Nörten-Hardenberg (ostfälisch Nörten-Harenbarg) ist ein Flecken im Landkreis Northeim in Niedersachsen (Deutschland).

Geographie Nörten-Hardenberg liegt am westlichen Ausläufer des Nörtener Walds im Tal der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Leine und grenzt im Süden an Bovenden und im Norden an Northeim; Im Westen liegt Hardegsen und im Osten Katlenburg-Lindau. Göttingen befindet sich 10 Kilometer südlich. Etwa 20 Kilometer nordwestlich liegt der Solling, etwa 30 km nordöstlich beginnt der Harz.

In Nörten-Hardenberg bzw. seinen Ortsteilen münden diese Fließgewässer in die Leine: Harste (bei Parensen), Weende (bei Angerstein), Espolde (bei Lütgenrode) sowie Bever und Rodebach (jeweils bei Nörten-Hardenberg).

Fleckengliederung Der Flecken Nörten-Hardenberg ist eine Einheitsgemeinde und besteht laut Hauptsatzung aus folgenden Ortschaften:

Geschichte Die Besiedlung des Gebiets um Nörten-Hardenberg reicht, wie Scherbenfunde belegen, etwa bis in die Eisenzeit zurück. Im frühen 8. Jahrhundert wurde die Region von Mainz aus christianisiert, was auch damit zusammenhing, dass der Ort im damaligen Nordgau oberhalb des Leinegaues, eine günstige Ausgangsposition für die Zwecke der Missionierung bot. Weiterhin begünstigte die Lage an der Gabelung der mittelalterlichen Harster Heerstraße und der Leinetalstraße die bereits frühe Ausbildung eines Jahrmarktes. In der Mitte des Jahrhunderts wurde der Grundstein der Pfarrkirche St. Martini gelegt. Auf der Nordseite der Kirche fanden Archäologen im September 2014 Knochenreste von früheren Bestattungen oder Umbettungen. Zudem fanden die Wissenschaftler unter dem ehemaligen Altarraum einer Vorgängerkirche die Stiftskrypta Nörten.Aus HNA.de vom 22. September 2014: Archäologen finden Knochen und eine Krypta in Nörten-Hardenberg

Zwischen 800 und 1000 wurde eine Burganlage im Leineholz bei Nörten errichtet. 995 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 60 Jahre später kam es zur Gründung des St.-Peter-Stiftes. 1098 und 1103 hielt sich Erzbischof Ruthard von Mainz in Nörten auf. Während dieser Zeit wurde die Burganlage ausgebaut, die nach ihrem Umbau 1105 erstmals urkundlich erwähnt wurde, sowie das Archidiakonat Nörten konstituiert. Es reichte um 1500 über Einbeck hinaus, im Westen wurde es vom Solling und zwischen Lippoldsberg und Hann. Münden von der Weser begrenzt. Im Süden bildeten sodann die Orte Hedemünden, Friedland, Rustenfelde und Etzenborn die Begrenzung. Zwei Jahre zuvor wurde das Kloster Steina (später Marienstein) gegründet. Nörten war als Archidiakonat das Verwaltungszentrum der Region. Die Burg wird 1287 vom Mainzer Erzbischof an die Dynasten von Hardenberg und von Rosdorf verpfändet. 1303 geht der gesamte Gerichtsflecken an die Familie von Hardenberg. 1346 wird der Ort samt Stift komplett zerstört. 1357 treten die Herren von Hardenberg als Eigentümer der Burg auf. Nörten wird 1360 vom Erzbischof Gerlach von Mainz mit der Erlaubnis Kaiser Karls IV. zur Stadt erhoben und mit den Frankfurter Stadtrechten ausgestattet, gleichzeitig erlaubte er auch den Bau einer Stadtmauer. Doch wurde die Stadt bereits 1365 wieder zerstört. Zwischen den Jahren 1369 und 1389 fand wahrscheinlich der Ausbau der Marktsiedlung statt. Gefördert wurde dieser Umstand durch die Abgabe von Marktgefällen und der Erhebung von Zollgebühren, da Nörten wesentlich von seiner Lage an den bereits erwähnten beiden Straßen profitierte. Dies mag auch die Ursache dafür sein, dass Impulse des Fernhandels sich wesentlich stärker auf die Infrastruktur des Ortes auswirkten als etwa die Gründung des Archidiakonats.

Das 15. Jahrhundert war für Nörten gekennzeichnet durch Fehden und weitere kriegerische Auseinandersetzungen, die auch dazu beitrugen, dass sich der Ort nicht wieder zur Stadt entwickeln konnte. Unter diesen Fehden befand sich auch jene, an der Herzog Wilhelm von Sachsen teilnahm. 1447 zog er mit einem großen Heer, in welchem sich viele Hussiten befanden, nach Soest, das mit dem Erzbischof von Köln in Fehde lag, und berührte dabei auch das Fürstentum Göttingen. Berichten zufolge lag Wilhelm drei Tage vor dem Hardenberg, ohne die Burg jedoch angegriffen zu haben. Bevor die Truppen aufbrachen und weiterzogen, brannten sie Nörten nieder. Eine weitere Fehde ereilte den Ort während der Auseinandersetzungen 1485 zwischen Bischof Bertold von Hildesheim und der Stadt Hildesheim. Bertold fand Unterstützung bei Herzog Wilhelm von Braunschweig und dessen Sohn Heinrich, die Bürger Hildesheims wiederum fanden Beistand bei den Städten Einbeck, Northeim und Göttingen. Heinrich von Hardenberg schloss sich den Herzögen an und hatte somit die Stadt Göttingen zum Feind. Während der Fehde brannten Lütgenrode und Bishausen ab, Nörten wurde 1486 während der Belagerung der Burg von den eigenen Einwohnern angezündet, um damit den anderen Städten zuvorzukommen. Bei weiteren Fehden der Hardenberger wurde der Ort fast immer zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen, was eine stetige Entwicklung des Ortes hemmte.

Zu einer einheitlichen Einführung der Reformation ist es im Gericht Hardenberg nicht gekommen, was an der durch Mainz gestützten starken Position des Petersstifts lag. Als Amtsleute unter Mainzer Oberhoheit agierten die Hardenberger zögerlich. Jost von Hardenberg verstand es, es sich mit keiner Seite zu verderben und unterhielt einerseits Beziehungen zum Reformator Anton Corvinus, der ihm seine Schrift „Wie sich der Adel verhalten solle“ widmete, fungierte andererseits aber von 1554 bis 1557 als mainzischer Oberamtmann des Eichsfeldes in Heiligenstadt. Nach und nach besetzten die Hardenberger die freiwerdenden Pfarrstellen auf den Gerichtsdörfern Bühle und Sudheim aber mit lutherischen Predigern. In Nörten selbst war ein Verlangen nach der Reformation festzustellen. 1568 verfasste das Petersstift einen Beschwerdebrief über die Nörtener Einwohnerschaft und die Hardenberger an den Mainzer Erzbischof. Mainz schaffte es in der Folgezeit vorerst, Nörten wie auch die Kapellengemeinden Bishausen, Elvese und Lütgenrode, die unter der Parochie des Petersstifts verblieben, beim katholischen Bekenntnis zu halten.Walter Jockers: Die Pastoren von Bühle und Sudheim – Teil 1. In: Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Northeimer Jahrbuch 2023 – Zeitschrift für Heimatforschung, Denkmalpflege und Naturschutz, 88. Jg. (2023), ISSN 0936-8345, S. 74–75.

Am 27. Mai 1580 ging über dem Gebiet von Nörten ein Steinhagel nieder, bei dem hier, auf Burg und Schloss Hardenberg sowie in Wolbrechtshausen und Lütgenrode, aber auch in anderen nahen Orten Schaden entstand und Menschen und Tiere verletzt wurden. Dieser wird heute als ein von einer Druckwelle und Hitze begleiteter Meteoritenfall mit Airburst erklärt.

1599 und 1616 kam es zu zwei Großbränden, bei denen erhebliche Teile des Ortes zerstört wurden. Im Jahr 1700 wird die gräfliche Kornbrennerei gegründet. Seit 1717 darf Nörten drei Jahrmärkte abhalten. Mainz erkennt 1744 die Besitz- und Gerichts-Ansprüche derer von Hardenberg in Nörten endgültig an. 1812 kommt es zur Aufhebung des Stiftes. 1851 wird auch das adlige Gericht Hardenberg aufgelöst, und von 1852 bis 1859 war Nörten dann königliches Amt. 1854 wird Nörten als Streckenpunkt der Hannöverschen Südbahn aufgenommen, was dem Ort neue Entwicklungsmöglichkeiten bot. So wurden in dieser Zeit Industriebetriebe angesiedelt, die ehemalige Brauerei entstand, ebenso wurden Fertigungsstätten für Papier und Holzwaren errichtet. Der älteste Betrieb Nörtens bildet jedoch die Branntweinbrennerei, deren Anfänge bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. 1873 wurde eine der größten Zuckerfabriken in Nörten eröffnet. Seit der Verwaltungsreform 1885 gehört der Flecken Nörten zum Kreis Northeim, dessen Amtsgericht in Gerichtssachen zuständig wurde. 1894 wurde die katholische Martini-Kirche neu gebaut, ehe man zehn Jahre später auch eine evangelisch-lutherische Kirche errichtete.

1928/1929 wurden aufgrund des „Gesetz[es] über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts“ der Flecken Nörten mit Marienstein und dem Gutsbezirk Hardenberg zum Flecken Nörten-Hardenberg zusammengefasst. Dieses Gesetz wurde unter dem damaligen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun und seinem Innenminister Albert Grzesinski verabschiedet, um einerseits Gutsbezirke (wie Hardenberg) zu demokratisieren und andererseits Verwaltungskosten durch die Zusammenlegung mehrerer Landgemeinden (wie Marienstein) einzusparen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Nörten-Hardenberg Kriegsschauplatz. Anfang April 1945 hatten US-amerikanische Panzereinheiten Südniedersachsen erreicht. In Nörten-Hardenberg waren vier Panzersperren errichtet worden (im Rodetal, beim Sägewerk Kurre, beim Eiskeller und bei der Burgwirtschaft). Am Mittwoch, 9. April 1945 flogen amerikanische Granaten über Nörten-Hardenberg hinweg. Die Amerikaner standen zu diesem Zeitpunkt nordwestlich in Hardegsen und südlich in Göttingen. In der Nacht auf den 10. April kam es aus nördlicher Richtung zu Artilleriebeschuss. Im Ort befanden sich zwei deutsche Tiger-Panzer, die zurückschossen. Über 200 Granateinschläge ereigneten sich im Westen des Fleckens. Etwa 100 Gebäude, darunter die katholische Kirche und die katholische Volksschule wurden beschädigt. Ein Soldat der Waffen-SS fiel. Die Besatzungen sprengten daraufhin ihre Panzer und setzten sich unter Mitnahme ihres gefallenen Kameraden ab. Die Amerikaner stellten ihr Feuer ein, nachdem sie keinen Widerstand mehr feststellten. In den frühen Morgen des 10. April 1945 besetzten amerikanische Panzer Nörten-Hardenberg.Heinz Meyer: DAMALS – Der Zweite Weltkrieg zwischen Teutoburger Wald, Weser und Leine, Preußisch Oldendorf 1980, ISBN 3-87725-094-7, S. 276.

1947 fand die Wiedereröffnung des Kaliwerks „Königshall-Hindenburg“ im Rodetal bei Reyershausen statt. 1958 kam es zur Einweihung des Autobahnabschnittes der A7 von Nörten bis Northeim als Teil der wichtigen Nord-Süd-Achse. Im Jahr 1987 begann die Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Bondoufle in Frankreich.

In den 1980er Jahren wurde, im Zuge der Errichtung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg, der Bahnhof Nörten-Hardenberg grundlegend umgebaut.

Eingemeindungen Am 1. Februar 1971 wurde die Gemeinde Elvese eingegliedert. Am 1. März 1974 kamen Angerstein, Bishausen, Lütgenrode, Parensen, Sudershausen und Wolbrechtshausen hinzu.

Adelsgeschlechter Die wohl ursprünglich aus Nörten stammende Familie von Nörten ist seit dem Spätmittelalter ausgestorben. Zuletzt waren sie vermutlich im benachbarten Göttingen beheimatet.

Um 1000 werden Vertreter einer eingewanderten edel-freien Familie als Dienstherren des Mainzer Erzbischofs auf seiner Burg bei Nörten beschäftigt. Dieser Familie gelingt es durch eine konsequente Familien- und Herrschaftspolitik, Besitzungen und Rechte im Nörtner Raum zu erwerben. Bald nennt sie sich nach ihrem Dienstort, der Burg auf dem Hardenberg, von Hardenberg.

Noch heute lebt in der Gemeinde eine Linie der Familie von Hardenberg. Dieser Familie entstammten unter anderem ein berühmter Dichter der Frühromantik (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg alias Novalis * 1772; † 1801) ein preußischer Ministerpräsident und Staatsreformer (Karl August von Hardenberg * 1750; † 1822) ein Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 (Carl-Hans Graf von Hardenberg * 1891; † 1958) eine Fernsehmoderatorin (Tita von Hardenberg *1968) ein Spirituosen- und Touristikunternehmer (Carl Graf von Hardenberg).

Politik

Rat Der Rat des Fleckens Nörten-Hardenberg setzt sich aus 22 Mitgliedern zusammen. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Einheitsgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8001 und 9000. Ebenfalls sitz- und stimmberechtigt ist die Bürgermeisterin.

Die Gemeindewahl am 12. September 2021 führte zu folgender Sitzverteilung:

Bürgermeisterin