels Vater, der fürstbischöfliche Geheime Rat und Kanzler Johann Bessel (urkundlich 1597–1649), Burgmann zu Petershagen,Mindische Geschichte, 1747, S. 181; Karl Adolf Freiherr von der Horst: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden, Berlin 1894 (Reprint 2013), S. 168. Drakenburg und Uchte, ab 1617 Drost zu Liebenau,Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen (1863), S. 317 f. erhielt 1630 von Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg, evangelischer Regent des Hochstifts Minden, eine Adelsanerkennung, nämlich des angeblich 1494 seinem Vorfahren, dem kaiserlichen Obersten Jobst Bessel, erteilten Reichsadelsstandes.Historisches Taschenbuch des Adels im Königreich Hannover, Hannover 1840, S. 82; Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 1, Leipzig 1859, S. 382; GHdA, Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 1972, S. 366. In älterer Literatur werden Thiderikus de Besle, 1243 urkundlich zu Hannover, und Hermann Bezel, 1333 Knappe und Burgmann zu Quakenbrück, zu möglichen Vorfahren gezählt.Neues vaterländisches Archiv, Lüneburg 1827, S. 6. Vom späterhin von den meisten Adelsgeschlechtern obligatorisch geführten Prädikat „von“ machten die frühen Bessel nur gelegentlich Gebrauch.J. A. Repsold: Friedrich Wilhelm Bessel. In: Astronomische Nachrichten, Band 210, 1919, S. 11 f.

Heinrich Bessels Mutter Anna war eine Tochter des Mindener Geheimen Rats und Kanzlers Heinrich Bulle (um 1545–1597),Matrikelportal Universität Rostock: Immatrikulation von Henricus Bullius; "Bulle, Heinrich" in Hans Friedl (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Oldenburg 1992, S. 101. (PDF) dessen Vater Moritz Ratsherr zu Minden war.Personenstammblatt Heinrich Wilhelm Bulle (abgerufen am 2. November 2019) Das mehrteilige Sandsteinepitaph für Heinrich Bulle, des Großvaters mütterlicherseits, befindet sich in der Kirche St. Martini in Minden.Stadt Minden, St. Martini, Epitaph des Heinrich Bulle (abgerufen am 3. November 2019).

Heinrich Bessels Schwester wurde 1624 in das evangelische adlige Damenstift Walsrode aufgenommen, das 1626 von Tillys Truppen geplündert wurde.Archive in Niedersachsen und Bremen: NLA HA Celle Br. 49 Nr. 347 - Aufnahme der Tochter des Mindenschen Kanzlers und Rats Johann Bessel in das Kloster Walsrode (abgerufen am 7. November 2019). Sein älterer Bruder Christian Bessel (1601–1641), Burgmann und Herr zu Drakenburg und Petershagen, war schwedischer und braunschweig-lüneburgischer Obrist, Kommandant von HamelnBernd Warlich: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen: Bessel, Christian (abgerufen am 7. November 2019). und in Nachfolge des Vaters Drost von Liebenau, ab 1636 verheiratet mit Leveke von Münchhausen (1616–1675),Johann Diederich von Steinen: Versuch einer Westphälischen Geschichte, 2. Teil, Lemgo 1755, S. 647. einer Tochter des Gutsbesitzers Ludolf von Münchhausen (1570–1640), die ab 1627 im Stift Fischbeck erzogen worden war.Niedersächsische Ordenshäuser und Stifte, 2009, S. 170.

Wirken Auf Grund väterlichen Erbes war Heinrich Bessel Erbsasse zu PetershagenEntscheidungen des Königlichen Ober-Tribunals, Band 3, Berlin 1838, S. 28 ff. und Uchte in Westfalen. Das väterliche Gut zu Drakenburg hatte er hingegen nicht besessen. Nach juristischem Studium war er Respondent an der Universität Marburg. Dort war er ab 1626 auch Dozent. 1628 begab er sich auf Reisen. 1631 wurde er zum erzbischöflich bremischen Hofrat zu Bremervörde ernannt.Urban Friedrich Christoph Manecke: Biographische Skizzen von den Kanzlern der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, Lüneburg 1823, S. 17 f.

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte ab 1633/34 der Bruder von Herzog Christian, des vormaligen Administrators des Hochstifts Minden, nämlich Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, die vom schwedischen König Gustav Adolf bereits 1631 militärvertraglich zugesicherte sowie faktische Landesherrschaft im Hochstift Minden inne, nachdem er als schwedischer Feldherr durch militärische Erfolge das Territorium von den kaiserlich-katholischen Truppen erobert hatte. In Minden hatte er als kriegsrechtlicher Landesherr eine eigene, braunschweig-lüneburgische Landesregierung eingesetzt. Der promovierte Jurist Heinrich Bessel war braunschweig-lüneburgischer Geheimer Rat und Kanzler zu Minden 1635. Im April 1636 setzten die Schweden Georg ab und machten Minden zu einem schwedischen Territorium.Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. Neustadt an der Aisch 2013, S. 348 f.

Es erfolgte im Frühjahr 1636 die Bildung einer schwedischen Landesregierung des Territoriums Minden. Dieser stand Heinrich Bessel von etwa 1644 bis zur Auflösung dieser Regierung 1649 als Geheimer Rat und Kanzler vor. Da die Stelle des Superintendenten seit 1632 noch immer unbesetzt war, setzte er sich seit 1645, zusammen mit seinen Regierungsräten, beim schwedischen Gouverneur Gustaf Otto Stenbock dafür ein, dass die Stelle des Landessuperintendenten wieder besetzt werde, worauf Stenbock im Frühjahr 1646 seinen Feld- und Hofprediger Julius Schmidt, der ihm von Bessel empfohlen worden war, mit der Stelle betraute.Hans Nordsiek: Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. Neustadt an der Aisch 2013, S. 65.

Ab 1648 war Heinrich Bessel Rat des neuen Fürsten zu Minden, des Großen Kurfürsten von Brandenburg, sowie Dompropst des Stifts St. Blasii in Braunschweig (1649–1671). Ebenso war er Rat in Diensten des Hauses Oldenburg, wie zuvor unter anderem schon sein Schwiegervater Erich Hedemann und sein Großvater Heinrich Bulle. 1650 wurde Bessel zum herzoglich braunschweig-lüneburgischen Kanzler des harburgischen Landesanteils des Fürstentums Lüneburg bestallt. Er bezog das Kanzlerhaus in Harburg als Dienstwohnung, welches nach dem Harburger Schloss das ranghöchste Gebäude in Harburg war. Von hier aus wurde Harburg und Umgebung seit 1642 durch einen Kanzler der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg verwaltet.Stiftung Denkmalpflege Hamburg: Kanzlerhaus Harburg (abgerufen am 7. November 2019). Bessel war stetig darauf bedacht, in Harburg den Handel zu heben, und so kam 1661 unter seiner Mitwirkung ein Handelsvertrag zwischen dem Haus Kurbrandenburg und dem braunschweig-lüneburgischen Fürstenhaus zustande.Vaterländisches Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen, 1821, S. 116 ff. Das Kanzleramt legte er 1667 nieder und starb 1671 in Braunschweig.

Familie mini|Sohn Anton Bessel (1646–1701), um 1678 als Gesandter zum Frieden von Nimwegen Heinrich Bessel vermählte sich am 1. Advent 1630 in Petershagen mit Anna (von) Hedemann aus dem Hause Dorste, einer Tochter des Kanzlers des Fürstentums Lüneburg, Erich Hedemann (1567–1636). Ihre Schwester Maria (von) Hedemann (1622–1670) war mit dem Generalquartiermeister und Obristen Hieronymus (von) Bessel († 1664/65) verheiratet,Johann Wilhelm Franz von Krohne: Allgemeines Teutsches Adels-Lexicon, Band 1, Teil 2, Hamburg 1776, S. 100. ab 1645 Herr auf Gut Bordenau (das später in den Besitz derer von Scharnhorst kam).Werner Besier: Das Scharnhorst-Gut Bordenau , 2016, S. 1 f.; Staatsarchiv Hannover: NLA HA Hann. 91 Kuntze mini|Herrenhaus auf Gut Bordenau, erbaut um 1650, Geburtshaus des Gerhard von Scharnhorst Aus Heinrich Bessels Ehe gingen sieben SöhneChristian Georg von Bessel: Neuer politischer Glücksschmied, Frankfurt 1681 (Digitalisat). und mehrere Töchter hervor, darunter:

Christian Georg von Bessel (1636–1688), Erbsasse auf Petershagen, Schriftsteller,Ursula Geitner: Die Sprache der Verstellung, Tübingen 1992, S. 75 ff. Jurist, ab 1671Otto Brunken: Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1570 bis 1750., 2017, S. 1098. kurbrandenburgischer Rat und Domherr der Stiftskirche Havelberg.Christian Georg von Bessel: Neuer politischer Glücksschmied, Frankfurt 1681, S. 439.

Eine Tochter Heinrich Bessels war mit dem herzoglich württembergischen Rat Heinrich Grave zu Harburg verheiratet, der auch der Bruder der Gattin von Christian Georg war.

Anton von Bessel (1646–1701), ebenfalls Erbsasse zu Petershagen, der erst herzoglich mecklenburg-schwerinscher Hofrat und Gesandter zur Friedenskonferenz von Nimwegen, dann herzoglich anhaltischer Geheimer Rat und Kanzler des Stifts QuedlinburgTeresa Schröder-Stapper: Fürstäbtissinnen: Frühneuzeitliche Stiftsherrschaften, 2015, S. 223. wurde.

Heinrich von Bessel, der 1668 als Hauptmann in venetianischen Kriegsdiensten gegen die Osmanen fiel, bei einem Ausfall während der Belagerung von Candia.Johann Christoph Adelung: Fortsetzung und Ergänzung zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinen Gelehrten-Lexico, Leipzig 1784, S. 1798. Heinrich war über seinen Sohn Anton ein Vorfahre von König Willem-Alexander der Niederlande. Anton war der Vater von Anna Elisabeth von Bessel, der Ehefrau von Rudolph Culemann. Anna war die Mutter von Friedrich Wilhelm Culemann. Friedrich war der Vater von Helene Anna Wilhelmine Culemann, die Carl Benjamin von Salviati heiratete und die Mutter von Peter Heinrich August von Salviati war.

Ehrungen 1914 wurde die Besselstraße in Hamburg-Wilstorf nach Heinrich Bessel benannt.Rita Bake: Ein Gedächtnis der Stadt. Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken in Hamburg. Band 3. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2017, S. 160.

Literatur Gisela Babnik: Bessel, Heinrich, Dr. jur., Prof. In:

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