St. Jakob, inoffiziell häufig so wie die örtliche Pfarre St. Jakob ob Gurk genannt, ist ein Kirchdorf in der Gemeinde Straßburg im Bezirk St. Veit an der Glan im Kärntner Gurktal. Die Ortschaft liegt auf einem Hochplateau in rund 1000 Meter Seehöhe zwischen Gurktal und Metnitztal und ist von der Gurktal Straße (B 93) aus auf Gemeindestraßen von Straßburg und von Gurk erreichbar. Der Ort hatte durch die Pfarrkirche St. Jakob ob Gurk und als Volksschulstandort eine zentralörtliche Funktion für die umliegenden Ortschaften Bachl, Gassarest, Lees, Mitterdorf, Pölling und Schneßnitz.
Ortsstruktur Während die Zersiedelung in Kärnten allgegenwärtig ist, gibt es im Weiler St. Jakob keine Neubauten. Die Siedlungsstruktur ist seit Jahrhunderten nahezu unverändert. Durch Veränderung der Wirtschaftsform reduzierte sich seit 2007 sogar die Anzahl der Gebäude, da dem Verfall preisgegebene landwirtschaftliche Nebengebäude wie Mühlen, Scheunen und eine Schmiede abgetragen wurden.
Das Zentrum des Ortes ist der seit 2021 unter Denkmalschutz stehende Gutshof Jakober oder Zechner (Sankt Jakob 1), wo früher neben der Landwirtschaft auch ein Gasthaus geführt wurde. Er wird gegenwärtig von keiner Bauernfamilie mehr bewohnt. Der Hof wurde in den späten 1980er Jahren um ca. 10,5 Millionen Schilling verkauft. Der Gutshof hat ein zusammenhängendes Flächenausmaß von 118 Hektar (ha), wovon ca. 45 ha landwirtschaftliche Nutzflächen (Grünland und Äcker) und 71 ha Wald in unterschiedlichen Altersklassen sind. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen östlich des Ortes. Im westlichen Mühlbachgraben liegen Waldgrundstücke. Die Topografie wird als strukturell sehr gute Mischung abwechslungsreicher Biotope als Wildlebensraum mit zwischen den Waldgebieten Grünflächen und biologisch bewirtschafteten Ackerflächen beschrieben. Die Besitzgröße liegt knapp über der im Kärntner Jagdgesetz festgelegten Mindestgröße für eine Eigenjagd mit 115 ha.
Unmittelbar neben dem Hof liegt die römisch-katholische Pfarrkirche St. Jakob ob Gurk (Sankt Jakob 3) mit Friedhof. Gegenüber steht der frühere Pfarrhof (Sankt Jakob 6). mini|links|Ortsbild um 1988, noch mit vielen Nebengebäuden
St. Jakob hat eine ungewöhnliche Dorfform. Um 1828, bei der ersten Grundbuchserstellung, der Franziszeische Landesaufnahme bestand der Weiler aus einer Kirche mit Pfarrhaus und Küsterhaus und der (neuen) Volksschule. Der dominierende Bauernhof ist der Zechner (Jakober) mit seinem Stadl und seinen vielen Nebengebäuden im rechten Teil des Dorfes. Links unter Kirche war der Tramegger Stadl und Haus (Haberhaus), später vom Zechner aufgekauft. An dieser Gebäudestruktur hat sich bis heute wenig geändert. Durch den homogenen Grundbesitz und den Verkauf des Hofes um 1988, er wird seither von keiner Bauernfamilie mehr bewohnt, kam es zu keinen Neubauten durch Erbteilungen. Nur die Nebengebäude wurden abgetragen und eine Mehrzweckhalle errichtet.
mini|links|Nördliche Ansicht In den 1930er Jahren war St. Jakob zu Straßburg eine Art ideales Dorf. Es gab zwei Landwirte, einer davon auch Gastwirt, einen Pfarrer und einen Messner, der zugleich auch Schuster war sowie eine Lehrerfamilie. Der Ort war das Zentrum für die umliegenden Gehöfte von Bachl, Gassarest, Lees, Mitterdorf, Pölling und Schneßnitz.
Lage und Wirtschaft mini|Ortsstruktur 1828 auch 2019 noch nahezu unverändert St. Jakob liegt auf der Nordseite des mittleren Gurktales am Mödringbergzug in den Gurktaler Alpen. Der östlich gelegene Zufahrtsweg von der Gurktalstraße zweigt nach der Ortschaft Straßburg bei Lieding ab und führt über St. Peter ob Gurk und Mitterdorf zum Ort. Der westliche Weg zweigt knapp vor Gurk ab und führt über Glabötsch nach St. Peter in das Hinterland von Gurk. Beide Wege sind jeweils ca. 7 km lang.
Der Ort, auch St. Jakob bei Gurk oder St. Jakob bei Straßburg genannt, liegt in der Katastralgemeinde Straßburg Land (KG-Nummer 74410) und gehört zur politischen Gemeinde Straßburg (PG-Nummer 20530) im Bundesland Kärnten. Das historische Grundbuch und die Urkundensammlung dieser KG sind im Kärntner Landesarchiv. Neuere Dokumente ab 1979 sind im Bezirksgericht St. Veit an der Glan. Das zuständige Vermessungsamt ist in Klagenfurt. Die Postleitzahl ist 9342 (Gurk), die Ortskennziffer (OKZ) 01732.
St. Jakob erlebt seit den 1950er Jahren einen starken Bedeutungsverlust. Die durch das Aufkommen des Individualverkehrs veränderte Mobilität machte das über Fußwege gut erreichbare Kirchdorf bedeutungslos. Im Zusammenwirken mit dem starken Rückgang der Geburten sowie dem gestiegenen Wohlstand führte dies zuerst zum Schließen des Gasthofs und Anfang der 1970er Jahre zur Sperre der Schule. Es gibt auch keinen Priester mehr im früheren Pfarrhof. Für einen Messner (Küster) ist schon lange nicht mehr genug Arbeit. In der Ortschaft gibt es nur eineAmt der Kärntner Landesregierung, Landesstelle für Statistik: Kärntner Ortsverzeichnis. Gebietsstand 1. 1. 2014. Klagenfurt, 2014. Arbeitsstätte (Stand 2011; 2001: 0Statistik Austria (Hrsg.): Ortsverzeichnis 2001 Kärnten. Wien 2004. 124. und zwei land- und forstwirtschaftliche Betriebe (Stand 2001)).
Seit jeher ist der Ort rein landwirtschaftlich geprägt. Sämtliche Betriebe sind als Bergbauern eingestuft. Das Zentrum ist der Gutshof vulgo Jakober (früher Zechner), zu dem der Großteil der Wiesen und Wälder im Umfeld mit einer Eigenjagd gehören. Der Betrieb ist ein Bio-Produzent. Gegenwärtig dominiert die reine Tierproduktion. Es gibt Rinder in Freilandhaltung. Unweit des Ortes befinden sich zwei Geflügelfarmen.
Geologie Die Gurktaler Alpen bestehen im Wesentlichen aus drei Tektonische Decken: zu tiefst die „Glimmerschiefer-Decke“, darüber die „Murau-Decke“ und oben die „Stolzalpen-Decke“. Die tiefste dieser Decken besteht in erster Linie aus Granatglimmerschiefern, die mittlere aus „Grünschiefern“ (umgewandelte vulkanische Gesteine), aus „Phylliten“ (umgewandelte tonige Ablagerungen) und Marmoren (umgewandelte Kalke), alles ursprünglich etwa 500 bis 400 Millionen Jahre alte Bildungen. Die höchste, die oberste Decke, die Stolzalpen-Decke, besteht aus ursprünglich etwa gleich alten Gesteinen, die aber weniger stark umgewandelt sind und die heute als Tonschiefer, „Meta-Vulkanite“ und Kalke vorliegen.
Die Gesteine der „Glimmerschiefer-Decke“ (auch „diaphthoritische Glimmerschiefer“) treten z. B. in der nächsten Umgebung von Straßburg auf und erstrecken sich von da bis in die Nähe von St. Jakob, nämlich in die tiefsten Lagen von Schneßnitz (Solderniggraben, Höfe vulgo Gerolter und Tschnutnig). Die Gesteine der höchsten Decke, der Stolzalpen-Decke treten z. B. bei Weitensfeld auf (nördlich, westlich und südlich davon) und kommen am Holzerriegel (bei Zweinitz) St. Jakob am nächsten.
Die Gesteine von St. Jakob und seiner nächsten Umgebung gehören der „Murau-Decke“ an. Es sind in erster Linie Grünschiefer und Phyllite, letztere ziemlich dunkel, ja schwarz, sog. Graphitphyllite. Aus Grünschiefern wird die Ortslage St. Jakob selbst (um die Kirche herum) inklusive des Rückens ca. 300 m östlich davon, der Bereich um Hannebauer / Pratz und der obere Teil von Schneßnitz (ob Reibnegger und Modl) aufgebaut. Graphitphyllit erstreckt sich von vlg. Frießer nach Nordwesten sowie westlich, nordwestlich und nördlich von Schneßnitz (Salzerkopf, Salzer). Nördlich und nordöstlich von St. Jakob (hauptsächlich in der Ortslage Schneßnitz) werden die genannten Gesteinseinheiten von mehreren (ca. 5) Nordwest—Südost verlaufenden Verwerfungen durchschnitten. Parallel dazu treten Quarzgänge auf: 300 m östlich St Jakob und 100 m nördlich von Frießer. Einen Großteil der Flächen in und um St. Jakob nehmen „ganz junge“ (jünger als 1 Mill. Jahre) Verwitterungsbildungen und Schuttbedeckungen ein.
Bevölkerung St. Jakob (Dorf) hat Einwohner (Stand ). Die Anzahl der Hofstellen und Häuser ist in St. Jakob über Jahrhunderte stabil und hat sich auch in der Nachkriegszeit nicht erhöht. Das Maximum an Bewohnern wurde in der Zwischenkriegszeit erreicht. Damals gab es alleine beim Jakober rund zehn Landarbeiter. Die Bauernfamilien hatten noch viele Kinder und später, während des Zweiten Weltkriegs lebten in der Landwirtschaft mithelfende Verwandte beim Jakober.
Höfe / Häuser / Haushalte und Einwohner 1258 bis 2021 1258 1857 1869 1880K. K. Statistische Central-Commission (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 31. December 1880. Alfred Hölder, Wien 1882. S. 54. 1890K. K. Statistische Central-Commission (Hrsg.): Orts-Repertorien der im Österreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Neubearbeitung auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. December 1890. V. Kärnten. Alfred Hölder, Wien 1894. S. 55. 1900K. K. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Neubearbeitung auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. December 1900. V. Kärnten. K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1905. S. 74. 1910Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium der Österreichischen Länder. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. V. Kärnten. Verlag der Staatsdruckerei, Wien 1918. S. 37. 1923Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Ortsverzeichnis von Österreich. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 7. März 1923. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1930. Abschnitt Kärnten, S. 15. 1934handschriftlicher Nachtrag im Ortsverzeichnis 1923 (Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Ortsverzeichnis von Österreich. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 7. März 1923. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1930.) mit der Signatur II 28238 der Universitätsbibliothek Klagenfurt. Abschnitt Kärnten, S. 15. 1951 1961 1971 1981 1991 20016 Gebäude (davon 6 mit Hauptwohnsitz) mit 5 Wohnungen und 4 Haushalten; 9 Einwohner und 4 Nebenwohnsitzfälle. Statistik Austria (Hrsg.): Ortsverzeichnis 2001 Kärnten. Wien 2004. 124. 2011 2021Höfe / Häuser / Haushalte 9 5 5 5 6 7 6 6 6 5 6 6 6 6 5 5Einwohner 29 40 36 33 47 39 46 48 41 25 19 15 11 9 7 8Einwohner pro Haus 6 8 7 6 7 7 8 7 5 3 3 2 2 1 2
Geschichte Frühzeit & Karantanien Prähistorische Funde in Kärnten lassen auf eine frühe Besiedlung des Landes schließen. Die hallstattzeitlichen Bewohner wurden vermutlich durch Zuwanderung von Kelten aus Südwestdeutschland und Ostfrankreich assimiliert. Eine erste namentliche Stammeszuordnung ist ab dem 3. Jh. v. Chr. zu den Norikern, ursprünglich ein Teilstamm der Taurisker, möglich. Die Annahme, dass Illyrer in Kärnten gesiedelt hätten, gilt als überholt. Aus der vorrömischen Zeit sind Berg- und Flussnamen trotz Romanisierung, Slawisierung oder Eindeutschung mit indogermanischen Wortwurzeln erhalten geblieben. Das ist auch bei der Gurk der Fall, indogermanisch kr-k-ā (die Sumpfige), slowenisch KrKa (die Gurgelnde), althochdeutsch Gurka. Ab ca. 200 v. Chr. gehörte die Gegend zum norischen Unterstamm der Ambidravi, der „Beiderseits der Drau Wohnenden“.
Eine Besiedlung der Hochfläche von St. Jakob spätestens in römischer Zeit ist wahrscheinlich. Der Ort ist nur eineinhalb Gehstunden von der Römerstraße, die durch das Gurktal führte, entfernt. In Gurk sind etliche Fragmente von römischen Gräbern, durchwegs als Bausteine für den Dom zu Gurk und das Kloster belegt.